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so. Jahrgang.

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Ds» 50. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Donnerstag» den 30. Januar. Verlags-Fernsprecher N». 2266 . 1002.

Abend-Ausgabe.

Jür: gfcßruav unö März

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

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der Nachbarorte,

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Friedensausftchten in Südafrika?

In den nahezu 28 Monaten, welche der blutige Krieg m Südafrika bereits dauert, ist die Welt schon unzählige Male durch Gerüchte von Verrnittelungsversuchen und Friedensverhandlungen in die Hoffnung versetzt worden, daß dem grausamen Gemetzel endlich tu einer für die Buren hailbtvegs erträglichen Weise eirr Ende gemacht werden tonne. Aber diese Hoffnungen haben sich immer wieder als eine Täuschung erwiesen, und seitdenr im Sommer vorigen Jahres die Verhandlungen zwischen Kitchener und Botha gescheitert waren, hat von neuen Friedensverhandlungen nichts Ernstliches mehr verlautet.

Mit umso größerer Freude nulß daher die vom Lord Balfour im en.gli suchen Unterhause gemachte Mittheilung begrüßt werden, daß die holländische Regierung dem eng- lischetr Kabinett eine Benachrichtigung hinsichtlich des süd­afrikanischen Krieges habe zugehen lassen. Diese Mit­theilung kann selbstverständlich nur dahin, verstanden wer­den, daß die holländische Regierung der englischen irgend welche Vorschläge über eine Beendigung des südafrikani- scheir Krieges gemacht hat. Wenn irgend eine Macht sich endlich entschloß, die Vermittlerrolle zu übernehmen, so war allerdings die holländische „die nächste dazu", einmal, weil das holländische ein den Buren stammverwandtes Volk ist, und zweitens, lveil Holland als kleine und dabei neutrale Macht einen solchen. Schritt am leichtesten thun konnte, ohne dabei in Differenzen mit England zu ge- rathen.

Wentr die holländische Regierung sich jetzt zu diesem Schritt entschlossen hat, den sie selbswerständlich schon lange gerit unternommen hätte, so geht daraus hervor, daß die Gründe, die thu bisher als aussichtlos erschienen, ließen, nunmehr entweder fortgefallen oder doch schwächer geworden siird. Jene Gründe lagen vor Allem in der Weigerimg Englands, auf Friedensverhandlungen einzugehen und in denr weiten Abstand zwisäzen den For­derungen der beider: Parteien. Wenn die holländische Re­gierung jetzt jenen Schritt unternommen hat, so könnerr daraus zwei Schlußfolgerungen gezogen tverden, einmal.

20. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Frei für die Ehre!

Ein Roman aus dem Paffeier von M. v. Oertze«.

„Mair!" stieß er hervor. „Bietet nur halt roaner „Grüaß Gott"? Gar koaner nit?"

Schweigen.

Der Paule sah sich um. Zwei, drei Mander ver­schwanden eben in der Wirthshausthüre. Weiberköpse drängten sich an den Fensterscheiben.

Langsarn verrauchte sein Zorn. Und da der Mair an ihm vorbeisirebte, ohne ein Wort, ohne einen Blick, ver­trat er ihm den Weg mit vor Entsetzen tveitgeöffneren, starren Augen und zwang ihn zum Verweilen.

„Mair", sagte er zwischen den Zähnen. „Warum bietet Ihr mir nit die .Hand zum Gruß?"

Ein Keuchen entrang sich der Brust des älteren Mannes. „ .

„Das willst wissen? Weil Du's nit verdienen thust. . weil Du schlecht gehandelt hast . . . darum ..."

„Ah . . . .!" Ein kurzes Seufzen. Ein Um- und Umdrehen aller Gegenstände — nein, er stand fest, der Paule. —

Irgend etwas war fort. Ihm war zu Muth wie einem Buckligen, der plötzlich seines Buckels ledig wird, so oder sc — leicht war ihm.

Sie wußten Alles! Er hatte kein Geheimuitz mehr. Seltsam . . . die Schmach, die der Mair ihm anthat, schmerzte ihn nicht. . _ , ,. x , a

„Mair", sprach er sanft, „um die Ehr' rst's geschehen. So wal>r Gott im Himmel mir gnädig sein wird!"

„Uni — die Ehr'!" Der Mair lachte laut und bitter aus. „Und Du hast den Muth, Gottes Namen anzurufen? Ern irdisches Gericht giebt's nit für das, was Du gethan hast, aber der gerechte Gott wird Di richten! Er wird das junge Blut von Dir fordern, das Du in der schwersten

daß die englische Regierung vorher ihr grundsätzliches Einverständniß mit der Einleitung von Verhandlungen kundgegeben hat, und zweitens, daß die niederländische Regierung, welche die Verhandlungen wohl im Einver­ständniß mit dem Präsidenten Krüger eingelestet hat, überzeugt sein muß, daß die Differenz zwischen den von beiden Seiten aufgestellten Forderungen eine wesentlich geringere geworden ist.

