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Wiesbadener Ta Malt

so. Jahrgang.

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Rußland und die mongolische Sahn.

Eine sehr bedeutsame Meldung kommt aus Peters° bürg; es wird berichtet, daß der Ingenieur Botscharow von der mandschurischen Eisenbahn zur Ausführung von

mongolische Bahn würde Rußlands asiatischen Schienen- weg zum Stillen Qcean um 700 Kilometer abkürzen. Das bedeutet einen hohen Zeitgewinn, der sür Rußland von unschätzbarem Werth ist.

Es ill kein den Russen unbekanntes Land, durch welches die neue Bahnlinie führen wird, vielmehr haben die russischen Theekarawanen, die regelmäßigen russischen Posten und amtlichen Kuriere den Mongolen den Czaren

Tracirungsarbeiten an der neu zu erbauenden mongo­lischen Bahn Kiachta—Urga—Kalgan—Peking entsandt worden ist. Die ersten Vermessungsarbeiten an der Bahn haben bereits schwedische Ingenieure ausgeführt. Botscharow findet also ein vorbereitetes Feld. Me Bahn wird im Allgemeinen an der alten Handelsstraße, welcher bislang die Karawanen gefolgt sind, entlang führen. Die

Nachdruck verboten.

Dos Mhfel der neuen Sterne.

Von Arthur Stentzel-Hamburg.

Als am 21. Februar vorigen Jahres der neue Stern im Perseus erschienen war und das seltene Ereigniß über­all mit gebührendem Interesse erörtert ivurde, mußten die Astronomen alsbald das Ihrige zu thun versuchen, um eine Erklärung der wunderbaren Vorgänge zu geben, die sich dort im Weltall in ungeheurer Entfernung von der Erde aber für die Erdenbewohner sichtbar, abgespielt hatten und ihren Fortgang nahmen. Am meisten wurde die von Professor Seeliger begründete Hypothese be­sprochen, die als Ursache des plötzlichen Aufleuchtens und allmählichen Wiederverlöschens eines solchen Gestrrns den Durchgang von dunklen oder s'chwachleuchtendenHimmels- körpern durch eine weitausgedehnte kosmische Nebelmasse von großer oder geringer Dichte annimmt, also ein Ge- sck>ehniß, wie man es fast täglich im Kleinen an der Er­scheinung der Sternschnuppen beobachten kann. Dre von Professor Wolf mit dem Bruce-Teleskop gemachte Be­obachtung von der großen Ausbreitung der Nebelmaterie in, Weltall galt als Bestätigung des Erklärungsversuchs, der im besonderen Fall der Nova Persei durch die Ent­deckung einer Nebelmafse um den eigentlichen Stern noch eine starke Stütze zu erhalten scheint. Erwägt man fe- doch dm Umstand, daß eine Nebelmaterie cm Weltall gegen denWeltäther nirgends scharf abgegrenzt fern kann, sondern sich überall ganz allmählich in diesen verlieren mutz, daß sich also der Uebergang von dem eigentlichen Nebel in die nebellose Umgebung durch viele Millionen oder vielleicht Billionen von Meilen erstreckt, so wird man

näher gebracht als den Bogdochan, wie der Russe stets den Kaiser von China nennt. Rußland und China sind aus der mongolischen Steppe ganz unter sich und Peking wird, abgesehen von der bedeutenden Verkürzung der Ver­kehrsentfernung durch die moiigolische Bahn, dem „Väterchen" und seinem Machteinfluß moralisch noch weit näher gerückt, als mittels der Anschlußlinie an die mand-

