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Donnerstag, 1 . 3 u« 1915 . ftlKHÖ s ftiiSg&b&e Nr. 300 . - 63 . Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Oer Uampf in den Lüften.

Ei» russisches Flugzeug vo:r einem österreichisch-ungarische« heruntergeschassen.

Wien. 1. IM. (Nnhlnmtlich.) A»S dem KriegSpreffe- qnartier wir) gemeldet: Ein russisches Flugzeug über­flog am 28. Juni unsere Front am Dnjestr in der Richtung auf Kelvmea. Sofort stieg ein österreichisch-ungari- scher Acroplan mit zwei Man» zur Bekämpfung des Feindes auf. Als der Russe sah. daß er angegriffen wurde, stieg er immer höher und toandte sich ostwärts zurück. Die beide» Österreicher verfolgten ihn über Horodenka bis zu dem gegen 2V Kilometer nördlich Zaleszczhcki gelegenen Tluste, wo sie aus 2000 Meter Höhe den rnstzschen Beroplan unters Mosch in cnfeuer nahmetl. Sir trafen ihn und schossen ihn herunter. Er stürzte im Walde ab. Unser Flug­zeug kehrte heil zurück.

Glänzende Leistung eines deutschen $Iteger» Offiziers.

Berlin. 1. Juli. Eene großartt ge Flieger- leist unq voWrachte der Fliegerlsutnaitt v. Trotha. Et; landete tn direktem Fluge. aus der (Äsgend von Lemberg kommend, oiiof deil Wiesen des väterlichen Besitztnrns in Schopau bei Halle.

vr. iux. kou. causa v. Mackensen.

Br. Danzig, 1. JE. (Eig. DraMbericht. Ktr. Bln.) Rektor und Senat dm Technischen Hochschule Danzig beschlossen, dem Generals eldmarschall v. Mackensen, welcher in lang­jähriger Friedensarbeit in Danzig gewirkt nmid fetzt im Kampfe die Srriwngearschaften der Technik zu rühme,ollster Wirkung gebracht, die Würde eines Dr.-Jrrg. ehrenhalber zu verleihen.

Gencralseldmarschall v. Mackensen avch Ehrenbürger.

HeikSberg (S.eg.-Bez. Königsberg). 1. Jnü. (Kt-. Mn.) Wie die „Wacmia"' meldet, wurde in geheimer Sitzung de? Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung von Heils­berg einstimmig beschlossen. Genevalfeldurarschall Den Mackensen, den mit der Stadt zahlreiche Bawde ver­knüpfen. zum Ehoenbürger zu ernennen.

Der 3ar appelliert an sein Volk!

Die Ankündigung der Einberufung der Duma.

W. T.-fi. Petersburg, 1. Juli. (Nichtamtlich. Peters­burger Telegrapheuagentur.) Ein kaiserliches Reskript an den Ministerpräsidenten lautet: „Ans allen Teilen des Vater­

landes gelangen Stimmen zu mir. welche Zeugnis ablegea für den starken Willen des russischen Volkes, feine Kräfte dem Werk der Heeresausrüstung zu widmen. Ich schöpfe ans dieser natioualen Einmütigkeit die uner­schütterliche Sicherheit einer strahlenden Zu­kunft. Der lange andancrttdc Krieg »erlangt immer neue Kraftaustrengungen. Aber indem wir die wachsen­den Schwierigkeiten überwinden und den unvermeid­lichen Wechselfällen deS Kriegsglücks die Stirn bieten, wollen wir in unseren Herzen den Entschluß festigen und stählen, den Kampf mit der .Hilfe Gottes bis zu einem vollständigen Triumph des russischen Heeres zu führen. Der Feind wird niedergeschlagen werden müssen, sonst ist der Friede unmöglich.

Mit festem Bertrattcn in die unerschöpflichen Kräfte Rußlands rrwarrc ick, daß die Regicruugs- und die öffentlichen Einrichtungen der Industrie Rußlands und alle treuen Sohne deS Vaterlandes ohne Unterschied der Meinungen und Klassen solidarisch >urd einmütig arbeiten werde», um die Bedürfnisse unserer tapferen Armeen zu be­friedigen. Dieses einzige, nunmehr nationale Problem soll alle Gedanken einigen und die Einigkeit des unbesiegbaren. Rußland nach sich ziehe». Nachdem ich zur Erörterung der Approvisiomerungssragen einen besonderen Ausschuß unter Beteiligung von Mitgliedern der gesetzgebenden Kammern und von Vertretern der Industrie errichtet habe, erkenne ich es als notwendig an. demzufolge den Zeitpunkt der Wieder­eröffnung der gesetzgebenden Körperschaften zu beschleunigen, ,lm die Ski m mederrussischen Erde zu hören. Und da ich die Wiederaufnahme der Tagungen der Duma und des Rcichsrats spätestens für August beschloffcn habe, betraue ich den Ministcrrat, die durch die Kriezszcit not­wendig gewordenen Gesetzentwürfe meinen Angabe» ge-> maß auszuarbeiten.

