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Sonntag» 27. Juni 1918.
Morgen- Ausgabe.
Nr. 293. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Oer Tagesbericht vom 26. Juni.
tztz.TB. Großes Hauptquartier, 26. Jum. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz, vie überall erfolglose Offensive der Franzosen.
Die seit Tagen unterbrochen geführten Nah- känrpfe um die noch in der Hand des Feindes befind- lichen Teile unserer Stellungen nördlich von Souchez und halbwegs Souchez-Neuvillk sind abgeschlossen. Heute nacht wurden die letzten Franzosen aus unseren Gräben geworfen. Zu ihrer Unterstützung hatte der Feind noch gestern abend frische Kräfte sowohl beid crseits der Loretto- höhe wie südlich Souchez zum Angriff vorgefuhrt. Sie wurden abgeschlagen. ,
In der Champagne bei Souarn sprengten wir Teile der feindlichen Stellung. Östlich Perthes vernichteten die Franzosen einige Verteidigungsanlagen durch FeAssprengungen.
Auf den M a a s h ö h c n wurde hart gekämpft. Dort setzte der Gegner beiderseits der Tranchäe viermal mit stets neuen Truppen in einer Frontbrerte von etwa 3 Kilometer zu tief gegliederten Angriffen ein. Diese brachen tagsüber überall schon in unserem Feuer zusammen. Wo der Feind in unsere Gräben drang, wurde er unter großen Verlusten rm Handgemenge zurückgeworsen. Im Nachstoß eroberten wir westlich der Tranchäe eine vorgeschobene feindliche Stellung. Östlich derselben hält der Fernd noch ein kleines Stück des am 20. Juni eroberren
Grabens. „ r m ' , .
Angriffe des Gegners auf unsere Vorposten ber Leintrey, östlich von Luneville, schlugen fehl.
Seit Beginn des großen Ringens bei Arras kämpfen dort unsere Flieger mit ihren Gegnern nm die Vorherrschaft in der Luft. Beide Telle hat der Kampf Verluste gekostet. Die unseren waren mcht erheblich. Seit einigen Tagen haben wir sichtlich die Oberhand.
Westlicher Kriegsschauplatz.
636 Gefangene bei praschnüsch.
Württcmbergische Regimenter erstürmten südöstlich Oglenda (nördlich Praschnüsch) beiderseits des Murawkabachcs russische Stellungen und hielten sie gegen mehrere, auch nächtliche Gegen- augriffe. Die Beute betrug 636 Gefangene und 4 Maschinengewhre.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Fortschreitender Kngriff der Armee v. Linsingen auf dem nördlichen Dnjestrnfer.
Die Armee des Generals v. L i n s i n g e n ist im fortschreitenden Angriff auf dem nördlichen Dnjestrufer. Das rechte Ufer wird vom Gegner noch bei Halicz gehalten. Seit Beginn ihrer Angriffe über diesen Fluß am 23. Juni nahm die Armee 3560 Mann gefangen.
Zwischen D n j e st r und der Gegend ö st I i ch von Lemberg wird weiter gekämpft.
Oberste Heereslellung.
der die Raffen genügend Munition erhalten können!, wenn alle Fabriken fieberhaft arbeiteten, auf 6 bis 8 Wochen. Er glaubt, daß sie genügend Truppen haben, nm inzwischen die Deutschen und Österreicher in Schach zu halten und zu verhindern, daß sie ihre hochmütigen Pläne ausführten, endgültig die russische Militärmacht zu zerfchmettern, um sich dann auf Frankreich, England und Italien zu werfen.
