Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage |um Wiesbadener Taglilatt.

Ko. 111. Morgen-Ansgabe.

Freitag» de« 7. Mar,.

50. Jahrgang. 1902.

+ A*&***** ********* ****»+******** ******

Ä Ach. wenn der Mensch nur nicht-immersort ebenso schlau £ sein wollte, Ql« er dumm ist!

Wilhelm Raabe.

1 ?W¥¥¥W¥WWW¥¥¥W¥¥***WW¥WW¥¥W*WW¥¥** 9 '*

(1. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Der Warschaüstad.

Roman von Waftyer Schulte vom Mühl.

Jllztvischen war Hans in die Küche gegangen, fern Licht zu holen, denn er sehnte sich danach, den Sturm der ihn durchwogenden Gefühle sin stillen Hafer: seines Dach­kämmerchens austoben zu lassen. Mina, die Köchin, saß auf einem ü-tuhl, einen Kumpf Kartoffeln auf dem Schooße. Sie schälte sic sorgsam, kitschte geschickt mit der Spitze ihres Häppchens, des scharfen Küchenmessers, die Angen aus den Erdäpfeln, und ließ diese dann, einen nach dem andern, mit einem lauten „Plunsirs" in den neben ihr stehenden, mit Wasser gefüllten Eimer falle::. Mina war schon irrt Hause, als Hans :wch Freude an einem solcher: „Plumps" bekundete. Seitdein war gewiß ein Dutzend Jahre vergangen. In dieser Zeit war die Magd zur Freundin Aller im Hause geworden; selbst der würdenvolle Herr Kaltenbach behandelte sie mit esirem Anflug von wohlwollender Vertraulichkeit und erfreute sie oft durch die Bemerkung, keine könne so gut wie sie die „Kiewestüter"*) bügeln.

Der Kronprinz des Hauses war ihr aber besonders ms Herz gewachsen. Wie er nun jetzt so am Sprnng- herd stand und die Lampe an der erkalteten Platte nieder- zesetzt hatte, um den Docht abzustreichen und anzuzünden, prüfte Mina die Züge ihres Lieblings und sagte: „Nun, Hans, er hat wohl wieder was an Ihnen zu vermeldet: gehabt?"

„Das ist nun einmal so", gab er zuriick. „Morgen -in ich Lehrling, Mina."

„Da? ist ja selbstverständlich. In dem Geschäft möcht' Mancher gern Lehrling sein."

Da stiegen ihm Thränen in die Augen und er sagte «ornig durch die Zähne: „'S war schon gut, aber der

plmnacher soll mich zwiebeln."

Mina wiegte einen Augenblick ihr Haupt bedenklich mf dem kurzen Halse, aus dein cs schon dreißig Jahre laß. und entschied alsdann: „Das brauchen Sie sich incht o zu Herzen zu nehmen. Thun Sie Ihre Pflicht, Hans, rhxlich Ihre Pflicht, und wenn Ihnen das keinen Dank nnträgt, dann, wissen Sie was, dann — zwiebeln Sie oeu Plümacher, daß seine lederne Maske gelb und grün wird."

Das bannlösende Wort war gefunden. In den Äugen des jungen Mannes blitzte etwas wie llebennuth.

„Recht haste. Mina!" rief er erleichtert. „Ich weiß ja. wie dieser alte Coinptoirmensch ist, und wenn ich ihm nichts su Dank machen kann, dam: will ich doch inal

*) Kiewestüter — Kiemenfüßer, Vatermörder.

sehen, loer von uns Beide:: den Andern am erstell klein kriegt."

Die jüngsten Geschwisterchen, frisch gewaschen und in: Nachtkittel, drangen aus der Nebenkamnier hewor, und suchten den erwachsenen Bruder zu veranlasse::^ sie noch an den Armen schaukeln zu lassen und sonstige Ergötzlich- keitei: mit ihnen ins Werk zu setzen, wie er es sonst wohl zu thun pflegte. Er löste sich jedoch von ihnen, nahm seine Lampe und eilte hinaus. Im Treppenflnr trat ihn: seine Mutter entgegen.

„Ich tvollte Dir doch noch einmal allein gute Nacht sagen, Hans", fliisterte sie. „Wenn der Papa dabei ist. kann man sich nicht immer so mrssprechen. Er ist streng in seiner Art, aber er meint es gut, deshalb mußt Du Dich bestreben, ihm keinen Verdruß zu machen."

