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SO. Jahrgang.

fiemt in zwei Ausgaben. — Bezugs-PrekS: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch die Post 2 Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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<%***.»*.*•»«« L 1 HHrtltm« für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr Mittags, für die Morgen-Ausgabe bis 8 Uhr Nachmittags. — Für die Ausnahme später eingercichter Anzeigen zur ‘ nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

11. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Mittwoch, den 8. Januar.

Verlags-Fernsprecher No. 2266.

1902 .

Morgen »Ausgabe,

Lord Mosederys Politik.

Unser Londoner u -Korrespondent schreibt uns unterin 4. d. M.: Lord Rosebery veröffentlichte soeben seine vielerörterte, jüngst in Chesterfield gehaltene Rede tri Broschürenform und fügte derselben einige wenige er­läuternde Worte hinzu, die das, was er damals Mer seine Stellung zu den beiden bestehenden politischen Parteien sagte, noch mehr hervorheben. „Meine Politik", erklärte er in Chest^field, „läuft nicht auf Parteigängerei hinaus", und ebenso bemerkte er, „mein Appell ist an kerne Partei gerichtet." Er wendet sich, wie er sagte, an solche, die außerhalb der Parteien ständen, d. h. an ein Tribunal offizieller Meinung und gesunden Menschen­verstandes. „Wenn ich im Augenblick an der Spitze der Regierung stünde", rief er aus, „würde mein Leitmotiv Ml eillziges Wort „Wirksamkeit" bilden. Zu alledem fügt er mm in der bewußten Broschüre hinsichtlich der voll ihm vertretenen Politik die folgende Bemerkung hin­zu: „Meine Politik hat offenbar in weiteren Kreisen Bei­fall gefunden, Mer politische Meinung, um wirksam zu fein, mutz organifirt werden, politische Kraft muß ar­beiten und sich verschanzen. Die Schaufelarbeit, die letz­teres erfordert, benöthige ich auch zum Besten meiner Politik, denn sonst muß sich die Strömuilg des Beifalls, den dieselbe gefunden, wieder verlaufen." Diese Worte sind von der einheimischen Presse in der widersprechend­sten Weise gedeutet worden, und bisher scheint trotz des offenbaren Interesses, das jetzt für Lord Rosebery und seine Ansichten besteht, noch Niemand auf den Gedanken gekommen zu sein, ihn Mer die Bedeutuilg der räthsel- haften Aeußerung zu befragen. Soviel ist aber bereits gewiß, daß Lord Rosebery Diejenigen, die gegenwärtig keiner der bestehenden Parteien angehören, zunl Zwecke der Bildung einer neuen Partei um sich zu schaaren wünscht. Nur insofern ist es also auch richtig, daß er sich in seiner Rede nicht an eine Partei wendet. Die Situation ist also kurz die folgende: Auf dem Schauplatze des politischenKrieges stehen sich zwei verschanzte Armeen, die der Liberalen und die der Konservativen gegenüber. Lord Rosebery, eine populäre Persönlichkeit, erscheint, sein Banner schwingend, auf einmal zwischen den beiden, eerklärt, daß er mit keiner derselben etwas zu thun Haben wolle, und fordert Rekruten auf, ihm bei der Bildung eines dritten feindlichen Heeres behülflich zll sein. Selbst­redend rechnet er darauf, solche aus den Reihen der Liberalen und Konservasiven heranziehen zu können, denn der kleine passive Theil, der bisher beiden fernblieb, würde für die neue Rosebery'sche Partei nur ein ärm­liches und ganz unzulängliches Material liefern. Der gegenwärtige Augenblick ist ja vielleicht für die Aus­führung eines solchen Projektes nicht schlecht gewählt,

Feuilleton.

Nachdruck verboten.

Ml den Kuren gegen Mmn.

(Erlebnisse aus dem Transvaalkriege.)

Von Ernst Frhr«. v. Wrangel.

XIII.

Gefecht bei Prinaars-Poort. — Gefecht bei Prenzlow-Farm. — Teilnahme an einem Begräbniß von feindlichen Soldaten.

