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Sonntag, 4. Juli 1915.
Morgen- Ausgabe.
Nr. 305° - 65. Jahrgang.
Wettere erfreuliche Fortschritte aus der Südoststont und in Sudpolen.
Der Tagesbericht vom 3. Juli.
W- T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Juli.. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Mißlungener französischer Angriff bei Les Eparges.
Die Franzosen griffen in der Nacht unsere Stellungen nordwestlich von Souchez an. Der Angriff wurde abgewicsen.
Bei Les Eparges mißlang ein durch Hand- granatenjener und Stinkbomben vorbereiteter französischer Angriff.
Die vorgestern auf dem H i l s e n f i r st eroberten Werke gingen gestern wieder an den Feind verlöre n.
ivestlicher Kriegsschauplatz,
Nichts von Bedeutung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unser Vordringen zwischen Gnila-Lipa undZlota- Lipa. — ver Bug zwischen KamionKa und unterhalb Krqloro an vielen Stellen erreicht. — Bte Niederung der LabunKa und des porün deutschem
Besitz. — Auch bei Krasnik Fortschritte.
Nördlich des Dnjestr dringen unsere Truppen unter Berfolgungskämpfen über die Linie Mariam- pol-Narajow-Miasto gegen den Zlota- L i p a - Abschnitt vor.
Sie haben den Bug abwärts vmr Kamionka- Strumilawa bis unterhalb Krylow au vielen Stellen erreicht und sind auch in nördlicher Richtung zwischen Bug und Weichsel in fl-ot-t e-m F-o»rt- schr eiten. Die Mcdernng der L all,« mka und des Por sind, trotzdem der Gegner au einzelnen Stellen noch h«rtna«8gen Widerstand zu leisten versuchte, nunmehr in unserer Hand.
Auch im W y z n i c a - Abschnitt zwischen K r a s - n i k und der Mündung faßten dentsche Truppen auf dem n ö r d l ich e n Ufer Fuß. Zwischen dem linken W e ich s e l u f e r und der P i l i c a ist die Lage im. all- gemrineu unverändert. Ein russischer Gegenstoß südwestlich von Radom wurde abgewiesen.
^ Oberste Heeresleitung.
Der österreichisch, ungarische Tagesbericht
T.-B. Wien. 3. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 3. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Weiteres Vordringen der verbündeten Truppen jkn Dftgalizien. Zamosz^Studzianki undwpznika erstürmt. 4800 Russen gefangen und drei Maschinengewehre erbeutet.
In O»stgalizsien dringen die verbündeten Truppen in der Verfolgung östlich Halicz und über den Narajowka vor und sind nördlich, an- schließend in erfolgreichen Kämpfen auf den Höhen öst- Kch Janrzhn.
Am Bug ist die Liege imverändert.
Zwischen W»erchsiel und Bmg dringen die der^ndcten Truppen unter heftigen Kämpfen stetig vor. Z-am-o-siz wnrde erstürmt. Westlich hiervon wurden die Russen überall über die Porbach-Niederung, die in unserem Besitz ist, geworfen. Der Übergang über dm Bach ist an mehreren Stellen erkämpft. Östlich Krasnik, um das noch gekämpft wird, wurde Studzianki genmumen. Ebenso ist westlich Krasnik der Ort Wyznica erstürmt. Auch hier ist der Feind vom südlichen Ufer der Wysnrca überall zurück- geschlagm und nördlich des Baches schon an einigen Stellen geworfen. Am Porüach und bei Krasnik wurden gestern 4800 Gefangene und 3 Maschinengewehre ringebracht. ,
Östlich der Weichsel Geschützkämpfe.
Italienischer Kriegsschauplatz:
Erneute schwere Niederlagen der Italiener.
^ Der gestrige Tag brachte den Italienern an der kustenländischen Front eine neue Nieder- l a g e. Stach umerlichen Vorstößen bei S a c r a d o und Polazzo begann gegen Abend wieder ein von min- destms zwei Infanteriedivisionen geführter Angriff «Aen dm Abschnitt des Doberto-Plateaus dott Polazzo «« zum Monte Coisich. Unsere kampfbegeistertcn Awptzen schlugen den Feind wie immer überall zurück, ^eine Verluste waren auch gestern schwer.
