Einzelbild herunterladen
 

Mage rum Wiesbadener Tagklalt.

Ao. 121. Morgen-Ausgabe.

Donnerstag, den 13. Mar;.

80. Jahrgang. 1902.

# @(flen dir Befreier des Geistes sind die Menschen am ^ Ä Unversöhnlichsten im 5zaß, am Ungerechtesten in Liebe.

^ Friedrich Nietz,chc.

*99 WWWWWW+*

(6. Fortsetzung.)

Der Marschallstal».

Roman von Walther Schulte vom Wrühl

„Legt Eure Bestellung nur in diesen Ziehkasten", sagte der Mann. „Der Putz — sein Gesell ist seit zwei Tagen ausgeblieben — wird sie schon finden." — Hans nß ein Matt aus seinem Notizbuchs schrieb seine Mahnung zur eiligen Ausführung des rückständigen Auftrages darauf und bedankte sich.

„Keine Ursache", sprach der Arbeiter feierlich, „wir wandeln Alle als Brüder im Lichte des Herrn und Jeder thut sich selber, was er dem Anderen thut."

Der Lehrling stutzte und gerieth in Verlegercheit. da er nicht wußte, wie er diese seltsame Rede deuten solle.

„Ihr haltet Euch fleißig bei der Arbeit, während die Anderen frühstücken und ihren Klaren trinken", sprach er, um nur etwas zu sagen, und ein Geldstück hervorholend, reichte er es hin mit der Aufforderung, sich dafür einen Schoppen zu kaufen; den Anderen hätte er nichts gegeben, weil sie frech gefordert hätten.

Der Arbeiter lächelte milde, steckte das Geld ein und sprach: „Der Herr wird's vergelten — aber es steht ge­schrieben: Wein und geistig Getränk soll er nicht trinken."

„So kauft Euch ein paar Cigarren oder eine Rolle Priemtabak!"

Der Mann machte eine abwehrende Beivegung. „Die Ergötzlichkeiten der Weltkinder verabscheut der, den der Herr mit seiner Gnade erleuchtet hat", meinte er. „Ich werde guten Gebrauch von dieseni Silberlinge machen. Hier nehmt dieses von mir zuin Dank und zur Erbauung."

Er griff in eine Schieblade an seiner eigenen Schleif­stelle und reichte dem jungen Nimm ein kleines dünnes Heftchen, dann stellte er sich wieder an seinen Stein und schärfte ihn weiter mit regelmäßigen Hammerschlagen

Im Hinaustreten las Sans des Büchleins Titel. Er lautete: „Wie ein großer Sünder das Heil erwarb." Schriften der Wupperthaler Traktatgesellschaft.

,Der Feine (so nemrt der Volksmund die Pietisten) hat Dich" wohl in die Lehre genommen!" rief ihm einer der Arbeiter unter dein Hohngclächter der anderen nach, und

ein zweiter schrie: . , r .

„Ein Kerl, der aus Knisteret kcmen schoppen zahlt, ist auch nichts Besseres werth!" ,

Hans schob das Heftchen in seine Tasche und cnt- gegnete über die Schulter weg: „Der da drinnen ist wenig­stens ein Arbeiter, der sich 51t gut hält, einen Schnaps zu

Damit bog er um die Ecke des Gebäudes, die Schimps- wortc nicht beachtend, die man hinter ihm drein ick,ne. Das Mädchen aber sagte schadenfroh zu dm .liwmi.

Laßt mrr den Jupv (Joseph) machen. Mein Bruder wird ihm schon dm Otter weisen."

Alle lachten dazu und ermge traten zur «eite, streckten

die Köpfe vor und schauten dem Fortschreitmden nach. Ter Pfad führte um das Gebäude herum und an der dem kleinm Hofe mtgegengesetztm Seite auf den Haupnveg zurück. Hans wurde durch eine Leiter aufgehalten, me an einem Seitenbau des Kottms angelehnt stand und droben zu einer klemm Thür führte. Eben schaute dort ern rzuß hervor, der auf die oberste Sprosse gesetzt wurde, woraus mich alsbald der Inhaber, ein etwa zwanzigiahnger Schleifergeselle, erschien. Er schlug das Thurchm laut zu, schob dm Rieger vor und sagte sich scheinbar allein wähnmd, wie zu sich selber: „So, da sitzest du Mir lange gi,t und das Fischefressen soll dir schon vergehen."

