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Der Komai
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■- Morgen.veilage des Wiesbadener Tagblattr. >». _ji
Nr. 144. Donnerstag, 24. 3unL
(21. Fortsetzung.)
Um Me Beute.
Kriminalroman »cm Reinholv Ort««»»».
(Nachdruck verboten^
„Glaubst du, baß ich mich dadurch meines Wortes ledig fühlen würde? Stände ich vor meinem Ge- wissen darum weniger als Betrügerin da, weil ich mich hätte loskaufen lassen?"
Der Oberstleutnant schwieg lange. Der unerwartete Schlag hatte ihn schwer getroffen, um so schwerer, als ihm eine Stimme in seinem Innern zuries, daß Martha recht habe, daß er nach -dem, was er heute erfahren, in der Tat nicht mehr die Freiheit hatte, den Bewerber zurückweisen, der ihm so wenig willkommen war. Aus welchen Beweggründen auch dieser Herbert Lyncker damals gehandelt haben mochte, es war und blieb für das Ehrgefühl des alten Soldaten eine schimpfliche Handlungsweise, wenn man dem Manne jetzt sein Geld vor die Füße warf und ihm gleichsam in demselben Augenblick die Tür wies. Ja, wenn er ihm damals mit einem runden Nein geantwortet, wenn er ihm nicht Hoffnungen gemacht hätte, indem er ihm ganz bestimmt formulierte Bedingungen stellte. Er konnte sich freilich darauf berufen, daß er vor zwei Jahren nichts von jener Geldgeschichte gewußt habe, und daß seine Antwort jedenfalls ganz anders ausgefallen wäre, wenn ihm in jener Stunde bekannt gewesen wäre, was ihm heute offenbar war. Aber Herbert Lyncker brauchte ihm das nicht zu glauben; er hatte ein gutes Recht, daran zu zweifeln. Wie er es auch betrachten mochte, immer blieb als der Rest aller Erwägungen für den Oberstleutnant der fatale Gedanke, daß es einen Menschen geben würde, der sich von ihm und von seiner Tochter betrogen glauben konnte.
Dieser Gedanke brach seinen Zorn und machte ihn nachgiebig. Es war freilich keine Nachgiebigkeit, die Martha Freude bereiten konnte, denn der alte Mann verbarg ihr nicht, daß er sich nur mit tiefem Schmerz unter das Unabänderliche beugte.
„Es ist also dein fester Wille, ihn zu heiraten?" fragte er nach einer langen Stille. „Auch wenn du zu der Evkenutnis kommst, daß er nicht ist, was du einst in kindlicher Unbefangenheit in ihm gesehen?"
„Ta er gekommen ist, mich zu fordern, werde ich ihm meine Hand geben, Vater, wie ich ihn auch finden mag. Du warst ein Zeuge meines Versprechens, und jetzt, da du weißt, welche Bande mich außer diesem Dersprechen an ihn fesseln, jetzt mußt du verstehen, daß ich mich auch durch deinen Machtspruch nicht hindern lassen dürfte, ihm anzugehören."
Der Oberstleutnant ieufzte schwer. „Es wird ein schlimmer Tag sein, der mir da bevorsteht. Wer weiß, wie viel schlimmere ihm noch folgen werden. Aber da du sagst, daß es nicht anders sein kann, weshalb sollen wir dann noch viele Worte darüber machen! Ich werde ihn so freundlich empfarigen, wie es mir möglich ist, und wenn er mir nur die allernotwendigsten Garantien bieten kann, werde ich in Gottes Namen zu allem Ja und Amen sagen."
„ES bleibt nicksts anderes übrig — glaube mir, Vater! — Und noch eine Bitte wirst du mir erfüllen,
du wirst mir Gelegenheit geben, eine Viertelstunde allein mit ihm zu sein, che du dich mit ihm aussprichst."
„Meinetwegen", brummte der Oberstleutnant. „Was kommt es in solcher Situation schließlich noch auf Schicklichkeilsrücksichten an! Tu, was du willst — ich werde dich nicht daran hindern."
Vterzchntes Kapitel.
Zu schicklicher Besuchszeit meldete das Dienstmädchen Herrn Herbert Lyncker, und der Mann, der gestern unter Hanna Wendriners Schutz als Paul Grevenberg die Hauptstadt verlassen hatte, trat in seiner zweiten Gestalt über die Schwelle des kleinen Salons, in welchem der Oberstleutnant und seine Tochter ihn erwarteten.
Zwei dunkelrote Flecken brannten aus seinen Wangen, als er auf Martha zutrat und sich tief auf die Hand herabneizte, die sie ihm geboten. Er war außerstande ein Wort hervorzubringen, aber es -war ihr, als riesele von der Stelle aus, wo seine Lippen ihre Haut berührten, ein Strom von Feuer durch ihren Körper. Sie mußte sich gewaltsam bezwingen, um der Versuchung nicht nachzugeben, die sie antrieb, ihm ihre Hand zu entziehen, und sie war ihrem Vater von Herzen dankbar, als er durch seine etwas forciert joviale Art den Besucher zwang, sich aufzurichten.
„Sie haben lange auf sich warten lassen, mein lieber Herr Lyncker! Nun lassen Sie sich die Hand schütteln und schauen Sie mir ins Gesicht, -damit man doch sehen bann, wie Ihnen Ihre Weltumsegelung bekoimnen ist."
Es berührte den alten Soldaten, den: alles Kränkliche und Kraftlose in den Tod zuwider war, unangenehm. als sich die mageren Finger des Mannes, in dem er nach Marthas Willen seinen künftigen Schwiegersohn sehen sollte, so feuchtkalt und so schlaff in seine; Rechte legten.
„Sie werden mich nicht sehr blühend finden, Herr Oberstleutnant", begann der Besucher. „Ich wäre ja schon viel früher hierher geeilt, wenn mich nicht mern Gesundheitszustand daran gehindert hätte."
„Sie sehen allerdings etwas angegriffen aus. Was hat Ihnen denn gefehlt? Hoffentlich doch nichts Ernstliches?"
„Es war ein Rückfall des Malariafiebers, von dem ich in Indien heimgesucht wurde. Wer nun ist es überwunden."
„Das wollen wir wünschen. Solche Sachen sind mitunter sehr langwierig. Aber wenn's Ihnen recht ist, plaudern wir am Frühstückstifche weiter. Sie müssen ja jetzt unmenschlich viel zu erzählen haben."
Er öffnete die Tür zu dem anstoßenden Speisezimmer, und der vermeintliche Herbert Lyncker reichte; Martha den Arm.
Aber ehe er über die Schivell« schritt, flogen seine Augen mit raschem, suchendem Blick durch den mit allerhand Kunstgegenständen zumeist chinesischen und japanischen Ursprungs ausgeschmückten Salon. Etwas
