Wiksbsdkmr Tmlilck
so. Jahrgang.
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Abend-Ausgabe.
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aus das
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„Wiesbadener Tagbtatt
jU abouiiircii, findet sich Gelegenheit
im Vertag Langgallc 27, bei den AnsgabesteUen. den Zweig-Erpeditionen
der Nachbarorte,
und bei > üinmttiche» deutsche» Veichspostanltatten.
Der Dundesrnlh.
L. Berlin, 23. Januar.
Die Darstellung, die der Reichskanzler am Mittwoch pon der Art und Weise gab, wie im Bundesrathe abge- stunmt wird, hat vielfach Erstaunen erregt, und inmr hat in der Aeußerung des Grafen Bülow, daß die Vertreter der Bundesregierungen oft gar nicht sagen können, wes
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halb sie für oder gegen einen Antrag stimmen,^ eine unge wollte Verhöhnung
. a des Bundesraths gesehen. Nun
müssen wir Denen Recht geben, die sich darüber wundern, daß die Darstellung des Reichskanzlers Verwunderung hervorgerusen hat. In der That ist der Bundesrath keine Versammlung mit parlamentarischen Formen, sondern die Mitglieder haben nach den von ihren Regierungen empfangenen Weisungen zu stimmen, und sie stimmen ja nicht als Individualpersonen ab, sondern eben nur als beauftragte Drgane. Es geht dies schon daraus hervor, daß die siebzehn preußischenBuudesrathsslimmen. die sechs öayrischeii :c. nicht Mann für Warnt abgegeben werden, sondern jedesmal kollektiv von einem beliebigen Mitglied der betreffenden Gruppe. Andererseits jedoch würde es dem Thatbestande kaum eirtsprechen, wenn man sich eiue Sitzung des Bundesraths wie eine Versamnilung von stummen Marionetten dächte, die mechanisch Ja oder Nein und nichts Anderes sagen. Graf Bülow dürfte seine immerhin eigenthümliche Schilderung nichts ohne einen bestimmten Zweck gegeben haben. Es mag ihm Zusagen, sich gelegentlich ganz Hein zu machen, damit ferne Verantwortlichkeit. liicht die verfassungsmäßige, sondern dre materielle verringert werden kann. Wenn besspielsmeisi die Agrarier eine Erhöhung der Getreidezölle über die 0 iQt $0 ÜBocIqqc I)hictu$ m staube brächten, tücnu alfo da°! Undenkbare doch Wirklichkeit würde und der Bundesrath über einen solchermaßen umgestalteten Zolltarif zu beschließen hätte, so köiinte es deni Reichskanzler sehr willkommen sein, im Bundesrathe überstimmt zu werden
und hinterher seinen konservativen freunden achselzuckend sagen zu können: Ich habe das Weinige gethan. aber die Anderen lvollten iücht. — Im Ernst gesprochen, steht es so, daß den Abstimmnngen im Bundesrath Verhandlungen in den Ausschüssen und im Plenum vorangehen, und daß hier ebenso für nnd wider gesprochen wird wie in einer Volksvertretung, nur freilich mit dem unter* schiede, daß Niemand umgestimmt werden kann. Aber lvemi die Bundesrathsmitglieder an ihre Jnstrutttonen aebundeii sind, so wird diese Starrheit wieder gemildert, belebt, deni parlamentarischen Wesen angenahert dadurch, daß die „Regierungen", von denen die Instruktionen ausgehen. in der Hauptsache ja aus den Personen bestehen, die im Bundesrath Sitz, und Stimme^ haben. Wer instruirt" denn die 17 preußischen stimmen. Staatsministerium, das dies thut, sitzt ja zugleich vo ^ - zählig im Bundesrath, und ebenso ist es imt allen anderen Vertretiingen der Bundesregierungen. Wenn also Gras Bülow meinte, daß es deii Bundesrathsmitgliedern zu- weilcn unbekannt bleibe, weshalb sie sur oder gegen gestimmt haben, so kann dies nur m der alleranoerlichsten formalen Beziehung einen Sinn haben. Es ist sa möglich daß gelegentlich nid,t der Minister emes Emze- taats. sondern einer seiner, im Bi.iideSrath sitzenden Ge- leimräthe in Abwesenheit des Chefs d,e Stimmen des betreffenden Staates abzugeben hat, und dag er durch irgendwelche wundersame Verkettung von Umstanden nicht üi der Lage war. sich vorher über d.e Grunde des Ja oder Nein zu unterrichten. Aber wir bezweifeln, daß ftdi dies jemals in der Praxis wirklich ereignet hat Wenn Graf Bülow sodann weiter mit übertriebener scheiden-, heit erklärt, er könne die Vertreter der Bundesregierungen nicht nach deii Beweggründen ihrer Ab- stinimung fragen, so hat das was daran Mmst auch nur einen ganz hohlen dormalstatEth Nach den Beweggründen ihrer Abstimmung darf man auch Neichs- tagsmikglicder nicht fragen, abest man braucht es auch iricht, da man es ohnehni weist. Es lvird un Bundesrath wohl nicht anders sein. _ ,
15. Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
Frei für üie Ehre!
