Einzelbild herunterladen
 

Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.

Uo. 17. Morgen-Ausgabe.

Jeder gilt, tun« er versteht. Ali. |J

ßi»*4 WWWWW^W¥¥¥*W*W<f*W¥W¥WWWWW¥WWWWWW9'*

(42. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Dornenkronen.

Roman von Ida Woy-Kd.

Ein großes Schweigen lagerte über der Gegend, nicht das stumme, dunkle Schweigen der Nacht, sondern das freudige, lächelnde Schweigen wie auf dein Antlitz eines erwartungsvollen Kindes, lieber den gewaltigen Häuser­massen der Doppelstadt stieg die Sonne empor.' Der vielgestaltig durchbrochene gothische Thurm der Nikolai­kirche erglänzte vor dem strahlenden Hintergrund in seiner ganzen Schönheit, lieber die schwer wogende Fluth der Elbe schossen die Lichtstrahlen hin und machten, daß dieWasser niekallisch erglänzten. Die ragendenStäinme im Maslenwald des Hafens blinkten von der Feuchtigkeit, nlit welcher der Frühnebel sie umzogen, wie glänzende Steinkohlen! silbern spannen sich die unentwirrbaren Taulinien dazwischen hin und her, getränkt vom steigendeil 'Dunst. Warm leuchtend waren die hoch- giebeligen Dächer in dem Morgenschein gebadet, aber noch regte sich nirgendwo das Leben des Menschentages.

Rein und frisch war die Luft, welche um die stolzen Thünne der Hansastadt spielte, noch schlief drunten die Welt und athmete noch nicht jene Dünste aus Schloten und bewegten Menschen- ltitb Waarenmassen, welche, wenn die Sonne höher steigt, schon über der Stadt als feine, graue Wolken lagern. Tic alte Stadt, welche sich mn Tage mit der Majestät der Bewegung umgab, lagerte nmi in der erhabenen Majestät der Ruhe lind glanzum- strahlten.Schönheit.

Auf dem Wasser regte es sich langsam. Vereinzelte Nachen schossen hin und her, Zllrufe erschollen. Aus den Schloten einiger großen Amerika- und Austral­dampfer gualiilte schwarzer Rauch eiilpor. Ein munterer Morgenwind machte sich auf und es schien, als hätte der Wind die Schläfer erweckt, welche die Solllle nicht heraus­zulocken vermocht. Am llfer ward es lebendig, Droschken rasselteil vereinzelt heran, der Verkehr zwischen - den Schiffen und dem llfer entspann sich. Weiße Segel ent­falteten sich im sonnigen Frühwind und führten leichte Fahrzeuge hinaus auf beit gelben, schimmernden Strom. Ein melancholisch dumpfer Pfiff ertönte aus dem Rohr jenes gewaltigen Dampfers, der zuerst seine Rauchsäulen in den jungen Tag emporgekräuselt. Am Quai, dort,

Samstag, den 11. Januar.

wo er gelagert Nlit seinem Riesenleib, stand eine Gruppe von Menschen, Sie hoben die Mützen und schwenkteil die Tücher und ivinkten mit den Händen.

Langsam und schwerfällig schob sich der Schifsskoloß im Wasser herum, er kroch bis in die Mitte des Stromes und dann gellte noch einmal der herzzereißende Pfiff über die Fluth zum Ufer hin. Stolz und ruhig setzte sich das Schiff stromabwärts in Bewegung, seine Kraft bezähmend — draußen, erst das offene Meer, ist das Feld für seinen königlichen Lauf. Es zog die Elbe hinab, es zog hinaus aus deil Ocean, hin zu den Ufern einer neuen Welt. Wird es Die, welche sich ihm vertrauten, sicher hinbringen und soll ihnen die sonnige Frühe dieses Tages zum Symbol werden ihrer Zukunft? Ging ihnen eine Lebenssonne auf, da ihr Fuß deine Planken betrat? Oder wirst du, stolzes Fahrzeug, zum Spielball grauer Stürme werden, und wirst du mit denen, die dich hoffend betraten, spurlos voll stürzendenl Wogenschwall verschlungen werden? Oderwird,wenndusie ungefährdet hinübertrugst, die neue Heimath sie mit Fieber und Noth tückisch grüßen, und sollen sie doppelt grausam untergehen? Der Herr des Lebens uild des Todes wird ivachen irnd die Loose zieheil, die Niemand kennt. Zum Leben oder Tod — fahrt wohl, fahrt wohl!

