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so. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch dir Post » Mk. SO Pfg. vierteljährlich für bcrde Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

18,000 Abonnenten.

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Ameigen-Annahme LLLLKLL L

JJo, 1()5* * Redaktions-Fernsprecher N». 52

12 Uhr Mittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichtcr Anzeigen zur keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Dienstag» den 4. Marx.

Bcrlags-Fcrnsprechcr No. 2266.

Morgen - Ausgabe.

Die Heilung der ..Zuckerkrankheit".

Aller Anfang ist schroer und Ende gut, Alles gut! Nachdem im Laufe der letzten Jahrzehnte nein: inter­nationale Zuckerkonserenzen sich erfolglos mit der Losung der Zuckerfrage, mit der Heilung der wirthschaftlichen Zuckerkrankheit, an der alle Zucker produzirenden Staaten leiden, üeschäftigt hatten, hat die zehicke Konferenz, die jetzt in Brüssel getagt hat, die „Jubiläumskonferenzch einer: ehrlichen und vollen Erfolg erzielt, de,: wir nnt ehrlicher nnd voller Befriedigung begrüßen dürfen.

lieber die Einigung, welche irr Brüssel nack, lang­wierigen Verhandlungen, die rviedcrholt zrr scheitern drohten, erzielt worden ist, Ifat der Staatssekretär des Rcichsschatzamts Frhr. v. Thielmann, am Sonnabend in: Reichstage nähere Mttheilungen genmäst, welche das Er­gebnis der Konferenz als ein sehr befriedigendes er­kennen lassen. Wie ferner gestern ans Brüsfel gemeldet worden ist, wird die liebere rnknnft, welche mit dem Be­ginn des nächsten Jahres in Kraft treten soll, bereits dieser Tage unterzeichnet werden. Der Inhalt der Ueber- emknnft bestcht in der Aufhebung der Zuckerprannen, sowohl der direkten wie der indirekten, in der Festsetzung eines Höchstsatzes von 4,80 Mark für dm „Ueberzoll" auf Zucker und in der Abmachung, daß diejmigm Länder, welche dein Uebereinkommen beitreten, sich gegen die Länder, welche die Bedingungen des Uebereinkommens nickst arterfernten, durch Zuschlagszölle auf dem von dort pngefiihrten Zucker schlitzen.

Vechältnißmäßig geringer Schwierigkeiten hat es be­durft, tuu sich in Brüssel über die Abschaffung der Zucker- prämien zu einigen. Darüber, daß das Prämimsystem die mißliche Lage auf dmt Zuckermarkte verschuldet hat, bestand ebensowenig ein Zweifel wie darüber, daß die Wirkung dieser Prämien, die deir Staatskassen und danüt dm Steuerzahlern ungeheure Opfer auferlegten, durch die gleichm Maßregeln der verschiedmm Länder völlig aufgehoben wurde. Das Zuckerprämimsystem, mit dem nunmchr in naher Zeit aufgeräumt werden wird, glich jenem merkwürdigen Duell, zu dem ein Millionär iit San Francisco, der „Goldkönig von San Francisco" ge­nannt, eineir Millionärskoüegm herausforderte. Seme Forderung lautete dahin, daß beide Duellantm sich an dm Hafmguai begeben und daß sie dort abwechselnd Zwanzigdollarstücke in die Bai werfm solltm, bis Einer sich sür besiegt erklärte.

Währmd über dm Fortfall des unsinnigeir Prämim systems in Brüssel leickst eine Einigung erzielt wurde, ist dies um so schwerer in der Frage des Zitckerzolls ge wesen. Bon französischer und englischer Seite war vor langt wordm, daß für dm Ueberzoll auf Zucker, d. h.

sür dm Betrag, um beit der Zuckerzoll die inländische

Verbrauchsabgabe übersteigt, ein Maximalsatz von 3 Francs festgesetzt werden solle. Auf diese Forderung weigerten sich Deutschland und Oesterreich, die einen wesentlich höheren Maximalsatz verlangtm, einzugehm, doch ist nach langwierigm und schwierigen Ver­handlungen ent llebereinkommm dahin erzielt wordm, daß für diesen Ueberzoll der Höchstsatz von 6 Francs gleich 4,80 Mark stipulirt wird.