„Mit ihm hätte ich's lieber zu thuir als mit seinem Plümacher", cntgegnete Hans etwas hitzig.

„Pst", mahnte sie, „der Vater sitzt noch sin Neben- zimmer. Nimm Dich nur recht zusannnen im Geschäft, dann wird schon Alles gut werden, lind Du weißt ja, wenn's mal hart auf hart geht, dann halt ich Dir schon die Hand über den Kopf. Verlaß Dich nur auf mich. — Und nun mach', daß Du ins Nest kommst und schlafe Dich ordentlich aus. damit Du morgen frisch :md mrntcr ins Geschäft eintrittst."

„Hab' nur keine Bange, liebes Mütterchen", sagte er mit einem etwas verzweifelten Muthe, und dann eilte er die Treppe hinauf, als gälte es, eine Schanze zu stürmen.

llnter dem Dache lag das kleine Zsinmerchen, das ihm seit der Konfirmation zum alleinigen Gebrauche ein­geräumt war. Es war zwar niedrig und sein Bett stand urtter einer abgeschrägten Wand, aber er fühlte sich dort oben wie ein Ritter in seiner feste,: Burg; oft war es seine sichere Zufluchtsstätte gewesen, wenn ihn drunten die Stiirme des väterlichen Zornes bedrohte::.

Jetzt stellte er die Lampe auf den einfachen Holztisch, sog. wie mit vollsten: Behagen, aufathmend den seltsamen Duft ein, den Herbarien und Schmetterlingssammlungen ausströmten, und holte dann von der Wand einen Rappier herab, der dort mit einem Florett und einer Primaner­mütze als studerttische Dekoration diente. Der Turnlehrer Klauberg hatte Hans als seinen besten Fecksier geschätzt, und wenn der Schüler dabei:,: eimnal in innere Er­regung gerieth, so pflegte er sich durch einige Lusthiebe zu erleichtern. Spuren in der Decke Zeigten, daß dies in den: für derartige Uebullgen etwas niedrigen Gemach öfter geschehen war, und als Hans jetzt wieder ein paar pfeifende Quarten nnd Terzen ins Nichts schlug, ging es ihn: durch den Sinn: „Wenn doch jetzt dieser Plümacher mir gegenüber stünde und die ganze Einrichtung des Lehrlingswesens als Rappier gegen mich in der Hand führte!" Einige aus ihrer Nachtruhe aufgescheuchte Vögel, die in einem geräumigen Heckbaucr neben dem Fenster hingen, brachten ihn durch chr Flattern auf andere Gedanken und er hing den Rappier wieder an seinen Ort.

„Ihr manen Kerle", sagte er zu seinen gefangenen Stubengenosscn, die er seit Jahr und Tag sorglich ge­

pflegt und gezahnck hatte, „ihr arrnen Kerle, ihr sitzt da

schon so lange zwischen den Drähten. Nun soll auch ich, nachdern ich zwischen Syntax und Geometrie, zwischen Algebra und geschichtlichen Taten jahrelang umherge­flattert bin, in ein Bauer, in ein noch engeres, als das euere ist, gesteckt werden: eine alte trockene. PcÄanten- seele soll mich nach väterlichem Beschluß dressiren. ^ Und das nemtt man nun eine,: neue:: Lebensabschnitt!" Er öffnete das Thürchen des Käfigs und dann eine:: Fenster­flügel, sodaß die frische Mailuft eindrang.

„Morgen Früh, wenn ich noch schlafe, niögt ihr euch davon machen. Ich fcheicke euch die Freilwit, volle, un- beschränkte Freiheit", sagte er; aber sie achteterr nicht auf ihn. Sie hatten sich wieder mrf das oberste Sprungholz gesetzt und die Köpfe unter die Flügel gesteckt.

Ha:w ließ sich am Tisch nieder, blätterte in seine,:: Herbariun:, betrachtete einige Kasten mit Schrnetterlingen und Käfern, ließ dann die Sterne seiner Mineralsamm­lung einzeln durch die Hand gehen, ferner ein Maus- skelett, einen Hasenschädel und andere kleine Knochen- gerüste, die er sich mit Hülfe freundlicher Ameisen „Pra- parirte", und schwelate so. noch einmal in den Liebhabe­reien seiner Schiilerzeit. Schließlich ordnete er seine Bücher. Die deutschen Klassiker. Reisebeschrechungen. Erzählungen. Geographiebücher und Geschichtswerke stellte er säuberlich aus ein Brett, aber die verschwdenen Sprachlehren, die Bücher mit den vielen Zahlen und die :nit den steifen, geometrischen Figuren, sowie einen Stoß vollgeschriebener Hefte, das legte er zu enrem große,: Packe,: zusammen und zog eine hänfene Schnur darum.

