Einzelbild herunterladen
 

Beilage }\mi Wiesbadener Tagblatt.

Uo. 39. Morgen-Ansgabe.

Freilag, de« 24. Januar.

50. Jahrgang. 1902.

* &*±*±************************ ***** ***

Ä Willst ein ntbig Herz erwerben, p

Mußt nach dieser Weisheit streben: P

Leb', als solltest Du morgen sterben, £

Stirb, als solltest Du ewig leben. U,

Paul Heyse. »

t WW¥WWWWWW^WWF¥¥WW*WWv¥*W*W¥*W*WW*99'*

(3. Fortsetzung.) (Nachdruck verkoken.)

Das Wunder der Kiede.

Roman von Kugo Akphonfe Aevek.

„Du und kein Mer?" Sie lachte so glücklich. „Na \a, das ist Dir viel zu schlecht. Dort, mit Deinen Kame­raden im Kasino trinkst Du Sekt. Ja, das kann ich noch nicht." Sie verschwand in der Küche, wo die Butter in der Pfanne pruselte.

Sekt! Er und Sekt! Ja, der verdammte Eliquot, und dann das Jeu darauf, wobei er das Geld verloren: Ehrenschuld. Er wollte ja nicht. Da sagte selbst sein Batteriechef in etwas guter Stimmung: „Hören Sie mal, Drach, Sie werden ja der reine Philister!" Die Anderen lachten etwas ironisch. Darauf hatte er gespielt,

verloren, verloren, und jetzt-—? Woher das Geld?

Einer Frau es gestehen, die man vielleicht „ausVernunst" heirathet. des Geldes wegen? Nie. Wenn der Onkel

nicht half-na, dann lieber eine Kugel vor dm Kopf.

Kleine Ursachen, große Wirkungen. Was thut's? So oder so.

„Holger! Lieb!"

„Ja?"

„Komm einmal her!"

Er trat zu ihr in die Küche. Sie hielt die Pfanne mll blinzelndm Augm über das offme Herdfeuer, das ihrem Haar, vereint mit dem Licht der klemm blank- geputztm Küchmlampe, einm röthlich-goldigen Refler verlieh.

„Willst Du so gut sein? Halt mal hier die Pfanne! So! Und immer umwmden mit dem Messer, daß es nicht anbrmnt. Ich bin gleich wieder da. Ich will nur Nachsehen, wie es Herm Weber geht, damit wir dann ungestört sind. Gelt? Willst Du?"

Ob er wollte ! Alles! Da stand er nun und wurde von ihr furchtbar ausgelacht. „Gott, wie Ihr Männer Euch ungeschickt anstellt! Kochen könnt Ihr einmal nicht."

„Thäte gar nicht schadm, wenn wir's könnten. Du mußt mich's lehren, Schatz! Na, mach' nur, sonst brennt mir schließlich das Teufelszeug'doch noch an."

Mit lautem^ glücklichem Lachen verschwand sie im dunklm Flur. Da stand er am armseligen Herd, kochend. Ob er da nicht glücklicher war, als an der reichgedeckten Tafel bei Frau Evers, hinter jedem zweitm Stuhl ein gallonirter Diener mit canaillösem Gesicht! Und dieses harmlose, glückliche Idyll sollte nun ein jähes Ende nehmen? Aus? Für immer aus? Noch einmal aus? Dies Ouentchm Glück in seinem glücklosen Leben sollte vorbei sein für immer? Dieses Lebmselirir sollte er ihr rauben, die nur für ihn lebte, dachte und athmete, er, der sie zu diesem zweitm Friihling verleitet, als bei ihr schon der Herbst eingetretm war? War er schuldig? Was dann,

wenn er des Königs Rock auszog, mit der einseitigen Kadettenschulbildung? Vielleicht im besten Fall Polizei­offizier oder mit seinem Violinspiel, das für einen Dilettanten allerdings ganz gut war, Unterricht geben oder halbverhungerter Schriftsteller werden mit Weib und Kind!

Ein Schlüssel rasselte im Schloß und Marie, ganz roth vom erhitzten Lauf, trat ein, eine kleine Flasche mit einem halben Liter Weißwein in der Hand. Er trank ihn so gem.

