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se. Jahrgang.
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D-r Redaktions-Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe.
Der Jlirarnjunkmtnl.
Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten San Amerika hat mit 308 gegen 2 Stimmen die Vorlage, betreffend den Nicaraguakanal, angenommen, und wenn die Vorlage auch im Senat noch einige Abänderungen erleiden dürfte, so ist doch kein Zweifel daran, daß auch das amerikanische „Herrenhaus", wenn man so sagen darf, der Vorlage ihre Zustimmung ertheilm wird. Es scheint somit, als ob dieses Kanalprojekt, das bereits seit dem Jahre 1880 betrieben wird, in absehbarer Zeit seiner Verwirklichung entgegengehen wird, lvährend der Beschluß des Repräsentantenhauses das endgültige Begräb- nitz des freilich schon lange todtcn Panamakanalprojcktes bedeutet.
Das Panamakanalprojekt, oder deutlicher gesagt der Panamatanal-Schwinüel, ist ein sehr theures Vergnügen gewesten, welches insbesondere dem Wohlstand Frankreichs tiefe Wunden geschlagen hat, denn der größte Theil der Panama-Verluste ist aus das Conto Frankreichs gekommen. Der Panama-Krach in Frankreich ist noch in frischer Erinnerung. Das gescheiterte Kanalunternehmen hat vom 1. Februar 1881 an, wo die Arbeiten an dem Kanal unter der Führung von Lesseps begannen, bis zum März 1889, wo sie eingestellt wurden, 1172 Millionen Francs verschlungen. Von dieser Riesensumme sind allerdings nur ungefähr 230 Millionen auf die Arbeiten selbst verwandt worden, während der stattliche Rest von iiber 900 Millionen Francs die Summen darstellt, die bei der Panama-Korruptionsaffaire durch die Lappen gingen. Was in achtjähriger Arbeit an dem Kanal geschaffen wurde, ist unterdeß größtentheils von den Elementen, die das Gebild von Menschenhand hassen, zerstört worden, und die Hunderte von kostspieligen Maschinen sind dem Rost und der üppigen Vegetation zum Opfer gefallen.
Während der gescheiterte Panamakanal nur eine Länge von 73 Kilometern haben sollte^ beträgt die des geplanten Nicaraguakanals, der bei Greytown beginnt und bei Brito endigt, 271,46 Kilometer. Trotzdem der Nicaraguakanal nahezu viermal so lang sein soll als sein unglücklicher Nebenbuhler, werden seine Kosten doch erheblich geringer, nämlich auf ungefähr 80.0 Millionen Matzk, tapirt. ' Eine solche Schätzung ivill freilich wenig besagen, denn nirgend gilt so als bei Bauplänen, und gar bei so umfassenden, das Wort: Es kommt immer anders!
Während dein Panamakanal sich schier unüberwindliche Schwierigkeiten, die aus der schwierigen Gebirgs- formatioir herrührten, entgegenstellten, liegen die Vorzüge der Nicaragualinie darin, daß der größte Theil der
Feuilleton.
- Nachdruck verboten.
Ml den Buren gegen Mion.
(Erlebnisse aus dem Transvaalkriege.)
Von Ernst Frhrn. v. Wrangel.
XV.
Gefecht bei Machadodorp am 25 ., 26. und 27. August 1900.
Lord Roberts hatte vollkommen freie Verfügung über die Eisenbahn Pretoria-Belfast. Die nur oberflächlich gesprengten Brücken waren in einigen Tagen für den Verkehr wiederhergestellt, es war daher ein Leichtes, die gesammte englische Infanterie, sowie die schweren Geschütze in einigen Tagen nach der Front bei Belfast hinzuschaffen. Von hier aus sollte der allgemeine Vormarsch des Feindes beginnen. General Buller hatte, von Ermelo kommend, mit seiner Avantgarde Carolina bereits erreicht, in wenigen Tagen also konnte die Verbindung -er beiden feindlichen Heere südlich von Belfast hergeftellt werden. Unsere Patrouillen, die am 23. und 24. vorgeschickt worden waren, meldeten auf allen Seiten den Vormarsch des Feindes. Es mußte also zu diesem Zweck auch bei uns di« letzte Vorbereitung für einen harten Kamps getroffen werden; da es nun Thatsache war, daß der Feind von Belfast her angreifen würde, so befahl General Botha allen Kommandos, näher an die Gefechtslinie, die vordersten Höhen, heranzurücken. Am 25., früh 6 Uhr, wurden daher die Lager abgebrochen und eine Meile näher an die Front herangelegt. Wir warm gerade im Begriff, unser« Zelte auf dem neuen Lagerplatz aufzuschlagm, als der Befehl eintraf: Alles in die Stellungen, die Pferde wurden im Lager zurückgelassen. Mt Gewehr, den schweren Patronensäcken und Bandolieren, der Feldflasche und 3 bis 4 Decken zogm nun 3000 Buren aus, um den letzten hartnäckigen Widerstand dem Feinde an der Eisenbahn entgegenzusetzen.
