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Freitag, 2 . Iuli 1915 .
Kbend-klusgade.
Nr. 302 . . 63 . Jahrgang.
Oer Weltkrieg im Juni 1913.
Don General der Infanterie z. D. v. Blume.
Berlin, 30. Juni.
Bier Tatsachen treten aus dem Bild der Kriegs- ereigniffe des ad gelaufenen Monats beherrschend hervor: die schwere Niederlage der Russen m
Galizien, das Scheitern aller Durchbruchs- versuche der Franzosen und Engländer um Westen, das fortdauernde Miß g e s ch t er derselben cm den Dardanellen, endlich dre Mattigkeit und Erfolglosigkeit der bis- herigen Kriegführung Italiens. , .
Wenn wir uns zunächst den Ereignissen rn Ganzren zuwenden, so müssen wir uns erinnern, daß sich an den in der Durchbruchsschlacht am D u n a j e z (2. bis ü. Mai) glänzend errungenen Sieg eine mit unübertroffener Energie durchgeführte Verfolgung schloß, in der die Verbündeten schon am 12. desselben Monats den San erreichten. Hier aber bedurften sie einer kurzen Ruhezeit zur Erholung, Heranziehung der Trains, Neuordnung der Verbände uiw. Die Russen chatten furchtbare Verluste.erlitten, ihre Widerstandskraft war gleichwohl noch nicht völlig gebrochen, vielmehr vermochten sie noch bedeutende frische Kräfte — darunter dem Anscheine nach eine Armee von fünf Korps, die bisher bei O d e s s a für die Kriegführung gegen die Türkei bereit gehalten war — an den San cheranzuziehen. Mit deren Hilfe entschlossen sie sich, den Gegnern aufs neue die Stirn zu bieten. Hierfür hatten sie die Wahl, deren getrennte Kolonnen beim Überschreiten des San anzugreifen oder sich in der von Natur starken urDvonlangerHandbe- festigten Verteidigungsstellung R a w a r u s k a - Gro- dek-Komarno, nahe westlich Lemberg, zur Schlacht zu stellen. Sie beschlossen, vielleicht um mehr Zeit für die Heranziehung von Verstärkungen nach Lemberg zu gewinnen, mit dem erstgedachten Verfahren zu beginnen, danach aber nötigenfalls in die Verteidigungsstellung zurückzugehen, um Liese auszunutzen.
Am 24. Mai nahmen die Verbündeten dre unrer brochene Offensive an und über den San wieder aus, am ersten Tage mit so gutem Erfolge, daß wrever um 21000 Gefangene und 39 feindliche Geschütze m ihre Hände fielen. Aber danach erfolgten, während cmf dem rechten Flügel die Vorbereitung für Len Angriff .aus die noch in russischem Besitz befindliche Festung Przemysl eine gewisse Zeit in Anspruch nahm, nördlich davon am San die von den Russen beschlossenen Gegen- angrifse. Sie wurden zwar, außer bei Sieniawa, wo die über den San vorgedrungenen Unsrigen zeitweise auf das linke User des Flusses zurückweichen mußten, blufig abgewiesen, trugen indes gleichfalls dazu bei, die Fortsetzung unserer allgemeinen Offensive zu ver- zögern. Auch die am 2. Juni erfolgte Eroberung von Przemysl ermöglichte deren foforfige energische Wieder- aufnahmc noch nicht. Diese erfolgte erst am 13. ^uni, an dem die Armeen Mackensens aus der 70 Krlonreter ubreiten Front Czerniawa . (nordöstlich Moscrska)- dieniawa zum Angriff auf die ihnen nahe gegenüver- stchende russische Hauptmacht schritten und sie völlig schlugen. In der Verfolgung der nächsten Tage trieben sie den rechten Flüge! in östlicher Richtung zurück. Es gelang den in Unordnung weichenden Russen nicht in ihrer vorbereiteten Grodekst-ellung . westlich Lemberg festen Fuß zu fassen. Am 19. Juni wurde diese erstürmt, die feindliche Mitte nördlich von L e m - berg bis hinter die Straße Zolkiew-Rawaruska znrückgeworfen, am 22. die galizische Hmiptstadt selbst und in der nachfolgenden Nacht die südlich davon befindliche S z e z e r e k stellmrg mit Sturm genommen. Seitdem drängen die Armeen Mackensens die, Russen unter Känipfen mit deren Nachhuten östlich und ii o r d ö st l i ch von Lemberg weiter zurück. Am 28. näherten sie sich dem B u g a b s ch n i t t. hinter den die Russen unterhalb Kamionka an demselben Tage bereits zurückgingen. Der rechte Flügel ist jedoch nordwärts ab gesprengt und hat dort, verfolgt von der linken Flügelarmee Mackensens unter Befehl des Erzherzogs Joseph Ferdinand, bereits die Reichsgrenze über- schritten. Die feindlichen Truppen, die sich bisher noch im San-Weichsel Winkel behauptet hatten, sind dieser Bewegung, über den San weichend, gefolgt.
