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so. Jahrgang.

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K». 46. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Djenstttg» dkN 28. IttNUttr. Berlags-Fernsprecher No. 2266. 1902.

Morgen-Ausgabe.

Weltvergessene Zlordsre-Eilande.

Aus dem Wattenmeere der schleswig-holsteinischen Westküste, die regelmäßig bei Fluch von den Wellen über­schwemmt wird und bei Ebbe in ausgedehnten Flächen als Land hervortritt« steigen senkrecht niit stark zer­klüfteten %—1% Meter hohen Wänden die weltver- lassenen Halligen, empor.

Obwohl Wellen und Eis unaufhörlich an der Zer­störung dieser Inselchen ar- beiten, harren die Halligbe­wohner auf chrer Scholle aus.

Unsere beistehende Karte giebt eine deutliche Dar­stellung der Größe und Lage der Halligen, und läßt ver­möge der Zeichenerklärung unten links im Bilde er­kennen, wie sehr nn Lause der Zeiten die durch Sturm­fluchen einst vom Festlande losgerissenen Inseln durch Abspülung und Ueber- fchwemmung gelitten und an Größe eingebützt haben.

In den letzten Jahren hat die preußischeRegierung damit begonnen, einige der Halligen gegen weiteren Landabbruch zu schützen.

Oland und Gröde sind jetzt durch Steinschüttungen ge­sichert und die Befestigung von Langeneß ist in Angriff genommeir.

Die kleine Insel „Ham­burger Hallig" ist als erste durch einen festen Damm mit dem Festlande verbun­den worden, nachdem durch den Staatshaushalts-Etat für 1874/1875 die nöthigen .Geldmittel bewilligt wor­den waren. Durch diesen Bau ist nicht nur die „Ham­burger Hallig" in ihrem Bestände erhalten worden, sondern es hat der Damm auch zu einer ausgedehnten Anlandung geführt, die den Gewinn größerer Land­flächen in Aussicht stellt. Diese Erfolge haben zu weiteren Anlagen ermuthigt, die denn auch bald in Aussicht ge­nommen wurden und ihrer Fertigstellung entgegengehen. Daß alle in Aussicht genommenen Arbeiten nur allmäh­lich vorgenommen werden können, und daß es eines Langen Zeitraumes bedürfen wird, bis alle Projekte aus­geführt sein werden, liegt aus der Hand, besonders da der

Bau der zum Schutz, erforderlichen Dämme gewissermaßen Hand in Hand gehen muß mit der hierdurch bewirkten Anlandung, d. i. die Arbeit, welche das Meer hierbei ver­richtet.

Weit draußen im Wattenmeer, Stürmen und Ueber- schwemmungen schutzlos preisgegeben, liegt das Nordsee- Eiland Hooge. Als im harten Winter 1888 wilde Eis­massen die Watten und ihre Ströme bedeckten, war auch Hooge monatelang von aller Verbindung mit dem Fest­lande abgeschnitten und die Bewohner erfuhren, wie so oft, nichts von dem, was in der Welt vorging. So wurde

auf jener Insel noch der 91. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. gefeiert, als dieser bereits nach Beerdigung aller Trauerfeierlichkeiten im Mausoleum zu Charlotten­burg zur letzten Ruhe beigesetzt war.

Diesem Eiland muß bald Hülfe kommen, wenn es nicht völlig dem Untergang geweiht sein soll. Der tiefe Fluthstrom streicht unmittelbar längs der Halligkante, unterwühlt sie und bricht immer neue Streifen Landes ab. Im Jahre 1873 war Hooge noch 680 Hektar groß;

Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

8 . Frankfurter Schauspielhaus, 26. Januar. Vor jdichtbefetztem Haus hat Herr Coquelin aine mit seiner ganz vorzüglichen ftanzösischen Truppe des Theaters de la Porte St. Martin sein hiesiges Gastspiel begonnen, und sowohl in Augiers „L'Aventuriere, als in Girardins dramatischem Einakter „Da zoi« kr.it peur" einen ganz großartigen Erfolg errungen. Coquelin ist ein wunderbarer Künstler. Von seinen Partnern mutz die bildschöne Madame Barthy besonders erwähnt werden. Das Publikum war begeistert und sehr beifallsfroh.

