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Samstag, 3. Juli 1915.
Kbend -Ausgabe.
Nr. 304.
63. IahrgsKZ.
Der Krieg gegen England.
Abermals vier britische Schiffe versenkt.
\V. T.-B. London. 3. Iuti. (Nichtanettichh Wie daS „Reutersche Bureau" aus LSelthartlepool meldet, ist der britische Danipfcr „W rlbury" mit einem Gehalt von 3591 Tonnen, mit einer Zuckcrladung von 5!»ba nach Queenstown unterrvegs, von einem Unterseeboot an der irischen Küste versenk, »vordem Tic Besatzung wurde gerettet. — Wie „LloydS Agentur" aus Lizzard meldet, sind die britische» Dampfer „C a u c a s i a n" (1656 Tonnen) und „Inglemoo r" (4331 Tonnen) gestern früh von einem Unterseeboot versenkt worden. Die Besatzungen wurde» in Falmouth gelandet. — Nach einer weiteren LloydSmeldung aus Erouchcad ist der britische Schoner „L, C. T o w e t“, von ParrSborough nach Newport uurerwegs, torpediert worden. Neun Mann der BHatznng wurden von einem Fischdampscr anfgenorumen und gestern nach Crookhaven gebracht.
W. T.-B Berlin, 3. Juli. (Nichtamtlich.) Nach MÄdun- gen aus Kupeichagen bch^mpten alle letzten Depeschen aus London über den Unterseeboots krieg, dieser habe seinen Lllarakter gänzlich verändert. Die deutschen 17-Wost: tünchten jetzt 'dsts zum Anhalten der Schiffs auf und vschienk:»» sie erst nach gründlicher Untersuchung.
Me wir von zuständiger Stelle hören, ist diese Nachricht unzntr e ffend.
Die VerseuLung des „Lonras", „Scottish Monarch" und „Thrstlrbank".
W. T.-B. Zlotterdrm, 3. Juli. (Nichtamtliche) Der ..Rotterdamsche Berlchtersiatter" nrelost aas LolÄorr: Über die Versenkung des Dampfers ,2oiaS" ivird noch gemeldlÄ: Der belgische Frschdampicr ..Gaby" lmsdete vorgsstern den KapltÄi und 34 Mann des Damp^rS :n ViwlfarthlÄbSm DaS Untseseeboot kam, wie der Kapitän erzählt, an die Längsseite »afc Snwripfac? und löste zw« Schüsse. Dar ztrsite Schuß totste den z».»e:t»n lMeu-ermann. Der Kapitän lieh Dosts ausisetzen. Während man damit beschasOgt war, to-rpedieistc das Usüee- feebooi den Dampfer und schoß weiter, W.s das Schiff sank. D«e Ladung bestand aus 4289 Donnen Mais. Vvn dsm ,Scott»b Monarch" wurden 12 Engüällder und 8 Chinesen in Dunmore East gelandet. Der verftnkte norwegische Tegstw .Tyistlebank" war früher in Glasgow bsh^ckmaatet u»d rntt seinen 2506 Tonnen einer der gÄtzkn Segler der WÄt.
Zur Torpedierung des „klrmenian".
Der Widerstand des Kapitäns.
W- T.-B. London, 3. Juli, (Skichtarntlich. Reuter.) Der belgische Fischdampfer „Präsident Stevens", der sich in der Nachbarschaft befand, als der Dampfer „Armenian" torpediert tounbc, nahm 5 Boote voll Seeleute an Bord. Der Kapitän der „Armenian" erklärt, das Urfterseoboot gab uns das Zeichen a n z u h a I t e n, dadurch, daß es eine Anzahl Schüsse über unseren Bug feuerte. Ich war 4 Meilen voraus und dampfte weiter: wir wurden jedoch fortwährend beschossen. Die Granaten töteten mehrere Männer. Andere wurden über Bord geschleudert. Es war eine wahnsinnrge Jagd. Wer wir wollten uns nicht ohne Kamps ergäben. Di-e Steuerung wurde von einer Granats weg- gerissen, ein anderes Projektil fiel in den Maschinen- raum, ein drittes schlug die Kunkenstation weg, ein anderes den Schornstein und verfinsterst Len Hei-- vaum, so Laß ich keinen Dampf zu bekommen vermochte. Das Schiff stand an drei Mellen in Brand. Ich beschloß die Übergabe. Wr hatten uns eine Stunde lang gewehrt. 12 oder 13 Mann lagen tot auf Deck. Die meisten der ums Leben gekommenen waren Amrerikaner. Weiter fügte der Kapitän noch hinzur Ich muß zugeben, daß der Kourprandant des Unterseebootes sich sehr anständig zeigte, nachdem wir «ns ergeben hatten. Er fischte einige unsener Leute aus, die ins Wasser gefallen waren und in Rettungsringen um- herschlwammen.