W. T.-B. Petersburg, 26. Juni. (Nichtamtlich, llbcr Kopenhagen.) Der „Rjetsch" schreibt: Die Semstwos und der Stadtbund haben in Moskau außerordentliche Versammlungen zur Organisierung der He r st e l l u ng d e s Kriegsbedarfs äbgchalten. Das liberale Semstwomitglied Furit Ljow hielt eine Ansprache, in welcher er die an.ß e r o r d e n t- liche Überlegenheit der deutschen Organisation und Artillerie an erkannte und ausführte, es läge noch kein Grund zur Verzweiflung vor, da Rußland die Organisation seiner Industrie erst beginnen würde. Der „Rjetsch" mißbilligt ^dte bisherige lanzsamle Tätigkeit des Zentralkomitees der Industriellen, das im Laufe von zehn Tagen nur Rmndschrerben zur Begründung von Unterausschüssen versandt habe. Es muß auch zunächst fesigestellt werden, ob die technischen Vorbedingungen und die Maschinen zur Herstellung von Kriegsmaterial überhaupt vorhanden tvären.
Der oberste Kriegsrat des Vierbundes.
Br. Genf, 26. Juni. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die ton Petersburg ausgegangene Anregung, einen obersten Kriegsrat des V i e r b u n d e s einzusetzen, der die^ Ausgabe hat die kriegerischen Operationen auf den verschiedenen Fronten- zu leiten und einheitlich (!) durchzusühren, soll nach hier vorliegenden Meldungen zur Verwirklichung gelangen.
König Ludwig vonvayern im österreichischen Hauptquartier.
W- T-B. Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Die Blätter melden a»S dem Hauptquartier: König Lndwigvon Bayer» ist gestern nachmittag cingetrsffen und wurde am Bahnhof von Erzherzog Karl Stephan, Feldmarschalleutnant Kanik. dem Chef des Kriegspresteanartiers, Generalmajor Hoen, empfangen. Nach Abschreitcn der Ehrenkompagnie begab sich der König zum Oberkommando. Auf dem Wege bildete eine vieltausendköpfige Menschenmenge Spalier und begrüßte den König mit stürmischem Jubel.
Lemberger Geiseln.
'yr. T.-B. Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Die Blätter melden aus Krakau: Nach Schilderungen des Lemberger
Blattes „Nowa Reform«" führten die Russen den Lemberger Bürgermeister Wudowski, drffen beide Stellvertreter und andere Persönlichkeiten als Geiseln weg.
Zahlungen nach dem von Österreich-Ungarn besetzten Russisch-Polen.
W. T.-B. Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Durch eine Minifteriakverfügrmg werden Zahlungen und Überweisungen in d«r der österreichisch - ungarischen Militärverwal tung unterstehenden Gebieten Polens bis auf weiteres zu gelassen.
Die russischen Munllionssorgen.
Rotterdaut, 26. Juni. (Ktr. Mn.) Bei Besprechung de . in Galizien schätzt der „Gaulois" die Zeit, in
Russische Wahrheitsliebe
T.-B. Berlin, 26. Juni. (Amtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Zur Kenn-
zeichnung der Wahrheitsliebe der russrschen amtlichen Berichte ist folgendes festzustellen:
In dem russischen Tagesbericht vom 24. Juni wird u. a. gesagt: Im Süden der Seen von Raigrod haben unsere Vor- huttrufwen in der Nacht zum 22. Juni den Fluß ^zegrznta überschritten, das Dorf Kukigi besetzt und eine ganze Kompagnie der Deutschen vernichtet. Da der Obersten Heeresleitung diese Ereignisse gänzlich unbekannt waren, wurde bei den; deutschen Armeeoberkommando angefragt. Daraufhin ging folgende Meldung ein: Der ruffische Angriff auf Kuligi hat sich folgendermaßen abgespielt: In der Nachl vom 21./22. Juni griff ein russisches Bataillon das Dorf Kuligi an mit dem Aufträge, unsere dortigen Posten aufzuheben und dann zurückzukommen. Die Russen vermuteten nur einen Kavallerieposten dort, der Angriff gelangte bis an die Drahthindernisse einer dort stehenden Landkompagme. Diese wurde durch eine Landsturmkompagnie verstärkt. Beide Kompagnien machten einen Gegenstoß und warfen die Ruffen über den Abschnitt zurück. Unsere Beute betrug 104 Gefangene, 110 Gewehre und 14 000 Patronen. Die Russen ließen 16 Tote zurück. Eigene Verluste vier Mann tot oder verwundet.
