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Wiesbadener Tmlilait.

so. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 2 Mk. »« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichtcr Anzeigen zur

51« Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Freilag, den 31. Januar.

Berlags-Fernsprecher N». 2266.

1902.

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Was die hier mitgetheistenVerhältnißzahlen bedeuten, ersieht man erst dann deutlich, wenn man die Anzahl der an denPockenGestorbenen daneben betrachtet. So verloren in den 5 Jahren von 1889 bis 1893 die Jmpsßwang- staaten Deutschland 672, Schottland 6, Irland 7, Däne­mark 14 und Schweden 32 Personen an den Pocken; die Schweiz 111, England 1974, Holland 264, Frankreich (Städte) 5670, Ungarn 6303, Belgien 7779, Italien 24,801, Oesterreich 37,037, Spanien 35,784 und Ruß­land (einschl. asiat. Theil) 288,120 Menschen an den Pocken. Diese Zahlen sind überaus charakteristisch.

Ein Ueberblick über unser Kartenbild läßt nun deut­lich erkennen, eine welch außerordentliche günstige ge­sundheitliche Position die vorgenannten, aus der Karte weiß gelassenen Länder mit Impfzwang gegenüber den­jenigen ohne solchen einnehmen. Ganz besonders be- mer'kenswerth ist in dieser Hinsicht die Lage in Deutsch­land, denn kaum ein anderer Staat ist vermöge seiner Einordnung zwischen anderen Kontinentländern und zwar mit zum Theil denkbar schlechtesten Jmpfzuständen (Ruß­land, Belgien, Oesterreich) in so hohem Grade dem Ein­schleppen einer Pockenepidenüe ausgesetzt, wie Deutsch­land. Wenn es trotzdem dem Auftreten einer solchen seit Schaffung des Reichsimpsgesetzes von 1874 stets mit Erfolg widerstanden hat, so ist dies ganz unzweifelhaft als Folge des gesetzlichen Impfzwanges anzuschen.

Kellnerschutz.

Die Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Gehülfen und Lehrlingen in Gast- und Schankwirch- schaften, oatirt vom 23. Januar 1902, lautet:

Auf Grund des 8 120 6 Abs. 3 der Gewerbeordnung bat der Bundesrath nachstehende Bestimmungen über die Beschäftigung von Gehülfinnen und Lchrlingen m Gast- nnd in Schankwirthschaften erlassen:

I.

1. In Gast- und in Schankwirthschasten ist jedem Ge- hülsen und Lehrling über sechzehn Jahre für die Woche siebenmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens acht Stunden zu gewähren. Der Beginn der ersten Ruhe­zeit darf in die vorhergehende, das Ende der siebenten Ruhezeit in die nachfolgende Woche fallen.

Für Gchülfen und Lehrlinge unter sechzehn Jahren rnutz die Ruhezeit mindestens neun Stunden betragen. Durch Polizeiverordnungen der zum Erlasse solcher Ver­ordnungen berechtigten Behörden kann diese längere Richezeit auch für Gehülfen und Lchrlinge über sechzehn Jahre vorgeschrieben werden.

Die höhere Verwaltungsbehörde ist befugt, in Bade- und anderen Kurorten die Ruhezeit für Gchülfen und Lchrlinge über sechzehn Jahre in Gastwirthschaften wäh­rend der Saison, jedoch nicht über eine Dauer von drei Monaten, bis aus sieben Stunden herabzusetzen. Reben dieser Ruhezeit müssen täglich, abgesehen von den Mahl­zeiten, Ruhepausen in der Gesammtdauer von mindestens zwei Stunden gewährt lverden.

2. Der Zeitraum zwischen zwei Rrchezeiten, welcher auch die Arbeitsbereitschaft und die Ruhepausen umfaßt, darf in den Fällen der Ziffer 1 Abs. 1 höchstens sechzchn

Morgen -Ausgabe.

-

Jur Pockenepidemie in London.

Die Pockenepidemie in London, die vor Monaten aus- brach, nimmt zwar langsam, aber sicher an Umsang zu. Zn der ersten Zeit wurden täglich ungefähr fünf bis sechs neue Fälle gemeldet; diese Zahl ist aber immer größer ge­worden, sodatz jetzt verschiedentlich bis vierzig Kranke an einem einzigen Tage in die Pockenhospitäler eingeliefert

mäßig sehr hohe Sterblichkeit unter denjenigen Er­krankten, die nicht geimpft sind. Wie sehr der Impf­zwang gegen die Verbreitung der Pocken schützt, geht aus unserer beistehenden kartographischen Darstellung der Pockenverbreitung in Europa hervor. Es ist gerade gegenwärtig höchst interessant, an der Hand dieses geo­graphischen Kartenbildes von Europa das Verhältniß der Pockensterblichkeit in den verschiedenen Staaten und unter Berücksichtigung der in denselben herrschenden Jmpsgesetze zu betrachten.