Wie schon erwähnt, hatte das deutsche Kommando seine Position dicht an der Eisenbahn auf der rechten Seite, 200 Yards hinter derselben stand ein Bahnwärterhaus. Dieses wurde von uns sofort bezogen. Wir gingen vor, um in unsere Stellung zu gelangen, Wese war vielleicht 200 Yards lang. Mit Hülfe
Mittwoch, den 13. Januar.
271,46 Kilometer langen Linie bereits von der Natur selbst präsentirt wird. Denn der Nicaragua-See liefert allein 90 Kilometer der Strecke, und weitere 106 Kilometer, die freilich erst durch Dämme und Schleusen schiffbar gemacht werden müssen, bietet der Ausfluß aus dem See in den Atlantischen Ocean dar.
Die Bauzeit des Kanals, zu dem ein Theil der Vorarbeiten schon vollbracht ist, ist auf 8 Jahre berechnet, doch wird es bei dieser Terminbestimmung nicht anders gehen, wie bei dem Kostenanschlag. Die technische Her- stellbarkeit des Kanals wird in Amerika zumeist als sicher angenommen. Es giebt aber Sachkenner, welche die aus der vulkanischen Nasser Nicaraguas entspringenden Schwierigkeiten, nicht nur als ein schweres Hinderniß für den Kanalbau, sonderir als eine dauernde Gefahr auch für den fertig gestellten Kanal betrachten, da jede kleine Verschiebung des Bodens den Schleusenbetrieb, auf deni die Schiffbarkeit des Kanals beruhen wird, vernichten kann.
Eines ist jedenfalls außer Zweifel, daß weun der Nicaraguakanal zu Stande kommt, er die Grundlage für einen ungeheuren wirthschaftlichenAufschwung in Amerika bilden würde, denn dieser direkte Wasserweg zwischen Westen und Osten, der den bisherigen Seeweg um Tausende von Seemeilen abkürzeir würde, würoo einen gewaltigen Aufschwung von Handel und Verkehr mit sich bringen und ungeheure Gebiete dem Weltverkehr Zufuhren.
Die Verwirklichung des Kanalprojekts würde aber nicht nur für die Vereinigten Staaten von Amerika einen ungeheueren wirthschaftlichen und zugleich einen entsprechenden politischen Vortheil bedeuteir, sondern auch alle anderen am Welthandel betheiligten Nationen würden an den wirthschaftlichen Vortheilen der neuen Verkehrslinie ihren Antheil haben. Hätte somit die civilisirte Welt Ursache, jene ungeheure Verkehrsverbesserung, deren Löwenantheil freilich der großen amerikanischen Republik zufallen wird, mitBefriedigung zu begrüßen, so trifft dies für England nicht zu. Während England auf Grund des Clayton-Bulwer-Vertrags die Herrschaft über den Nicaraguakanal mit den Amerikanern gemeinsam ausüben sollte, haben die Letzteren die jetzige bedrängte Lage Englands dazu benutzt, jenen Vertrag zu zerreißen, und sich die alleinige Herrschaft zu sichern. So wird der Nicaraguakanal für England noch dann eine schmerzliche Erinnerung an den südafrikanischen Krieg bilden, weun auch alle anderen Wunden, die dieser Krieg England geschlagen hat, einmal halbwegs vernarben sollten.
Deutsches Deich.
