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so. Jahrgang.

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jjlfl, 101 * Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Samstag, den 1. Mär;.

Morgen -Ausgabe.

Die Zuckerkrankheit.

Seit dem 16. Dezember tagt in Brüssel mit viel- fachen Intervallen die internationale Zucker- k o n s e r e n z, welche die Welt von der wirthschaftlichen Zuckerkrankheit befreien soll, unter der alle Zucker pro- bnzttenden Lmrder in Folge des rrnglückseligen Prämien­systems und der dadurch bewirkten lleberproduktion leiben. Man hat dem Zusanmrentritt der Konferenz mit nicht sonderlich großen Hofftrungen nrtgegenfehen, -aber im Verlaufe der Verhandlungen haben die Aus­sichten auf ein positives Ergebniß sich erfreulicher Weise mcheblich verstärkt. Die Erkermtnitz bat sich eben allent- liGlbcrt Bahn gebrochen, daß es so wie bisher nicht weiter geben kann, daß den jetzigen, heillos verfahrenen Zu- landen aus dem Zuckermarkt aus Rücksicht auf die Staats­kassen, aus Rücksicht auf die Verbraucher und endlich sogar auch aus Rücksicht aus die Zucker-Industrie selbst ein Ende gemacht werden muß, denn über kurz oder lang roärc der Ausbruch einer furchtbaren Krisis auf dem Zuckermarkte unvermeidlich.

Dcese Erkenntniß bat denn auch in der Thcst dazu getül/rh daß die 'Brüsseler Zuckerkonserenz sich im lstrinuo :md mit dent Vorbehalt, daß wich in den anderen Punkten eine Einigung erzielt wird, sür die völlige Aus­hebung der Zuckerprämieu entschieden hat. Diese Prä­mien sind eben völlig zwecklos und somit sinnlos gc- vorden, seit die Vereinigten Staaten volt Amerika auf lie Einfuhr des mit Ausfuhrprämien versehenen Zuckers einen dieser Höhe entsprechenden Zollzuschlag gelegt I^ven, und seit auch England einen Einsulirzoll erhebt. Der ganze Effekt unserer Zuckervränüen ist jetzt noch der, baß aus der deutschen Staatskasse der amerikanischen und der englischen gleichsam eine Art fester Rente überwiesen wird.

Während aber über den Fortfall des sinnwidrigen Prämiensyftems auf der Konferenz eine grundsätzliche Uebereinsümmung erzielt worden ist, gelang es bisher nicht, eine Uebereinstimmung über die Frage des Zucker- zolles herbeizuführen. England verlangt die Festsetzung eines Maximums von 4 Mark auf den Doppel-Centner nw den Schutzzoll bei der Zuckereinfuhr, damit auf diese Weise künstlichen Preistreibereien durch Zuckerkartelle vorgeveugt werde. Diesem Anträge ist von den deutschen und österreichischen Delegrrten widersprochen worden, die ernen Mindestzoll von 12 Mark verlangen. Die Kon­ferenz hatte sich jedoch vom Montag bis zum Donnerstag vertagt, um den deutschen und österreichischen Dclegirten die Einholung neuer Informationen zu ermöglichen. Es beißt nun, daß die deutsche Regierung in einen Mindest-

zoll von 8 Mark einwMgen wolle, aus welcher Basis vielleicht eine Einigung zu erzielen wäre. Dagegen ist es mich nicht bekannt, ob sich mich Oesterreich, wv die Zuckerinbustriellen eine ungeheuere Agitation entfalten, mst diesem Vorschläge eüwerstanden erklären will.

Im Uebrigen entfaltet selbswerständlich auch das deistsck)e Zuckerkartell, welches seine Herrschaft bedroht sieht, eine starke Agitation gegen die augestrebte Lösung der Zuckerfrage. Aber man darf wohl erwarten, daß die Interessen der Zuckerverbraucher, der Staatskasse und der Rübenbauer, denn die Interessen dieser drei Fak­toren falten zusammen, sich als stärker erweisen werden, wie die Interessen des Zuckerkartells, die noch keineswegs mst den Interessen aller Zuckerinbustriellen identisch sind. 'Dem richtig verstandenen Interesse der Zucker-Industrie entspricht es in der That vielmehr, daß. durch den Fort­fall der Zuckerprämien eine .Herabsetzung der inländischen Verbrauchsabgabe und damit cnic wesentliche Erhöhung des inländischen Zuckerkonsums herbcigeführt wird.