Hier wvrd einmal in klarer, unzweideutiger Weise von einem Kapitän selbst zugegeben, wie er von dem Unterseeboot zu entkommen suchte. Durch zwei vor den Bug gefeuerte: Kanonenschüsse war er zum Stoppen aufgefordcrt worden, aber c,° kam dieser Auffordeimng nicht nach Das U-Boot feuerte dann auf den Dampfer, trotzdem stoppte dieser noch nicht. Es war eine wahnsinnige Jagd, aber wir wollten uns nicht ohne Gegenwehr ergebe,». Fm ganzen trotzte der Dampfer eine Stunde lang der Beschießung und hielt erst an, nachdem 12 bis 13 Mann tot aus Deck lagen, so heißt es im dem Berichte. Ist dieser richtig, so genügt es, demgegenüber den Generalbericht des Redaktions- ausschusses der Londoner Seekriegsrechtskonferenz anzuführen, in dem es heißt: „Ein kriegführender Kreuzer
trifft ein Kauffahrteischiff an und fordert es zum. Halten aus zwecks Vornahme der Durchsuchung. Das aufgsfsrderw Schiff hält nicht an und versucht, sich der Durchsuchung durch die Flucht zu entziehen. Der Kreuzer kann Gewalt anweu- de», um es zum Halten zu bringen, und das Kauffahrteischiff hat, wem» es beschädigt oder in den Grund gebohrt wird keinen Anlaß zur Beschwerde, da es der ihm nach dem Völkerrecht obliegenden Verpflichtung zirwiderhandelt." Alio bandelt auch, das Unterseeboot hiernach in Übereinstim
mung mit den geltenden Regeln. Was die Hervorhebung der elf Amerikaner betrifft, so ist die dabei verfolgte Absicht durchsichtig genug. Wenn aber diesmal wieder ein Sturm der Entrüstung jenseits des- Ozeans losbrechen sollte, so soll er sich wenigstens gegen den Kapitän richten. Dieser war es, der Widerstand leistete und demgemäß nicht nur keinen Anspruch mehr darauf hatte, erst noch angehäkten und untersuch! zu werden, sondern der dadurch auch das Leben ferner Besatzung in Gefahr brachte, und wenn ein Teil davon in der Folge auch noch uius Leben kam, so trifft allein den Kapitän und diejenigen, die ihn. dazu veranlaßten, also wohl die englische Regierung, die Schuld und Verantwortung.
Die englische Hetze.
Ln. Rotterdam, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ter „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Berichterstatter englischer Blätter tn Amerika behaupten, daß über den Untergmrg des „Armenian" große Entrüstung in Amerika herrsche, und der „Times"-Berichterstatter stellt den „Arme- nimi"-Fall sogar dLni „Lnsitania"-Fall gleich. Dagegen melden einige amerikanische Blätter, daß die „Armenian" eine MllnrtionIladnng batte, und die ganze - Angelegenheit werde dadurch aufgeklärt, daß der amerikanische Gesandte in London die Washin^oner Iiegrermig davon verständigte, daß dt: Admiralität ihin mittÄlte, die „Armenian" stän^de im Dienste der A d m i r a l r t ä t. Die 20 umgekomrnenen anmrrkamschen Staätsangehürigen waren größtenteils Farbige.
Wiedereröffnung der „Lusitania"-Untersuchung.
Ein neuer Beweis für dv» Mnnrtionstransport.
Br. Awsterdaul» 3. Ich:. (Gig. DrahtLericht. Ktr. Bln.) Die „Morning Post" berichtet: Unter dem Vorsitz von Lord Mersch wurde gestern in London die Untersuchinng der „Susrtani a“ wieder eröffnet. Dabei wurde ein Passagier zweiter Klaffe, Warch.il, vernommen. Er ist Franzose u:st> Lehrer der romanischen Sprache an der Universität Kingston (Ontario). Dieser klassische Zeuge sagte aus, daß die zweite Explosion, von der alle Zeugen stf.sher gesprochen haben, mcht von einmn Torpedo, sondern von einer Munitions- e r p l o s i o n im Schiffskörper herrührte. Der Zeuge sagte, er Hab: 5 Jahre in feer französischen Arm« gebient, »irä er wisse cs zu beurteilen. Die Explosion habe wie anhaltendes Schießen von Maximkanonen geklungen. Es ihervschtr große Panik an Bord. In die Boote hatte sich die Bemannung g:setzt und Frauen und Kinder HKf- .'oS zurückgelaffen.