zunächst den Vergleich mit der Erdatmosphäre ver­werfen müssen. Andererseits ist die Plötzlichkeit des Auf­leuchtens des neuen Sterr.es durch Eintritt in die Nebel­masse zu erklären, da die Qrtsbewegung der Nova Persei beispielsweise jährlich nur 1 Bogensekunde beträgt. Dem­nach verstreichen, bevor ein selbst bei größter Massen­geschwindigkeit verhältnißmäßig langsam sich bewegendes Gestirn in eine dichtere Nebelmafse gelangt. Jahre, viel­leicht sogar Jahrhunderte oder Jahrtausende. Eine Er­wärmung durch die Reibung kann daher nur ganz all­mählich geschehen, und bannt steht das Aufleuchten eines Sterns in einer einzigen Nacht im schärfsten Gegensatz. Außerdem kann von einer so heftigen Reibung, wie sie das Auflodern eines großen Himmelskörpers voraussetzen würde, bei der unendlich feinen Vertheilung einer Nebel­materie keine Rede sein. Eine zweite Theorie, die viel Aufsehen machte, ging von Professor Birkeland aus Christiania aus, der behauptete, daß es eine gewisse Klasse von Himmelskörpern gebe, die einen Kern von außer­ordentlich hoher Temperatur besitzen, der jedoch wegen des starken im Innern des Körpers herrschenden Drucks nicht flüssig, sondern fest sein müßte, während diese Art von Gestirnen äußerlich zu den Erloschenen gezählt würde. Vollzieht sich nun die Abkühlung und Zusammenzrehung der Masse sehr schnell, so wird der in, Innern heiße und unter hoher Spannung stehende Kern schließlich die Schale durchbrechen und wegen seiner hohen Temperatur den Weltkörper von Neuem aufleuchten lassen, em Er- eiqniß, das sich von Zeit zu Zeit, und zwar in immer größeren Abständen wiederholt, bis der Stern endlich ganz erloschen ist. Gegen diese Anschauung ist hauptsäch­lich einzuwenden, daß derartige Explosionen von Wölt- körpern bei der unermeßlich großen Zahl von Gestirnen alsdann viel häufiger, ja eine alltägliche Erscheinung sein

schurische Bahn, die für ein intimes Verhältniß der Küste des Golfes von Tschili zu nahe läuft.

Die Hauptschwierigkeiten für den Bau der mongoli­schen Bahn ergeben sich zwischen Kiachta und Urga. Ms Kiachta wird von der sibirischen Bahn aus das Thal von Selenga bezw. die Poststraße die Linie vorzeichnen. Kiachta selbst wird nach Fertigstellung der Bahn wohl schnell aufhören, die originellste Stadt Rußlands zu sein, wie der Reisende Obrutschew sie nennt, „bald füll wie ein Friedhof, bald voll Lärm und Leben wie ein großer Jahr­markt, je nachdem die Karawanen aus China erst erwartet werden oder berests eingetroffen sind.

Unmittelbarer Grenznachbar des russischen Kiachta ist auf mongolischem Boden Maimatschen, und hier be­ginnt die mongolische Steppe, der Weg nach dem 360 Werst entsernten Urga. Wenn sich auf einem Theile dieser Strecke auch Flußthäler bieten (Selenga, Dschrda und Tanimik), so steigen die Höhen, die auf dem Wege nach Urga zu überschreiten sind, bis zu 400 Meter an. Urga ist die heilige Stadt der Mongolei mit dem lebenden Buddha und 10,000 Mönchen. Bon da bis Kalgan, jenem den Zeitungslesern durch die deutsche Expedition bekannten chinesischen Orte, giebt es keine Stadt mehr.

Die Straße des russisch-chinesischen Handels führt durch das wasserarme, waldlose Gebiet Centralasiens, das indessen nicht eigentlich die Bezeichnung Wüste ver- dient, womit sich auch schon die verschiedenen Beziehungen seiner einzelnen Theile nicht decken. Auf die Salzseen in der Mitte des Weges folgen in dem weiter südöstlich aus-, geprägter gegliederten Charakter Süßwasserseen ab­wechselnd mit Salzseen; dies Gelände erhebt sich von einer absoluten Höhe von 1150 auf 1450 Meter. Ms zur großen Mauer nahe Kalgan steigt der Weg auf 1625 Meter, um dann vom Rande des mongolischen Hochlandes bis Kalgan auf 20 Kilometer nicht weniger als 800 Meter abzufallen. Da muß die Bahn sich mit einer großen Schleife helfen. Die gesammte Bahnstrecke von Kiachta nach Peking wird etwa 1750 Kilometer betragen.