Die Wirkung des Zuckerkartells hat lediglich darin bestanden, daß die Rohzvckerfabriken und vor Allem die Rassinerieen ungeheure Gewimie erzielt haben, während die Verbraucher den Zucker thener bezahlen müssen und den Rübenbanern gleichzeitig die Rübenpreise gedrückt wurden. Wenn der deutsche Zuckerzoll, der gegenwärtig 40 Mark für den Doppel-Centner beträgt, wovon aber 20 Mark abzurechnen sind, weil diesem Betrage die in­ländische Verbrauchsabgabe in gleickpr Höhe gegenüber- sleht, wesentlich herabgesetzt würde und durch die Erspar­nisse an den Zuckerprämien gleichzeüig eine starke Herab­setzung der inländischen Verbrauchsabgabe eintreten würde, so könnte die Zuckermdusttie wieder in normale Bahnen gelenkt werden. Denn welcher Markt sür die Zucker-Jiidustric bei normaler Preisbildung noch im In- lanüe zu erobern ist. geht daraus l>ervor. daß der Zucker- Verbrauch in Deutschland nur 13 Kilo, in England aber 48 Kilo aus den Kopf der Bevölkerung beträgt. Jeden­falls darf mmr nach der neuesten Wendung, welche die Verhandlungen der Zuckerkonserenz genommen haben, dem Ergebniß derselben mst größeren Hoffnungen als bisher entgegensetzen.

Anskmd.

* Spanien. DemTemps" wird ans Madrid tele- graphirt, der Verlust, welchen Barcelona und die Pro­vinz durch den Ausstand erlitten haben, wstd auf vierzig Mllionen Pesetas geschätzt. Die Arbeiter verloren fünf Millionen.

* Türkei. Ter Berichterstatter desDaily Graphic" hat die aus den Händen der Räuber befresten Damen, Fräulein S t o n e und Frau Z i l k a . in Strumitza am Montag gesprochen. Er berichtet darüber:Ich verließ

Verlags-Fernsprecher 9lo. 2266. 1902.

heute Morgen Salonik mit dem Tragoman der Gesandt- fd>crft der Bereinigten Staaten und dem Schatzmeister der amerikanischen Mission in der Türkei. Der Mmm der Frau Zstka wollte sich uns anschlichen, erhielt aber nicht die Erlaubniß von den türkischen Behörden. Diese er- klärten, daß sie ihn im Verdacht hätten, bei der Gefangen- nahnie des Fräuleins Stone die Hand im Spiele gehabt zu haben. Wst fuhren eine Zeitlang mst der Bahn rmd mußten dann über schlechte Bergpsade einen fünfstün­digen Ritt hierhin inachen. Tic Damen fanden wir nn Hause des protestantischen Pfarrers Kimow. Der Pfarrer bat uns, im Wohnzinmier zu tvarien, bis er den Dcmren unsere Ankunft mitgetheilt habe. Wenige Minuten dar­aus traten Fräulein Stone und Frau Zilka gleichzeitig ein. Sic begrüßten ihre Retter mit einiger Bewegung, und nach gegenseitigen Glückwünschen wurde dann Frau Zilkas Baby heremgebi-acht. zugleich mit den: Manne, der gestern bei Tagescnrbruch die kleine Gesellschaft aus einem Berge bei Gradachor fand. Während der letzten beiden Wochen sind die Damen im Gebirge gereift Bei Tage wurden sie verborgen gechlten, bei Nacht beförderte man sie mst verbundenen Augen zu Pferde. Fräulein Starres Pferd fiel einmal. und da sie die Augen der- bunden hatte, ivar sie unsälsig. sich zu Helsen. Glücklicher Weise kam sie mst einem stark geschundenen Knie davon. Slbgesehen davon befinden sich beide Damen in vorzüg­licher Gesundheit. Sie haben den ganzen Tag an Klei- dern für sich und das Kind gearbeitet. Als man sie fand, trugen sie das Kostüm der Landbevölkerung imd dicke Schaffelle. Das Kind ist ein gesundes, hichsc^s Mädchen von sieben Wochen. Es hatte keine Kleider, war aber in dicke Zeugstücke eingewickelt, wie die Bergbewohner sie zum Umwickeln der Waden gebrauchen. Obgleich das Knrd allen Unbilden des Balkanwiniers ausgesetzt ge­wesen war. erkältete es sich nicht. Wst Alle reisen morgen nach Salonik."

