Wiesbadener Tsgblstt
so. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Prers: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusamweu.
Verlag: Langgasse 27.
L8 Abounente».
Anzeigen-PreiS:
Di- einspaltige Petitzeile sür.locale Anzeigen 15 Pfg.. für auswärtige Anzeigen 2i> Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden SO Pfg.. für Auswärts 1 Mk.
Ausgaben zusammen. _ _ _—— -r - I 7 ”
-—---- «dend-Ausaabe bis 12 Üh r Mittags, für' diHr-rg-n-Ansgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später -,nger-,cht-r Anzeigen zur
Anzeigen - Ann ahme nLchsterschUnmdal Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. - _-
—-- - ~~ Jw-ti 12 Märt. Verlags-Fernsprecher No. 2266. 190Ä*
|lO. 120. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Mlttwo H, vkN L&*
Abend-Ausgabe.
m i
Koloniale Eisendahnen.
Wir entnehmen den „Beiträgen sür Kolonialpvlitik und Kolonialwirthschast" folgende Zusammenstellung pon Personen- und Gütertarifen afrikanischer Eisenbahnen von Gel,. Regierungsrath a. D. Schwabe.
Die Tarifbildung für den Peilvnen- und Güterverkehr kolonialer Eisenbalnien ist insofcnl, mit besonderen Schwierigkeiteit verbunden, weil die wirthschaftlichen Verhältnisse in den Kolonie«! soweit von denen m Deutschland abweichen iind es überdies an statistischen mistelungett fehlt, um die Ertragsfähigkeit der Eiwii- Ibcchnen mit einiger Sicherheit beurtheilen imd danrach ^die Höhe der Tarifsätze bemesscii zu können, ^inmerhtit !jst es nicht ohne Interesse, die Normalsatze der preußi- fchen Staatsbahnen mit deiien der afrikmiischeii Bat,neu ' „ vergleichen, wobei zu bemerken, daß erst nach und ?mch mit den Fortschritten im Eisenbahnwesen und mit der Zunahme des Verkehrs bei uns „die Latze aus die acaenwärtige Stufe ermäßigt worderr sind. Aneft waren - V für die Beförderung von Kohlen für 1 Lonnen- kilogrannn vor der Eiselwahnzeir 40, 1836—^.848 11, , >1861 2,2 und 1878 1,2 Pf. Der niedrigste Tarifsatz be- träat also den 38. Theil der vor der Ersenbahnzest aus den Llsaussecii üblichen Sätze. In Afnka kommen für den Verkehr Straßen überlsaupt Nicht m Betracht, Deutsch-Ostafrsta, fowie im Kongostaat lmrd der ^er- febr durch Träger-Karawanen, in Teutsch-Ludwestcifrika durch Ochsenwagen vermittelt. Tanack, siiid die Höchstsätze für die Personenbeförderung zwischen Lwakopniund- «indhuk (360 km.) mit Pferdekarren 33 Pf., aus der »onaobahn (389 km.) in der 1. Klasse 100, tu der 2. Klasse 12,5, auf der Usambarabahn (41,5 km ) m der 4 Klasse 40, in der 2. Klasse 20, in der 4. Klasse 2,0 ■(i Träger mit Last), auf der Bahii Swakopmmid-Kariblb (194 km.) in der 1. Klasse 10, m der 2. Klaste 6, m der 4. Klasse 4. auf preußischen StaatSbahneu m der 1. Klasse 8 in der 2. Klasse 6, in der 4. Klasse 2 Pf. ^.e Höchstsätze sür.die Güterbeförderung voii 1 Toimenkilometer
tXameutlich die Dahn Swakopmund-Karibib zeigt eine sehr weit geheiide Ermäßigung, indem der Satz von 10 Pf. für 1 Personenkilometer m der 1. Klasse noch nicht V 3 der bisherigen Postkarrenfahrt Mid ftlbst der höchste Frachtsatz von 40 Pf. für 1 n-onnerttilogramm Stückgut auch nur etlva deii 3. Theil der bisher sur dw Ochsenwogen üblichen Lätze bei Wagenladungen betragt. Dadurch wird nach der deiii Reichstag zugegaiigeuen, vom Qberstleutiiant Gerdtng aufgestelltert Ertragsbermhnuiig wne 3-proceutige Verzstisuiig des Anlagekapitals ermöglicht, allerdings bei deii sehr geringen Baukosten von 34 834 Mk. sür 1 Kilometer bei einer Spurweite uon 75 Centimeter. Höhere Tarifsätze und infolge dessen em günstigererErtrag hätten voraussichtlich dazu beigetragen, die Stimmung des Reichstags für die Anlage kolo, m Eisenbahnen zu verbessern.