i S. Kapitel

Daß Ruth sich inehr lind mehr voil dem Verkehr mit Frau Hartmann und Erna zurückzog und nicht mehr voul Morgen bis zum Abend mit ihnen beisammen war, gab der Maina oft Veranlassung, bittere Bemerkungen gegen Erna fallen zu lassen und die Meillung auszusprechen, daß Ruths anfänglich so vertrauliches Wesen nur Heuchelei, daß ihre Bescheidenheit nur Maske gewesen sei und daß sie nun eine aparte Stellung einzunchmen sich anschicke. Die Frauen bespöttelten den Umstand, daß Ruth so wenig ausgehe und fast nie Vergnügungen suche, während sie jedenfalls über Vergnügungssucht derselben gejammert hätten, wenn sie öfters ausgegangen wäre.

„Mama", sagte Frau Erna einmal bei solchem Ge­spräch — es war an jenem Donnerstag, unmittelbar nach jener Spazierfahrt — „Mama. Ruth hat nun einmal diese Art des Men und doch anspruchsvollen'Hochmuths. Das mag das Künstlerblut in ihr fein, sie hat ja „Genie" und malt wieder. Ta sind wir ihr nicht interessant genug. Man muß Allenstein oder Rodenbach heißen, um Gnade zu finden." „Rodenbach?" fragte die Mama erstaunt. „So viel ich weiß, verkehrt er gar nicht oben, er kommt nur zum Bruder." „So", sagte Erna höhnisch, „nur zum Bruder? Und warum dann gerade, wenn Alfred nicht daheim ist? Vor einiger Zeit trafen wir ihn

60. Jahrgang. 1902.

justanient im Flur, als Alfred ins Geschäft ging. _ Und warum geht Ruth nie mehr mit ihm, wie sie früher pflegte? Rodenbach ist sehr gut mit Ruth bekannt, das kann ich Dir sagen. Denn als wir vorhin an der Alfter entlang fuhren, weil sahen wir da Hand in Hand am Ufer stehen? Rodenbach und sie! Unser Zuruf schreckte sie auf und sie waren heillos verwirrt." „Erna, Erna!" rief Frau Hartmann bekümmert. Sie war tief er­schrocken. Ihre Tochter Erna, sie wußte es, sah andere Frauen nicht durch die Brille des Wohlwollens und.der Nächstenliebe an, ihre rasche und spitze Zunge sagte leicht zu scharfe und gefährliche Dinge. Man durfte ruhig nur die Hälfte glauben. „Nimm Dich mit solchen 'Aeußerun- gen in Acht", setzte sie daher nach einer Weile hinzu, „denn die bösesten Klatschereien können daraus entstehen. Und übrigens, werde ich aufpassen."

Später als Frau Erna von ihrern Besuche bei der Mama heimkehrte, fand sie einen großartigen Blumen­strauß ulld Rodenbachs Karte vor. Sie war selig,' nannte Rodenbach bei sich einen „entzückenden Menschen", be­dauerte auf das Heftigste, die Mama vorhin auf den Maler aufmerksam gemacht zu haben, und beschloß, iilorgeil eifrig abzuwiegeln, denn nun lag es am Tage, sie war im Begriff, Ruth diesen Verehrer abspenstig-zu machen, und Warna brauchte sich wirklich nicht mehr zu ängstigen. Das that nun die Mama auch noch nicht. — Erna wußte nicht, daß sie so durchschaut wurde, und maß ihreil Worten gegenüber Mama ein zu großes Gewicht bei — aber ihre Gedanken hatten doch abermals einen Anstoß erhalten, sich mit der Ehre ihres ältesten Sohnes zu beschäftigen. Am Abend saß sie am Fenster ihres dunklen Schlafzimmers und grübelte ihrer Gewohnheit gemäß noch nach, denn bei ihrem unruhigen Geist floh der Schlaf doch stets lange ihr Lager. Ruth war nicht befriedigt, das wußte die kluge Frau schon lange, aber ihr Sohn schien glücklich. Er hatte sich in gar nichts feit seiner Verheirathüng verändert, er war ebenso freundlich, gelassen, ruhig, wie sonst. Die dunkeläugige, blasse Frau besaß doch wohl nicht das Temperament, ihn auf­zurütteln. Frau Hartmann. seufzte und nickte mit dein Kopf vor sich hin. Ihr selbst hatte es auch nicht an Temperament gefehlt, aber es vermochte den älteren Alfred Hartmann, der nun schon im Grabe lag, auch nicht umzumodeln. Und in der Dunkelheit und Stille der Nacht machte Frau Hartmmm mit ihrer Schwiegertochter gemeinsame Sache und flüsterte: „Es ist nicht leicht. Ich iveiß es. Ich habe auch gelitten. Sie sind zu schwach, zu herrschen, diese Männer, und zu eigensinnig, sich be­herrschen zu lassen!" (Fortsetzung folgt.)