* Frankfurter Stadttheater. (S p i e l p I a n.) Opernhaus. Dienstag, den 28. Januar: „Der Wildschütz" (Baculus: Herr Hermann Steffens vom Theater des Westens in Berlin, als Gast). Mittwoch, den 29:: „Der Postillon von Lonjumeau" (Bijou: Herr Hermann Steffens vom Theater des Westens in Berlin, als Gast). Donnerstag, den 30.: „Carmen". Freitag, den 31.: Geschlossen. Samstag, den 1. Februar, Nach­mittags 31/2 Uhr: „Aschenbrödel"; Abends 7 Uhr: „Figaros Hochzeit". Sonntag, den 2., Nachmittags S 1 /^ Uhr: „Aschen­brödel"; Abends 7 Uhr: „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" (Tannhäuser: Herr Ejnar Forchhammer vom Kgl. Koftheater in Dresden, als Gast). Montag, den 3.: Geschloffen. — Schauspielhaus. Dienstag, den 28. Januar, zweites und vorletztes Gastspiel des Herrn Coquelin aine und des Fräuleins Marguerite Durand von der Comödie frangaise mit b«n Ensemble des TheLtre de la Porte St. Martin (Moliere- W^nd): „Tartuffe"; hierauf: „Les precieuses ridicules".

Mittwoch, den 29.: „Was ihr wollt"- Donnerstag, den 30.:

„Mamsell Tourbillon". Freitag, den 31.: „Die größte Sünde". Samstag, den 1. Februar, drittes und letztes Gastspiel des Herrn Coquelin aine und des Fräuleins Marguerite Durand von der Comedie franqaise mit dem Ensemble des Theatre de la Porte St. Martin: „Do Gendre de M. Poirier", Komödie in 4 Akten von Augier. — Monologues — „Le Bonheur qui passe", Komödie in 1 Akt von Germain. Sonntag, den 2., Nachmittags 31/2 Uhr: „Mamsell Tourbillon"; Abends 7 Uhr: „Hamlet" (Hamlet: Herr Franz Ludwig vom Stadttheater in Königs­berg, als Gast). Montag, den 3.: „Das Glück im Winkel" (Röcknitz: Herr Franz Ludwig vom Stadttheater in Königsberg, als Gast).

* Professor Virchotv veröffentlicht soeben im neuesten Heft des von ihm herausgegebenen „Archiv für pathologische Anatomie" einen Aufsatz, „Blätter des Dankes für meine Freunde" betitelt (zur Erinnerung an den Festtag am 13. Oktober vorigen Jahres), in welchem er einige kleine, bisher nicht bekannt gewordene Umstände mittheilt, die von den herzlichen Beziehungen, die den berühmten Forscher mit seinen Verehrern verbinden, Zeugniß ablegen. So wurde ihm u. A. von den Schweizer Aerzten zu seinem 80. Geburtstage ein präch­tiges Oelgemälde von Walensee zum Geschenk gemacht. Mit diesem Gemälde hat es folgende Bewandtniß: Als Virchow vor Jahren im Auftrag der deutschen Anthropologischen Gesellschaft die große Schulerhebung über die Farbe der Augen, der Haare und der Haut leitete, stieß er bei dem Studium der aus der Schweiz eingelieferten Zählkarten auf ein Ergebnitz, das ihm in Bezug auf das Land Kerenzen am Südufer des Walensees nicht richtig zu sein schien. Er wandte sich nun dorthin um Auf­klärung und erhielt die Aufforderung, selbst hinzukommen. Virchow begab sich nun, da es gerade in den Unidersitätsferien war, mit seiner Familie nach dem hoch über dem Sec gelegenen

seitdem sind mehr denn 180 Hektar vom Meere fortge- rissen worden, nnd die Einwohnerzahl ist von 260 nn Jahre 1850 bis auf 140 in der Gegenwart zurück-! gegangen.

Für die schleswigsche Küste ist die Erhaltung der Halligen von höchster Bedeutung« da sie gegen den An­drang des Meeres einen Wall bilden, dessen Werth be­sonders bei Stuvmfluthen nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Dein schleswig-holsteinischen Wattenmeere aber tonnen riesige Flächen des fruchtbarsten Marsch­landes wieder abgezwungen werden, wenn durch um­fassende Dammbauten dem zerstörenden Meere Halt ge­boten wird.

Ersiehung der Neger zur Arbeit.