„Siehst Du", rief sie strahlend. „So quälst Du mich. Bier trinkst Du keins; da mußte ich meinem strengen Herm schon Wein Holm. Da, Deine Lieblingssorte! Die mußt Du aber trinkm. Und ich trinke das Bier. Das wird ein Fesnnahl werdm. Gelt? Wir wollen schlemmen."

„Aber, geh, Schatz! Du sollst kein Geld ausge-"

„Still"; sie legte ihm die Hand auf dm Mund. „Ganz füll sein und artig. Frau Evers ist ja so gut, eine so liebe Dame und hat mir gleich Vorschuß gegeben. Also, ganz stille. Gelt?"

Frau Evers eine so liebe Dame? Das war ihm ganz

neu. Wenn sie wüßte-! Er dachte darüber nach und

versäumte dm Kuchen umzudrehen.

Nachdem sie dm Wein ins Zimmer gestellt hatte, nahm sie ihm die Pfanne aus der Hand und rief ganz be­trübt: „Pfui, doch angebrannt! Wie schade!"

„So? Das muß gerade jetzt passirt sein", mtschuldigte er sich mit hülflosem Ausdruck. „Aus Schreck über den Wein " Sie lachte ihn aus und drängte ihn ins Zimmer.

„Geh' nur hinein. In der Küche seid Ihr ja doch nicht zu gebrauchen. Dm Schadm hast Du allein davon. Ungebrannten Eierkuchen eß' ich nicht. Mußt Du ganz allein essen", sagte sie wichtig, kam sich aber selbst so komisch vor, daß sie lachm mußte. „Ich habe für mich noch etwas Schinkm von gestem und weißen Käse. — So! Jetzt habm wir Alles. Bitte, Herr Lmtnant, es ist servirt."

Sie warf sich noch einmal an seine Brust, die Heiter­keit war verschwunden, und liebmd, mit besorgtem Blick, strich sie ihm über die Schläfm. Sie wollte ihn ja nur aufheitern. So lustig war ihr gar nicht zu Muthe. Sein Kummer quälte sie, doch wagte sie nicht mehr zu fragen.

„Du mein-!" Er küßte ihre Augen.

Sie setzten sich an den Tisch, er aufs Sopha, sic auf einen Stuhl, mit dem Rücken gegen das Fenster. Sie goß ihm Wein in ein grünes Wasserglas und sich selbst Bier in das weiße.

„So! Alles habm wir schon angeprostet. Worauf sollen wir hmte anstoßen? Ah, ich weiß schon", rief sie jubelnd. „Meine kleine, — unsere Myrthe soll blühen."

„Nein."

Das klang so schrill und drohend, daß sie entsetzt das Glas auf den Tisch setzte, unberührt.

„Was ist Dir dmn? Du hast Etwas, Holger?" fragte sie angstvoll, nicht mehr im Stande sich zu beherrschen. „Sag' mir's doch!"

Er legte seine Hand, geztmmgm lächelnd, auf die ihre und sagte: „Ich weiß ja selber nicht, was mir ist. Viel­leicht werde ich Dir's schreiben. Man hat oft solche Stimmungen

„Richtig. Me Briefe!"

Sie ging nach ihrem Vertikow und nahm aus d«m- selbm unter einem Stoß Wäsche drei Briefe, die sie Holger reichte. Er gab ihr dafür die drei Briefe, dw sie ihm geschrieben halte.

Er berührte kaum den Eierkucheii. Auch ihm war Stimmung und Appetit verdorben. Sie hatte sich so auf hmte Abmd gefrmt! Er merkte ihr dm Kummer cm und es schnitt ihm tief ins Herz, daß er nicht reden durfte. Oder war es etwa nicht besser, ihr Alles zu ge° stehm? Blieb ihm dmn noch ein anderes Mittel, seiner Lage ein Ende zu machm und sich seinem Berufe zu er­halten? Schulden durfte er als Offizier, sollte er keine machen: er könnte wegen zu vieler gegangen werdm. Und wenn er keine machte, was ohne Privatvermögen bei diesm Abzügm und der elmden Besoldung geradezu unmöglich war, höhntm sie ihn Philister und Stubm- hocker, gar Streber.