Der Freiheitskrieg- der F«re».

* Das Verfahren gegen den gefangenen Krniywger.

Der berühmte englische Historiker Fredern Harrison drückt in einer Zuschrift an den Speaker die Hoffnung aus.daß Alles, was in englischem Gefühl männlich ist, gegen die Hinrichstmg Kruitzingers protesüren muß: sw würde die britische Armee mit einem unauslöschlichen Schandfleck zeichnen." Die Aistlagen sind chmreine Chitone, nur ein Theil des Berges offizieller Verlogen, hest, der sich um Alles, ivas in Süda.srika geschieht, thürmt." Die Hinrichtung wäre einNt desperater Thor- heit, eine Brutalstät und ein Mord." Liberale Blätter veröffentlichen ähnliche Proteste hervorragender Rechts- gelehrten. Abgeordneten und Professoren, und eine Der- sammlimg in Essex-Hall beschloß, sich mit einer Petition direkt an dasHerz unü Gewissen des Königs" zu wen-

Feuilleton.

berliner geschriebene Zeitungen

1713 bis 1717 und 1735.

Nicht Jedermann wird unterrickstet sein über das Be­stehengeschriebener Zeitungen". Uird doch giebt es deren. Zn einer Zeit, als gedruckte Zeitungen noch eine Selten­heit ivaren, da nur in ein paar größeren Städten und nur an einigen Wocheistagen kleine Blätter erschienen, die in kurzen Sätzen aus wenig Zeilen von den Weltbegebcn- »reiten Kunde gaben, war es nicht ungewöhnlich, daß -christliche, regelmäßig gegebene Mittheilungen über die Zeitereignisse Bericht erstatteten, lieber diesen Gegen­stand liegen interessante Abhandlungen Johann Gustav Droysens rmd Remhold Käsers vor. Einen neuen Beleg b-ierfür liefert ein soeben erschienener stattlicher Band, der unter dem TitelBerliner geschriebene Zeitungen 1718 dis 1717 und 1735" in den Schriften des Vereins für die Ge'cknchte Berlins (Verlag der Königlichen Hosbuchhand- lung von E. S. Mittler u. Lohn in Berlin) erschenit und den (Geheimen Archivrath Dr. Ernst Friedländer zum Herausgeber hat. (Preis 14 Mk.) Bei dein Mangel ähn­licher zeitgenössischer Berichte erweckt dieser Band ein ganz besonderes Interesse, so daß wir nicht nnterlassen möchten, aus den: reichen Inhalt dieser hier gebotcnm Zeit und Kttlturbilder Einiges Wiederzug eben.

Zur näheren Erläuterung sei noch bemerkt, daß die Berliner geschriebenen Zeitungen" laufende Benckte sind -xckche der junge Fürst Georg Albreckit von Osffriesi-- n Aurich durch von ihm bezahlte Berliner Korrel' er, regelmäßig, meist zweimal wöchentlich, zue stest Vielfach wurden diese'den nicht dire» vürsten, iantPru der Vorsich, .alber zue^

Oldenbura kt. Ter

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feine Berufung in eine Slaatsstellnng, in das Landrent­meisteramt zu Magdeburg, von Berlin wegsührle. Zu seinem Nachfolger empfahl er den Geheimsekretär Ortgies zu Berlin, einenMaiM, der, dem Beamtenadel des damali­gen Hofes vielfach durch Verwandtschaft nahe stehend, für seine Person als gescheiterte Existenz erscheint. Bei ihm wurde die Korrespondenz zum Geschäft: er schrieb seine Berichte in vielen Exemplaren nieder und sandte sie gegen Bezahlung an eine ganze Reche von Fürsten und Staats- männern. Er machte sich dem Könige schließlich unbequem, wurde arretitt und blieb längere Zeit in Hast.