„Mit euch bin ich ein für allemale fertig: ich will euch überhaupt nicht mehr sehen", entschied er strenge um schob das Ganze vermittelst eines Lineals ::: die fernste Ecke unter das Bett.

Ein Windzug kam die Thalschlucht hinauf und brachte die Schiefer, mit denen das Haus rings beschlagen war. zum Klappern. Hans lehnte sich aus dein Fenster und blickte in die Dunkelheit binaus. Kami: „sah mau einen Unterschied zwischen den umliegenden Hügeln.und den: nächtlichen Himmel, aber von einem nahen Bergrücken blitzten freundliche Lichter herüber nnd aus einer schmiede klang noch das helle Pink Pink des Hammerschlages. Aber bald schwieg es. ^

Die kaum begrünten Bäume sandten den zarten Dust des ersten Laubes zu den, jungen Mann emporEr kam wie ein Frieden über seine Seele, ^n der ,verne wurde irgendwo eine Ziehharmonika gespielt, kunsiloß Weisen bergt scher Lieder, aber das klang w welch und süß herüber, wie Töne aus einer anderen Welt. schloß das Fenster bis auf Handbreite und ging zur Ruhe. Die fenwn Klänge umwebten ihn traumhaft und schon wollte er einschlafen, als er plötzlich emporfuhr \xwi

lauschte. , ... , „■

Klapp, klapp! und wieder: klapp, klapp! tonte w-, deutlich durch die Nacht, als wurden Blechdeckel an ein­ander geschlagen. Es kam aus der Gegend, wo dw freimdlichen Lichter vom Hügelrucken glanzten.

(Fortsetzung folgt.)

Seiden-Haus M. Wlarchaiid

W6gCYI Umzug nach I^ajig’gasse

Räumungs-Verkauf

zu enorm billigen Preisen.

Nur noch einige Tage

vollständiger Ausverkauf!

Wir rmpsedlen besonders preiswert!, Elfenbein-, Krystall-, Nickel- und Ledcrwaaren dis zur Hälfte des bisherigen Preises!

Parfüme, Seifen, Zahupräparate uni» erste in- und ausländische Fabrikate ganz bedeutend unter Preis!

SS Webergaffe 28. HÖVtig 9 23 Webergaffe 28.

Laden-Einrichtung zu verkaufen.

Bindweiden

sind zu haben in der F-06

Blindenanstalt.

AuzünSeholz

per Cintncr Mk. 2.20 liefert frei ins Haus 2882

Hobelwcrk Wiesbaden,

Theodor Hettericli. Schlachthausstr. 12. Telephon Ro. 2219.

Kegen

riieit

von Gesicht u. Händen ist das an­genehmste und wirksamste Mittel meine Monig - «iiycertm- Creine. Dieselbe verursacht kein Brennen der Haut, macht diese sammetweich und wird von ihr vollständig absorbirt, ohne sie glänzend oder fettig zu machen. Meine Bfionig- ÄSlycerin-OÄme ist daher namentlich allen Denen zu em­pfehlen, welche in Folge der täglichen Beschäftigung ihre Hände nicht schonen können, aber trotzdem auf eine gute Pflege derselben Werth legen müssen. Tube 0.50 Mk,, 8 Tuben 1.25 Mk.

Ausserdem empfehle ich: Glycerin, Lanolin, Glycerin-Bal­sam, Veilchen - Creme, Gold- Cream, Vaselin eto. etc. 1970

l»r. M. Albersheim,

Fabrik feiner Parfümerien,

Lager amerikan., deutscher, englischer nnd französischer Speclalitiitcii, sowie sämint- licher Toilette-Artikel, auch in Schildpatt und Elfenbein,

Wiesbaden (Park-Hotöl),

WillieliiMlraoc SO. Frankfurt». J».,Kaiser 8 tv.l.

Badhaus

Zum goldenen Kreuz“,

1U Spiegelgaoc 1».

Thermalbäder

eigener Quelle. 1696f

Grosse, neu eingerichtete Badehallc.

r (-elieixtcs Anfenthaltsilminer.