Am nächsten Tage wurden die Burenfrauen auf Ochsen­wagen in Richtung Mittelburg, weit hinter der Front gelegen, fortgeschafft. — Nachdem der Waffenstillstand abgelaufen war, folgten noch einige Tage der Ruhe. Der Feind hatte nämlich auf seinem allgemeinen Vormarsch auf der ganzen Lime Halt gemacht. Endlich am 11. Juli, des Morgens 4 Uhr. erhielten die Deutschen den Befehl, nach Pinaars-Poort vorzureiten und Hierselbst die Höhen südlich der Eisenbahn, die von den Eng­ländern noch immer besetzt waren, anzugreifen. Der Plan war, der Feind sollte von Süden her in seinen Stellungen angegriffen werden, zu diesem Zweck sollten die Deutschen von Osten her einen Scheinangriff machen. Kommandant Goldegg verfugte zu­sammen über 35 Reiter. Mit dieser kleinen Schaar ging er Dem Befehle gemäß gegen die Höhen vor. In aufgelöster Ord­nung mit großen Zwischenräumen ritt er gegen die feindliche Stellung an. Auf 700 Yards eröffnet- die feindliche Artillerie Granatfeuer. Ich selbst hatte den Auftrag, das vorgehende Kommando vor Ueberraschungen aus einer Flanke her mit zwei Reitern zu sichern. Zu diesem Zwecke nahm ich Position auf einer das ganze Thal vor der feindlichen Stellung beherrschen­den kleinen Anhöhe. Von hier aus hatte ich ein« brillante Aussicht. Die Pferde befanden sich in einem Hohlweg in Sicherheit vor den feindlichen Geschossen. Ich konnte nun ruhig den Vormarsch der Unsrigen beobachten. Langsam ritten unsere Kameraden gegen den Feind vor, 3 Geschütze des Feindes warfen permanent Granaten und später Shrapnells auf die Goldegg'schen Reiter. Mit bloßem Auge konnte ich jeden Reiter erkennen. Fast alle Shravnells krachten über den Köpfen unserer Kameraden. Nach

denn in beiden bestehenden Parteien herrscht bekanntlich große Unzufriedenheit. Unter den Liberalen haben wir da die Kriegslustigen, die an die Mär von deni, denl un­schuldigen England aufgezwungenen Kriege glauben, und unter den Unionisten diejenigen, welche mit der Miß- wirthschaft der Regierung nicht einverstanden siird, durch die England, als Militärmacht, einem winzigen Feinde gegenüber vor der gmrzen Welt derLächerlichkeit preisge­geben wurde. Namentlich in der Regierungspartei ist die Zähl derer, dre der Regierung ihre Sünden nicht in­zwischen bereits zum größten Theil vergeben haben, eine sehr geringe, wie schon aus der Tory-Presse zur Genüge hervorgeht, und Mr, Chamberlain ist eine Persönlichkeit, die auf das Volk noch immer ihren alten Zauber ausübt. Darum erscheint es ausgeschlossen, daß Rosebery. selbst wenn er der geeignete Mann wäre, jemals einen solchen Anhang gewinnen könnte, um mit einer Majorität in das Parlament einzuziehen, und so wird die Verwirrung in der englischen Politik voraussichtlich in der Zukunft größer denn je werden._

Deutsches Deich.

* Theodor Mommfeu über die Beziehungen zwischen Deutschland und England. Theodor Mommsen hat der „Gernran Times" gegenüber seine Ansicht über den Stand der gegenwärtigen englisch-deutschen Beziehungen folgendermaßen geäußert: „Wir Uebriggebliebenen aus einer verschollenen Zeit, in welcher der Deutsche zu dem Engländer wie zu einem älteren und vorgeschrittenen Bruder hinaufsah, bedauern mehr noch als die jüngeren den tiefen und unheilbaren Riß, der jetzt zwischen den beiden Nationen klafft, und würden gern Alles fördern, was den Gegensatz abschwächen kann. Aber der von Ihnen eingeschlagene Weg ist dazu keineswegs geeignet. Der Burenkrieg hat den Gegensatz wohl verschärft und dem Ansehen der Engländer schwer geschadet, aber er­zeugt hat er den Gegensatz nicht» und die von Ihnen be­absichtigte Diskussion desselben würde eher schadeir als nützen. Am wenigsten aber können wir es hinnehmen, daß unsere Burensympathie auf die angeblichen Preß- bestechungen des Herrn Leyds zurückgeführt wird. Die scharfe Abweisung solcher Insinuationen wird sicher nicht ausbleiben."