Die Korrespondenz bildet erneu wichtigen Beitrag zur preußischen Geschichte unter Friedrick) Wllhelni I. und bietet ein lebendiges Bild nicht bloß von den politischen und militärischen Vorgängen, die in Berlin sich abspielten mid weiter gemeldet wurden; vielmehr bleibt kein Gebiet des höffschen und städttschen Lebens, von den wichtigsten Personalveränderungen bis zum frivolsten Klatsch, von der Berichterstattung ausgeschlossen.

Der ersie Bericht Grübels begstust:

Berlin, den 22. April 1713.

Nachdem Unser allergnädigster König die Tour nach Hall­vollendet, dem Herrn P. Eraneken en partieulier eine sehr gnädige Audienz verstattet, die aus Italien revertirtcn Prouppos in 8000 Mann bestehend, zu Wettin on roveue paffsten lassen, seyn dieselben Gottlob alhie wieder frisch und gesund angelanget, da unter Jhro König!. Majestät Abwesenheit ein sehr pompeuses Thrauer-Portal vor hiesiger Dohm-Kirche fast vollkommen auf- geführet war, hat solches, weil es der Ober-Bau-Direktor Herr 'on Eosander ohne speciale Königl. Ordre entrepreniret, wieder gebrochen werden, und er selbfien loeo poenao die darauf ge- nteu Kosten tragen müssen. Die Huldigung wird noch aus fftigen Montag vor sich gehen, da dann täglich viele Märkische Adel und andere Duputirte, selbiger mit beyzuwohnen, sich infinden, und werden der Herr Ober-Hofs-Marschall der Prinz die Huldigungsrrde halten. Sonst seyn auch "ungen vorgegangen.

>. Abends gegen 7 Uhr hat ein .Toachims- n 1 v* dem Magdedurgischcn bürtio von

etwa 16 Jahren, einen Grenadirer erstochen, welches wohl Ge­

legenheit geben dörffte, ihnen das Degentragen zu vcrbiethen. Man hat den Thäter alsobald attrapiret und ihn zu gefänglicher Hasst gebracht; doch glaubet man gewiß, daß er wohl mit dem Leben davon kommen werde, weil er mit dem Degen ntrr ge- schertzet und ihn also weder dolose noch ex animi rancore entleibet."

Von dem guten Humor des Königs giebt uns eine Probe der folgende Bericht:

Berlin, den 13. May 1713.

Verwichenen Sonuabens Nacht um 11 Uhr langten Unser allcrgn. König von Wusterhausen wieder alhie an, da Dieselben auf gegebene Nachricht, daß eine Prinzeßin gebohren fty, geant­wortet:Es wäre Ihnen eben so lieb, als wenn es ein Prinz wäre, dann wann die Prinzeßinnen nicht wären, könten auch keine Prinzen in die Welt kommen."

In die Kolonialpolitik des Königs führen uns die Be­richte 5 und 15:

Der Commendant aus Arj^n hat auch eine sehr gnädige Audienz bey Unsrem allergn. Könige gehabt, da derselbe ihm sitzend seine Proposttion zu"chun allergnädist verstatteten, welche darinnen bestünde, daß wann I. K. Maj. ihm zu Equippirung eines Schisses 50,000 6. Vorschietzen wollten, er damit 50,000 zu profitsten sich erböthe, und dafern er solches nicht -ffectuiren würde, wolle er sein Leben verbürget haben. I. K. Maj. haben darauf geantwortet:Sie wollten es ihren Näthen zu überlegen geben." Den jungen Mohr und Löwen, so er aus Amerika mitgebracht und noch zu Arnsterclam stehen, hat er dem Könige praesentiret, welcher aber nur den Mohren angenommen und den Löwen dem Commendanten selbst wieder verehret, wovor ihm be­reits in Amsterdam 400 thl. sollen gebvihen seyn. Die 2 Löwen, so der Höchstseelige König in hiesigen Hetzgarten sonst hat unterhalten lassen, seyn an den König Augnstum nebst ihren Wärter verschenket.

Der Commendant von Argin hat nun auch endlich dein Könige seinen mit sich hiehin gebrachten jungen Mohren praesentiret, davor er dann 20 thl. soll zum Recompens be­kommen haben. Das Projekt von einer gewitzen daselbst aufzu­richtenden Commercien-Comnagnie, die die Handlung in Arende nehmen wollen, ist nicht aggrelret, sondern hat sich ohn- erach^ *> ' s>-n Offerten gänzlich zerschlagen."