Ein gogm dm Görzer Brückenkopf südwestlich des Monte Sabotino eingesetzter feindlicher Angriff wurde
gleichfalls blutig abgewiesen. An der Kärntner Grenze wurde in den letzten Tagen um den Großen Pal (östlich des Plöckenpasses) gekämpft. Der Berg blieb schließlich in unserem Besitz. Im Tiroler Grenzgebiet fanden stellenweise Geschützkämpse statt.
Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Rußland und öle Kriegslage.
D,er Erlaß des Zaren an den Ministerpräsidenten Goremykin beweist -gerade, indem er es zu verschleiern sucht, das starke Anwachsen der inneren wie äußeren Schwierigkeiten in Rußland. Die Forderung aller Parteien, daß die Duma möglichst -bald enrberufen werde, wird zwar in dieser Form nicht erfüllt, aber spätestens int A mgu-st sollen Duma und Roichsrat doch MMumeutreteu. Das ist ein Kompromiß, bei den: die Regierung sozusagen das Gesicht wahrt, in der Sache gibt sie nach. E i g e n t. lich ist dieDuzna schon seit eisiger Zeit versammelt; sie tagt freilich nicht von Rechts wegen, jedoch die F r a k- tionen halten in: Tmrrischen Palast regelmäßig ihre -Sitzungen ab, nicht bloß vereinzelt, sondern mit gegenseitigen Rärssenbesuchen. Nachdem die Regierung diese Zusammenkünfte im Dumagebänide selber untersagt hat, wurden sie in der Wohnung des Duma- prä-sidenten fortgesetzt. Der Zar hat s«h denn also in die Notlage schicken und die WioöererMnumj der Tagung zusagen muffen. Nun kann es aber gewiß nicht geraten sein, aus diesen Vorgängen zu folgern, daß in Rußland 'bereits der Wille zunr Kriege zu wa n k'e n beginne. Wie brauchen die Schwierigkeiten, in die das Zarenreich durch die üctte unserer Siege versetzt worden ist, nicht zu unterschätzen, aber wir 'dürfen auch nichst schließen, daß schon der Amfang vom Ende da fei. Die,Ur!ztffvieLM^i-t der Parteien mit der KriegMwung, der Zorn üLer d« erlittenen Niedechagen, der Ünuiut über die (Äockung des lvirt- schaftlichen Lebens, die Sorge vor einer bedrohlichen Lahmlegung aller tvirifchaftlich-en Kräfte, all das reicht offenbar nicht hin, uni den Entschluß zum F r i-e d e n aufkommen zu lasten, sondern wir müssen damit rechnen^ >daß Itußlautz echemso wie seine. Beribünderen Willens ist, jetzt exäft riecht die gw ößchem A n - -streng u-nmem zu unserer NrederKsrnguug zu- machen. Diche ErWrung kann asch für um s.nnr -von -Nu'tz-em sein; sie fegt die schwächenden Hoff- nungen hiu-w-eig, mit derccm sich nach den großen Eveigniffen aus dem östlichen -Kriegsschauplatz ein Teil der öffentlichen. Meinung auch in Deutschland getragen hat, als winke-bereits die-Stunde, wo ruffische-Friööens- darbiclun-Mn kommen werden. Sie werden noch lange nrchtckonrmen, ebenso we»ig"wie entsprechende Anregungkn -Englands und ^Frankreichs, und inAnep wieder muß man sagen, daß diejenigen, die ein.baldr-ges Ende des Krieges erwarten, den Sin n -des u ng e - heur'em Ringens noch immer nicht verstanden l-ab-en. Rai ß l and i st g e s ch tagen, aber nicht vernichtet. Me es im W e che n ^ steht, wissen wir alle; der Krieg z-wi-fchen Italien und Lfterreich- Ungarn ist erst in der E-n tw-irkllmn.g begriffen; au