Würde sie ihn verstehen, wenn er ihr alles Das sagte" Wie würde sie es aufnehmen?

„Glaubst Du mir?" Er faßte ihre Hand und blickte ihr tief und lange in die Augm.

„Ob ich Dir glaube! Wie an einm Gott, Du Etm ziger!"

„Du glaubst mir also, — daß ich Dir gut bin, Dich liebe einzig und allein?"

Sie wurde emst. Diese Frage erschien ihr so sonder- bar. Wozu das? Es klang wie eine Rechtfertigung, die sie ja gar nicht verlangt hatte. Sie hatte nie an seiner Liebe gezweifelt und würde es auch nie thun. Ihr bangte Var seinem fragenden Blick Er verheimlichte ihr etwas. Was so nahe lag, ihr lag es so fern, wie die Steme da oben. Was wußte sie von dm Pflichtm der Welt?

„Warum fragst Du?"

„Frage nicht. Sage mir nur, daß Du an meme un­endliche, tiefe, tiefe Liebe glaubst. Sage ja!"

Ernst und langsam, beinahe zögemd, ihre Augen tief in dm seinigen versmkt, kam die Antwort:

".Du! Du!" Und seine Lippen preßtm sich glühend auf ihre kleine, zarte Hand, und sie fühlte, wie etwas Heißes, Nasses darauf niederträufelte.

Sie erhob sich Plötzlich, trat an das Fenster und ritz den Vorhang weg. Durch zerrissene Wolkm funkelten einige Sterne, doch unklar, ohne beruhigendes Leuchten. Sie'sagte kein Wort, sondern kämpfte Kampf gegen etwas Unbestimmtes, drückend auf ihr lastete. _ r r .

Er trat zu ihr und legte ihr Köpfchen an seine Schulter: „Bist Du mir bös, Lieb?" fragte er inmg, Mit einem Kuß auf ihre Augm. „Sieh, manchmal ijt mrr s so, als könntest Du, mit Deinem reichen Herzen, mich mcht allein gern haben, als müßte noch ein Anderer kommen,

fr er _ "

Sie ließ ihn nicht zu Ende kommen. Sie riß sich von ihm los und starrte ihn mit wogender Brust an. Ihr Blick war wild, empört, beinahe verächtlich. „Holger!

„Ich meine — wie damals, — Dein Mann , nnl mich" zu vergessen", fügte er rascher hinzu.

(Fortsetzung folgt.)

ernm inneren Drohendes, das er-

frankfurter Zchnh-Vazar

vis-a-vis per Bärenstratze.

Llmggaffe

38.

LlMMsic

38.

Eine Anzahl sehr eleganter

Tanzschuhe,

früherer Preis 6.— bis 10.— Mk., die nicht mehr in allen Nummern vorräthig verkaufe ich in den nächsten Tagen zum Preise von 3.00—3« 50 *

Ferner kommen bis Fastnacht zum Verkauf: Lack-Salonschnhe mit hohem und niederem Absatz von 1.05 an .

Nntcichichl

jelirerinnen -Verein Wiesbaden.

Stellenvermittl. Seerobenstrasse 19, Fräul. Eibach. Sprachst.: Mittw. n. Samstags 12—1. *

sind.

Atlas-Tanzschuhe in allen Farben. Chevrette-Salonschuhc, elegante Facons Lack-Spangenschuhe, aparte Facons .

Mk. 2.0^ von 2. 75 an von 3. 25

an.

Berlitz -School

Rheinstrasse 18. Part.

Sprachlehr-Institut für Erwachsene.

Oberleitung: #*rof. Klerlitz.

Allein autorisirt zur Anwendung der Berlitz- Methode. Engl., Erz., Ital., Kuss., Deutsch ffir Ausländer etc. t. Erwachsene v. Lehrern d. betr. Nation. Nach der Berlitz-Methode lernt man v. d. erst. Stunde an frei sprechen. Probelection und Prospect gratis.

