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Samstag» 26. Juni 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 292. - 63. Jahrgang.
Der Urieg.
Von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Dis Weitere HurücKdrängung der Russen,
Berlin, 26. Juni. (Ktr. Mn.) Die Offensive der verbündeten Mächte in Grlizien schreitet sort. Im Zentrum und am mittleren Dnjestr versuchen die Russen, wie der Kriegsberichterstatter des »B. T." bestätigt, den österreichisch - ungarischen und deutschen Kräftegruppen ihre Stellungen am nördlichen Dnjestruser und an mehreren strategisch wichtigen Punkten das Verbleiben am nördlichen User mit heftigen Gegenoffensiven zu verwehren. In Russisch-Polen und im Gebiete des San- Winkels weichen sie zurück, um die Berbrnbung mit jenen Ar«neet«ien nicht zu verlieren, dir nördlich von Lem- berg durch die Armee Mackensen, östlich und sudöstsick» von Lrnröerg durch die Armee Böhm-Ermolli Schritt sür Schritt gegen die ach dem Bug gestützte nächste Verteidigungslinie zurückgedrängt werden.
Schwere Rümpfe bei Zaieszeqki.
Witz». 26. Juni. (Ktr. Bln.) Die Russen haben in den letzten Tagen verzweifelte Anstrengungen gemacht, die verlorenen Stellungen im Dnjestrge-Hiet und in Bessarab icn uns ach den bewaldeten Grenzhöl.en wieder zurückzugewinnen. In den letzten vier Tagen und Nächten dauern die Kämpfe ununterbrochen an. Die Russm scheinen kein Mrchchenmaterial zu schonen; sie senden Massen ins österreichische Feuer. Vor den österreichischen Graben liegen die Russen noch unbeerdigt in großen Hausen. Besonders heftig kämpft man östlich Zalefzcyki an oer Dnjestrfront. Dort wiederholten die Russen uwunterbrocken ihre Sturmangriffe. An einzelnen Stellen ist es ihnen gelungen, sich bis nahe an die österreichischen Gräben heranzukämpfen, wobei sie furchtbare Verluste erlitten und durch die Entschlossenheit der österreichischen Truppen zurückgetrieben wurden. Besonders unangenehm scheint den Russen der österreichische Einbruch in Bessaräbien zu sein. Auch dort wiederholen sich täglich die russischen Stürme.
Die grotzen noch zu bewältigenden Schwierigkeiten.
Berlin. 26. Juni. (Ktr. Mn.) Major Morast sagt im „®. T.": Der Fall von Lemberg bedeutet für uns zwar ein bedeutungsvolles Ereignis, namentlich in politischer Hinsicht, nicht aber eine Entscheidung des Feldzuges im Osten. Es hieße dre noch zu leistende Arbeit unserer Führer und Heere im voraus verkleinern, wollte man sich verhehlen," daß die Marschrichtung der russischen Armee gegen den Bug uns vor neue Awfgaben stellt. An deren glücklichem Ausgang zweifeln wir nicht, Wohl aber an einem Siege im Handumdrehen.
Oie Beschönigung eines rusfischenMilitärkrilikers
Berlin, 26. Juni. (Klr. Bln.) Über den Verlust vc'l Lemberg schreibt der Mlliiärkritiker de-- „Petersburger Börsenzeitung", wie d'e „Boss. Ztg." berichtet: Die russische Armee habe zu wählen geheckt zwischen der Ausgabe von Lemberg und der Aufgabe der Freiheit ihrer HarÄlungem. Habe man auch für das russische Elcfühl schwere Opfer bringen und die fedem Russen durch Erinnerungen so teure Hauptstadt Galiziens verlassen muffen, so habe man sich dafür die Möglichkeit Vorbehalten, Ort und Zeit der Entscheidungsschlacht selber (?) zu wählen.
Französische Beschwichtigungsversuche.
Rotterdam, 26. Juni. (Ktr. Bln.) Zum Fall von Lemberg begnügt sich die Pariser Presse vom Donnerstag den ruffischen Tagesbericht abzudrucken und diesem beruhigende oder den Ersolg der Deutschen verkleinernde Stimmen, b-i°n- ders solche italienischer Blätter, hinzuzufügen. Zu einer eigenen Meinung schwingt sich nur der „Matin" auf, indem cr u. a. schreibt: Die Preisgabe von Lemberg kommt nicht überraschend. -Die militärischen Sachverständigen haben ste schon seit mehreren Tagen vorausgesehen. Sie ist noch weniger beunruhigend, da sie n u r e i n e E p i s o d e in der gewaltigen Schlacht darstellt, die sich seit mehr als zehn Monaten auf der östlichen Frönt entwickelt hat. Die galizische Hauptstadt ist rn der größten Ordnung geräumt worden, und unseve mpreren Verbündeten haben weder Kriegsmaterial noch sonstige Beute in die Hände des Feindes fallen lassen.
Begeisterung über dieiMevereroberungLembergs
W. T.-B Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Die Kriegsberichterstatter an der italienffchen Front melden, daß die Nachricht von der Einnahme Lembergs in Trrent ungeheure Begeisterung auslöste. Es fand sofort etn Zapfenstreich statt, wobei die Tiroler Jägermusik auf denDanteplatz zog. Der Höchstkommandrerende teilte der dichtgedrängten Menschenmenge die Siegesbotschaft mit. Rührend war besonders die Freude der welschen Bevölkerung.