Wie aus der Zeichenerklärung in der Karte oben links hervorgeht, sind auf die Areale der Staaten die je nach

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wurden. Die Gesammtzahl der gegenwärtig in Behand­lung befindlichen Kranken ist über 1000. Ende des Mo­nats sind zwei neue Spezial-Lazarethe mit über 1000 Betten eröffnet. Inzwischen wird durch umfassende Wie- derimpfimgen dem Umsichgreifen der Seuche nach Kräften zu begegnen gesucht. Der Oberarzt des Hauptkranken­hauses verabfolgte an einem Tage durchschnittlich 4000 Tuben mit Lymphe, die zur Impfung von 10,000 Per­sonen ausreichen. Die Wartezimmer der Aerzte sind überfüllt. Alles kommt, sich impfen zu lassen. Bekanntlich herrscht in England kein Impfzwang, und die Folge da­von ist die Verbreitung der Epidemie und die verhältniß-

der Pockensterblichkeit verschieden abgestuften Signaturen angewendet. Staaten, in denen eine sehr geringe Pocken­sterblichkeit, 0—5 Pockentodesfälle im. Jahre auf je eine Million Einwohner, vorkommt, sind ganz weiß gelassen. Es sind dies nur Deutschland, Dänemark, Schottland, Irland und Schweden. Sodann folgt die Schweiz (punk- tirt) mit 5 bis 10 Todesfällen, Holland und England mit 10 bis 100, Frankreichs und Ungarn mst 100 bis 200, Oesterreich, Galizien, Italien und Belgien mit 200 bis 400, und schließlich Spanien und Rußland mit über 400 Pockentodesfällen. Aus den Balkanstaaten, Portugal und Norwegen fehlen zuverlässige Nachweise.

Feuilleton.

- Nachdruck verboten.

MonmW CrMnimtzen m Februar 1902.

Der Kampf mit den Krimthursen, den mächtigen Reif- und Frostriesen, ist entbrannt, und siegreich verfolgt Freya den Feind, der sich nordwärts znrückzieht. Zwar kann ein Angriff auf Burg Riesenheim selbst, wo Gerda nun schon seit Monden in Feffeln gehalten wird, noch nicht unternommen werden; doch näher und näher rückt der lichte Sonnengott mit seinen Verbündeten, dem heiteren Himmel und dem linden Südwest, heran: das eisig« Bollwerk wird endlich erstürmt und zerstört und Gerda befreit werden. „Und dräut der Winter noch so sehr, — Mit trotzigen Geberden. — Und streut er Eis und Schnee umher, — Es muß doch Frühling werden." — Die heute 19,678,000 Meilen ent­fernte Sonne gelangt am Nachmittag des 19. ins Zeichen der Fische. Ihr Tagesbogen wird größer, der Tag länger und die Entfernung des Tagesgestirns vom Endpunkte weiter. Jene beträgt zur Mittagsstunde des 1. Februar für Wiesbaden 22° 10'48". Die astronomische Dämmerung, die des Morgens mit dem ersten Lichtschimmer im Osten beginnt und des Abends mit dem Verschwinden des letzten Scheines im Westen endigt, hält bei uns zur Zeit 110 Minuten an. Die bürgerliche, die Morgens und Abends in freigelegenen Wohnungen die Ver­richtung gewöhnlicher Arbeiten ohne künstliche Beleuchtung ge­stattet. dauert jetzt 36 Minuten. Die Zeitgleichung beträgt an, 1. + 13. Min. 41 Sek., am 11. + 14 Min. 27 Sek., am 21. + 13 Mn. 54 Sek. und am 28. 4- 12 Min. 51 Sek. — Der M o n d ist Neumond am 8., Vollmond am 22. Er steht in Erd­ferne am 1., in Erdnähe am 16. Den tiefsten Stand erreicht er am 3., den höchsten am 17.

Von denPlaneten kann Ai e r k u r in den ersten Tagen

des neuen Monats noch 40 Minuten lang Abends im Südwesten bemerkt werden. Man verwechsele ihn nicht mit der Venus, die bis zur Mitte des Monats noch als Abendstern sichtbar ist. Als solcher verschwindet sie am 14., wird aber schon zu Ende des Februar als Morgenstern leuchten. Jupiter erhebt sich in den letzten Tagen kurz vor Aufgang der Sonne im Südosten, während Saturn schon um Mitte des Monats des Morgens gleichfalls im Südosten sichtbar wird. Die große Achse des Ring­systems dieses Planeten erscheint 2,561-mal so groß, als die kleine. Der nur im Fernrohr sichtbar« Neptun befindet sich ln den Zwillingen. — In Mondnähe stehen Merkur und Venus am 9.