Aufnahme jederzeit.

160 Zweigschulen.

Pariser "Welt-Ausstellung 1900: 2 gold. u.

2 silb. Medaillen.

Ausl, bentid). U. flmerit Mctb. Kavellenffr. 16.

gSp- Engl. Unterricht u. Conversation

bei Miss Carne, Vorderes Dainbachthal 5. Sprectifanben 1—3 linb 7 1 2 —8 Uhr. _

Eehange.

Deux dames cherchent une jeune de- moiselle ouun jeune monsieur italien

qui echangerait, une fois par semaine, des lecons de conversation italiennes pour du francais ou de l’allemand. Offres au bureau du iournal sous chiffres V» > »

Parisienne donne lecons de grammaire

et conversation Elisabethenstr. 21, Gartenh. Part.

Signora,

maestra patentata, dälezioni.

Wilhelmstr. 5, III. 16770

Gummischuhe,

ächt russische, amerikanische und deutsche, 1 letztere von * -*■

95

an.

38 Langgafft,

Sämmtliche Winterwaare«

mit hohem Rabatt bis zu

vis-a-vis

Restaurant Malepartus,

40 °/o.

Langgasse 38.

1116

graph. Privat-Unterr. (Gab.) ertb.

jederzeit n. 16-j. sien. Thätigk. Ooctz, Röderallee 12. 713

Wer

Erato ? Off.

ertheilt aründl. Unterricht in

^«iiHr-r's Record - Zither

J. A. r» an den Tagbl.-Verlag.

iither-, Piano- u. engl. Unterricht erth.

erf. Lehrerin zu mäh. Pr. Saalg. 24 26, 1 l. 886

Acad. gcbild. Sängerin „33!

Unterricht im Gesang ä St. 2 Mk. Klavier

1.50 Mk. Off, n. A. I». «SS Tagbl.-Verl. 16.76

°^unge Dame wünscht bei einer ersten

Schneiderin für 3 Monate das Kleidermachen praktisch zu erlernen gegen Bezahlung. Offerten unter 8. C. <>1 an den Tagbl.-Verlag.

Mädchen können das Kleiderm. n. Zuschn.

aründl. erl. Kircba. 47, 2 b. Frau »cl.aad. 1202

Unterricht

im Wäschenühen und Zuschneiden wrrd

Herder- ' 258

gründlich ertheilt. Kursus 15 u. 20 Mk. straffe 2, Hth. 1 rechts. _

jEf“ Bügel-Kursus ans Berliner 'Neu.

Unterricht w. aründl. erth. Hellmnndstr. 38,1 r.

Bügel-Kursus ertheilt gründlich

Frau Wl«1Ii«»> Sedanstraße 7, y. 1 r.

Privat-Tanzunterricht ertßeile in 6 bis

8 Stunden unter Garantie. Spezialität Schleif­walzer. Prima Referenzen. .

H. Schtvah, Römerberg 16 (Laden).

verloren Gefunden

Verloren silberne Damenuhr. Wiedrrbr.

Belohnung. Nicolasstraße 5. Part.__

Verl. e. silb. Gürtelschnalle a. scbw. Band.

Abzuaeben gegen Belohnung .tzerrngartenffr. 14, 2.

Langgasse 25.

Pineenez in der Adolfsallee bis Rondell verloren. Abzug.

1201

MMem Zither-Schule,

Bleichstratze 25.

Erste Musikschule für Zither, Mandoline, Guitarre, Clavier, Piston, Ensemblcspiei. Anmeldungen jederzeit.

Inh.: «*. «Ailian.

31oth. b-il.-H. perl Abza. .Hellmnndstr. 15, 2

Ein Kindcrgnmmischnh verloren.

Bitte abzugeben Karlstraße 33, 3 r.

Verlaufen

ein weißer Fox-Terrier, schwarzes rechtes Ohr, hinten ein schwarzer Flecken. Gegen 10 Mk. Be­lob mingabzMb^Panlinensirnße^L^

Slvhandcn gef.

m. w. u. gelb. Abz. i

schott. Schäferh.. schwarz 8. Bel. abz. Westendstr. 28.2.