Lin Gratzelspruch von Nieolai Nikolasewitsch.

Der englische Glückwunsch zum Rückzug an die falsche Adresse.

W’. T.-B. London. 1. Juli. (Nichtamtlich.) Reuter. Die ..Morning-Post", die am 24. Juni ein Telegramm an den Großfürsten Nikolaus sandte, in dem sie ihn zu seiner Geschicklichkeit beglückwünschte.mit der er einen der beschwerlichsten Rückzüge der Kriegsgeschichte ge­leitet habe, erhielt folgende Antwort: Das russische Heer ent­lehnt ebenso wie die Alliierten seine Kräfte den Grund­sätzen. für die es kämpft und die einen schließlichen Sieg er­warten lassen.

Russische Offiziere als Vrandstifter.

Wie man die Uutcrschkeife verdeckt.

Berlin, l. Juli. Wie der „D. Tagesztg." zufolge aus Petersburg verlautet, haben die eingelcitcten Untersuchungen

ergeben, daß die Warschauer Magazine von Offi­zieren in Brand gesteckt worden sind» die große Ver­untreuungen sich bei Kriegslieferungen hatten zu schul­den kommen kaffen. Auch »nderswärts haben die Offiziere ähnliche Unter schleife begangen. Der Abgang in de« Verpflegungsoorräten beträgt 10 000 Rubel. Zahlreiche Offi­ziere wurden verhaftet.

Eine neue franzSsische MiNtSrnrkffion für Petersburg.

Berlin, 1. IM. N.rch einer Petersburger Pr.ivatineldu.ng des J8. £. ' hängt mit flram Petersburger Minister w ech - f e X die Absicht (?) Mllernnds zusnmnren, eine neue Mili­tär mi ssion nach Petersburg zu entsenden.

Der Krieg gegen England.

Neue Enthüllungen über die englische Nampfesroeife.

Weitere Skandalszcnen im Unterhaus.

Br. Amsterdam, 1. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Im englischen Unterhaus kam eS Dieustag abermals zu eiuem Skandal. Der angesehene irisch« Abgeordnete Gincll hatte an den Ministerpräsidenten die Frage gesollt, ob der Beginn der Handlungsweise der englische» Expeditions­truppen, auf dem Kontinent die Deutschen zu töten und nicht gefangen zu nehmen, von dem Tage des Besuches des Ministerpräsidenten an der Front datiere und ob diese der Grund der erstannlichen Tatsache sei, daß keine deut­schen Gefangenen mehr gemacht würden. Ferner ob die Rekruten von dieser neuen Wendung unterrichtet seien und auch von den möglichen Reprcffalieu der Deutschen und ob das Haus eine Gelegenheit haben werde» feine Mei­nung über diese Politik auszusprechcn. Ginell hatte diese Frage zurückgezogen, da Asquith selbst nicht anwesend war. Der Schatzkanzler Mc Kenna kam trotzdem auf diese Frage zurück und begann, daß die Frage ein s kaudalöses und falsches . . . Hier sprang Ginell unter lauten Protestrufen des Hauses auf und fragte den Sprecher, ob ein Ministerpräsident berechtigt sei, eine Frage zu beantworten, die zurückgezogen worden sei. Der Sprecher: Gewiß, wenn sie einen Angriff aus eine Pri­vatperson enthält. Me Kenn» fuhr fort: Da diese Frage ein skandalöses und falsches Bild von dem britischen Expe­ditionskorps gibt, wünsche ich, die Gelegenheit zu der Erklä- rnug zu benutzen, daß nicht die geringste Begründung für die in der Frage enthaltene Behauptung enthalten ist. Sir A. Merkham forderte den Schatzkanzler auf» der deutschen Regierung durch den Botschafter der Bereinig­ten Staaten mitzuteilen, daß dos ehrenwerte Mitglied von der Opposition nicht ganz zurechnungsfähig sei und fragt, ob Ginell nicht ans seinen Geisteszustand untersucht werden könne, worauf der Sprecher antwortete: Wenn wir erst einmal damit beginuÄ wüßte ich nicht, wo wir enden sollten.