Fortsetzung

meines

„Total -Ausverkauf'

wegen demnäclistigeii Umzugs.

Günstige Gelegenheit

zum Einkauf von

Leinenwaaren, Tisch- und Bett-Wäsche, Herren-, Damen- und Kinder-Wäsche.

Ad. Lange, ll>. Langgasse 16.

Jlntmirijt

1

Berlitz-School.

Spradilehrinstitut für Erwachsene.

Rheinstrasse 18, Part.

Wer crtheilt Herrn Einzelunterricht in

soppeller Buchführung? Offerten mit Preisangabe unter U. 14. 300 an den Tagbl.-Perlag.

Nachvülfe-Stmrden

and Beaufsichtigung der Schularbeiten: Deutsch, Französisch, Englisch und alle Elementarfächer rege» mäßige Vergütung.. Off. u. O. E. 103 .in den Tagbl.-Verlaa erbeten. 863

w Erfolgreich. Unter», in sämmtl.

Fächern erth. akad. geb. Lehrer. Ausgez. Empseht. Werl. Off. u. II. V. 130 a» den Tagbl.-Verlaa.

Franzos. Convers.-SInndcn

giebt eine Französin. Kinder u. j. Damen bevorz. Off. unter 8. R. 1«5 au den Tagbl.-Verlag.

|S§P* Roch Thcilnehmer an e. engl. Conversations-Cirkel gesucht. Hiss tarne.

Bord. Dambacbthal 5. Sprechzeit

Engl. Eouvers., Corresp., Gram. rc. v. Hocb- schullebr. a. Amcr. Haeseier, Bismarckring 16.

Kngltsii. TJniv. geb. Lehrer aus Oxford giebt Unterricht. Abeggstrasse 11. _

JEy Engl. Untericht u. Conversation bei Hiss Carne, Vorderes Dambachtbal 5. Sprechstunde 1—2 und 7 1 /a— 8 Uhr. _

Russischer Unterricht,

sowie engl., französ., Italien. Conversation und Grammatik ertbeilt Sprachlehrerin. Offerten unter 1. X. 31« an den Tagbl.-Verlag. _

Italienerin (Lehrerin)

ünterr. in ihrer Mutterspr. (Gram., Converi., Lit.) A.Viezzoli, Albrechtstr. 18,2, Ecke Ad.-A-16771

Gesangunterricht

ertheilt italienische Coloratur-Sängerin eleve de Jfarchesi. Referenzen von Autoritäten. Oft. unter 1V. R. 303 an den Tagbl.-Verlag.

Seit 1810 unter der (gleichen Ijeitnng bestehend.

Vietor v "'Fraiienscliulc

Wiesbaden,

12 Tannnsstrasse 12

(Eingang Saalgasse 40). im Hause August Engel

Pensionat für Auswärtige.