Kragen nnd Antworten im englischen Unterhaus.
Die Garantie der Baumwollarbeiter.
W. T.-B. London, 3. Juli. (Nichtamtlich.) Lloyd George teilt: dem Unterhause mit. daß er eine Resolution der Banmwollarbeiter erhalten habe, die tatsächlich einer Gaemit'.: gleichkomine, daß icächreud des Krieges kein Streik und keine Arbeitsstörung Vorkommen solle. Das Unterhaus nahm einstimmig den Gesetzentwurf auf Errichtung eines M u n i t i o n s m i n i ft e r i u m s an. Weiter ftagte Mac N a i l (Unionist), ob die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs des Innern auf die Tätigkeit des Stop-the- war-Ausschusses gelenkt worden sei, und ob er Schritte tun würde, um BvrsorKL zu treffen, daß diese Personen nicht bei einem Ausbruch öffentlicher Entrüstung gelyncht würden. — Simon erwiderte, die Tätigkeit des Komitoes sei unter Beobachtung gestellt und Gewalttätigkeiten würden strengste Unterdrückung finden, — Martinson Wood bemerkte auf eine Anfrage hin, daß die Observatorien besonder: Instruktionen erhielten wegen Nichtverössentlichung aller WsttsrvorauSsagTn und Wetterberichte. — Dalziel sprach den Wunsch aus, daß die Regierung häufiger Nachrichwn über die Kämpf: an den Dardanellen ausgeben möchte. —- Simon antwortete, eine Zensur fei notwendig: er führte einen Fall an, in dem eine scheinbar harmlose Nachricht von Len Deutschen militärisch benutzt worden sei. Die amtliche deutsche Nachricht würde zensiert, da sie regelmäßig vollständig urkbegriindete Nachrrchtwt über England und über die Haltung des Sandes i:n Kriege usw. enkhielt. Simon forderte das Haus auf, den nnlitärischen Führern zu vertrauen. Wenn die Nation das nicht tun würde, sei sie unfähig, den Kriog zu führen. Ein neuer Bericht über di: Dardanellen werde bald folgen.
widerstände gegen die englischeRegistrierungsbill
Br. Anrstervam, 3. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie liberale Londoner Blätter vernehmen, !oird die nationale Registrierungsüill im Unterhaus auf schärfsten Widerstand stoßen. D,e am Mittwoch stattfindende Debatte dürft: infolgedessen etwas lebhaft verlaufen. Mehrere liberal: Abgeordnete haben zur zweiten Lesung einen Nachtrag cinge- bracht, dsr lautet: Das Haus lehnt es ab, weiter über diese Bill M verhandeln, bis der Beweis erbracht ist, daß di: Gewalt, welche der Regierung durch das MunitionSgesetz gegeben ist, nicht gmiügt, um den uottoendigen Kriegsbedarf zu erzeugen. Ander: Mitglieder haben ebenfalls Anträge g<'- stellt, die, lvenn sie angenommen werden, die Bill zu Fall bringen müssen.
Ein Däne in Plymouth unter Spionagevcrdacht verhaftet.
Krpenhagen, 3. Juli. In Plymouth wurde der Däne Abdon Woppe als Spion verhaftet, weil er angeblich eine Kupferladung nach Deutschland zu vermitteln
suchte. Das dänische Auswärtige Amt hat aus Grund seiner Informationen gegen das Verfahren gegen den angeblichen dänischen Spion bei der englischen Regierung Protest eingelegt. _
Oer Weltkrieg im 3um 1915.
Von General der Infanterie z. D. v. Blume.
II.