Nun sprang er schnell von der Leiter nieder und dm Anderen bemerkmd, sprach er höflich: „Ach, entschuldig Sie, die Leiter sperrt Ihnen dm Weg. Da oben hwwn wir gestem einen in Numero Sicher^ gebracht,^dm >ch , Herr, vielleicht noch einmal als Pelzmütze tragt.

„Wie meint Ihr das?" fragt Hans „Nun wir haben einen Otter gefangen, der mehr Forellen aus dem Bach geholt hat, als wir zeitlebens g

schm haben." t .. „ . ■. -

„Was, einen Otter? Kommen denn die auch m diesm

kleinen Bächen vor?" . ~ ,-ri

„Und wie! — Und was für em -rhnn! — Na, iw will nicht lügm, aber er ist doch so schwer wie em ausge­wachsener Teckel. Ich habe nie einm so, großen Orter ge- sehm. Wir habm ihn in eine Kiste gesperrt und sie mit

Latten vernagelt." ... ■;*

Hans der immer viel Freude an der heiMiick)eli Mirer

wblt'gehabt hatte, war nmgierig gewordm.

„Was wollt Ihr dmn mit ihm anfangen? kragte er. „Na, wir halten ihn zum Spaß noch ein paar Tage gefaiigeii, dann schlagm wir ihm vor den De^ und twr- kaufen das Fell in Solingen Der Benders Kobes (Jakobus), der ihn zuerst gesehen hat, kriegt das Fleisch. Er frißt Alles. Kein Huiid und kerne Katze ist vor ihm .sicher. — Wollt Ihr Euch das Vieh nicht mal ansehen. Zwanzig Pfennig Entree die Person."

Hans lachte, gab dem Burschen das Geld, stieg auf die Leiter und kroch durch das Thürchen aus den halb-

^""!,Hilckmin der Ecke sitzt er. Ihr müßt Euch erst an die Dunkelheit gewöhnen", rief der Andere: aber raum hatte Hans euren 'Schritt geinacht, da flog das Thurchm zu, d Riegel wiirdc vorgeschoben und der Bursche zog überdies die Leiter weg, während er zur weiteren Festigung der Thüre eure in der Nähe liegende lange Stange dagegm

’ enTrl SBn§ soll der Unsinn? Macht doch auf", tönte die Stimme des Gefangenen, doch der Bursche ries hohnend.

^raktirt erst dem Otter den Schoppen, den Ihr uns schuldig seid. Vielleicht läßt er Euch dann heraus." Damit ging er fort irnd aus dem gleich darauf erschallenden, rohen Gelächter- vom Hofe her entnahm Hans. daß e>ener scrne Heldenthat erzähle r:nd daß dre ganze Sache zwischen de Kerlen abgekartet wordeir war. wahrend er rm Kotten weilte. Ein heftiger Zorii erfaßte ihn und er schrie so laut, als er es vermochte: „Aufgemacht, sofort aufgemacht, r^as ist Freiheitsberaubung!" Dann rüttelte er an rer Thür und schlug mit den Fäustm dagegen.

„Hört nur, wie der Otter pfeift", tönte erne Stmi ule, ivorauf wieder ein wildes Gelächter erscholl. Hans hm nirn gewaltig gegen die Thiir, aber die Stange d rauße n machte jede Anstrengung, dm Verschluß ftuchtlos. Nun stampfte der Gefangene auf dm, Bo^ daß das ganze Gebäiide wmkelte, aber mich das blieb ohne Nutzen. Als er einm Augenblick horchte, glaubte er viÄ - mehr, iinter sich spöttische Sftmmm zu Horm, und dmm folgte bald ein allgemeines Zischm und Sausen, «L iM sagte, die Schleifer nrüßtm ihre Arbeit wieder ausge­nommen habm, imbekümmert um ihrm Gefangmen.