Wiederbeginn der Unterrichtskurse in allen praktischen und kunst« gewerbl. Handarbeiten

(Hand- und Maschinennähen, Wäschozusehneiden, Flicken, Stopfen, Schneidern, Zuschneiden der gesammten Garderobe, Stricken, Häkeln etc., Bügeln, Putzmachen. — Weiss-, Bunt- u. Gold­stickerei, Spitzenklöppeln, Spitzennähen, Point Lace-Arbeit, Macrame, Durchbruch, Frivolitäten, Filet, Filetguipure, Kunststickerei auf der Näh­maschine u. s. w.);

Zeichnen u. Malen in allen Techniken (Kopf, Land­schaft, Stillleben, decorative und kunstgewerbl. Arbeiten) von den ersten Anfängen liis zur beruf). Ausbildung;

Itiehhaherkiinsten (Hoiz-

brand, Tiefbrand, Holzschnitzerei, Lederschnitt etc.). , 269

Prospecte u. näh. Auskunft jederzeit durch die Vorsteherin Frl. Julie Victor oder den Unterzeichneten. Moria Vietor.

11 er lo ren WWW nt

Verloren

auf dem Wege Walkmühl-, Walram-, Wellritz-, Mauritiusstra'ßc. Bahnhöfe eine messingene Wagenkapseli Abzugeben gegen Belohnung Fei

Uj. Mettenmayer._ 503

Ein schwarzes Täschchen mit Handarbeit Verl. (8. Belob», abzugeben Adolfsallee 19, 2. _

Verloren

eine langstielige Lorgnette.

abzugeben Adolfsallte 20, 1.

Gegen Belohnung

Entlaufen kl. ein schw. Hund mit weißer Brust. Abzugeben yeaen Belohnung Schwalbacheritr. 25.

Entlaufen

junger Dackel. Hört auf den Namen „Ncllie". Abzugeben Dotzheimerstraße 15. 625

Kflnfgesuchp

An- u. Bcrkanf v. Antiquitäten, alt. Münzen, Oelgemälde», Kupferstichen, Por- zclln irres, Perlen, Edelsteine» bei

J. Clir. »liicklieh. Wilhclmstr. 50, Wiesbaden. 17474

Frau Mracliinann. (iivaUcuflt. 1 ), 1 r.,

taust getr. Herren- und Damen-Kleidcr, Militär-Effecten, Möbel aller Art, ganze Wohnungs-Einrichtungen, Rachläffe, Gold- und Silbcrsachen u. s. w. Auf Bestellung k. ins .Haus. _ 16716

Gebrauchtes Ladenreat mit Schubladen

und 1 ohne Schubladen zu kaufen gesucht. Näh. Hermannstraße 28. 3 r, 623

PM- Gevranchter 2-sttz. Sportwagen

mit Gummireifen zu kaufen gesucht. Näheres Hermannstraße 28, 3 r. 622

„ w • Gleis und Kippwagen zu kaufen

gesucht Biebrich, Adolfstraße 10. 185

Weiße 1- od. --Liter-Flaschen zu kaufen

gesucht. Richard Blöder, Neuberg 10.

rvrilsmknkl

Weibliche Personen, Sie Stellung finde«.

Ein freundl. znverl. Mädchen z. Hülfe im Kinder­garten gesucht. Marg. Lorch, Steincmsse 9. vktsjti Kindern von 4 und 2 Jahren QjJvvl wird ein einfaches Fräulein oder Kindergärtnerin zweiter Claffe per bald gesucht Oranieustraße 13, Part.

Verkäuferin,

solid und tüchtig, gesudlt. Marl I» er rot, Elsässer Zeugladcn, Kleim Burgstrabe 1.

Eine tüchtige Völ käuf 0 llli gesucht.

j. C. Keiper. Kirchgaffe 52. 63

Suche für 15. Januar eine tüchtige branchekundige Verkäuferin. 227

Conditorei und Cafe M. Minor, Kirchgaffe 7.

Tüchtige Taillen- und Rockarbeiterinucn

sofort gesucht Adolssallee 6.

Eonseelion * Wtthelmstr? 12, 1 , k

jucht uod) perf. Taillen- u. Rockarbeiterinn. 452 Nähfrau für Tapezircr-Arbeiten sofort gesucht. Näherer Philippsbergstrabe 12 bei Uissel.

Modes.

Tüchtige Arbeiterin und Lehrmädchen gesucht

Kirchgaffe 1. 475

Modes.

Zwei tüchtige Zwcitarbeiterinnen, zwei Volontärinuen, ein Lehrmädchen für feinen Putz sucht

A. Rheinländer.