Wundervoll ist das Bild des Fixsternhimmels an den Abenden des Februar. Es ist am 1. um 9, am 16. um 8 und am 28. um 7 Uhr fast das gleiche. Auf der w e st l i che n Hälfte, doch dicht an der Mittagslinie, begrüßen mir den Orion, das schönste Himmelsbild, mit seinen hellen Sternen Beteigeuze, Bellatrix, R i g e l und den sogenannten heiligen drei Königen. Nordwestlich von ihm strahlt im Bilde des Stieres der röthliche Aldebaran, dem die Hyaden und die Plejaden voranziehen. Ueber uns funkelt im Fuhrmann, wie ein Diamant,. die herrliche Kapella. Im Nordwesten erfreut uns die Kassiopeja, die sofort an ihren Zickzackzügen zu erkennen ist. Ihr benachbart ist westlich die Andromeda, deren Nebel, wie der des Orion, schon mit unbewaffneten Augen bemerkt werden kann. Nördlich von der Kassiopeja, in der Verzweigung des mildleuchtenden Bogens der Milchstraße, die im Ganzen eine nord-südliche Richtung an­nimmt, finden wir D e n e b im Schwan. Links davon, dicht am nördlichen Horizont, für Wiesbaden eben noch sichtbar, schimmert in der Leier des Orpheus die Wega in saphirfarbigem Licht. Auf der Linie zwischen ihr und Beteigeuze begegnen wir dem Polarstern. Denkt man sich die Sterne Dubhe und Merak, des jetzt auf der Q sthälsie des Himmels befindlichen Gr. Wagens,

durch ein« Gerade verbunden und diese in gleicher Richtung über

Dubhe fünfmal verlängert, so berührt sie den Polarstern. Im Südsüdosten entfaltet im Bild des Gr. Hundes Sirius, der hellste Fixstern, in allen Regenbogenfarben seine Pracht. Nord­östlich von Beteigeuze leuchten die Zwillinge Kastor und der hellere, südlicher stehende röthliche Pollux. Nordnordöstlich vom Sirius oder Hundsstern flammt im Kl. Hunde der gelb­liche Prokyon. Oestlich von den Zwillingen fällt uns im Bilde des Löwen der bläulich-weiße Regulus auf. Oftnord­östlich von diesem erblicken wir noch einen ziemlich hellen Stern Namens Denebola, der demselben Bilde angehört. Der schon erwähnte Gr. Himmelswagen nimmt eine südwestliche Richtung an. Dubhe und Merak bezeichnen die Hinterräder. Jener ist dem Polarstern näher als dieser. Der hellste Weltkörper in der Deichsel wird Mzar genannt. Dicht bei ihm befindet sich der lichtschwächere Alkor, den nur ein scharfes Auge von jenem zu unterscheiden vermag. Hiernach sind im Ganzen zehn Sterne 1. Größe gleichzeitig sichtbar: Aldebaran, Beteigeuze, Deneb, Kapella, Pollux, Prokyon, Regulus, Rigel, Sirius und Wega. — Der Durchgang durch die obere Mittagslinie findet statt in der Nacht des 1. bei Aldebaran 7 Uhr 45 Min. Abends, Kapella und Rigel 8 Uhr 35 Min., Beteigeuze 9 Uhr 15 Min., Sirius 10 Uhr 6 Min., Prokyon 10 Uhr 69 Min., Pollux 11 Uhr 4 Min., Regulus 1 Uhr 31 Min. Morgens, Spika 4 Uhr 48 Min., Arkturus 5 Uhr 39 Min. und der Mond 7 Uhr 11 Min. Durch die untere Mttagslinie ziehen in derselben Nacht Wega 9 Uhr 59 Min. Abends, Deneb 12 Uhr 7 Mn. Morgens und der Polarstern 4 Uhr 48 Min. Aufgang, Durch­gang durch die Mittagslinie und Untergang der Fixsterne erfolgen in jeder nächsten Nacht um 3,93, also um rund 4 Minuten früher.

Sternschnuppen pflegen im Februar auszugehen in den Nächten vom 5. bis 10. vom Fuhrmann, am 15. östlich vom Arkturus und am 20. nördlich von der Krone. st)r. K.

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