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WieDMmr Tagblstt

5«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag S«» Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S» Pfg. vierteljährlich für beide Ansgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

18,000 Abonnenten.

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Der putsch in Serbien.

Belgrad, 5. März. Ein naher Verwandter des irdischen Kronprätendenten Fürsten Karagcorgewitsch, Namens Alavantics, versuchte heute in Schabatz einen Putsch. Derselbe lvar mittelst eines Kahnes in der Uniform eines serbi­schen Generals und in Beglciiuug von vier Parteigängern auf serbischem Gebiet cingetroffcn und alarmirtc die Gendarmcric- Wachc. Alsdann begab er sich in die Kaserne, wo er gleichfalls die Gendarmerie alarmirte. Als der herbeigeeiltc Hauptmana ihn zur Legitimation oufforderte, gab Alavantics einen Schuß auf ihn ab, wodurch der Hauptmann leicht verwundet wurde. Der letztere erwiderte das Feuer und verletzte Alavantics tödtlich durch einen Schuß in die Brust. Sterbend gestand derselbe, daß er im Auftrag des Fürsten Karageorgewitsch gehandelt habe.

Serbien ist und bleibt das Land der Ueberraschungm. Seit der Zeit, wo Fürst Michael, der Vorgänger Milans, auf Veranstaltung des rivalisirenden Hauses Kara- gcargiewitsch ermordet wurde iiiiü der Operettm- tönig Milan zur Herrschaft gelangte, ist Serbien

nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Re­

gierungsgeschichte Milans, der am 6 . März' 1889 sein Konigtyum sür baares Geld verkaufte und 311 Gunsten Alexanders des Kleinen abdankte, war eine volleirdete Tragikomödie der Irrungen iind Wirrungen. Die Re- gieriingsgeschichtc Alexanders des Kleinen, der mit 12s/- Jahren König wurde, mit 16M> Jahren die Regentschaft stürzte und sich für großjährig erklärte/ mit 21 Jahren die dreizehn Jahre ältere Frau Draga Maschin herrathete und mit 25 Jahren — beinahe Vater wurde, unterscheidet sich in Bezug auf die Tragikomödienhaftigkeit in nichts von der seines Vaters.

Alexander von Serbien, der am 11. August 18/6 gc- boren iü, also 25 Jahre alt ist, ist politisch „Alexander der Kleine" geblieben. Tie Ansätze voir Energie, die ec an­fänglich 'gezeigt hat, haben sich bald verflüchtigt. Durch die unselige Hcirath mit der Frau Draga Maschin, die ec nach seiner eigenen Erklärung zur Frau nahm, weil er sich dazu moralisch verpflichtet fühlte, da ec „bereits für einen Thronfolger gesorgt" habe, hat deii schlvacheu Rest von Popularität, den die Dynastie der Obrenowitsch inSerbien genoß, vernichtet. Die einzige Hoffnung auf die Er­haltung dieser Dynastie besteht für deii König Alexander in dein Eintreffen des sehnlich erwartete,i Thronerben. Aber der bisherige Streik der Störche in Serbicil laßt

11. Fortsctzung.

Lin Familiengeheünniß.

Roman von A. Foorc.

Bercchtlgic Ucbersetzung a,is dem Holländischen

von Hermann Koppel.

„Di, mußt nicht böse deswegen werden, ma clicre, aber ich muß Dir lagen, daß Mama behauptet, daß Tu ihr gegenüber zu siolz seiest und die Ehre nicht genug schätzest, in unsere Familie z,l kommen."

,Tie Ehre?" — und Lauras Gesicht überzieht sich mit "dunkler Gluth. „Tu meinst dann wohl, daß ich weil unter Dir stehe, da es eine Ehre für mich ist, wenn Du mich zu Dir erheben willst, Karl?"

„Ich habe cs nicht gesagt, Geliebte, nur Mama findet es. Doch ich bitte Dich, rege Dich doch über eine solche Lappalie nicht auf."