Ein Zwischenfall im englischen Unterhaus.

Angriffe gegen den skandalöse« Pessimismus.

W. T.-B. London, 1. FM. (dachtaimK'ch.) Ein eiyen- tümilicher Z machen fall geschah im- Unterhnws während der Sitzung vom Montag. Das ParlamentsmitgLed Sir Leo C h r o z z u M o n e y fragte die Rsgisrumg, ob eine Warnung an den „Labour Leader" erlösten worben sei, der die Rekrnten- anweroung entmutige und den jetzigen Krieg als van der briti­schen Diplom atie hervorgerufeir darstell:. Der Attorney-Gene­ral Carson erwiderte, daß die Regierung gegenwärtig diese Angelegenheit in Behandlung habe. Nun rief der liberale Ab­geordnete Cellaway, daß es viel bester fei, seine Anftnerk- samkeit auf die Nort h cli ffe-Pr esse hirtznlenken, die Lord Kitchener angegriffen und die Werbung von 3000 Mann erschwert habe. Der liberale Abgeordnete Aut Hw arte ging so weit, zu sagen, daß Sir Leo Chiozza Moneh von aus­ländischer Abkunft sei und von der Norttheliffe-Preffe bezahlt werbe. Der Vorfall rief Smrstrtion hervor und- die „Daily N-ewS" benutzt dieses in einem Lertartikel, um statt der Unterdrückung dds „L-aborrr L>eader" eine Kampagne gegen dre Northcirfse-Preste zu empföhlen, die fortdauernd einen skandalösen P e s s i ms m u S gepredigt habe, nur zn dem einen Zweck, unr den M i l r t ä r z w a tt g durchzndrücken und die Regierung §u Zwingen, ein preußisches System gegenüber den Arbertern anzunehmen.

Neue Erfolge unserer II-Boote.

W■ T.-B. Ehristiania, 1. Juli. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Morgenbladet" ist von einer Firma in Dront- heim die Mitteilung cingetcoffen, daß der norwegische Dampfer „Mmitc" mit einem Gehalt von 914 Tonnen ans der Reise nach Lcith von einem deutschen Unterseeboot ver­senkt worden ist. Er führte eine Ladung Grubenholz. — Nach einer Lluydmeldung aus Thnemouth ist der norwegische Dampfer ,& j c f e" vorgestern abend von einem Untcrtee- boot verscitkt worden. Die Besatzung wurde in Northshields gelandet.

Während der eine Dampfer unzweifelhaft sestgestellte BanMvare für England an Bord hatte, dürfte wes den anderen dieselbe Tatsache zertreffen. Darum war chr Versenken be­rechtigt.

W. T.-B. London, 1. Juli. (Nichtamtlich.) Der Dampfer „Madi" landete gestern i» Dunmore East an der Waterford- knstr in Irland einen Teil der Brsatznng des Dampfers

„Scottish Monarch". Dns Schiss, das 7500 Tonnen faßte und aus Glasgow stammte, wurde gestern früh 60 Meilen südlich Queenstow» von einem deutschen Unterseeboot ver­senkt. Man glaubt, daß der übrige Teil der Besatzung ge­rettet wurde.

W- T.-B. London, 1. Juli. (Reuter.) Der britische Dampfer „K o t k a" wurde gestern 30 Meilen südlich der Küste Irlands durch ein deutsches Untersrebvot torpediert.

ver Austausch der Schwerverwundeten mit England.

W. T.-B. Bliffingen, 1. Juki. (RichtcrmWch.) D« Dampfer „Oranje-Nafsau" kam heute früh mit deut­schen Verwundeten und deutschem Sanitätspersonal aus Eng­land an. An Bord befanden sich 4 verwundete Offiziere, 32 verwundete Soldaten, 8 Ärzte und 142 Mann vom Noten Kreuz. Sie wurden alle mit Zigarren, Zigaretten und Tabak beschenkt. Der Ambulanzzug fuhr nach einer Stunde ab. Für heute oder morgen- wird die Ankunft von 150 verwunderell Engländern erwartet.

Der englische Marinenachtragsetat angenommen.

300 000 Man« Marinepersonal.