lden D.a r d am c tl e-n -geben -sich die Ängvckfer noch -nicht besiegt, und toelche Nolle die »B -a lskerm sta a t e n übernchmen werden, ist noch nicht entschieden. Frei- lich hat sich die Wage überall zu unseren Gun- st en gesenkt, jedoch nicht so tief., daß die Feinde nicht glaube-ri könnten, -sie -hätten noch Schwergewichte zur Verfügung, mit denen sie den Ausgleich herzustellen vermöchten. Sie werden sich täuschen, diese Gewißheit haben wir Deutschen, aber .zunächst leben sie von ihren Hoffnungen, und dieser Zustand kann noch lange dauern. Der Umschwung wivd allerdings, da er doch einural kommen muß, Wohl an der russischen und nicht an der Westfront eintreten. Das spricht auch für -die nichtfachmännischen Beurteiler deutlich aus der Gesamtlage des Krieges heraus. Wir möchten hier aber doch noch ansügen, was ein so guter Kenner wie Dr. Hans -Delbrück in den „Preußischen Jahrbüchern" neuerdings zu sagen hat. Wie kraftlos die russische Heer-esmacht bereits ist, zeigt sich für diesen Betrachter besonders ja auch darin, daß sie nicht imstande gewesen ist, die Deutschen aus deur in Besitz genommenen Teil von Litauen und Kurland zu vertreiben. Wie stark die deutsche Heere-s- macht auf diesen: Flügel ist, weiß man nicht — aber, ob stark oder schwach, ans joden Fall ist die Erscheinung, daß sie nun acht Wochen sich auf -diesem: Boden hält, eine nicht weniger bedeutsame Erscheinung als der Sieg in Galizien. 5denn sind wir dort i-m Norden nur schwach, so zeigt das die vollendete Schüväche der Russen: sind wir aber stark, so zeigt es, welche ungeheuren Massen wir dauernd im
Felde zu -halten vermögen. Delbrück fährt fort: „Trotz ihrer so viel größeren Bolksrnasfe sind die Russen nicht imstande, es uns darin -gleichzutun. Nach ihren enormen Verlusten an Gefallenen und Gefangenen besteht ihr Heer jetzt zu einen: sehr -großen Teil, außer der Landwehr, aus den erst im Laufe des Krieges neu ausgehobenen Rekruten. Das ist natürlich bis auf -änen gewissen -Grad auch bei uns der Fall, aber es ist ein dreifacher Unterschied. Erstens sind unsere Verluste, trotz der Kämpfe auf zwei Frmrten, doch er- Heblich geringer. Zweitens sind die Russen nicht imstande, :uit den Mitteln ihrer Industrie, auch Augerechnet, was sie über Archangel oder über -Sibirien aus Japan und Amerika beziehen, die entsprechenden Massen a u s z u rü st e n, sie mit Gewehren, Geschützei: und Muuitiori zr: versehen; vielfach werden die Rekruten zunächst mit Stöcken a::s- exerziert und erhalten die Gewehre erst, wenn es ins Feld geht. Endlich drittens kann man aus deutschen Rekruten schon in einigen Monaten brauchbare Soldaten machen, aber nicht aus -den stumpfen russischen Muschiks. Durch die Besetzung von L ich a u ist es jetzt möglich geworiden, zuverlässige Nachrichten über die Zustände in: Inneren Rußlands M gewinnen, und sie stimmen alle darin überein, daß dw Verwirrung in der Verwaltung und die Stillegung des Wirtschaftslebens bereits, einen kaum noch erträglichen Grad erreicht haben."
Die Revolution in Rußland nicht mehr aufzuhalten.
Schilderungen begüterter russischer Flüchtlinge.