„Gewiß rege ich mich darüber auf, Karl. Du weißt, daß ich solche Redereim nicht vertragen kann, nicht er- tragen will. Und ich versichere Dir, daß ich, was sie auch darüber sagen möge. Deine Mama nicht höher achte als

mich selbst." , . ,

„Wahrlich, Laura, es steht Dir gut, so bos, so stolz

zu sein." . r . _ . . ,

„O Karl, sprich doch nur einmal m Dernem Leben

mit Ernst." . . . , „ „

„Nun, dann mutz ich offen fagcu, daß Du wohl allzu eifrig jeden Standesunterschied wegphilosophlreii willst."

„Das nicht, aber ich denke über Adel ganz anders als Du; ich erkenne viel rnehr den Adel der Seele an, als jenen, den man von seinen Voreltern erbt. Die Zeit ist vorbei, wo eine hohe Abkunft mehr Werth war, als Kenntnisse; der Sohn des Grafen steht heutzutage, ivenn es aus die Erlangung eines Postens ankommt, gleich mit demjenigen des Schulmeisters, die adligsten Namen ver­binden sich gegenrvärtig mit denl reichen Kausinanns» stand, und' ein Baron, der ein Bürgermädchm heirathet, ist keine Seltenheit mehr. Glaube also iiicht, daß Dir Dich selbst erniedrigst, wenn Du mich zu Deiner Frau erwählst. und wenn Du es glaubst . . . _

,.Q Laura. Geliebte, wozu das Alles? Vergiß jenes

diese letzte Hoffnung auf die Erhaltrmg der Dynastie der Obrenowitsch immer mehr schwinden.

Es ist kein Wunder, daß angesichts der dahmge- schwundcnen Popularität der Obrenowitsch und des Aus- bleibms eines Thronerben die Hoffnungen deö Kron­prätendenten Fürsten Peter Karageorgiewitfch im Wachsen begriffen sind. Der Kronprätendent, der mit einer schwer reictM russischen Fürstin verheirathet ist und sich in Ruß- land guter Beziehungen erfreut, hat auf das Erbe der Obrenowitsch niemals Verzicht geleistet. An Wühlereien in Serbien hat er es nie fehlen lasseir, und er hat stets mit den Radikalen, die Radikalen aber auch mit ihm gelieb- ängclt. Doch schien er bisher seine Zeit noch iiicht für gekommen zu halten, und voii größeren Dummheiten, von Putschen, die keine Aussicht versprachen, hat er sich seit der Hochverrathsasfaire von 1899 ferngehalten.

In jenem Hochverrathsprozeß ist festgestellt worden, daß der Verwaiidte und Anhänger des Fürsten Kara- georgiewitsch, Rade A l a w a n t i t s ch , mit Kneze- witsch, der das Attentat auf Milan beging, in engen Be­ziehungen stand, und er wurde damals zu zwanzig­jährigem Kerker vernrtheilt, nach dem Sturze MilanS aber begnadigt. Dieser Rade Alawantitsch ist derselbe, der Mittwoch Früh die m i ß l u n g e n c Ucberrumpe- l u n g v 0 n S ch a b a tz versucht hat, die fast wie ein Theatercoup aussah und dem Attentäter das Leben kostete, während seine Spießgesellen gefangen genommen wurden.

So thöricht und operettenbaft dieser Putsch anmuthet, so ist es doch außer Zweifel, daß F ü r st K a r a - g e 0 r g i e w i t s ch hinter der Sache steckt, ebenso wie 1899 seine Betheiligung festgestcllt worden ^ ist. Nach Privatnachrichten soll auch Rada Alaivantitsch sterbend bekannt haben, daß er im Aufträge des Fürsten Kara- georgiewitsch gehandelt habe. Selbstverständlich wird der Kronprätendent dies, iiachdem der so dumm eingeleitete Putsch mißlungen ist, bestreiten. Sehr wahrscheinlich ist es auch, daß Alawantitich ebenso wie seiner Zeit das Werk­zeug von Eccil Rhodos. Dr. Jameson, in blindem Eifer zu früh losgeschlagen hat, denn zum Schluß konnte sich Fürst Peter nicht einredcn, daß er mit vier Mann Serbien erobern könne!