Um .das Bild der Vorgänge in Galizien zu vervoll- ständigen, haben wir nunmehr noch einen Blick auf die Ereignisse zu werfen, die sich inzwischen an der Dnjestrfrrnt Mtvngen. (Forts, folgt.)
ver vaqernkönig bei Kaiser Zranz Joseph!
W. T.-B. Wien, 2. Juli-. (Nichtamtlich.) Der Kaiser hat gestern pormsttog tot SchÄckrrmner Schloß den Besuch König Ludwigs UI. von Bayern entgeyengLnvimnen.
Dto gAgensertfixe Be g rirtz r m g der Heide« MajPöte« war
mein herzlich und freundschcrfüch. Um 12 Uhr mittags sa-ü> eine Früh stückstafel im Marmorsaak der Hrgourg starr, an der außer dm Majestäten Erzherzog Franz Salvator an aus i>:r ^Begleitung des Königs der bayerische KmeMEsitor 'Freiherr Kretz v. Kressenstein, der bayerische Gesandte üver- herr v. Bacher und andere tetlniahmen. Nachmittags fand,rn Antoinetre-Zrurmer ein Familiendiner statt, dem der Kauer, Könrg Ludwig III. von Bayern, Erzk^rzog Karl Franz zchLpy, die Erzherzogin Zita und Erzherzog Franz L-alvator berrvohn- ten. G^ich^nig fand in der Hofburg Mavschalltafel l - Später am Nachmittag machte König Ludwig von der Hoforrrg aus einen Spagie.vga.ng nach den schönsten Plätzen »er «-.'w.., Der König wurde vielfach erkannt und ehrerbietig begrüßt.
Erzherzog Friedrichs Dank an das preußische Abgeordnetenhaus.
w. T.-B. Berlin, 2. Juli. (Z'ichtamittich.) Dem Pr äst. denten des Abgeordnetenhauses fit von dem Feld- marschall Erzherzog Friedrich folgende Antwort auf das an ihn gerichtete GlürktvunschtelegrcNMN zugeganaen.
..Für die mir mrlästlich der Wiederer^erunavou
Lemberg durch die mir unterstehenden heldenhanen Truppen im Namen des vec sammelten preu-tz,>chen Adtz-md. neben Hauses gütigst ubermürelten herzlichen ^lrickwuuche bitte im meinen wärmsten Dank ^
dolmefichen m wollen, vü siege drs feste Z:rv .r, cht. oast unsere treuverbündeterr Armeen dem Dawr.air-de den eorm vollen und segensrmchen Frieden crkcmrtfien mato Sab marlchall Erzherzog Frredrrch. K. und K. Armee- obertomnMndant."
Zur Beförderung des Obersten v. Seeckt.
Generalmajor v. Seeckt. der GeneralstäbSchef der Arnnee Mackensen, hat durch seine außer, der Tour erfolgte Beförderung zum General drei Jahre übersprungen. Er war soeben erst Oberst geworden und wurde rn der Tour noch etwa drei Jahre bis zum Generalmaior gebra-rch-t haben.
Bevorstehende Rückkehr der nach Rußland weggeführten Zivilpersonen.
W T -B- Berlin, 2. Juli. (Amtlich.) Um die Rückkehr der von den Russen aus Ostpreußen in das Innere Rußlands fortgeführten Deutschen herbeizuführen, sind bereits vor einiger Zeit Verhandlungen mit der russischen Regie- rung angeknüpft worden. Diese Verhandlungen stehen letzt vor ihrem Abschlüsse und es fit zu hoffen, daß dre Rückkehr der fortgeführten Zivilpersonen rn absehbarer Zeit sich ermöglichen lassen wird.
Die ernste innere Lage Rußlands.