lsiriwortet. Ihm schließt sich auch das bekannte Mrt-
(ßlinb des russischen Reichsrates W. Gurko sowie auch ein „hoher Würdenträger" an, der . dem „KoIoko I" ein Interview gewährt hat. Die beiden letzteren Politiker befassen sich besonders mit der Nationalfrage in Rußland, die ganz anders als bisher behandelt werden solle. Der frühere Minister W. Gurko, der seinerzeit int Reichsrat gegen die Selbstverwaltung in den polnischen Städten austr.it, — befürwortet jetzt dom Vertreter des Petersburger „Glos Polskr" gegenüber -— nichs mehr und nichts weniger als die Wiederherstellung Polens. Diesem Polen, das die polnischen Gebiete Deutschlands und Österreichs und Kongreßpolens umfangen soll, opfert Gurko sogar einen näher nicht bestimmten Teil des vorwiegend ukrainischen Qshgalizieus. Von der „.gerechten Verwirklichung des Natioimlitätenprinzivs" spricht auch „der hohe Würdenträger" im „Kolokol", und wie diese zu verstehen ist, erklärt die Zeitung selbst, indem sie die Gnaden anfzählt, die den nichtrussischen Völkern bereits erwiesen wurden. Zu diesen gehören somit — dre Selbstverwaltmig der polnischen Städte, die Agrar- reform, welche in den Ostsseprovinzen dirrchgeführt werden soll, die nationalen Rechte der lettischen und ukrainischen Sprache in den Volksschulen u. a. Die Sanierung der Nationalitärsverihältnisse in Rußland, die nur ein kleiner Teil des großen Reformwerkes sei, das Rußland nach dem Kriege bevorstcht, soll von den vereinten Kräften der Regierung und des Volkes durchgesührt werden.
Ohne Bedeutung ist dieser Sk immungs- Wechsel in den konservativen Kreisen Rußlands gewiß, er ist aber auch nicht allzu ernst zu nehmen. Das ruffische Bürgertum hat sich in 'diesem Kriege so vorbehaltlos an die Seite der Regierung gestellt und rhr dadurch eine solche Kraft verliehen, daß es schr fraglich ist, ab es genug Kraft finden wird, nun wieder gegen die Regierung zu steuern. Selbstverständlich ist auch die Aufrichtigkeit -der, Reformverkünder ernstlich anzuzweifeln, was ,manche liberale Blätter auch tun. Die Ukrainer aber haben asolut nichts Gutes weder imv. alten noch vom neuen Kurse in Rußland zu erwarten: ihre Wünsche finden, wie es aus den oben zisterten Aussagen ersichtlich ist, bei den Herren Gurko, Eh wostow u. a. ebenso wenig Beachtung wie bei der russischen Regierung selbst. Hiervon überzeugt haben neuerdings einige Unabhäugigkeitsgruppen in der Ukraine eine Derständicpmg zum gemeinsamen Kampf gegen Rußland mit den betreffenden. polnischen, litauischen und werßruthenischen Organisationen angebahnt. __
Mastenausweisung von Juden aus Rurland.
Br. Wien, 26. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die ruffische Regierung hat 70 000 Inden als der Sympathie für Deutschland verdächtig aus dem Gouvernement Kurland ausgewiesrn. In Mi tau allein beträgt die Zahl der A,us- gewiesenen 7000. Nachdem diese die Stadt verlassen hatten-, stellten alle Gerbereien, Schuhfabriken und die Metallüibrik Kramer, in denen über 1000 Arbeiter beschäftigt waren, den Betrieb ein.
Wertere russische Ausfuhrverbote.
\y. T.-B. Petersburg, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Durch einen soeben veröffentlichten Erlaß des Finanzministers wird die Ausfuhr von Platin«, Milchprcdnkten, Linnen und Kh-rki- leinwand oerboten. Ausnahmen können nur zugunsten der Berbüirdeten oder befreundeter Mächte gestattet werden:
Der Urieg gegen England.