Dr. Bnkareit, 3. Juli. (Eig. Dr-ihtberickt. Ktr. Mn.f Die Berichte der mtf der Flucht hier durchDvis-en-den begüterten Russen sind wenig geeignet, für dre Besiegten v o n L e ni b e r g S t i -nr n: n- n g zu machen. Darnach h-all man :n Rntziind ganz allgeniein die Armee für vokl'ständ-ig geschlafen und ist MerJMgt, daß die Revolntio-n, die bereits auf Westfibirien üüenge ei f t, nicht mehr au^ulhalten.sei. In-den Häsen der. nusii- schen Schwarzmeerküst: herrsche vollkom««ne Anamchie. Seit dem: 'Fall von Leinberg weilt die Schwarz meerslotte fast ständig »ms hoher See, da :n mehreren HaserqSäHen ans die Schisse geschossen wurde. In Kiew pro-Aamierte ein ansrühr er:sches Manifest die Befreiung der Ukraine. In verschiedenen Bezirken erheben -sich die Bqnern -und^lMmnten die .Gnts-Hüfe nieder.
~ ' Ium Verlust des „Albatrotz".
Der bei einem Kampf mit ruffischen Panzerkreuzern, wie in der Abend-Ausgabe gemeldet, vernichtete ..Albatros" ist kein K-ampfschifh sondern ein Minenschiff, dessen Bestimmung in erster Linie im Legen von Minen besteht. Die Schiffe haben überhaupt kaum Gefechtswert, da sie für Spezialzwecke gebaut sind. Wrc hatten nur drei Mlnen- schiffe, den älteren „Pelikan", und die beiden „Nauticus" aus dem Jahre 1908 und „Albatroh" aus dem Jahre 19Ü3. Das jetzt verloren gegangene Schiff hatte 2200 Tonnen Raumirchalt, 20 Seemeilen Geschwindigkeit, er war mit 8 8,8 Zentimeter-Geschützen armiert und hatte 176 Mann Besatzung. Leider haben wir bei dem Verlust des Schiffes :m Kamps mit gewaltigster Übermacht den Verlust von 2t tapferen Matrosen zu beklagen.
weitere Einzelheiten über das Gefecht und die Strandung des „Albatrotz".
Die Gebietsverletzung durch die Russen.
W. T.-B. Stockholm, 3. Juli. (Nichtamtlich.) Nach ein- lgeiroffenen Vleldung-en über die Seeschlacht -am der Küste von Gothlanü kämpfte der „Alöatroß" gegm die große Übermacht. Schwer boichadigt, suchte das Schiff mit forcierter Fahrt unter lebhaftem Feuerwechsel mit seinen VerfoLgerat, sich uiüer der Küste von Gothlan-d in Sicherheit zu br»men. Aber dre Russen setzten unbekümmert irote schlveüffche-tKeeWLiet, ine Beschießung fortz und fügten dem- Schiff nach AnBi>'agett der Matrosen gerade auf dem neutrailen Dcegeb-tet die -schwersten Schäden zu. Gr-rnatea flogen ans den Stvaast), so daß die schwedische Bedienungsmannschaft des Östergarnfeuer hinter dein Berge Deckung suchen mußte. 100 Meter vom Str-and lief das Schiff auf und liegt dort mit starker Schlagseite, die deutsche Flagge im Topp auf dem Hintermast, während der Vordermast fortgeschossen ist. Als das Schfff auflief, spielte die Musik an Bord die deutsche Nationalhymne und die Besatzung brachte Hurrarufe aus, froh, der ruffffchen Ge-» fangenschaft entronnen zu sein. Das Schiff bot einen schauerlichen Anblick mit seinen Toten und Verwundeten. Eine Granate ist im Operationsraum des Schiffes geplatzt, wobei 10 Verwundete getötet wurden und der Schiffsarzt tödlich verletzt wurde. Von allen Seitei» strömte die Bevölkerung herbei, um allen zu helfen und -die Verwundeten zu decken. Es war rührend zu sehen, wie'die alten Fischerfranen die ungewohnten Kramkend-renste zu leisten versuchten. Dann kamen- Pflegerinnen im Auto- niobil. Trotz der furchtbaren.Verletzungen härte man keine- SchmerzenSlaute. Still und ruhig mit Zigarren oder Zigaretten im Munde wm-rDetcn die Verwundeten »ch. bis die-Reihe, an sie kam. In Nom.a. wKo