Jedenfalls ist der vereitelte Putsch ein Zeichen, daß Fürst Karageorgiewitsch wieder an der Arbeit ist. Er weiß daß die Konigstrme den Serben nicht allzu tief cur Blute sitzt, und daß Alexanders Königsthron sehr wacklig geworden ist. Was heute mißglückt ist, kann bei gelegenerer Zeit und besserer Jnscenesetzuug doch früher oder später einmal gelingen. Jedenfalls spricht die Wahrscheinlichkeit gegen eine lange Tauer des Regimes Alexanders des Kleinen. Eine Fürstengruit hat man in Belgrad noch nicht

Geschwätz Mainas und sieh mich wieder freundlich an! Tu weißt doch wohl, daß ich es als eine Ehre betrachte, solch ein hübsches Mädchen lieben zu dürfen.."

„Meinst Tn das, Karl, ist es Dir wirklich Ernst?"

fragt sie. . ^ ^

,Ja gewiß. Darf ich Mama sagen, daß Du kommst?

„Gelobe nur dann, Karl, daß Tu nicht wieder derlei sagen wirst.'

Wien, 5. März. Der serbische Putschversuch läßt in hiesigen politischen Kreisen ganz kalt. Man hält die ganze Sache für viel zu operettenhaft, als daß sie ernst genommen Iverden könnte. Man sieht cs auch nicht als erwiesen an, daß der er­schossene Aufruhrer wirklich ein Anhänger der Karagcorgewüschs war. Derselbe ist in hiesigen serbischen Kreisen vielmehr als ern Abenteurer bekannt, der für kleinere Geldbeträge zu jedem Unternehmen zu haben war. Man erklärt, er könne keinerlei Anhang hinter sich haben. (Bcrl. Tagebl.)

„Ich oelobe es Dir. Wenn ich gewußt hätte, daß es Dir unangenehm ist, dann wäre sicher kein Wort davon über meine LiPPm gekommen, das weißt Du doch wohl ? „Nun, ich werde kommen."

lind sie kam, die Letzte zwar, doch zugleich die schonfte

aller Gäste. __

Ein Kleid von schiverer gelber Seide siel nt breiten Falten längs der schlanken Gestalt hinunter, wahrend weiße Kanten die Reize von Hals und Busen halb be- deckten, halb verriethm: die dunkeln Lockeir warm ebenso einfach wie sonst geflochten, nur leuchtete über der Stirn

ein Edelstein. ,

Sowohl das Kleid wie die Eselftemc waren Ge­schenke, die Onkel Louis von seiner Reise mitgebracht hatte: 'bis heiüe waren sie noch nicht getragen worden, da Laura sie allzu prächtig fand sür die Tochter des Doktor Fermant; heute Abend aber wollte sie glänzen, und Onkel LouiS war entzückt gewesen über die Schön­heit, die durch die großartige Toilette erst recht zum

Ausdruck kam. ..

Onkel Louis war nickt der Einzige. Als sie den Saal betrat, entstand ein Gemurmel der Bewunderung, und sogar Frau Leducere war aufs Neue erstaunt über das Majestätische ihrer Haltung, die stolze Schönheit des

Gesichts. ... .

Die beiden Damen begrüßter: einander mit fencr Höflichkeit. d:ö gewöhnlich angewendet wird, um das Fehlen freundschaftlicher Gefühle zu verbergen. Aus Karls Bitte fetzte sich Laura einen Augenblick rieben die Gastgeberin, und diese sprach außerordentlich frermdlich und wohlwollend zu ihr, während sie auch ihrerseits Alles that. um sich der Mutter ihres Verlobten angenehm

zu erweisen. _ , . , ,, .

Spät am Abend, als Laura Klavier gespielt und gc-

Deutscher Reichstag.

Berlin, 5. März.

Am Bundesrathstisch Schatzsekretär Thielmam. — Zu« nächst wird in dritter Berathung der Beteranen-Nachtrags-Etal dcbattelos definitiv genehmigt. — Sodann wird die Berathung des Etats des Auswärtigen Amtes fortgesetzt beim Titel „c.0,000 Mark Zuschuß an die Kolonial-Gcsellschaft für Schaffung cmcr Auskunftsstelle für Auswanderer", den die Budgci-Kommlfstoii aus den fortdauernden unter die einmaligen Ausgaben gesetzt hat.