w-em gegenüber erzielte die Kongobahn, ungeachtet der hohen Anlagekosteii (rund 60 Millionen Mark^odcr 150 625 Mk. für 1 Kilometer bei 7a Eentimeler Lpnr- weite) durch ihre Hoheit Tarifsätze schon mi ersten Betriebsjahre 3,88 pCt. Verzinsung, ermäßigt dwMen scht aber um 25 pCt., da neben deni vermehrten Flugverkehr ble Einnahmen int Steigeti sind und rm letzten Ueberschuß von 16,083 Mk. für 1 Kilometer erreicht
^^Gestützt mst diese Erfolge hat der Kongostaat bekanntlich eine Eisenbahnlinie von der Endstation der Kongobahn nach dem Albert-Npanza-See auf eiiie Entfernung von 1000 Kilometer zur Herstellung emer Ver bindima zwischen, Kongo und Nil und andererseits-' die Anlage einer Eisenbahn vom Kongo nach dem Tangamtm See (400 Kilometer) in Aussicht geiwnmien und hofft diese innerasrikanische Gebiete durch ihren fruchtbaren Boden und ihre dichte Bevölkerung zu emer rasch » «-M- Wickelung zu bringen - ein für uns sehr nachckhnumgv- mertbe s Vorgehen!
Deutscher Reichstag.
Berlin. 11. März.
Die Vorlage zum Schutze des Genfer Neutralitäts-Z-i^nL
Äf"Ä!Ä-ta «SwS L'LSNASLL^. j» N2
90 mö 100 - 451 ./ uu i LrLL ^'
55+iirfmil 44 5 Pf für Wageiiladungen, zwischen Lwa-
SW L.äLL 1° Pi für 80 «. m
Vaaenladungen, auf preußischen Staatsbahnen 11 li- ür ^Stückgut, 4,6 Pf. für Wagenladimgen, Schisftsracht ,on Hamburg nach Swakopmund (6o00 km.) 0,6a Pf-
nisse besser geworden seien. Denn das stehe fest, wenn nicht das Reich einareiie würden die dortigen Volksschulverhaltmsse
’SU »ig. P°ch.i«. W ») »
die dortigen Schulverhältnisse in der That ^-- mangelhaft, \a sogar als sehr schlecht, und deshalb besteh« m Mecklenburg ein Mangel an Lehrern und die Lehrerbildung im Bereiche de, Ritterschaft sei ebenfalls mangelhaft. — % bowsli-Pomian (Pole) bemerkt, daß er m,t Nächstem auch über die Schnlverhältniffe in Posen sprechen werde. - Dami schließt diese Debatte. — Bei einem weiteren Kapitel Wunsch. Aba. Raab (Antis.) eine umfassendere Statisllk der Serunfalle. — Geheimrath Jonquiöres entgegnet, die statlstifch-n Publikationen seien in umfassender Weise auSgearbritet.