Der einzige Aktivposten auf russischer Seite verloren!
Die Fr ende in der türkischen Preffe.
W. T.-B. Konstantinopel, 25. Juni. (Nichtamtlich) Die reta 4 +g- feiern in enthusiastischen Ausdrücken die Wieder»
erobern ug Lembergs als die Krönung eines ruhmvollen Feldzuges, der rn der Geschichte berühmt bleiben werde, und weisen auf die wahrscheinliche Wirkung der russischen Niederlagen hin. „H-lal" führt aus: Diese Tat ist ein Triumph der Zivi» lilsrrt-.on, Kultur, Kunst und Wissenschaft über die Barbar« u.nd die Macht der Zahl sowie Korruption und Unwissenheit. Ruhlanv büßt in Galizien für seine eigenen Sünden gegen die Menschheit, seine Grausanikeiten, die sibirischen Gefängnisse und Pogrome. Der „Osmanische Lloyd" stellt fest, daß die Rüsten ond ihre Verbünseten mit Lemberg den einzi-
Zusammenarbeit vonArmee und glotte
Zäach der Meinung der englischen und französischen Feldherren wird dieser Krieg von der größeren oder geringeren Menge der vorhandenen Munition entschieden werden. Am 17. Juni feuerte die f r a n z ö s i s che Artillerie bei Neuville drÄhunderttaus end (!) Granaten. Ähnliche Mengon, werden auf dem See- flügel der gegnerischen Front von den Engländern in unsere Reihen geschleudert und viele
gen Aktivposten verlieren, den sie während der zehn Kriegsmonate buchen konnten.
Bevorstehender Rücktritt des russischen Rriegsministers?
Kopenhagen, 26. Juni. (Ktr. Bln.) „Berlingske Tidende" erfährt ans Paris, die Gerüchte, daß der Rücktritt des rnffi- schen Kriegsministers Suchomlinow bevorstehe, erhielten sich hartnäckig. General Kuropatkin werde als der neue ruffische Kriegsminister genannt.
Tie russische Polenfrage.
W. T.-B- Petersburg, 26. Juni. (Nichtamtlich. Petersburger Telegrapheu-Agenrur.) Der Ministerrat. hat beschlossen, in eine vorläufige Beratung der Frage einzutreten, wie die in dem Ausruf des Generalissimus Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch an die Polen vom 14. August 1614 angekündigten Grundsätze zur Ausführung gebracht werden können. Zu diesem Zweck wird ein besonderer Ausschuß Von sechs Russen unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten gebildet.
Ankunft der italienischen Militärkommission in Petersburg.
Rotterdam, 26. Juni. (Ktr. Bln.). Wie der „Temps" meldet, ist eine italienische Militär-Spezral- m i s s i o n in Petersburg angekommen zur Vertretung der italienischen Armee im russischen Hauptquartier.
Rönig Ludwig von Bayern aus der Reise nach Galizien.
W. T.-B- Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Der König v o n B a y e r n ist gestern ftüh mit Gefolge aus der Reise nach dem östlichen Kriegsschauplatz auf dem Wiener Ostbahnloft
eingetrofsen, von wo er alsbald die Reise fortsetzte.
Tausends von deutschen Heldeng räbern in Nordsrauk^ reich und Mandern geben traurige Kunde von ihrer Wirkung. Unb doch ist bekannt, daß weder England noch Frankreich imstande sind, derartige ungeheure Munitionsmengen selber herzustellen; Vomcar
wäre längst erschöpft, wären nicht renser t s des Meeres Hunderte von Fabriken mit der- Schaffung genügenden Ersatzes beschäftigt. . dreihundert Werkstätten sollen allein in Kanada, öiste andere in den Vereinigten Staaten sich auf dieses einträgliche „Geschäft" geworfen haben, und/noch wwd aus Pittsburg gemeldet, daß alle ^bisherigen Arche- rnngen eine Kleinigkeit gegenüber denen de- deuten, die in einigen Monaten zu erwarten seien, daß alte Fabriken vergrößert, neue angelegt und große Mengen von Werkzeugmaschinen für diesen; Zweck im Bau seien.
Zahlreich waren die Proteste, die in den Der- ■einigten ©tcuaicn und nicht nur von Deutsch-Amerrlu- nern gegen eine derartige Beteiligung a m Kriege gegen Deutschland eingelegt wurden, da nach Lage der Umstände dessen Flotte nicht imstande sei, die unaufhörliche Kette von Munittons- und Waffen- transporten in der Weise abzufangen, wie die bis- herigen Blockadevorschrijten es verlangten. „Allq Dampfer, die jetzt nach Frankreich, En«- land und Rußland fahren, sind schwimmend« Arsenale", schreibt man aus New Jork, und trotz- dein ist Präsident Wilion der Ansicht, es verstoße gegen „die wahre Neutralität", diesem WaffenhandÄ ein Ende zu bereiten, da sich England durch die Schäftung seiner überragenden Flotte diesen Vorteil „rechtmäßig" gesichert habe.
Ist es unter diesen Umständen nicht unsere erste
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