Unsere Tropenkolonieen stehen und fallen mft einer» zweckmäßigen Lösung der Arbeiterfrage. Bei der» größten Theil der Eingeborenen herrschen sehr gering» Lebensbedürfnisse. Klima und Fruchtbarkeit des Bodens gewähren mühelos die Beschaffung des zum Leben Nöthigen. Daher ist die Neigung der Eingeborenen zur Arbeit für weftere Zwecke sehr gering, sobald die Bedürf­nisse derselben sich nicht vermehren. Als indirekteZwangs- maßregel wird Erhöhung der Steuern, Bekleidungszwang und Aehnliches empfohlen, ja, man geht sogar so weit, sie einer direkten Arbeitspflicht unterwerfen zu wollen, was schlimmer wäre als die frühere Sklaverei, die wir doch mit allen Mitteln bekämpfen und die nur so em­pörend und entvölkernd toar durch die Sklavenjagd und den Transport. Der frühere Sklave wurde sehr bald Familienmitglied und war als solcher dem Arbeitszwang nur mäßig unterworfen. Den freien Neger zur Arbeft zu zwingen, wagten selbst dieHäuptlinge nur für vorüber­gehende Leistungen, nicht aber in dauernder Knechtschaft, und wer den Neger kennt, kann nach dem Urtheill Major v. Wißmanns überzeugt sein, daß solche Versuche nur zu heillosen Verwickelungen führen, ja ftaglos unsere Kolo- nieen durch Auswanderung noch mehr entvölkern wür­den. Dagegen hebt Major v. Wißmann aus seinen lang- jährigen Reisen als Erfahrung hervor, daß er den freien Neger sehr schwer zu Hülfs- und Arbeitsleistungen heran­ziehen, ohne Schwierigkeit jedoch zu Kriegsdiensten ge­winnen komrte, oft mehr als ihm lieb war. Die Zulu­stämme hatten einen Militärzwang, wie er vielleicht, nirgends so scharf ausgeprägt ist, sodaß ihnen während ihrer Dienstpflicht sogar das Heirathen verboten war; trotzdem hätte es kein Häuptling vermocht, sie zu gewöhn­lichen Arbeiten dauernd zu verpflichten.

Hierauf gründet nun Major v. Wißmann in der „Deutschen volkswirthschastlichen Korrespondenz" den Vorschlag der Einführung einer Dienstpflicht der afrika­nischen Eingeborenen in der Schutztruppe, die nicht das Gehässige einer Arbeitspflicht hat, sondern, wie H. W, überzeugt ist, richtig eingeleitet, bei vielen Vvlksstämmen wenigstens, gern abgeleistet wird. Der Neger wird viel­fach stolz sein auf das Tragen der Uniform. Daß an­dererseits eine solche Pflicht, wie auch wir sie dem Staate leisten, keine Ungerechtigkeit ist, braucht wohl kaum be­tont zu werden. Auch die Besteuerung hat der Einge­borene sich willig gefallen lassen als Aeguivalent für den Schutz seiner Person und seines Eigenthums. Nur sollten

Dorfe Obstalden. Die herrliche Lage wirkte so sehr auf ihn, daß er sofort einen Kontrakt für den nächsten Herbst abschloß, um dort mit seiner Familie Aufenthalt zu nehmen. Es entspann sich nun zwischen dem Gelehrten und den Dorfbewohnern ein so herzliches Derhältniß, daß er seitdem zu wiederholten Malen nach Obstalden ging, wodurch dieses dann ein weit bekannter Ort wurde, während das verlassene Dörflein früher kaum von Jemandem ausgesucht worden war. Diese Erinnerung sollte das geschenkte Bild auffrischen. „So oft ich," sagt Virchow, „das Gemälde, das jetzt in meiner Wohnung hängt, anschaue, Lber- kommt mich Freude und Rührung über die herzliche Gesinnung, welche die Geber erfüllt." Bekanntlich war die Schellingstraße, in der Virchow wohnt, an dem Festabend hell erleuchtet, und er mußte sich, als er nach Hause kam, durch eine förmliche Gaffe von Kindern den Weg zu seiner Hausthüre suchen. Seitdem kommen die Kinder, wie Virchow erzählt, so oft er sich auf der Straße zeigte, ihm entgegen, strecken ihre Hände aus und sagen: „Guten Tag, Herr Virchow!" — Virchow schließt seine Erinne­rungen mit folgenden, schönen Worten: „Das ist die Dankbarkeit des Volkes, und darum darf ich Jedermann sagen: Vertraut dem Volke und arbeitet für dasselbe, dann wird auch der Lohn nicht fehlen. Das ist mein Glaubensbekenntniß, und mit diesem hoffe ich, so lange ich lebe, auskommen zu können."

* Ein National-Tbeatcr in Athen. Seit wenigen

Tagen hat Griechenland sein National-Theater. Bisher gab es in Athen nur verschiedene Gastspieltruppen. König Georg hat nun durch die Errichtung des Königlichen National-Theaters der griechischen Nationalbühne eine dauernde Heimstätte mit der Bestimmung gewidmet, daß nebst der heimischen die hervor­ragendste dichterische Produktion des Auslandes in muster­gültiger Uebersetzung gepflegt werde. Vor wenigen Tagen ist. wie der „N. Fr. Pr." geschrieben wird, das neue Theater mit