Aus dem Brief eines russischen Offiziers.
Sr. Tschecinwitz, 2. Juli. (E!g. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Durch Zufall fiel der hiesigen Behörde das Schreiben eines «issficken Offiziers in Moskau an feine Angehörigen in Tscher^ i owitz' in die Hände. In dem Schreiben heißt es u. a.: West europa hat keine W.nuny von dem ernsten Charakter der Lage Zwischen den Revolutionären und dem Militär fanden' heftige Zusammenstöße statt. In Moskau fei auf das Militär mit Kanonen gefeuert worden. Das Schreiben schließt mit den Worten: „Wir fürchten dm Ausbruch der Revolution mehr als den Krieg."
Schtscherbatow fegt mit eisernem Besen. Genrralreinigung im russischen Ministerium des Innern
W. T.-B. Petersburg, 2. Juli. (Nichtamtlich. Meldung des „Rutzkoje Slowo".) Der neue Mini st er d e s I n n ern kündrAe den Pressevertretern gegenüber einen größeren Stellenwechsel unter den höheren Beamten Rußlands an. MaklakoivS sämtliche Gehilfen sollen durch andere ersetzt Iverden. Die Gehilfen im Ministerium veS Innern von Plehwe und Dehunkoivsky wrirden bereits verabschiedet
W. T.-B. Petersburg, 2. Juli. (Richtamtlüh.) „Rowoie Wremja" nseldet aus Tokio: Der Ministervat befaßte sich letzthin mit der Frage einer weiteren Annäherung an, Rußland sowie nrrt der Waihmrehmuiig der japanischen Interessen rn der Südmandschvaei und OstmorigolLi. Er erörterte die 3i,cht- lrnien der jayainijchen Politik nach dem Kriege. Es verlautet, daß ein Gesandtenwecht'el in Peking bevorstehe und Japan eine außerordentliche Gesandtichaft nach China sender^ will.
wie Rußland feine Kinanzen verbessern will
Eine russische Wehrsteuer in Sicht.
»p. Stockholm. 2. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie-kürzlich mitgeteilt wurde, Unterzeichnete der russische Finanzminister Bark die Instruktionen zur Erhebung von Steuerrr von solchen Personen, die vom Militärdienst br- freit sind: 1. solche, die nach ihrer Einziehung für dienst untauglich erklärt sind; 2. solche, die für immer von der Dienstpflicht befreit sind; 3. die dem Landsturm 1. urid 2. Kategorie zugeteilten, aber arbeitsunfähigen Leute; 4. A u s l ä n d e r über 30 Jahre, welche die russische Reichs- angehörigkeit erwarben, aber dienstuntauglich sind; 5. die jenigen, welche sich der D i e n ft p f l i ch t entzogen haben und als über 34 Jahre alt nicht mehr herangezogen werden, wenn sie dienstuntauglich sind; 6. diejenigen, denen alle Rechte und Vorrechte entzogen find.
Es folgen weitere Bestinimungen über die Zeit, von welcher und bis zu welcher die nicht militärpflichtigen Personen die Steuer,zu zahlen haben, sowie über die Bedingun-- gen, unter welchen die Einziehung' der Steuer aufzuhören hat. Fünf Steucrtlasscu werden eingerichtet je nach dem
Einkommen der Betreffenden. 1. Klasse bis 1000 Rubel,
2. Klaffe 1000-5000 Rubel; 3. Klasse 5000-10 000 Rubel;
4. Klaffe 10 000—20 000 Rubel; 5. Klasse über 20 000 Rubel.
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Die Luftbeschießung von Belgrad.
Jagd auf die verfolgenden französischen Flugzeuge.
