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so. Jahrgang.
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Ma« 41. Redaktions-Fernsprecher No. 52.
Samstag, den ä5. Januar. Verlags-Fernsprecher No. 2266 . 1902.
Morgen-Ausgabe.
Jum Krieg in JlUtttlmntrikn.
In Centralamerika schreitet der Krieg mit wcchscln- Dem Erfolge sowohl zu Wasser lvie zu Lande zwischen Kolumbier: und Venezuela, bezw. den Aufständischen und der Regierung dieser Staaten fort. Einer Depesche aus Willemstad zufolge versuchtet: Aufständische irr Venezuela am letzten Samstag Maracaibo zu nehmen, wurden aber zurückgeschlageii.
Es bestätigt sich die Meldung, daß die venezolanische Regierung bei Carupano eine Niederlage erlitten habe. Die Behörden in Carupano erhoben enw hohe Kriegsstetier von den Ausländen:, was Prowsle der letzterei: hervorrief und das Verlangen,, Kriegsschiffe zun:
Schutze der Interesse:: der Ausländer kommet: zu lassei:. Nach Meldungei: aus Venezuela soll Präsident Castro auf die deutsche:: Fordenmgen wegen bei den: Aufstande erlittener Beschädigung deutscher Interessen der deutschen Gesandtschaft ettvidert haben, er wolle sie dem nächstenKongreß vorlegen. Man halte dies in Anbetracht der Zusämmen- fetzu::g des Kongresses für eine Posse.
Der Aufstand schreitet langsan: fort. -—
Die Regierungstruppen von Venezuela find inzwischen abermals geschlagen.
Die Truppen des Präsidenten Castro erlitten bei Barquisimeto eine empfindlich« Niederlage von Seiten der venezolanischen Insurgenten.
Alle vorgenannten Orte finden unsere Leser in beistehender Karte, die auch das Gebiet der Landenge von Panama umfaßt, verzeichnet. lieber das in der Bai von Panama selbst stattgehabte Gefecht zwischen den Schiffen der kolumbischei: Aufständischen und den Schissen der Regierung wird weiter gemeldet, daß das amerikanische Kriegsschiff „Philadelphia" dabei behülflich gewesen ist, das an Bord des Schiffes der kolumbischen Regierungspartei „Lautaro" ausgebrochene Feuer zu löschen. Der „Lau- twro" war zu Anfang des Gefechts von dem Kanonenboot „Padilla", das den Aufständischen gehört, überfallen worden und bei diesem lieberfall, bei dem ein großer Theil der Besatzung des „Lautaro" fiel, in Brand gerchhen und ist später gesunken.
Angesichts des Interesses, das die Vereinigten Staate:: neuerdings ai: dem Panama-Kanal zu nehmen scheinen, wird es sich empfehlen, die Vorgänge in Central-Anierika, namentlich aber die auf dem Isthmus, aufmerksam zu
verfolgen. Von Washington aus wird zwar erklärt, das bei Panaiua befindliche amerikanische Kriegsschiff „Philadelphia" werde sich in die dortigen Streitigkeiten nicht einmischen, falls nicht amerikanische Interessen bedroht werden. Aber diese Voraussetzung zu einer Intervention kann jede Stunde als gegeben betrachtet werden, zirmal es schwer ersichtlich ist, ob im Augenblick noch die konservative kolunchische Regierung oder die liberalen Aufständischen in Panama die Herrschaft besitzen. Man weiß nicht einnml genau, ob thatsächlich in den: Kampf zur See am Montag dieSchiffe beider Parteien gesunken sind.
Der Freiheitskrieg der Buren.