Beim schwach,m Schein des Tageslichtes, das diwch che Thürritzen drang, sah Hans, daß er w mnem stcmbi^c Dachraum befand, durch den em chleckst ausgchug^r Schornstein führte. In den Eckm lag °ltes Geruuchel innher, meist zersprungene Plwst- ,md Poliechchubm :n ivaTelige Arbeitskästm. Er tvars p°ttenrd umhm,a^- wenn er dm Fiitzboden und zugleich die T^cke des untereii Raumes zerschmcttem wolle, aber es half ihm nichts,

"Ä. mich doch mrnitW taw W* lassen", überlegte er und rang nach Geduld, Aberder llmstand, daß er unter dem niedrigen Dache nur gebuck. sollen konnte machte sich bald sehr unangenehm fühlbar dazu kam, daß durch die Ritzm des Schomsteins cm übler

Mi« mich no*.mlrf m ijermite und tobte aufs Naue verzweifelt rn dem 0 Gelaß umher. Ein nmer Rettungsgedanke kam chm plötzlich Er mackste sich an das Sparrenwerk dm Dachm. Mm,- zSundlte«« den ,.m ft.1«

Liift zu athmen und Umschau zii halten. Da sag e

«hum fm H-!- auf

Ä Spt'fiÄS'isÄ

Mid schleuderte ihn gegen das Dach, so daß Hans seiiie, pf eiligst zurückziehm mußte.

Scboii wollte sich der Gefangene aus» Neue ferner ^lemweifluiig überlassen, da hörte er plötzlich ern Geräusch an der Thür, sie öffiretc sich und in den Rahmm tmichtc der Kopf eines Mädchms auf, dm snngm Mann fast wrc eine liebliche Trcmmerfcheinung anmuthend.

swnell heraus, ehe es einer vori dm -Niftel» nrerkt". flüsterw sie. 'Gleich darauf starrd er mif dem Erc-

‘“^ÄSTteta©i£Äut*r, »t .,«6 tmH°I n,,d"2iet: Ktz" w°»e" mir ihn -m,«Mieren-, iprach fn

nrtt n,utbm»i,er Freude. lehnte die St-mge wieder tarn

das Thürchm und legte dre werter um. h

„Kommt jetzt schnell, ehe wir «eichen fEdm mah^ sie und er folgte ihr ermge. zwanzig : Jmtct em

dichtes Hmnbiichmgebüsch am Wege, wo erne werße Zregr

weidete unsere Hippe fressen und habe Alles ge-

sehen^ Aber ich konnte Euch nicht eher herairslassem Dre ckliam Kerls im Kottm hättm es sonst gemerkt , sagt ^ s . ! (Fortsetzung folgt.)

k'EAk qvfö- -*®r-

Seidenhaus M. Marchand.

Langgasse 23

angesammelten

Reste

werden bis zum Umzuge

annehmbaren Gebote

abgegeben.

29821

Unterricht im Radfahren

■wird gründlich ertheilt bei massigem Honorar in meiner

Fahrbahn Ulebricherstrasse 33.

Anmeldungen daselbst jederzeit oder bei

Carl Stoll* Fahrradhandlung,

Jetzt Hcllmundstrasse 33.

Draht­geflechte, Stachel­draht, Garten- u. Feld- Geräthe billigst. 2610

Ü®. Frorath,

Eisenlsandlung,

TeWon 241. Kircbgasse 10.

Nis besondere Gelegenheit, soweit Vorrath,

SchuWel

aus de» von uns geführten bekannten guten Qualitäten verarbeitet, zum tzochnuren ode.

Knöpfen ein Preis, ^

Größen 31, 32. 33, 34 und 35 pro Paar

Größen 27. 28. 29 und 30..

2.35

Größen 25 und 26 . " „

"I 9»

Größen 22, 23 und 24 ... „ „ ^

Alle diese mit Absatz.

Kinderstiercl ohne Absatz, durch Lagern etwas im Aussehen gelitten, sonst aber yxt Mk von tadelloser Qualität, pro Paar IO

Fett & Co.’s Sehnhwaarenhans

ff

Union“

SS Langgasie SS

eJcJ ESe Goldgaffe.