Beim Kapitel „Gesundheitsamt" kommt Abg. Hermes (srcis. Bolksp.) aus die Angriffe zurück, welche der Abg Antnck gegen verschiedene Krankenhäuser neulich gerichtet deren Be
rechtigung. insotoeit es s-ch um Berlin hande t, besb-it-nd- - Aba. Antrick (Soc.) führt aus, die Berliner Magistrats- Mitglieder seien um seine, Redners, Anschuldigungen h»um- geganqcn wie die Katze um den heißen Brei. Er Halle alle seme früheren Angaben aufrecht. Er bemerkt dabei u A., er elcht habe sich über sein- Verpflegung un Krank-nhause S°nncht beklagt und zu beklagen gebraucht. (Zwischenruf des Abg Pauw Potsdam: Na also!) Ja, Herr Pauli.^ fährt Redner fort, ich äußere mich doch hier im Interesse der Allgemeinheit wenn S> das nicht kapiren können, Herr Pauli. — (Ptasident Giat Ballestrcm bezeichnet den Ausdruck: kapiren als unparlamentarisch.) (Stürmische Heiserkeit.) — Abg. Fischbeck (freis VolkSp.), mit lebhaften Zurufen von rechts empfangeli. Der ganze Berliner Magistrat weis- die Beschw-rd-n über da- Berliner Krankenhauswesen zurück. Du Darlegungen Awnck-- strotzten vor Uebertreibungen. — Abg. Singer (Soc.) proteftirt dagegen, als ob seine Freunde diese Angelegenheit nur vom Part-istandpunkt aus behandelten. — Ä&g. ~n «S« 1 ' t, „ n § cfreU Volksp.) weist loiedeniNl die Antriü scheu Anklagen zurück^ Im Allgemeinen aber lasse sich auch ub» das vorhandenr Personal nichts sagen. — Abg. Munch-Ferber inat.-liv.) empfiehlt eine von ihm beantragte Resolutlon betreffend Unterstellung des gewerbsmäßigen Handels mit Essigsäure. sogenannter Essig-Effenz, in einer bestimmten Koncen- tration als G-nußmitlel unter die Borschrifien über den Handel mit Giften. — Staatssekretär P 0 sad 0 w -- ky fuhrt au», der Wunsch der Resolution sei bereits Gegenstand der Erwägung der zuständigen Ressorts und werde wahrscheinlich demnächst den Bundesrath beschäftigen. — Abg. W ur m (Soc.) widerspricht der Resolution. Die Gefahr beim Umgehen init Essig- Esseni sei nicht größer als die mit verschiedenen anderen Artikeln des täglichen Bedarfs. — Die Resolution wird sodmin mit schwacher Mehrheit angenommen. — Beim Kapitel Reich»- Bersicherungsamt" wird die Berathung auf morgen vertagt. Schluß nach 6 Uhr. *
Berlin, 11. März. Bor Eintritt in die weitere Berathung erörterte die Zolltarif-Kommission des Reichstags
Ein FmnMengrheimniß.
Roman von A. Foore.
Berechtigte Uebersetzung aus dem Hollandischeu von Hermmrn Koppel.
(19. Fortsetzung.)
Schon Wochert vorher hat Nora versichert,^ daß so in Hochzeitstag etwas schrecklich Langweiliges wäre, aß Niemand nach der Traiiung wüßte, was er anfaugeu olle, daß nichts mehr zu thun, zll bedenken übrig ser l s w' und der Notar, der mit seiner rachter vo ig lbereinstimmte, hatte demzufolge den Ball dme^zu fhreii ihrer Hochzeit veranstalteti wollte auf dichm ^ maesetzt: zwar würden dann die pingen 1 pclcnte, wenn )as Fest in vollem Gange wäre, sich zuruckztehen müssen, rber^van Willigeti tanzte doch nicht mehr, und Nora vürde die große Versuchwig, nicht schon 6 eich ihre Pflichten als Predigersfrau ztl^ vergessen und niit^u tanzen wenigstens zum Theil erspart. Sie erschien auf dem Ball in ihrem Brautstaat rmd lächelte mm schwatzte und suchte wie gewöhnlich zu seiii, abti : e- toai etwcw Webmüthiges in ihrem Lächeln, es schimmerte ente Tchane w ihrem Auge; der Abschied bmu Hanse von so Vwlem, das ihr thener, gmg ihr zu nach «l^ daß ße vo Herzen hätte fröhlich) sein tonnen. Auch Laura war WZ wie sonst: zwar zog ihre prächtige Loilette die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich, aber lag ettva,- Beides in deni stolzen Mund, etwas p-ieberhafws tu der glühenden Röche, etwas Fremdartige-.' m dent
^^J^i^em'eichachet^ Kleidchen, ganz in, den Hinter- ft," "ft -ft -ft 4^..- ;t. rc Schwester emtreten, und
SÄ * 'S, AL7 «
Älimft XteSamm «efMt ioUen, wie tat »üue
«S?8« an ihrer Brust, !l-r».m,dw,r die sial-en.