Vom Kundschafterdicirst der Bure». Die „DaityMail" giebt eine interessante Schilderung von der Art und Weife, wie die Buren die englischen Kolonnen beschleichen. Wir entnehmen dieser Schilderung Folgendes: „Die Gepflogenheiten einer britischen Kolonne bieten dem Bur keine größeren Schwierigkeiten als die Gewohnheiten irgend eines Wildes, dein nachzugehen er gewohnt ist, und mir können versichert sein, daß weder Dewet noch irgend ein anderer Kommandant von Ruf einen Angriff unternehmen würde, ohne alle dazu nothwendigen Kenntnisse zu besitzen. Ein tollkühner nächtlicher Angriff ohne vorhergehende Rekognoszirung ist nicht ihre Sache. Sie
rekognosziren aber nicht wie wir und ermüden ihrePferde nicht durch lange Patrouillenritte, fiir sie ist es Regel, stets für den Nothsall etwas übrig zu behalten. Dies ist das Geheimniß ihrer großen Beweglichkeit und der Grund, weshalb sic bei der Verfolgung in der Regel ent- kominen. Das Rekognoszirungssystem der Buren ist einfach genug, und man kann es sich klar machen, wenn man sich vorstellt, wie ein Jäger die Bewegungen einer große:: Herde beobachten würde, bis sich die größte Antilope von ihr loslöst, wie er sich dann anschleichen würde, um zum Schriß z:: kommen. Er würde, genau wie die Buren
patrouille es macht, die Spitze eines Kopjes erklettern, von wo er nach allen Richtungen hin weite Aussicht über das Veldt hat. Dort würde er, wenn nöthig, stundenlang regungslos liegen bleiben, um nicht durch eine Bewegung etwa in der Nähe befindliches Wild auszuscheuchen, welches ihn verratheu könnte. Alles, was sich bewegt, kann er von dort meilenweit sehen. Bewegt sich der von ihm beobachtete Feind hinter einen Hügel, der ihn dem Micke entzieht, so wartet er lange genug, um sich zu überzeugen, ob er von dort ivieder zurückmarschirt, eine andere Richtung einschlägt, oder an dem jenseitigen Abhang liegen bleibt. In letzterem Falle entschließt er sich, näher heranzugehen und steigt mit möglichster Vorsicht von seinem Beobachtungsposten herunter, da er sehr wohl
Feuilleton.
- Nachdruck verboten.
Wiederauflebendr Organismen.
Plauderei von M« Kojsak.
Als ich noch ein Kind war, erhielt ich einstmals einen Laub- frösch geschenkt. Ich fütterte ihn mit Fliegen, deren er anfänglich nur wenige, allmählich aber immer mehr und mehr verzehrte, bis er es endlich auf neun Stuck den Tag brachte. Solange es Sommer war, machte es keine Schwierigkeiten, ihm diese zu beschaffen, bei vorschreitendem Herbst vermochte ich sie in unserem Hause jedoch nicht mehr in genügender Zahl zu fangen, sondern mußte noch einige aus Bäckereien holen, in denen es ja jederzeit welche giebt. ^Infolge der reichlichen Fütterung war das Thier enorm gewachsen — ich habe nie wieder einen so riesigen Laubfrosch gesehen. Da, zu Beginn des Winters, verreiste ich mit meinen Eltern, vorher machte ich es jedoch den Dienstboten zur Pflicht, meinen Liebling ja nicht Hunger leiden zu laffen, was sie denn auch versprachen. Als ich aber nach Ablauf von vierzehn Tagen wiederkehrte, berichtete mir unsere Köchin verlegen, daß der Laubfrosch erfroren sei. Es wäre über Nacht starker Frost eingetreten und da in dem Zimmer, in dem er sich befand, nicht geheizt wurde, hatte man ihn am anderen Morgen todt und erstarrt gefunden. Ich war untröstlich und das umso mehr, als ich ihn nicht einmal begraben konnte, was zweifellos wichtig erschien.
Ein paar Wochen später fand ich im Hof das eingefrorene Glas mitsammt dem von einem Klumpen Eis umhüllten Laubfrosch auf dem Kehrichthaufen. Nun konnte ich ihn also doch noch begraben! Ich trug ihn in die Stube, legte ihn auf einem Bdgen Papier auf den Tisch und ging hinaus, ein Kästchen zu suchen, in das er eingebettet werden sollte. Da die Ausstattung desselben mit Kissen, Spitzen und Blumen mir viel Mühe machte, kehrte ich erst nach ungefähr zwei Stunden wieder. Doch, welcher Anblick erwartete mich! Auf dem Tisch stand das Wasier in
einer kleinen Lache und inmitten saß lebendig mit offenen Augen — mein Laubfrosch! Er war aufgethaut und wiederaufgelebt! Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn für seinen eigenen Geist hielt, aber jedenfalls — so viel steht fest — war ich im höchsten Grade aufgeregt über das Wunder, das sich da unbestreitbar vollzogen hatte. Selbstverständlich setzte ich ihn in ein neues Glas, fütterte ihn wieder mit Fliegen und konnte zu meiner Freude konstatiren, daß sein Appetit durch den Todtenschlaf nicht gelitten. Ich habe ihn denn auch noch lange gehabt und als er schließlich starb, um nicht wieder aufzuwachen, da geschah es, wie meine Angehörigen meinten, infolge allzu reichlicher gastronomischer Genüsse. Der Umstand, daß er vor ein paar Jahren einmal eingefroren gewesen, trug jedenfalls keine Schuld an seinem Tode.