In der Sonnabmdsitzimg des Reichstages ist das llebereinkommm überwiegmd in günstigmi Sinne be­grüßt wordm, und insbesondere gegen die Aufhebung des Prämimsystems, die ja der Reicksttag schon im Jahre 1896 nahezu einsümmig gefordert hat, sind keine ernst­haften Entwände mehr geltend gemacht wordeit. Von Seiten der Konservativen und des Cmtrums sind zwar noch einige Bedmkm gegm die Herabsetzung des Zucker­zolles erhoben worden, aber es ist im Ernste nickst daran zu zweifeln, daß das Brüsseler Uebereinkommeu, welches ja auch dmt deutschen Reichstage zur Genehmigung vor­gelegt werdm muß, von diesem mit großer Mehrheit acceptirt iverdm wird. Liegt doch der Fall jetzt so, daß durch die geplanten Abwelfrmaßregeln dmjmigett Läuderti, die deut Abkommm nicht beitretm würden, die Zuckerausfuhr wenn nicht unterbundm, so doch aufs Schwerste gehemmt werdm würde.

Wir verkmnm tticht, daß die Uebergmtgszeit in dm ueuett Zustand für die Zuckerindustrie manckfe Schwierig- leiteu bieten wird, aber über diese wird sie hinweg- kommen, wenn durch die Verbilligrmg des inländischen Zuckers der ganz unverhältmßntäßig geringe Jnlands- konfüm gehobelt werdm wird. Die Herabsetzung der Verbrauchsabgabe wird aber durch dm Fortfall der un- gehmren Atisgabe für die Prämim ermöglicht. Beträgt doch der Preis für das Pfund Zucker im Kleinverkehr in England nur 10 bis 12 Pfmnige, in Dmtschland aber, wo'wir ihn produzirm, 30 Pfmnige und mehr, sodaß es begreiflich wird, wentt bisher von dm 23 Millionm Doppelcentnent Zucker, die wir üt Deutschland prodtt- zirm mtr 7 Millionen auf dm Jnlandskonsum kämm. So wird die Aufhebung der Zuckerprämim und die da­durch ermöglichte Verbilligung des Zuckers m gleicher Weise dm Konsummtm wie den Produzenten zu gute konnneu.

Deutsches Deich.

* Berlin. Der Kaiser bestitirmte, daß der während der C h i n a w i r r e n i r. Ostasicn verwendetm Be­satzung tmd Militärverwaltung in Kimitschott eine K r i e g s z u l a g e ztt gewähret: ist.

* Mlmuschaftsbcstand der Flotte. Nach der jüngsten Einstelltmg von Rekruten in der Marine beläuft sich der a k t i v e B e st a n d d e r FI o t t e im Jalfre 1902 ans

insgesammt 33,408 Köpfe, darunter 1394 Offiziere, und zwar 1054 Seeoffiziere, 183 Marine-Jngmimre, 46 Offiziere der Marine-Infanterie, 63 der Artillerie-Ver- Wallung, 32 des Torpedowesms und 16 des Mrnen- wesens. Dazu kommm 175 Marineärzte. Von den Seeoffizieren sind 3 Admirale, 4 Vize-Admirale, lll Kontre-Admirale, 52 Kapitäne zur See, 119 Fregatteu- Kapitäne, 128 Kapitänleutnants erster Klasse, 92 Kapt- tänleutuants zweiter Klasse, 348 Obevlmtuants und 263 Leutnants. Von dm Marine-Ingenieuren sind 5 Marine- Chefingenieure, 5 Marine-Stabsingenieure, 65 Marine- Oberingmimre und 86 Marine-Jngmimre. Auf den Stand der Marine-Aspiranten entfallm 601 Llopse, darunter 401 Fähnriche zur See nnd 200 Seekadetten. Der Mannschaftsbestand umfaßt 1426 Deckosftztere, 68^4 Unteroffiziere, 22,289 Gemeine nnd 1300 Schiffs-! jungen, 31,839 Köpfe. Außer dem reinm Mlitär- personal ist ein Beanckettpersonal von 2067 Mann vor­handen.

Arrsörmd.

* Oestcrrcich-Ungarn. Oberleutnant KöPPl, der Kommandant der Abtheilung, die ü: T r i e st zuerst Feuer gab, wurde vom Kriegsmmister nach Wim be- rufen. Seine Angaben werden auch dem parlamen­tarischen Atisschtiß vorgelegt werdem Er erzählt, mau habe aus ihn einen R e v o l v e r s ch u tz abgefeuert, daraufhin habe ein Unteroffizier, der KöPPl fiir vermundei Aeuer foinutcutbiTt. Ä'öppl erfytett nt

letzter Zeit in Triest viele D r o h b r i e f e und wird in eine andere Garnison versetzt. — Aus Wien wird dm M N N." gemeldet: Dm Vertretern der Pariser

Juwelierfirma Baucheron, die Juwelen tim Werthe von eine Million Francs nach Wim unverzollt cinschmnggeltm, um sie insgebeim an reiche Kimbe n zu verkausm, wurden von der Behörde Waarm im Werthe von 800,000 Kronen konfiszirt. Diese diirftm für v e v- fallen erklärt werdm.