* Außcrdcntschc Agenten in Rußland. Wie der

„Deutschen Warte" von durchaus vertrauenswürdiger Seite mitgetheilt wird, ist jetzt die Wirkung, welche die Veröffentlichung des deutschen Zolltarifs im Auslande hervorgerufen hat, in den russischen Handels- und Groß­städten, und zwar speziell in Petersburg und Moskau, besonders stark zu spüren. Eine große Anzahl Agenten nichtdeutscher Länder, vorzugsweise Amerikaner, Eng­länder und Franzosen, beuten die öffentliche Meinung der russischen Geschäftswelt, die von der Annahme des neuen Zolltarifs und dem dann bevorstehenden eventu

jedem Schuß zählten wir mit pochendem Herzen die einzelnen Reiter. 45 Shrapnelle und Granaten hatte die feindliche Artillerie auf 700 Yards anfangend gefeuert. Immer weiter gingen unsere Leute vor, bis sie schließlich an den Rand der Ebene, auf der sie vorgingen, angekommen waren. Hier nahmen sie Stellung. Sofort wurden sie von der feindlichen Infanterie unter Feuer genommen auf eine Entfernung von vielleicht 400 Yards. Immer heftiger wurde das Feuer. Da Plötzlich sah ich ein Trupp Feinde ganz in der rechten Flanke der Unserigen auftauchen. Eine kleine Terrainwelle verdeckte diesen feind­lichen Trupp den Augen der Unserigen. Schnell wurden von mir und meinen Leuten mehrere Salven abgegeben und ein großes Feuer angemacht. Die Unserigen zogen sich sofort zurück. Nach einigen bangen 20 Minuten erreichten sie ihre Pferde und zogen sich nun, einen breiten Graben benutzend, zurück. Kaum hatten sie diesen erreicht, als ein Trupp feindlicher Reiter auf derselben Stelle erschien, wo die Deutschen kurz vorher gelegen hatten. Sie sahen, sie spähten, aber einen Buren oder Deutschen konnten sie nicht erkennen. Vorsichtig im Terrain herumreitend, näherten sie sich dem Graben. Auf 200 Yards Entfernung erhielten sie nun von den Deutschen ein Feuer, das sie nicht er­wartet hatten. Sofort nahm auch die feindliche Artillerie, die in der Zwischenzeit geschwiegen hatte, am Gefecht Theil. Nicht lange nach dem Feinde suchend, eröffnet- sie mit demselben Visir auf die alte Stelle Feuer. Sie zielten dieses Mal ebenso gut, wie das erste Mal, nur mit dem Unterschiede, daß jetzt die eng­lischen Reiter sich auf der Stelle befanden, wo die Deutschen vorher gelegen hatten. Di- unglücklichen englischen Husaren waren also gezwungen, durch Feuer der eigenen Artillerie und der Deutschen sich so schnell, wie ihre Pferde es konnten, zurückzuziehen. Die lose herumlaufenden Pferde zeigten, daß die Deutschen langsam den Finger krumm gemacht hatten und Ziel gut genommen hatten. Hinter ein« Anhöhe, nicht weit von meiner Stellung, wurde abgesessen und gehalten. Mit Freude konnte ich konstatiren, daß keiner der Unserigen hatte daran glauben müssen, obgleich die Shrapnelle des Feindes ohne Ausnahme auf der richtigen Entfernung krepirt waren.

Bei dieser Gelegenheit habe ich wiederum konstatiren können, wie wenig Verluste auch ein gut gezieltes Artilleriefeuer beim

eilen Abschluß eines deutsch-russischen Handelsvertrages

geschäftliche Nachtheile befürchtet, sehr geschickt aus. L-ie bemühen sich um Abschlüsse von Lieferungen mit der russisc^m Kaufmannschaft und versuchen neue Handels­beziehungen zwischen Rußland und ihren Ländern zu sckpffen, wobei ihnen die gegenwärtige Lage zu Hülfe kommt. Eine möglichst weitgehende Abdrängung Deutschlands vom russischen Handelsmarkte ist das Ziel ihrer Bestrebungen, die leider zum Theil schon von Erfolg gekrönt sind. Man kann somit annehmen, daß die deutsckie Industrie einen Theil ihrer Erzeugnisse, die bis­her nach Rußland gingen, nicht mehr dorchin liefern wird.