— Aba. Graf Arni m «Mchsp.) spricht sich für Bewilligung des Titels aus. — Abg. L e n z m a n n (freis. Volksp.) erklärt, seine Freunde wollten von einer Auskunftsstelle in Angliederung an die Privat-Kolonial-Gesellschaft nichts wissen, zumal deren Mitqliederbestand sich ganz einseitig aus ganz bestimmten Parteien rekrutire. Sie lehnten die 30,000 Mk. ab. Staats­sekretär Freiherr v. Recht Hofen erwidert dem Vorredner, nach dessen Ausführungen inüßten eigentlich die verbündeten Regierungen um Entschuldigung bitten dafür, daß sie sich er­laubten, einer Resolution zu entsprechen, und diesen Posten in den Etat einzustcllen. (Heiterkeit und Beifall rechts.) Jedenfalls sei doch im Vorjahre kein besonocrer Widerspruch gegen die Reso­lution laut geworden. — Abg. Heim (C-nir.) spricht sich gegen den Titel aus. — Abg. Dasbach (C-ntr.) hält es für besser, die Sache ganz fallen zu lassen oder doch wenigstens vorläufig.

— Abg. Müller-Sagau (freis. Bolksp.) will ebenfalls nicht eine solche Aufgabe einer so cinscitig zusammengesetzten Privat- Gesellschaft übertragen wissen. — Abg. Graf Arnim (Reichsp.) vertheidiat die Kolonial-Gescllschaft gegen verschiedene laut ge­wordene'Angriffe. - Abg. Raab (Antis.) Plaidirt für Be­willigung der Position. — Die Position wird in der Kom­missionsfassung, also als einmalige Ausgabe, bewilligt. Dafür stimmte di- Rechte, einzeln« Antisemiten, die Nationalliberalen und vom Ccntrum die kleinere Hälfte. Für die dauernde Be­willigung, über welche zunächst abgestimmt worden war, hatten sich nur die R-ichsparteiler, ganz vereinzelte Deutsch-Konservative und etwa ein Drittel der Nationalliberalen erhoben. — Beim

sungen hatte und auch Andere ihr Talent hatten hören taffen trat Frau Leducöre in jenen kleinen Kreis, der sich nm ihre zukünftige Schwiegertochter gebildet hatte, inid pries den silbernen Klang ihrer Stimme.

Laura dankte mit freundlichem Blick und sagte lachend, daß sie nicht so gut singen würde, wenn Karl nicht begleitete.

„O ja", jagte Karl fröhlich, „mir singen zusammen recht viele Duette und unterrichten so einaiider. Im Spielen kann ich Laura imtürlich nichts lehren, da sie viel weiter vor ist als ich."

„Sie haben gewiß Herrn Hutter znm Musikkehrer?

„Vor Jahren habe ich Stunden bei ihm gmommm, jetzt aber übe ich allein iind komme ganz gut vorwärts."

„Und folgen Sie stets einer Methode, oder haben Sie Jemand, der sich mit der Wahl Ihrer Stücke beschäf­tigt?" fragte eine andere Dame.

„Ich lasse mich in dieser Beziehung meist durch meinen Vetter, Georg de Cantcl, leiten."

„Ach so. nun, dieser Mentor ist gut, er spielt vor-

Wer — sagen Sie, Laura, Ihr Vetter ?"

sagt

2 aura

Steuer-

.Georg de Cantel, gnädige Frau" freundlich, „rennen Sie ilm nicht?"

„O nein, de Cantel -- ist das nicht ein

einnehmer hier ....?"

„Pardon, Mama, ein Notar , antwortet Karl.

"Ah so, ja, siehst Tu, ich kenne alle die Lenke hier noch" nicht", und die Frau Baronin wedelt gleichgültig mit den: Fächer.

Eine dunkle Röthe färbt Lauras Gesicht, und sie beugt sich tiefer über ihre Norm hin, als ein alter Herr, ein Freund ihres Onkels, das Wort nimmt: „Es nimmt mich sehr Wunder, daß Sie dm Notar de Cantel noch nicht haben nennen hören, gnädige Frau; er ist sonst sehr bekaiint und hoch geachtet, sogar anßerordmb lich geachtet."

„Vraiment? Aber lassen Sie nach Ihnen sagen, Herr van Root, daß ich nrich nicht so sehr nach dern Papa, als nach dem Herrn Sohn erkundigte, und" — fügt sie mit allerfremrdlichsteii Lächeln hinzu — „der ist doch wohl noch nicht so hoch berühmt?" /