Br. Budapest, 2. Juli. (Eig. Drcchtbericht. ,Ktr. Bln.) Über den Besuch zweier österreichischer Flrcger über Belgrad meldet der „Pester Lloyd" noch fol- geude Einzelheiten: Am 28. Juni, dem ersten Jahrestage der Ermordung des Thronfolgers, statteten zwer Flugzeuge unserer der Südarmee angehörenden Flieger- abteilung der serbischen Hauptstadt einen Besuch ad. Die beiden Flugzeuge erschienen 12 Uhr mittags über Belgrad und belegten die dortige Schiffswerft, die einzige in Serbien, mit vier, das Militärlager in Belgrad mit sechs Bomben. Die Bombenwürfe waren erfolgreich. Auf der Schiffswerft entstand ein Brand, auch im Militärlager gab es Verheerungen. Die Serben eröffncten,mrt ihren Maschinengewehre« zunächst ein sehr heftiges Feuer, konnten diesen aber nichts anhaben. Mitten rn diesem Feuer schwebten unsere Flugzeuge eine Viertelstunde über Belgrad und nahnrcn dann die Richtung gegen Schabats. Die der serbischen Armee, zugeteilten ftan- zösischcn Kriegspiloten stiegen inzwischen mrt ihren Apparaten auf, um die Verfolgung uujerer Flugzeuge in Angriff zu nehmen. , In der Nahe von Schabats unternahmen unsere Flieger eine kühne Aktion, aus den Verfolgten wurden die Verfolger. Sie kehrten plötzlich um und machten Jagd "ufdieFran- z o s e n. Diese mußten sich beeilen, um der Gefahr Sjt entrinnen. Sie flüchteten schließlich m der Rrch, tnng gegen das Innere Serbiens.
Serbien denkt nicht an eine Offensive gegen ! Oesterreich!
Br. Lugano, 2. Juli. (Eig. DraMevirA. Ktr. Bür.) Die „Tribuna" veröffentlicht eine Erklärung des serbischen Gesandten Ristitsch: An ein offen»
ives Vorgehen Serbiens gegen Österreich sei nicht mehr zu denken. Es genüge, wenn man die feindlichen Strcitkräftc an der Grenze fcsthalte.
Die österreichisch-rumänischen Verhandlungen. Der Ruflcnfreundc leiste Anstrengungen.
Berlin, 2. Juli. Zur Haltung Rumäniens erführt der Konstantinopeler Mitarbeiter des „B. L. , daß das maßlose Verhalten der Russenfr e und e der Buka- rester Regierung gegenüber die letzten Anstrengungen Rußlands seien, in Rumänien Oberwasser zu bekommen. Man sei der Ansicht, daß die österreichisch-rumänischen Verhandlungen befriedigend verlaufen würden. ____
Der Krieg gegen England.
Amerikas Maßnahmen gegen den englischen ZIaggenmitzbrauch.
Verständigung mit dem deutschen Marineamt.
w T-E. New York, 2. Juli. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Washington teilt letzt die amerikanische Regierung dem dentsch en Marrnr- amt durch dre amerikanische Botschaft die Abreise ern-S jeden amerikanischen Passagierschiffes, die vernnrtliched Zerr seiner Durchreise durch die Kriegszone sowie dre getroffenen Vorsichtsmaßregeln mit, damit die Befehlshaber ,er deufichen Unterseeboote die amerikanischen Schfifs nicht mit britischen verwechseln.
Die Besorgnis um die neue amerikanische Baumwollernte. ..
W- T.-B. Washington, 2. Juli. (Nichtamtlich.) Dm „Worrfing - Post" meldet: Der „New Dort Herald" greift
die Regierung an, weil sie die Frage der Blockade aufschiebe, die bei der neuen Baumwollernte brennerrd werden müsse. Die Regierung scheint sich in dieser Frage von Note zu Note weiter treiben zu lassen.
Ein englischer Zerstörer beschädigt.
Sr. Amsterdam, 2. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Reuter meldet unter dem 1. Juli: Amtlich wird bekannt ge. gegeben, daß der Zerstörer „Lightniug" gestern abend a« her Ostküste entweder durch eine Mine oder ein Torpedo beschädigt wurde. Der Zerstörer befindet sich jetzt im Hafen. 14 Mann der Besatzung werden vermißt, Der „Lightning", so fügt Reuter hinzu, ist ein altes Schiff, von 320 Tonnen, das 1893 gebaut wurde.
Erhöhte Tätigkeit unserer Unterseeboote.
W. T.-B. London, 2. Juli. (Nichtamtlich. Router.) Dev
englische Postdampfer „A r m e «i a :t" ist am Montag von« einem veutschen Unterseeboot an der Küste von Cornwall torpediert worden. Die „Armenian" kam auS Newport. Über^ lebende, die in Cardiff angekommen find, berichten, daß das Unter,>cboet bei den Scillyinseln gesichtet worden sei. M-nt versuchte, zu entk»mmen, aber das Nntersecboot hatte das Schfis schnell eingeholt und eine Anzahl Schüsse a6m.