Die Geschichte ist buchstäblich wahr, aber trotzdem rathe ich Leuten, die einen Laubfrosch besitzen und lieben, nicht, ihn ein- frieren zu lassen, um sich während der fliegenlosen, der für Laubfrösche schrecklichen Zeit die Mühe der Fütterung zu ersparen. Er möchte am Ende doch nicht wieder aufleben. Ein paar kleinen Freunden von mir, die an ihrem grünen Wetterpropheten auch gern ein Wunder erleben wollten, ist es wenigstens so ergangen. Aber wie gesagt — meiner ist aufgelebt.
Jener Laubfrosch meiner Kinderzeit kam mir kürzlich wieder in Erinnerung, als ich irgendwo las, daß Gelehrte neuerdings wiederholt Frösche, Schlangen, Schnecken und auch Fische hohen Kältegraden ausgesetzt und dann tage- — ja wochenlang in der Erstarrung erhalten haben, ohne daß sie ihr Leben einbüßten. Raatl Pietet aus Genf und der inzwischen verstorbene Preyer haben besonders vor wenigen Jahren derartige Versuche in großem Umfange unternommen. Mit Fischen gelangen sie am schlechtesten, denn von diesen lebten nur vereinzelte nach einer Abkühlung von 8 Grad auf, Frösche und Schlangen dagegen erwachten noch, nachdem sie bei 25 bis 50 Grad, und Schnecken gar, nachdem sie bei rund 100 Grad eingefroren waren.
Es ist übrigens durchaus keine neue Entdeckung, daß manche Thiere, nachdem sie durch Einfrieren oder Eintrocknen in einen todtenähnlichen Zustand gelangt sind, wieder aufleben. Schon zur Zeit Philipps des Zweiten von Spanien berichtete dessen
Leibarzt, daß er in Mexiko einen Kolibri kennen gelernt habe, der sich vom Honig der Blumen nähre und sobald diese abstürben, sich mit dem Schnabel an Bäume hänge und wie leblos erscheine. Erst wenn mit der neuen Jahreszeit die Blumen wieder erblühten, erwache auch der Vogel. Allerdings gehört dieser Fall wohl in eine andere Rubrik, als der vorhin erzählte, weil es sich dabei höchst wahrscheinlich nur um eine Art Winterschlaf und nicht um ein Absterben des ganzen Organismus handelt, das doch auch stets eine Veränderung der Körperbeschaffenheit bedingt. Doch auch von Beispielen der letzteren Art wußte man schon früher. So gelang es bereits 1673 dem englischen Arzt Henry Power, sogenannte Essigälchen — mikroskopische Geschöpfe von aalartiger Gestalt — nachdem er sie mehrfach hatte einfrieren lassen, durch Aufthanen wieder zum Dasein zu erwecken. Aehnliche Experimente machte mit dem gleichen Erfolg 1743 der englische Geistliche Needham mit Weizenälchen, die er in gichtischem Weizen gesunden. Der Entdecker der Jnfusions- thierchen, Anthong v. Leeuwenkerk, wiederum brachte Räderthierchen aus dem Staub einer Dachrinne, den er lange trocken aufbewahrt, durch bloßes Befeuchten mit warmem Wasser zum Leben. In dem Werke des Abbe Spallanzani über Thier- und Pflanzenphysik (1776) wird erzählt, daß man die nämlichen Räderthierchen, wie auch Bärenthierchen und Milben bis viermal eintrocknen und wieder aufleben gelassen.
Neuerdings hat man die Bärenthierchen jedoch einem noch viel intensiveren Austrocknungsprozeß unterworfen, ohne ihnen die Lebensfähigkeit zu rauben. Verschiedene Gelehrte haben sie bis auf 120 Grad Celsius erhitzt, sowie auch unter der Luftpumpe über Schwefelsäure eintrocknen lassen, trotzdem erwachten sie immer wieder zum Leben. Räderthierchen wiederum verblieben, ohne daß es ihnen schadete, zwölf Wochen unter der Luftpumpe. Weizenälchen tränkte man sogar mit den schärfsten Giften, wie Strychnin, Atropin, Kurare rc., sowie man sie dann aber in reines Wasser legte, geriethen sie rasch wieder in eine schlängelnde Bewegung.
Während in allen diesen Fällen nur mikroskopische Thiere in Betracht kommen — denn Fische, Schnecken, Frösche und