Der Freiheilskries der Krrrerr.

Zur Frage der Konzentrationslager wird uns ge­schrieben : Ich gestatte mir, zu der im Samstag-Morgen-! Blatt enthaltenen Mittheilung, daß es dm in dm sage- nannten Konzentrattonslageri: gefangen gchalteMN

Burmfranm und Kindem jetzt gestattet werdm solle, diese zu verlassen, die folgmde Bemerkung ganz ergebmst zu unterbreiten. Der von dm Engländern offenkundige Zweck der „Gefangennahme" der burischm Fraum und Kinder war zunächst der, durch die dmselbm auserlegten Leidm und Entbehrungen die kämpfenden Männer zur bedingungslosen Unterwerfung zu bewegen. Nachdem diese Erwarttmg fehlgeschlagm, auch die Burmfraum

Feuilleton.

Me Dame mit dem Toütenkvps.

Eine Remimseenz von Jcrmy Hirsch.

An einem Maitag des Jahres 1844 befand sich mein Ge­burtsort, die uralte Stadt Zerbst im Herzogthum Anhalt, :n großer Aufregung. Auf dem alterthüinlichen. sonst so stillen Marktplatz, der sonst nur an Wochenmarktstagen Leben gewann, herrscht« «in buntes Treiben, auf das der „Roland" unb die „Butterjungfer", die seit vielen Jahrhunderten als Standbilder daselbst thronten, schier verwundert herabschauten.

Besonders lebhaft ging es vor dem in der Nähe des schonen, alten Rathhauses gelegenen „Goldenen Löwen", dem ersten Gast­hof der Stadt, zu. Es leiten sich dort Gruppen gebildet, die lebhaft redeten und gestikulirten; alle Blick« waren unverwandt nach den Fenstern des oberen Stockwerkes gerichtet, dte zum Theil durch herabgelaflene Rouleaux geschloffen waren. Hrntcr den unverhüllt gebliebenen Scheiben ließ ffch Nichts entdecken, was der Schaulust irgend welche Genüge geboten hätte. Die Zimmer waren entweder unbewohnt oder es hauste darin ein harmloser Geschäftsreisender, der sich, je nach seiner Natur, geschmeichelt oder beunruhigt fühlte, Gegenstand der allgemeinen Aufmerk­samkeit zu sein. .

„Sie ist da! Ich wer« es ganz genau. Sie ist in der Nacht im eigenen Wagen mit Postpftrden, mit einer Gesell­schafterin, einer Kammerjungfer und ihrem Reisemarschall an- gtlommeu " behauptet« der Eine, den die Ledertasche unter dem Arm und noch mehr dir charakteristische Bewegung der Arm- itrid Hände als Barbier kennzeichneten.

„Wenn so viel Menschen angekommeu wären, müßte man dockt etwas von ihnen zu sehen bekommen," wandte, den Finger an di- Nase legend, mit weisem Gesicht Schneider Natho ein. „Ich Halle di« ganze Geschichte sür Schwindel."

Ein Sturm der Entrüstung erhob sich. Don allen Seiten drang man ob dieser vermessenen Auslaffmig ans den Schneider rin.

Natho blieb indcß ganz ruhig, er ließ den Sturm austoben und wiederholte gelaffen seine Behauptung: „Ich sage Euch, dir

ganze Geschichte ist Schwindel. Es giebt garnicht solche Dame."

Der Lärm verstärkte sich; brummende und scheltende Männer, kreischende Weiberstimmen ließen sich Horen.

„Giebt kein«! Giebt keine! Bist'mal wieder neun mal klug, Natho!"

„In allen Zeitungen steht's jeden Tag zu lesen!" . . .

„In Paris und London, in Berlin und Hamburg ist sie

gewesen..." „ „

Oder soll sie gewesen sein," bemerkte Kaufmann Hecht, der sich auf die Seite des Schneiders stellte, „gesehen hat si- Niemand!"

„Weil sie sich nicht sehen laffen kann, wurde dem Zweifler bemerkt. „Sie reist ja eben in der Welt umher, weil sie von dem Unglück erlöst werden möchte. Sic sucht einen geschickten Arzt."