* Neues zum Fall Ziethen. Bekanntlich ist im Soinmer des vergangenen Jahres der Barbier Albert Ziethen nach siebzehnjähriger Haft im Zuchthause zu
der mitgebrachten Pickäxte und Spaten wurden nun Deckungen geschaffen, di« wohl gegen Gewehrfeuer vorhanden waren, aber nicht gegen ein heftiges Lyddit-Feuer und gegen Shrapnelle. Auf 700 Yards Patrouillen vor uns habend, hatten wir nun Zeit, die Deckungen zu schaffen; bis auf 900 Yards wurden durch Steine und Sträucher die Entfernungen im Terrain vor uns festgelegt. Ich sage nur bis 900 Yards. Es war nämlich von unserer Stellung nicht weiter, wie bis zu dieser Entfernung zu scheu, weiterhin fiel das Terrain nämlich ab, und zog sich dort eine tiefe Ebene, welche durch einen gedeckten Anmarsch der feindlichen Kolonnen uns sehr verhängnißvoll werden sollte. Die Stellung der Deutschen und der Johannesburg-Police war eine höchst fatale. Von Süden angegriffen, waren wir Deutschen nicht im Stande, auch nur einen Schuß abzugeben, wir mußten also warten, bis die Feinde in ihren Massen auf 900 Yards uns gegenüber liegen würden. Eine günstigere Stellung, mehr zurückgelegen, in Höhe der anderen Kommandos, war nicht vorhanden, unbesetzt konnte man diese Stellung auch nicht lassen, es mußten also die Deutschen die unvortheilhafteste Stellung einnehmen. Vielleicht hätte dem Feinde hier direkt an der Bahn noch ein mehr hartnäckiger Widerstand geleistet werden können, aber nur dann, wenn diese Stellung besonders stark besetzt worden wäre, und wenn man die Eisenbahn auf der südlichen Seite bis zur Stellung der Police durch einen tiefen Graben verbunden hätte. Zeit war vorhanden, denn beinahe 3 Wochen hatten wir hier gelegen. Aber der Befehl wurde nicht gegeben zur Anfertigung einer solchen Stellung. Nicht allein hätten 100 Mann von hier ein wohlgezieltes Feuer abgeben können, es wäre auch im Bedarfsfälle möglich gewesen, die Johannesburger Police von rechts herzu unterstützen. Auch die Stellung der Deutschen hätte mit der des Krügersdorper Kommandos durch einen Laufgraben verbunden sein sollen, um einen Verkehr zwischen den einzelnen Kommandos ohne furchtbare Verluste zu bewerkstelligen. Von allen diesen Vorbereitungen war hier im Centrum nichts geschehen. Das deutsche Kommando und die Police lagen vollkommen isolirt, in Front der übrigen Kommandos, ohne mit diesen in irgend einer Weise verbunden zu sein. Unsere Gefechtsfront war mindestens 2 Meilen lang, die anderen Kommandos nach dem rechten Flügel zu waren alle, da hinter einer
Verlags-Fernsprecher No. 2266. 1ö0Ä« >
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Werden a. d. Ruhr gestorben. Viele glauben, damit gehöre der „Fall Ziethen" der Vergangenheit an. Diese Meinung ist jedoch ein Jrrthum. Eine bedeutsame Publikation des Berliner Rechtsanwalts Victor Fraenkl, welche dieser Tage im Verlage von Ehr. Limbarth (Moritz Schäfer) in Wiesbaden erscheinen wird, behandelt unter dem Titel „Der jetzige Stand des Rechtsfalles Ziethen" ausführlich die Lage der Dinge nach dem Tode des Ver« urtheilten. Die Broschüre will es auch dein Laien- Publikum ermöglichen, einen genauen Einblick in die Sache Ziethen zu gewinnen und sich so ein klares Urtheil über diese, von den weitesten Kreisen für einen Justizirrthum gehaltene Affaire zu bilden. Die Schrift wird eine dem Inhalt der Gerichtsakten entsprechende Darstellung des Falles in kritischer Würdigung geben und mit Allgemeinvrrständlichkeit über die verschiedenen interessanten Stadien, welche die Angelegenheit bis zur Gegenwart durchlaufen hat, eingehend zu unterrichten suchen. Der Verfasser wird darin auch Auszüge. aus Briefen des verstorbenen Ziethen zum Abdruck bringen, welche in psychologischer Hinsicht von hohem Werth für die Beurtheilung des Falles sind. Ferner werden in der Broschüre die Ergebnisse der neuesten Ermittelungen festgelegt, welche bis nach Peru ausgedehnt wurden. Von gcnrz besonderem Interesse ist die in der Fraenkl'schen Schrift erfolgende Publikation der neuen medizinischen Gutachten, mit welchen sieben Autoritäten, nämlich Dr. Kurella, Prof. Oppenheim, Geheimrath Eulenburg, Prof. Wille, Prof. Forel, Prof. Mendel und vr. Juliusberger, nach dem gegenwärtigen Stand der Hirnpathologie und Psychiatrie die Zeugenaussagen der tödtlich verletzten Frau Ziethen beleuchten. — Das ganze Material, lvelchcs die Broschüre der Oefsentlichkeit übergiebt, wird so zweifellos dazu beitragen, die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit weiterer Bemühungen in der Sache Ziethen auch nach dem Tode des Verurtheilten zu ver- breiten, da es sich nicht blos um die Ehre seines Namens» sondern darüber hinaus um die Reinheit und Sicherheit des Rechtes handelt.