Ein Roman aus dem Passeicr von VN. v. Oerhcn.
Erst als sie dicht an dem, Baume vorüberzogen, bemerkte der Paiile die Tafel. Sie roch durchdringend nach
Er rang nach Luft und blieb wie angewurzelt stehen. ß,pi n QjpTVen und stupsen der kleinen, braunen psvanen- hand, kein Drängen feines zitternden Weibes vermochte ihn zu lveckcn aus seiner Erstarrung.
^Geh^weiter""ri/der Mair ihn an „Was schaffst heut' mit dem Ding da? Das kannst noch alle -ag an-
fchaiwn. taumelte. Er nahm seinen Hut ab, damit
der kühle Frühlingswind die Gluth ferner Stirn kühle. So oft er weiter wollte, so oft zog ihn das Todtenbrett
mit Seinern, ^Willenskraft zusammennehmend, riß er
sich midlich los lind dann eilte er im Sturmschrttt den
^ Hm "hm",' brummte der Mair. „Sackerdixi!"
Esti sellsamerGedaiike schlüpfte ihm unversehens durch
^ VÄohle.i schielte er um sich. Alle Mienen drückten
Strecken, Erstaunen aus. , .
A Glas'l Weilt werdet's do ntt verschmähen, und u Brat'l^" fragte er freundlich. „Wann S auch keine große Hochzeit iS, amal lcb'li laff'n müffm ma doch die fungen
Zögernd, halb unwillig und doch von Neugier getrieben nahmen die Männer an. .
1 Aber eisige Sülle herrschte zuerst am wi,che tn Saltaus, irotj des rubinrothen Küchelbergers und goldgelben Muskatellers von eigenem Gewächs.
Der Ehemann fehlte. Die Braut ließ das Glas kreisen und trug Brod nnd Speck auf.
Er wird schon kommen", sagte fie von <>eit zu <Mt.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 23. Januar.
Einqegangen ist die Interpellation des Centtums wegen des Jesuitengesetzcs. Die Berathung des Etats des Reichsamts^ de- Jnnern Titel „Staatssekretär", wird fortgesetzt. — Abg.
B a s s e r m a n n (nat.-lib.) bedauert, daß sich die Reform des Kranken-Versicherungsgesetzes so sehr verzögert. Es sei dringend nöthiq, die Lücke auszufüllen, zwischen der gesetzlichen nur bis mr 13. Woche reichenden Kranlenunierstutzung und der erst mit der 27. Woche beginnenden Unfallrente. Wünschenswert sei ein
Normalstatui für die Proportional-Wahlen zu den Gewerbe-
gerichien und die Regelung der Arbeitszeit der HandelS-Ange-
Tas dumme Brettl!" seufzte der Mair. schuld. Er hat so an G'müath, der Bua!"
Meinet Ihr!" sprach vedächttg cm alter Bauer. „Jch hab' g'hört, der Paule und der Anderl feien von fe-
her verfeiiidct gewesen?" ^
Der Mair that. als bemerke er die athemlose «kille
nicht, die diesen Worteii folgte.