Sperrstrecke im Rermelkanal.
Ein neuer Uur§ in Rußland?
Die Rückwirkung der russischen Niederlagen be- ginnt sich schon im innerpolitischen Leben Rußlands fühlbir zu machen. Nicht so laut wie nach Mukden und Zusima, aber doch hörbar genug, bringt die russische „Gesellschaft" ihre Unzufrledenheit mit der bisherigen Politik der Regierung zum Ausdruck. Den Feldzug eröifnete die „Kaiserlich-technische Gesellschaft" in Petersburg, die dem Ministerpräsidenten eine Denkschrift über die Bedürfnisse russischer I n- d n st r i e eingereicht hat. Diese Denkschrift weist unter anderem darauf hm, daß die politischen Reformen, welche allen Bürgern ohne Unterschied der Religion oder N a t i o n a l i i ä t die Äetätigungs- freiheit int Mrtschaftsleben des Reiches und Sicherheit ihrer Rechtslage garantierten — die beste Grundlage der industriellen Entwicklung Rußlands schaffen Würden.
Diese Reformen betrachtet auch der Führer des Klubs der Rechten in der Duma A. CH wo stow als dringend, der für -das künftige Reformwerk die .Heran- ziehnng von Kräften „aus dem Volke" Wärmstons be-
Kupenhagen, 26. Jmü. (Ktr. Bln.) Ein Däne, der d'e Fahrt durch den Ärmelkanal gemacht hat. schildert die von den Engländern, dort getroffenen Maßnahmen in der „Berüngske Tidendc": Zwischen Dover und Calais ist danach jeder Verkehr verboten, nur eme ganz schmale Durchfahrt besteht, die durch zwei Feuerschfffe dicht an der britischen Küste bezeichnet wird. Im übrigen ist die ganze Wasserstraße von Dover bis Kap Gris Nez an der ffanzöfischen Küste, eine Strecke von rund 35 Kilometer, durch ein Stahldrahtnetz gesperrt, das von der Wasseroberfläche bis zum Meeresgründe, an der tiefften Stelle etwa 70 Meter, reicht. Auf beiden Seiten rst das Stahldrahtnetz von mehreren Reihen Minen in '.»er» scknedenen Tiefen eingefaßt, so datz es völlig ansgeschloffen ist,, daß ir-zend ein Fahrzeug an der Oberfläche^oder unter Wasser die Durchfahrt -erzwingen kann. Die schmale Durchtchrt zwischen den Feuerschiffen wird Tag und Nacht von britischen Unterseebooten bewacht, so daß jedes feindliche Unterseeboot, das auf der westlrchen Seite Großbritanniens und des Ärmelkanals sich betätigen will, gezwungen ist, nördltch « Schottland zu fahren. Dieses Riesenwerk fft, he>8^c- weiter, in aller Stille von der britischen Flotte ausg-efuqrt worden, und es erklärt, daß die britischen Truppenbefor» dernn-gen über den Kcaml völlig ungestört stattgeftmüen kaben, und daß der Verkehr zwischen England und Frankrerch andmernd wie in Friedenszetten aufrcch^rhaltcn weroen kmn. Nachdem diese Sperrstrecke durchfahren war, ermnerte nichts mehr an den Krteg, abgesehen davon, daß derDampser- ctnmal im Kanal, und zwar auf der Höhe von Eherboi.rg,^ von einem französischen Torpedoboot angehalten wurde.
Der Gesetzentwurf über die lNunitionserzeugungt
W T.-B. London, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Reuter. Der Text des Gesetzentwurfes über die Munitionserzeugung ist bekannt gemacht worden. Er stimmt mit den Ausführungen überein, die Lloyd George am Mittwoch im UnverhanA gemacht hat. Die zweite Lesung findet am Montag statt
Wi T.-B. London, 26. Juni. (Nichtamtlich.) In Glasgow hat sich eine aus 10 000 Mann bestehende liegende Arbeiterabteilung gebfldet, die sich sofoH überall dahin begeben kann, wo ihre Arbeü nötig ist.