Der Bau der nwngolischen Bahn ist ein Vorgang von so weittragender und hoher politischer Bedeutung für die Zukunft Östafiens, daß es sich empfiehlt, dre Situation an der Hand einer Karte, wie wir eine solche beistehend unseren Lesern bringen, zu vergegenwärtigen.

In unserem Kartenbilde sind die in der Mandschurei im Anschluß an die sibirische Bahn im Bau befindlichen Bahnen, sowie alle sonstigen, politisch wichtigen Verhält­nisse eingetragen. Durch eine hervortretende starke Lrme ist sodann die Hauptrichtung der neuen Bahn Kiachta- Kalgan-Peking eingetragen, die dem Jahrhunderte alten Karawanenwege durch die Wüste Gobi folgt. Der Ver­trag über diese Bahnlinie ist Seitens der chinesischen Re­gierung mit der russisch-chinesischen Bank geschlossen. Die Bank muß die Bahn mit eigenen Mitteln erbauen und er­hält ein dreißigjähriges Exploitationsrecht, nach dessen Ablauf China die Bahn ankaufen oder noch 30 Jahre der Bank zur Exploitation überlassen muß.

Man sieht, Rußland hat in China festeren Fuß gefaßt, als irgend ein anderer Staat und geht systematisch mit weiterer Befestigung und Ausdeh nung seiner Macht vor,

müßten. Auf eine dritte Art läßt Archenhold, der Astronom der Sternwarte in Treptow bei Berlin, das. Auflodern neuer Sterne geschehen. Ein des Weges kommender großer Meteorkörper soll die noch sehr dünne Außenkruste eines erst kürzlich auf seiner Oberfläche er­kalteten Weltkörpers durchschlagen und dadurch die im Innern eingeschlossenen heißen Gase unter gewaltigen Lichterscheinungen entweichen lassen. Ein Meteorkörper, der solches leistet, müßte schon eine sehr respektable Masse besitzen, sodaß er überhaupt kaum mehr als ein Meteor zu betrachten wäre. Ueberdies bleibt die Hauptfrage der ungeheuren Wärmesteigerung des Gestrrns, die das Viel­tausendfache der ursprünglichen beträgt, ungelöst, denn daß dieser fabelhafte Wärmevorrath nicht schon vor dem Einschlagen der noch dünnen Schale sich von selbst einen Ausweg durch diese gebahnt haben sollte, wie es doch in weit vorgeschrittenerem Stadium der Abkühlung des Erd-, körpers durch die Vulkane geschieht, wäre höchst merk­würdig. Diese Hypochese unterscheidet sich überhaupt nicht wesentlich von der alten Anschauung über die Ent­stehung neuer Sterne, die von Isaak Newton zuerst auf Grund des Erscheinens des berühmten Tychonischen Sterns (1572) als Zusammenstoß zweier großer Welt­körper gedeutet wurde. Das Mißverhältniß zwischen der Zahllosigkeit der Gestirne und der Seltenheit neuer Sterne, sowie die ungeheuren Entfernungen, die den Ab­stand der einzelnen Weltkörper bilden, nöthigt, von dieser Erklärung abzusehen. Etwas mehr Wahrscheinlichkeit lag in der Ansicht von Professor Prckermg, dm die Helligkeitsschwankungen der Nova Persei zu der Meinung bewogen, jene ferne Sonne würde von ungeheuren Feuerfluthwellen umkreist, die dadurch entstanden wärm, daß zwei Weltkörper auf ihren Bahnen einander so nahe kämen, daß sie zwar nicht zusammenftteßen, aber in ge-