„Nein, einen Mann, der sie trotzdem heirathet!"

„Brr! Brr!" hieß es und man schüttelte sich. Besonders thaten dies die Frauen.

Unter den Männern aber wurde erwogen: „Sre soll uner­meßlich reich sein, und für Geld läßt sich Vieles thun!"

„Möchte nur wissen, warum sie deswegen nach Zerbst komnll," erwiderte der ungläubige Schneider. „Gute Aerzte und Leute, die sich für Geld verlaufen, hätte sie in Paris und Berlin doch weit eher finden können als hier. Ich —"

Das Wort blieb ihm im Munde stecken, alle Hälse reckten sich; cs trat ein paar Minuten tieft Stille ein, de; dann ein Zischeln und Raunen folgte.

„Da seht Jhr's ja. Sie hat von Choop gehört und ist um seinetwillen hergekommcn."

Quer über den Marktplatz schritt ein noch junger, blonder Mann auf den „Goldenen Löwen" zu. Er war im feinsten, schwarzen Gesellschaftsanzug, trug blendend weiße Wäsche, einen glänzend gebürsteten Cylinderhut auf dem Kopfe und im Knopf­loch eine Maiblume; in den mit hellgelben Glacehandschuhen be­kleideten Händen hielt er einen Stock mit vergoldetem Knopf.

„vr. Choop! Dr. Choop!" ries es leise und lauter, und Alles" dränqte sich näher zu den zur Thür des Gasthofes empor­führenden Stufen, an der der Wirth erschienen war. Er wechselte einig« Worte und einen Händedruck mit dem jungen Arzt, gab die Thür frei und ließ ihn eintreten.

Jetzt war auch der ärgste Zweifler überführt und bekehrt.

Im „Goldenen Löwen" weilte die Dame mit dem Todtenkopf und hatte" den jungen I)r. Choop zur Konsultation zu sich entbieten laffen.

Wer war aber die Dame mit dem Todtenkopf?

Darüber befanden sich die guten Zerbster ebenso im Un­klaren, wie die Bewohner anderer größerer und kleinerer Städte, in denen man ihre Ankunft erwartete oder gar als bereits erfolgt verkündigte. Eine ganze Reihe von Antworten ebenso unbe­stimmter Natur hatte man auch bercüs auf die zwecke Frage: „Was ist der Zweck ihrer Reisen von einem Ort nach dem an­deren?"

Nach Einigen war die Dame mit dem Todtenkopf die Tochter eines amerikanischen Pflanzers, nach Anderen die eines austrKi- schen Heerdenbesitzers; wieder Andere ließen sie den Abkömmling einer exotischen Fürstenfamilie oder eines vertriebenen Kömgs- geschlechtes sein, von allen Seiten aber hörte inan überein­stimmend, daß sie reich, unermeßlich reich und ganz unabhängig sei, jung, von schönem, ebenmäßigem Wuchs und völlig gesunden Gliedmaßen,— ihr Gesicht aber trug keine menschlichen Züge; ein Todtenkopf saß auf wohlgebildeten Schultern.

Die Zeitungen, deren es damals noch nicht eine so große An­zahl gab wie heute und die auch nicht so prompt bedient wurden, da die Eisenbahnen sich noch im Kindesalter befanden und ein Telegraphennetz noch nicht über die Erde ausgespannt war, halten seit einer Reibe von Monaten Mittheilungen über die „Dame mit dem Todtenkopf" gebracht. Keine bestimmten fteilich, denn dazu war man damals in den Redaktionen vorsichtig genug, aber ein Blatt druckte dem anderen die Wundermär nach, ohne eine Gewähr dafür zu übernehmen und sicherte sich für alle Fälle dadurch, daß es Zweifel und ironische Bemerkungen daran knüpfte. Man erfüllte dadurch jedoch die Wünsche der Leser, die in der politisch ziemlich stillen Zeit von der Dame mit dem Todtenkopf Näheres erfahren wollten.

Viel beschäftigte man sich mit den Ursachen, die das wenig erfreulich Naturwunder hervorgebracht haben konnten. Die be- klagenswerth« Dame sollte so geboren sein, und wie, um die Schauerlichkeit zu vermehren, hinzugefügt wurde, infolge eines Fluches, den eine Sklavin, der man die Kinder verkauft, gegen die Mutter der Unglücklichen geschleudert hatte. Nicht ganz so phantastisch, aber grausend genug klang die Lesart von denn

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