Je!" lächelte er, indem er feur Gla» gegen das Licht hob,"„Kinderg'sPiel war das. Nachher ist er ja auch fort- lomnien, der Paule."
Me^Männer tranken, und das Gespräch versiegte bald. Nur der Mair lief aus und eilt nnd brachte einen Krug um deii anderen, bis die Wangen und Stirnen kupferig alübten Er brachte immer mehr, ohne selbft mttzu- halten — denn ihm lag daran, daß diese die Erinnerung an eilte gewisse fatale Stunde in Wein ertränkten, wah- reiid er nüchtern blieb.
Deni Esel aber, der das Todtenbrett heute, am Hochzeitstage seiner Cenz, errichtet, dem versprach er innerlich
Ernvinkte seiner bleicheii Tochter mit den Augen, und
sie entfernte sich unbemerkt. .
Die Schmach, deii Bräutigant fucheii zii müssen!
Sie ramtte du-ch das ganze alte Saltmis, in btc gewölbten Keller, die Kemenaten, die als Vorrathskammern bienten. Leise, leise rief sie seinen Namen.
llnd da Alles so tobt blieb — so einsam — pochte ihr s5en heftig auf. Unwillkürlich wandte sie den Kops dem Ztrome zu - der grünschimmernden Passer mit ihren eifiaen Wellen. Sie trug dert Winter auf ihren Wogen, den Winter des Passeierlandes mit feinen geschmolzenen
^^Nein^^Das that er nicht. Vielleicht war er heim ^ur Mutter gegangen und erwartete sie dort.
Die Cenz hob stolz den Blick. Mochte er warten Sre lief nicht in das Haus des Arannes, ohne daß er sie holte.
Brennende Röthe auf dem strengen, finsteren Gesicht, strich sie draußen im Garten umher. Tie Scham verbot hr noch einmal in die Sttibe zum Vater mtb zu den
«stellten in den Comptoiren. Auch die Stellung von Gehülfen von Rechtsanwälten und Notaren müsse geregelt werden. Redner geht dann ein auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, und schließlich auf die Frauenbewegung. Was das tzrauen- studium anlange, so sei mau in Baden schon damisi vorgegangen, die Mädchen in die Gymnasien aufzunehmen, sodaß sie auf denselben Schulbänken zugleich mit den Knaben sitzen. Aus dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechtes muhten unbedingt die für die Frauen bestehenden Beschränkungen Er und seine Freunde verlangten in dem von ihnen eingebrachten Initiativantrag zunächst Vereins- und Versammlungsfreiheit für die Frauen auf socialpolitischem Gebiet. Redner schsießt, er wünsche, daß es den verbündeten Regierungen und dem Reichstag gelingen möge, in stetem Fortschreiien Hand in Hand die sociale Frag- zu lösen. (Beifall.) - Abg. Fi sch er-Berlin (Soc.) schiebt es dem Centrum in die Schuhe, wenn die Social- resorm keinen rechten Fortgang nehme. Auch die Regierung sei nicht mit Eifer bei der Socialreform. Eine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit würde in der Industrie überall durchzuführen sein. Charakteristisch für den socialreformerischen Eifer der Regierung sei, daß die in den kaiserlichen Februarerlassen mit solchem Aplomb angekündigten Arbeiter-Ausschüsse überall so gut wie nur auf dem Papier ständen, sogar in den Staats- und Reichsbetrieben, die doch „Musterbetriebe" sein sollten. Redner geht dann auf die Liebesgaben ein, die den Juntern zugewendet worden seien. Dieselben hätten die Höhe von einer Milliarde, wie Abg. Bebel neulich vorgerechnet habe. Abfällig tritistren müsse er die angeblichen Schwierigkeiten, welche die Einbringung der Reform des Krankenkassen-Gesetzcs verzögern. In der 12,000- Mark-Angelegenheit sei