* Ein socialdcmokratischcs Geschästsnutrruehmcn ist

neuerdings ins Leben getreten: eine Beilage zu dem

socialdemokratischen Unterhaltungsblatt „Me Neue Welt". Sie umfaßt zunächst nur vier Seiten und bringt nur bezahlte Inserate, so daß ein erklecklicher Gewinn für den socialdemokratischen Parteifonds garantirt ist. Später soll sie vergrößert werden. Me socialdemokra- tische Partei bezieht jetzt einen sehr großen Theil ihrer Agitationsgelder aus den Profiten ihrer Presse und ihrer Buchhandlung. Der „Vorwärts" allein brachte 1900/01 einen reinen Ueberschuß von rund 80,500 Mk., die Buch­handlung des „Vorwärts" nach Abzug eines Prwat- Profits für die Genossen Unternehmer noch einen Ueber- schuß von 20,000 Mk., ergiebt zusammen also über 100,000 Mk. Allein diese Geschäftsunterneymungen mit großen Reingewinnen verursachten es, daß das Par­teidefizit getilgt werden konnte. Wie es heißt, soll die Aussicht bestehen, daß der „Vorwärts" am Ende des laufenden Geschäftsjahres, wenn er sich so weiter ent­wickelt. einen noch erheblich höheren Ueberschuß brmgt. Schon bei der letzten Abrechnung betrug die Steigerung nicht weniger als 21,736,50 Mark!

Ausland.

* Oesterreich-Ungarn. Eine nette Vorstellung von den österreichischen C e n s u r v e r h ä l t n i s s e n giebt folgende kleine StMisük der Beschlagnahmungen. Be­schlagnahmt wurden in den Ländern der österreichischen Krone in der ersten Jahreshälfte von 1901 nicht weniger denn 1547, in der zweiten 1011 Druck - Erzeugnisse, Unter den letzteren verfielen der Censur 392 deutsch, 221 tschechische, 193 polnische und ruthenische, 133 italienische und 66 südslavische Preßerzeugnisse.

* Philippinen. Das Kriegsdepartement in Washington erhielt aus Manila Exemplare einer von 9 amerikanischen Soldaten Unterzeichneten Proklamation, in der diese Soldaten ihre Kameraden auffordern, zu dersertiren und sich dem Heere der Filipinos anzu­schließen. In der Proklamation heißt es, die Filipinos känpften für eine gerechte Sache, wie es die Armee

Feinde anrichtet. Ohne alle Frage ist der moralische Eindruck des Artilleriefeuers ein sehr großer, entschieden trägt es sehr dazu bei, den Feind zu erschüttern, ihn wanken zu machen. Ader Verluste bringt die Artillerie im Allgemeinen sehr wenig bei. Mit Einbruch der Dunkelheit schwieg auch der englische Artillerist, welcher, obgleich kein Ziel vor sich habend, dennoch munter darauf los geschossen hatte. Wir hatten also unser Tagewerk gethan und konnten nun getrost ins Lager zurück­reiten. Hierselbst erfuhren wir, daß der Angriff auf unserem linken Flügel wegen zu späten Eintreffens eines Kommandos nicht hatte ausgeführt werden können. Eine angenehme Uebcr- raschung. Wir hatten also umsonst uns 45 Granat- und Shrapnellschüssen ausgesetzt. Wenn wir nun auch Positives nicht erreicht hatten, so war es uns dennoch gelungen, die Engländer wieder einmal aus ihrer Ruhe zu stören, die ganze uns gegm- über liegende Armee des Lord Roberts hatte entschieden nach unserem Scheinmanöver eine unruhige Nacht, während wir nach einem kräftigen Abendessen, in unsere Mäntel eingehüllt am Feuer sitzend, mit großem Behagen Chokolade tranken, welche uns die gute Queen o£ England ins Feld geschickt hatte.

Der nächste Tag brachte nichts Besonderes, die Feinde be­wachten mit mehr Aufmerksamkeit das Vorgelände. Die Buren dagegen saßen in ihrem Lager und pflegten der Ruhe. Am nächsten Tage kam der Befehl, das deutsche Kommando vereint mit dem Krügersdorper solle umgehend nach Süden, Richtung Heidelberg, zu marschiren. In einer halben Stunde setzte sich das Kommando in Bewegung. Die Nacht wurde am Wege bei Bronkhorstspruit verbracht. Mit Sonnenaufgang wurde weiter- marschirt. In siedender Hitze, einen unsagbaren Durst, schlichen unsere armen Pferde die staubige Landstraße nach Süden. Gegen 4 Uhr endlich kam das erlösende Kommando Halt. Nacht bleiben. In der Farm Prenzlow wurde gehalten. Nach einem schönen Gänsebraten mit frischem Brod und Butter ging es zur Ruhe. Der nächste Tag war Sonntag, daher Ruhetag. Die einzelnen Burenkommandos hielten ihren Gottesdienst ab. Gegen Mittag endlich wurde der Kriegsrath einberufen. Sämmtliche Offiziere, Feldkornetts, Kommandanten und Generale waren erschienen, um zu berathen. Zwei Stunden südlich von uns lag ein eng­lisches Lager von ungefähr 2000 Mann. Dieses sollte am