Anstand.
* Italic». Wie das „Giornale d'Jtalia" mittheilt, enthalten Crispis Papiere Aufzeichnungen über Leben und Thaten mehrerer hervorragender Parlamentarier, speciell Bitten um große Geldsillwentionen. Jedes einzelne Faktum ist mit genauein Datum und Namen versehen. In politischer Hinsicht giebt das Tagesbuch Crispis frappante Aufschlüsse iiber seine Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich-llngarn; es enthält Ur- theile Bismarcks und Caprivis und thut dar, wie Crispr! die Tripelallianz den moralischen und materiellen Interessen Italiens dienstbar zu machen suchte. Auch die bekannte Rundreise Crispis an den europäischen Höfen
fortlaufenden Gebirgskette liegend, durch diese auch gegen heftiges Lyddit-Feuer geschützt. Der wunde Punkt war also, wie gesagt, das Centrum, wo die Eisenbahn durch unsere Stellung hindurchführte. Den Tag wurde fleißig gearbeitet, große Felsblöcke mußten mit Anstrengung gehoben werden, um nach vorwärts gewälzt zu werden, allmählich war es uns gelungen, die Stellung zu vertiefen, daß wir in derselben knieend oder sitzend schießen konnten. Die Sonne verschwand im Westen. Durch den hellen Schein, den sie am Horizonte noch eine Weile zurückließ, war es> uns möglich, deutlich einige Bewegungen auf den Höhen zu er-i kennen. Wir sahen schwarze Streifen und Punkte sich bewegen. Es waren die Feinde, die ebenfalls Deckungen für ihre Artillerie anlegten. Die kommende Nacht verlief ruhig. Rechtzeitig wurden die Patrouillen vor den Stellungen abgelöst. Kein Schuß fiel. Alles schien zu schlafen. Und doch konnte man nichts schlafen, denn ein Jeder von uns wußte, daß es am anderen Tage zu einem sehr harten Kampfe kommen sollte. Wir lagen in unsere Decken eingewickelt zwischen den Steinen, unruhig wälzte man sich hin und her. Es war eine schneidende Kälte^ Gegen Mitternacht setzte ein orkanartiger Sturm ein, der Alles/ was nicht niet- und nagelfest war, mit sich fortriß. Dunkle- Wolken zogen auf. Der Wind heulte in den Steinen, die ganze, Natur schien nicht mit dem Kampfe der Menschen einverstanden zu sein, die Kälte war beinahe unerträglich. Der Wind peitschte den Erdboden. Aber die Buren ließen sich nicht abhalten, dort unten auf der dunklen Erde gegen den verhaßten Engländer noch einmal in offener Schlacht dem Feinde Stand zu halten. Endlich kam di« Erlösung. Die Dunkelheit begann dem neuen Tage zu weichen. In den Stellungen wurde es mobil. Die Decken wurden auf die innere Brustwehr gegen die Steine gelegt. Auch im Hause hinter unserer Stellung war man schon seit Langem fleißig, den warmen Morgentrank, den so lieben unv wohlthuenden Kaffee, zu bereiten. Es war ein komisches Bild, man glaubte nicht in Afrika zu sein. Hinter dem Hausbrannte ein großes Feuer, auf demselben standen die Wassertöpfe herum, im Kreise saßen Deutsche und Buren, sich die Hände und die Füße wärmend, die großen Decken über die Schultern geschlagen. Hinter ihnen standen ebenfalls Männer, die begierig darauf warteten, einen Platz am Feuer ru erbalten. Endlich hieß cs, der Kaffee ist fertig! Ohne gebeten