alän'enden Augen voll Thranen gestanden. ,
' LE N hastig m-s Onkel Louis zu, und dieser
•UfffSf dab Sie m mm
Augenblick die Schönste der Schönen an Ihrem Arme gaben. fragt er la^. ^ - onbern ^ lege auch hohen
WeRH daran , mein Herr", antwortet der Osfrzter niw fährt etwas erregt fort: „„Ich habe ihr ^rr Ulsmr ge- agt, daß ich, da sie so prächtig ausftcht, gern der Ltlav
m f
di- letten «arte gehört fiat, „tat lerne Art and Le,in mir etwas Schmeichelhaftes zu sagen, nicht aufs Beste gewählt ist. da doch von einem solchen Verhaltnitz tetne
Rede stiit kaum" welrn es der Fall wäre,
so w'iirde doch inrmer Karl der Herr und Gebieter, Du die ^klaMn^eni^müM^r, öat , möglich sein?"
fta9t £ l ®u hast Recht, das würde nicht möglich sein", und i%t eine buntlc Safte über chr
® Cf Sie wir Hon lasten, tarn * feiner Würde vereinbaren, sich m dre Rechen der --anz fHirTp« und Nora bleibt getreulich an seiner Lette (inen oMtfwn ihre Fühcl-e", vor Ungedttld iriphelnl Herr ÜLm, ^Lt-I Len nicht - >md nun en«t die
«-LSKLZ1LÄ» °» leidenichasflich-r a-öu'er aewesm seine Frau aber wird schon nervös, wenn
ftnft Är>VW «-»»•)« » ''»"Z
- ° TyrEi der Mm«,: - M* bMg ^
Ä l« tot'er je mand,« W
IrfJitM-t bat sie als ent Lamm, das zur Schlachtbank ge-
SS ri ’SCT?S2 ll TOtonÄt ‘’mr^SenHnat
SSÄÄÄ-Sf A |
M LNEAL ne
mit halbossenem Mimde und um Gnade stehenden Blicken
sich von ihrem Täitzer herumdrehen läßt, bei welchem schweren Werke der arme Mann zu der UÄerzengung kommt, dciß entweder seine Beine oder " seme Lungen nicht mehr so sind mic in früheren Zeiten. Er fuhrt denn auch bald seine Tänzerin nolen« volcns aus ihren hlatz zurück, wo sie halb ohnmächtig aus etneii Ltnhl nteder-
^"E'Soll ich Dir eilt Gläschen Limonade geben, Tante?"
Nein, Nora, durchaus nicht, sie ist wel zu erhrtzt. Sieb nur, ich habe gearbeitet !vie ein Pferd, und nun thut meine Frau noch so, als ob sie vor Müdigkeit ohii- mächtig werdeti wollte!"
„Das heißt nun bei Dir: zum Vergnügen geheii , seufzt Frau Fermant, sobald säe wieder Athom hat.
Doktor Fermant und seine Ehehälfte lanzen^ an diesen. Abend nicht mehr, die jungen Leute aber scheinen unermüdlich, und der wilde Galopp folgt auf die §e- messene Polonaise und der Walzer an, btc Quadrille, unb die Augen fangen an je länger desto mehr SU slaltzm, die Wangeir zu glühen. Die Neuvermählten haben sich scheinbar unbemerkt zurückgezogen, aber dennoch hat Frau de Cantel soeben, den belebten Ballsaal verlassen „ud ist ans Noras Zimmer gegangen, wo sie sie m Thränen gebadet findet: noch einmal hat diese sie bemt Scheiden Mutter, liebe Mutter! genannt, und mit Rner stillen Thräne l,at die würdige Dame dem Himmel aedan daß sie immer in Wahrheit dem Kinde, das einer anLr n ihr Leben verdanke, chte Mutter gewesen ist Tie Zeit verfliegt, wie sie eben nur ans emem Balle verslieaen kann, und die jungen Mädchen beginnen bereits mil einiger Angst nach „den Gesichtern von Papa und Mama zu schauen, die Herren sehett„ hemilich nach ihrer Uhr: gerade hettte Abend scheint sich der Zeiger
'^Toch ^nicht 'jih Alle! In einem kleiiien Zimmerist
auszurichen ^'wächend° Tn^^ Höflichkeitstänze machst", hat sie zu Karl gesagt.. Und ivohl >nag sie atiSrillM von
der erheiichelten Fröhlichkeit. ,
Erst zwei Uhr", flüsterte Latira mst ement ver-
langenden Blick aus bie. Pendule ihr gegenüber, „erst
zwei Uhr!"