Wödtte nur das Opferlamm gewesen, denn es sei doch festgestellt worden, daß Graf Posadowsky selber das bekannte Schreiben an den Centralverband geschrieben habe. Wenn ich, so fährt Redner fort, eine solche Dummheit ober Schlechtigkeit begangen haben würde, würde ich dieselbe ruhig auf mich nehmen. Unverschämt sei cs, wenn der Oberhofmarschall Eulenburg die Arbeiter mit Rhinocerossen vergleiche oder ein Hofprediger das Bild von einem Thier gebrauche, dem auf dem Bismarck-Denkmal der Fuß auf dem Nacken gesetzt werde. Redner wünscht dann besiere Regelung der Gewerbeaufstcht, wenn nicht durch diese Regierung, dann durch eine andere. (Beifall — Staatssekretär Posadowsky wendet sich gegen den Vorredner, dabei ausführend, daß er nur die Politik treiben könne, für die er den Bundesrath hinter sich habe. Die Ge- sammtheit der Regierung fei verantwortlich und nicht einen einzelnen Beamten könne man verantwortlich machen. Weiter
theilt der Redner mit, daß zur Vornahme von Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in der Binnenschiffahrt und kaufmännischen Comptoiren bereits Auftrag ertheilt sei. — Abg. Rösicke-Dessau (wildl.) plaidirt für obligatorische Faß- Aichung und für gesetzliche Regelung des Arbeitsnachweises. — Nach weiterer kurzer Debatte wird die Weiterberathung auf morgen 1 Uhr vertagt. — Schluß 6 Uhr
V
Berlin, 23. Januar. Die Berathungen in oer Zolltarif-Kommission des Reichstages wurden heute bei Absatz 11 des § 5 fortgesetzt, welcher sich mit der zollfreien Ein-
kriitkeudeu Gästen zu gehen. Dies war ja iricht mehr ihr Heim von heut ab — ihr Heim lag dort an den Geländen von St. Martin — und Niemand kam, sie in ihr Heim zu
führen. „
Und allmählich ward ein zorniger Schinerz Herr über ihre bange Sorge. Die Schatten wurden lang, aus beit Fenstern scholl das laute Lachen und Reden der Männer — es fröstelte sie, ihre Glieder bebten.
Die Magd hantirte im Stall.
Vor ihren neugierigen Augen verbarg die Eenz sich üi der alten Kapelle, wo ihr Vater jetzt die Gartengeräthe aufbcwahrke. Der Altar war längst entfernt, das einzige Heiligthum, das die Zeit hier geschont, eine Stattte der Bcutter Gottes, lehitte einsam in einem Winkel.
Nicht weinen. Die Cenz drängte die Thränen zuruck, und ihre Finger gruben sich in ihre Handflächen.
Durch das schmale, mit rostigen Eisen vergitterte Feusterlein iit der dicken, feuchten Mauer sah sie die sinkende Sonne aus dem Wasser tanzm. So warm und licht, wie die Liebe selber.
Was ist aber eine Liebe werth, die kalt ist und hart und iücht Liebe fordert? .
Mtt einem Schlage erblaßte der goldgelbe Schein in der starreil Bergwelt.
Die Cenz sah den Nebelhauch aus den Matten steigen, ffiemt das die Seelen der Todten ivaren!
Heber den Hof kamen und gingen die Knechte.
Hei, welch ein' Gelächter, ramm fie das Weib des Klausenhofbauern hier fänden!
Sie schlich ins Freie und spähte gen Osten, wo die Nacht deii Schluchten entstieg, gen Westen, wo der Tag
versmtt. . „ : . c . .
Neben ihrer bitteren Enttäuschung empraiid sie «n sehnsüchtiges Verlangen nach dem warmen, eigenmi Herd.
Me Thür von Sältaus mußte ihr verschlossen, rein, im Torf durste sie nicht Unterkunft suchen, und wie eine Fahrende mochte sie nicht unter freiem Hinnncl wolmen. Ein bart££ Scttnpf toai* cs?, bcu ifyv liwi intern
Herzen kämpfte. . .
ermattet und gedemmhigl, dacy.e ne:, nch