Berlin, 1. Juli
^ Um das Bild der Vorgänge in Gülizien zu vervollständigen, haben wir nunmehr noch einen Blick auf die Ereignisse zu werfen, die sich inzwischen au der D n j e st r f r o n t zuttusten. Seit die russische Strett- uracht in Galizien Ms den Karpathen und über den San Mrückgewvrfen ist, bildet der Dnjestr in einer Länge van 250 Kilometer die stumpfwinklig angesetzte natürliche Schutzwehr ihrer linken Flanke. Der russischen Front zunächst wurde diese Flanke durch die Armee des Generals v. L i n s i n g e n bedroht, die am 3U Mai den auf dem rechten Dnjestrufer vor ihr befindlichen Russen bei Stryi eine Niederlage bereitet hatte. Am 6. Juyi erkämpfte diese Armee .den Übergang über den Strom bei Zurawno, wies bis zum 9. auf dessen linkem Ufer alle Gegenangriffe der Russen ab, mußte aber am folgenden Tage vor sehr überlegenen feindlichen Kräften auf das andere Ufer wieder zurück w e i ch e n. Dort hatte sie in der nächsten Zeit mannigfache Kämpfe mit den Feinden, die ihr gefolgt waren, zu bestehen. Erst anr 23. Juni, nachdem Tages zuvor die russische Front über Lemberg zurückgeworsen war gelangte die Armee Linsingen in vollen Besitz der Stromübergäng e oberhalb Halicz und drang nunmehr, rechtsschweukend, in gleicher Höhe mit dem rechten Flügel der Armeen Mackensens auf dem linken Dnjestrusec ostwärts vor. Nachdem sie am 27. Juni auch den Übergang bei Halicz erkäulpst hatte, warf sie ans der ganzen Front Halicz-Urlchow den Feind über die G n i l a - L r p a zurück. An diesem Abschnitt stand sie anr 29. in fortschreitendem Kampfe. Weiter «nterhallü Hali^ sind die lliussen auf Dem rechten Dnjestrufer im Laufe des Juni unter vielfachen Gefechten bis an und über den Strom zu- rückgedrängt worden, halte» jedoch noch dessen linkes Ufer besetzt. Nur der wichtige Übergang bei Z a l i z c z y k i befindet sich bereits seit dem 11. Juni iui Besitz der A r m e e d e s Generals Pflanzer- Baltin und ist von ihr gegen .wiederholte Sturmversuche der Russen behauptet worden.
Bewegter tvar der Verlauf der Ereignisse an der ausgedehnten nördlichen Flankenlinie der Russen, in den Gebieten des Narew, des Bob, des Njemen und der D u b i s s a. Dort, an dieser fast 50 Kilometer langen Front haben verhältnistnäßig schwache deutsche Truppen unter der bewährten Oberleitung Hinden- burgs glänzend die Ausgabe gelöst, den Besitz der er- oberten Grenzgebiete von Russisch -Polen und Litauen sowie eines großen Teiles von Kurland zu sicheret und dadurch zugleich Ostprearßen zu schützen. Ihnen gegeTtüber befanden sich beträchtliche russische Stteitkräste, deneu es oblag, gestützt auf die Narew- und Njemenfestungen, besonders Grodno und Kowno, die Flanke und den Rücken der russischen Weichselfront zu decken. Waren diese beiderseitigen Ausgaben wesentlich defensiver Nattir und machten daher auch berdc Parteien von der Feldbefesttgungskunst ausgiebigen Gebrauch, so trat doch bei beiden auch deutlich ^das durch die allgemeine Kriegslage gebotene Bestreben hervor, auf diesem Kriegsschauplätze möglichst starke Kräfte des Gegners zu fesseln, 'bei den Stufsen auch das Bemühen, uns wenigstens aus Kurland wieder zu vertreiben. Daraus entwickelte sich eine große Zahl von Unternehmungen und Zusammenstößen, die ihrer Statur nach, obgleich bisweilen Truppeii in der Stärke von Divisionen daran beteiligt waren, dem Gebiete des Kleinkrieges zuMrechnen sind, in ihrer Ge- samtheit aber doch eine nicht zu unterschätzende Sckwächung der Kräfte unserer Feinde zur Folge gehabt haben. Die preußische Grenze ist dabei von letzteren unberührt geblieben, unser Besitzstand auf feindlichem Boden nicht nur ungeschmälert erhalten, sondern noch etwas erweitert worden.
Das Gesamtbild, das das Ringen der beiden euro- päischen ZeNtralmächte mit Rußland bietet, gehört zu den großartigsten der Kriegsgeschichte. Nie zuvor haben ähnlich große Heeresmassen auf ein und demselben Kriegsschauplätze aus Tod und Leben einander bekämpft. Der Kampf ist für uns siegreich verlaufen, und scheint sich seinem Ende zu nahen. Wer endgültig abgeschlossen ist er noch nicht. Me Russen hoben in dem bisherigen Verlauf des Krieges mehrere Millionen Soldaten durch Tod, Verwundung und Gefangennahnre verloren, die sie trotz ihres Menschenrxichtums nicht ersetzen können, weil es ihnen,