Wenn die jetzt eingeleiteten Verhandlungen zu einem Ziele führen sollten, dann werden freilich beide Lhelle, sowohl die Engländer wie die Buren, von ihren bis­herigen Forderungen wesentlich herabgehen müssen. Die englische Regierung ist von dem hohen Pferde, auf dem sie saß, schon herabgestiegen. Die Parole von der be­dingungslosen llnterwerstmg hat die englische Regierung bereits vor einiger Zest fallen lassen, und sie wird noch mehr fallen lassen müssen. Noch bei der Parlaments- eröfsnung hat beispielsweise Herr Chamberlcrin erklärt, daß die englische Regierung weder den Präsidenten Krüger noch die Führer der Buren als kompetent zur Ein- leittrng von Friedensverhandlungen erachten könne. Und in der Unterhaussitzung von: Mittwoch hat HerrChamber- lain sich selbst dementirt, indem er erklärte, daß die iin Felde stehenden Burenoffiziere durch nichts gehindert seien, Friedensvorschläge zu machen.

Die dem englischen Unterhause gemachte Eröffnung zeigt jedenfalls, daß alle Versicherungen der englischen Regierung, wonach die völlige Unterwerfung der Buren binnen Kurzem zu erwarten sei, eitel Humbug waren, denn wer wollte im Ernst glauben, daß England in dem Augenblicke auf Friedensunterhandlungen eingehen würde, wo es den Sieg sicher in der Tasche hätte? Die jetzige Meldung zeigt eben, daß die Sorge Englands über die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die der Krieg verschlingt, und über die dadurch herbeigesührte Schwäche und Lahmlegung Englands weit stärker ist als die Hoss- miug, in absehbarer Zeit den Krieg zu glücklichem Aus­gang zu führen.

Freilich, ob die jetzt eingclestetcn Verhandlungen zu irgend einem Ziele führen werden, das wird bis ans Weiteres, und vor Allem bis man den materiellen Inhalt der Bermittlungsvorschlägc kennt, als sehr zweifelhaft angesehen tverden müssen. So mürbe sind die Buren Ment Anschein nach noch lange nicht, um ihren heroischen Kampf gegen die englische Weltmacht mit der Unterwerf­ung unter diese zu beendet!. Ob aber England seiner- seits schon mürbe genug ist oder sich wenigstens mürbe genug fühlt, um den Buren in irgend einer Form eine staatliche Selbständigkeit zuzuerkenen, das steht dahin. So dringend wir, und mst uns die ganze Welt, eine Be­endigung des mörderischen Ringens in Südafrika wün­schen^ so würden wir doch jeden Ausgang des Krieges schmerzlich bedauern, der den Buren nicht in irgend einer Form ihre nationale Selbständigkeit sicherte, für die sie so heroisch gekämpft und so ungeheure Opfer gebracht haben.

Christliche Lehre und menschliche Ehre im Duellwesen.

Es ist eine betrübende Thatsache, daß die christliche Lehre in neunzehnhundert Jahren trotz des Beispiels des Stifters unserer Religion noch nicht int Stande gewesen ist, die Anschauungen über menschliche Ehre und Würde und über den Zweck des Menschenlebens zu läutern und zu reinigen, und daß ehrlose Männer, wie raffinirte Mörder den Gesetzen zum Trotz einen ehrbaren Gegner, den sie aufs Tiefste beleidigt und beraubt haben, toüt- schießen oder todtsteckien dürfen, um dadurch ihre Ehre wiederherzustellen. Schlechte Sitten sind mächtiger als gute Gesetze und es finden sich sogar Juristen, welche diese schlechten Sitten vertlfeidigen.

Der Ausgang zahlreicher in letzter Zeit vorge­kommener tragischer Duelle und das beklagenswertheste jüngste Duell, welches einem der edelsten deutschen Patrioten seinen hoffnungsvollen Sohn entrissen hat, veranlaßt uns, die Worte, welche Rudolf v. Bennigsen selbst vor 6 Jahren gesprochen hat, hier wiederzugeben.