W. T-B. London, 1. Juli. (Nichtamtlich.) Das Unter- Haus hat einstimmig den Marinenachtragsetat angenomrnem. Niac Namara erklärte, daß durch die Vermehrung unr 5 0 000 Mrnln- das Marmeperfonäl auf 300 000 Manu steige. Die Mannschaften seien wicht sofort nötig, denn es seien so diele unter den Waffen, als man zurzeit gebrauche. In den früheren Etats sei reichlich für den Augenblicksbedarf berge- sorgt worden. Die bei ftüheren Gcklegwcheiten bewilligte Zahl der Mannschaften habe 50 000 betragen. Di« Zahl der Freiwilligen fett so groß getoefen, daß diese Stärke überschritten worden sei. Die Admirakität habe beschlossen, auch den Überschuß zu behalten. Der frühere ZivKlard der Admiralität, Lambert, erklärte, die ganze Äasge deS Landes hänge von der M a r i n e ab; sie fei reichlich nrit JteükBMWfc den nötigen Vorräten versehen.

Bescheidenes Verlangen der englischen friedenSfrenvd-

lichen Sozialisten.

' Br. Berlin, 1. Juli. (Erg. Trahtbericht. Ktr. Bln.) I» einer der letztem Nummern- des Londoner „L'bor-Leoder" w-rd ein Bild entworfen, wie sich die englischen frieden-s- freundlichen Sozialisten den abzuschließenden Frieden denken. Sie verlangen von Deutschland: 1. Räumn-ng von Belgien und Frankreich; 2. Entschcütigung für die Verwästirw- gen in d-esen berden Ländern; 3. Eintritt in den Bnnd der! europäffchen Staaten; 4. Einschränkung der Rüstungen und 5. Anmahme obligatorischer Schi-Äisgerichte.

Hierzu schreibt die sozialdemokratische Chemnitzer „Bolks- stnnme": Die DisLustian des Kcregsziels ist arntersagt, so me£ aber darf bemerkt werden, daß es nicht mehr viel Leute in Deutschland geben wird, die sich für den Gedanken eines Frie­densschlusses begeistern, der vorsieht, daß Deutschland ni'ht nur seine Kriegskosten selber bezahlt, sondern auch noch Belgien und Frankreich für die infolge des Krieges ent­stände neu Verwüstungen schadlos HM. _

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Die Erstürmung der k)öhe von Van de §apt.

Line glänzende deutsche Waffentat.

W. T.-B- Berlin, 1. Juli. (Nichtamtlich.) Aus dent Großen Hauptquartier wird berichtet: Aus derLinie Chatas- Saales vorbrechend, hatten unsere Truppen Mitte Septem­ber vorigen Jahres das Vordringen der Franzosen, bei Senones, Menil und Ban de Sapt zum Stehen ge­bracht. In dieser Linie verwehrteir unsere tapfere« Bayern zusammen mi^ ihren preußischen und badi­schen Kameraden seither dem Feinde jedes Vordringen^ In­dessen hatte im September unsere Kraft nicht ausgereicht, auch di-e beherrschende Höhe von Ban de Sapt den Franzosen zu entreißen. Seitdem bildeten sie den Brennpunkt der Kämpfe auf dieser Front.

Dis Franzosen verstärkten ihre Anlagen oben auf dem Berge immer mehr imd machten aus ihm nach und nach eine regelrechte Festung. Von dort aus hielten sie das Ge­lände bis weit hinter unsere Stellungen dauernd unter In­fanterie- und Maschiuengewehrfeuer, so daß wir unsere vor­deren Linien nur durch Laufgraben oder bei Nacht erreichen konnten.

LLir lagen unten ans dem halben Hange des Berges,

entschlossen, iticht einen Schritt breit zurückzuweichen, sondern, sobald die Kräfte reichten, die Höhe in unseren Besitz zu bringen. So entspann sich ein zäher Kampf, der seit Ende des Jahres 1914 ein Stück der französi­schen Stellung nach dem anderen in unseren Besitz brachte. Alle Mittel des Nahkampfes kanren zur Anwendung.

Man bekämpfte sich Tag und Nacht über und unter der Erde. Vielfach lagen die Schützengräben aus 20 Meter und weniger einander gegenüber, llngewöhnlich starte Draht- Hindernisse, bis zu W* Meter Höhe, umgaben die Boll­werke der Franzosen und trennten so Freund und Feind. Nur durch ein Gewirr von Gräben -der nach und nach vorgetrre- ben-en Jnfanteriestellungen konnte man unsere vorderen Linien erreichen. Endlich war die Angrisfsarb-eit so weit ge.