Diese Worte müssen heute angesichts des seinen! Hause widerfahrenen Schicksals doppelt ergreifend wirken. Int März 1896 hatte ein Marineleutnant Üetellfolöt den Rechtsanwalt Zencker, nachdent er mit dessen Frau sträf­lichen Umgang gehabt hatte, im Duell niedergeschossen. Unter den! Eindruck dieses Vorfalls forderte Bennigsen, daß etwas geschehen müsse, utn den Duellen und einen! so starken Widerspruch zwischen dem Gesetz und der Sstte und Vorstellung in manchen Schichten entgegenzutreten. Speziell mit Rücksicht auf das Duell Zencker-Ketelholdt, „wo der in seiner Familienehre sich aufs Tiefste verletzt Fühlende durch den Gegner niedergeschossen ist", erklärte damals Bennigsen eindringlich: „Man fragt vergebens angesichts eines solchen Falles, wo kann da noch die Rede sein von einer Spur von Sübne für eine begangene Thal? Wo kaM da noch die Spur gefunden tverden von der Wiederherstellung der verletzten Ehre? Meine Herren, ich glaube, solche Ereignisse haben mit Recht doch eine tiefere Erschütterung hervorgerufen, auch namentlich in den Kreisen, die bislang geglaubt haben, daß das Duell nun einmal mit dem Begriff von Ehre in den oberett Ständett etwas absolut nothwendig Verbnndettes sei." Bennigsen hob im Anschluß daratt hervor, daß an­gesichts solcher Vorkommnisse schon im Interesse der Auf­rechterhaltung der Autorität und der Geltung der Gesetze Regierung und Mitglieder der oberet! Klassen daran arbeiten müssen, „daß solche Zustände aushören, die ein fortgesetztes, sehr wirksames Agttattonsmittel für die- jetiigen Parteien bietet!, welche die heutigen Zustände unterwühlen". Rudolf v. Bennigsen betonte deshalb: „Wir haben alle Veranlassung, uns jetzt mtt der Frage auf das Ernsthafteste zu beschäftigen: wie ist diesen Zu­ständen entgegenzuwirken?" Er erinnerte daran, daß wiederholt Fälle vorgetommen seien, „wo Personen sich

Stund' alloan Massen hast, das Du für nichts geachtet hast! Wann's 'stirbt — Du bist schuld! Du — Du — Mörder Du!"

Der Paule packte den Alten wie wahnsinnig an den Schultern.

„Um aller Heiligen willen — von wem thust Du reden?"

Der Mair thot einen Blick in die blutunterlaufenen wilden Augen.

„Das fragst auch noch? Koan Thier wär' so hart, wie Du. Geh und schau, von wem ich red'! Heut srüah is 's versehen worden."

Ehe der Paule den Sinn seiner Worte begriffen, schritt der Mair in dein schwarzen Rock, mit dem feierlichen Ge­sicht dorfabwärts.

Die Sonne funkelte auf dem Neuschnee der Berge.

Was war der Todtschlag, am Ander! begangen, gegen diesen Mord . . .?

Wer er war doch unschuldig!

Ter Paule rannte mst fliegenden Athemzügen nach Haus.

Im Klausenhof glänzten die bimsten Fensterscheiben.

Er war ein Mörder. Wen, was hatte er gemordet? Nahm es denn kein End' mtt Schuld, an der er schuld­los tocrr?

Unachtsam, heftig stieß er die Thür auf, wie ein Sturmwind, der eine schlafende Welt aus dein Traume rüttelt.

„Eenz!" schrie er so laut, daß die Wände seinen Schrei Zurückgaben.

Ein ersticktes Stöhnen antwortete ihm.

Vor einem weißen Bett aber stand seine Mutter und reckte wider ihn die Hand aus.

„Geh'! Geh'! Geh'fort von uns!"

Er schob sie gewaltsam bei Seite ... sie fiel in einen Stuhl ....

„Eenfl"

»Ja — ja", flüsterte sie leise. „Was ich jetzt a Freud' Hab'. Paule . . . . a Herrgottsfreud'! Thu die Tücher vom Fensterl, daß die Sonn' eiui scheint —"

Mechanisch gehorchte er. Eine Schwäche durchrieselte seinen Körper.

Er hatte eine Leiche erwartet und eine auf ewig stumme, langgestreckte Form ohne Seele auf dem Lager, wo schon sein Vater aufgebahrt. —

Die Sonne stand im Zimmer, er ging mühsam, ivie ein Mer Mann, zurück zu seinem Weibe.

Ihr Gesicht erinnerte chn an durchsichtiges Wachs — die Augen — halb gebrochen — schrecklich — und der furchtbare Ernst auf der Stirn. —

So verzweifelt starrte er auf sie nieder.

Was er am Passerufer gedacht, dessen entsann er sich nun.

„Ich komm'. Aber nit allein."

Langsam sank er auf das Bett, halb knieend. — > ■

„Paule!"

Er fuhr zusainmeu.

„Eenzi — Eenzi!"

„Is recht, daß Du kommen bist. Die Andern sein Harb auf Di, und Tu hast doch koa Schuld nit, weil ich Dir's nit Hab' wissen lass'n. Ich Hab' halt g'moant, es wird gut so. Aber gut darf's nit werden, denn ich Hab' a schwere Schuld auf dein G'wissen."

Er biß sich auf die Lippen. Nach einer Weile sagte er: „Sei stad. Red' nit. Es thnt Dich quälen."

„Na — na. Die Schuld is, daß ich Dich z'ruckgehalten Hab' — dazumalen — wie Tu Ijaft gehen wollen und Alles sag'n —" Er drückte die Fäuste gegen die Schläfen.

„Vorbei is vorbei. Ich Hab' Dir nie einen Vorwurf gemacht. Du hast keine Schuld, Eenz. Vor Gott sag' ich's: Die Lieb' war schuld."

„Schau, Paule —", ihre Stimme verlor sich in Flüstern — „desweg' muß ich sterben, und desweg' sollst Du hingehen und dem Recht sein'n Laus lassen. Alsdann