Wiesbadener T
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Mittwoch, 23. Juni ISIS.
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Nr. 28b.
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Lembergs Wiedereroberung.
Die deutsche amtliche Meldung.
W-T.-B. Berlin. 22. Juni. (Amtlich) Lemberg
ist heute nachuiittag nach schwerem Kampfe von österreichisch-ungarischen Truppe« genommen Horben. Das österreichische 34. Jnfanterie-Regr- ment, dessen Chef der deutsche Kaiser ist, hat sich bei der Erstürmung des Werkes L Y s a G o r a aus. gezeichnet.
Der Einzug der Truppen in Lemberg.
Ein Ereignis von hinreißend historischer Größe. W-T.-B. Wien. 23. Jum. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspresseqnartier wird gemeldet: Ein General der siegreichen zweiten Armee gab seine Eindrücke beim Einmarschieren in die befreite Stadt Lemberg mit folgenden Worten wieder: Der Einzug in Lemberg war von hinreißender historischer Größe.
Jubel der Bevölkerung war überwältigend. Es war ein Erlebnis, das sich n i ch t b e s ch r e i b e n läßt.
Die rufsisrk e Krtillerie nicht mehr zur
Deckung des Rückzugs verwandt!
Köln, 23. Juni. Der „Köln. Ztg." wirv aus dem oster, ceichisch-ungarischen Kriegspressequartier gemeldet: Die
luffische Artillerie hat aufgehört zu feuern. Sämtliche Geschützparks, welche sonst die Aufgabe gehabt hatten, den Rückzug zu decken, sind als wertloser Ballast in größter Eile in das Hinterland geschafft worden. Die Truppenkörper bleiben daher ohne den richtigen Nachschub an Nahrungsmitteln, weil die Wege durch die Artillerie versperrt sind. Nur so kann begriffen werden, daß ganze Trupps von Feinden halb tot vor Hunger von den vorbeimarschierenden Siegern überrascht wurden.
Veruhiqunysbemühungen in Petersburg.
Br. Hamburg, 23. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin. „Daily Mail" meldet aus Petersburg, daß an allen Straßenecken Bekanntmachungen des Generalstabs angeschlagen seien, worin die Bevölkerung aufgefordert wird, Ruhe zu bewahren. Die amt. l i ch e n Kriegsberichte entsprächen vollkommen der Wahrheit. Die Berichte von einer nahen Kat«, strophe seien nur von böswilligen oder furchtsamen Gemütern in Umlauf gesetzt worden. Die M u n i - tion bessere sich von Tag zu Tag. Noch stehen zahlreiche Reserven zur Verfügung. Der General- stab macht aber vorsichtshalber darauf aufmerksam, daß es noch eine Zcitlang dauern werde, ehe Rußland imstande sein wird, eine neue Offensive zu bc. ginnen. Rußland sei unter den Verbündeten das Land, das sicher die m e i st e n V e r l u st c gehabt und am schwer st en gelitten habe.
Oes Baisers Glückwunsch.
W.T.-B- Wien, 22. Juni. (Nichtamtlich.) Die Korre spondenz „Wilhelm" meldet: Wie wir spät nachts erfahren, hat Kaiser Wilhelm noch heute abend ein Glückwunfchtele gramm anläßlich der Einnahme von Lemberg an den Armee oberkommandantcn Feldmarschall Erzherzog Friedrich gerich tet und ihn zum preußischen Feldmarschall ernannt.
Bönig Ludwig begibt sich zum galizischen Briegsschauplatz.
München, 23. Juni (Ktr. Mn.) Der König von Bayern begibt sich auf einige Zeit nach dem östlichen Kriegsschauplatz.
Warschau wird von der Zivilbevölkerung geräumt!
Berlin, 23. Juni. Der „B. Ztg." wird aus Peters bürg gemeldet: Seit dem 20. Juni hat der Auszug der Warschauer Zivilbevölkerung begonnen. Auf Befehl des Großfürsten Nikolai Nikolaijewitsch gibt der Warschauer Polizeipräsident bekannt, daß in Warschau nur Staatsbeamte, ferner Personen, die zur Armee und zur Armeeverwaltung gehören, darunter auch Militärlicferanten, bleiben dürfen. Zu- nächst werden über 100000 Zivilisten cvaku irrt, die binnen 24 Stunden Warschau verlasieu müssen.
Um die Nachfolgerschaft des russischen Generalissimus.
Br. München, 23. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie die „München-Augsb. Abendztg." wissen will, werde General Rußkie allgemein als Nachfolger des Groß fürsten Nikolai Nikolajewitsch angesehen. Er sei bereits in Petersburg eingetroffen und habe sich sofort zum Zaren nach ZarSkoje-Sfelo weiterbegeben.
Oie Kufnahme der Siegesnachricht in der Donaumonarchie.
ganzen Stadt tiefste B e w u n d c r u n g und
Iubelnde Begeisterung hervorgerufen. dcoch
che die Nachricht durch Sonderausgaben der Blatter bekannt geworden war, erfuhr das auf der Ringsttafte weilende Publikum durch die Beflaggung des Krrsgs- Ministeriums die Kunde von der Einnahme LMwerg^, die sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt verbreitete. 2Son M 'Uhr sammelten sich immer größere Massen vor den: Kriegsministerium, wo ununterbrochene
patriotische Knndgchungen stattfanden. Nach der Ab- jirujunö iet Vol-ksihymne und b-er „Wacht mn Kyem erscholl aus tauijemb Kehlen das Diarschlreu) „Der gute Kamerad", dessen Schluß „In der Heiurot gwt s min Wicbersch'n" zu freudig ausbrechendem ^übel Veran- lassung gab. Bis in die späten Nachtstunden durchzogen große Trupps mit Fahnen und Lampwns die «tobt,
konsulat m und unter lautem Jubel die ver- bündeteu Herrscher und dre vereint tapfer kämpfenden Heere hoch leben ließ.
In Böhme».
W-T.-B. Prag, 23. Juni. (Nichtamtlich.) Die 'Nachricht von der Wiedeveroberung Lembergs hat hier überall die freudigste Bewegung hervorge- rufen Alsbald verkündeten zahlreiche, auf privaten und öffentlichen Gebäuden gehißte Flaggen «t Reichs-, Landes- und reichsdeutschen Farben dM Freudenbotschaft. In den spätm AbeNdftunden blldete sich ein Zng, in dem die Bilder der Verbunds Herrscher sowie Fahnen in österreichischen und reichs- deutschen Farben getragen wurden. Unter Absingung öer Volkshymne, der „Wacht ani Rhein und anderen!
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In Wien. Juni.
W-T.-B. Wien, 23. -Juni. (Nichtamtlich.) Die Nachricht von der Einnahme Lembergs hat irr der
die noch in -den Abendstirnden Flaggen schmuck an gelegt hatte. Eine große Menschenmenge zog auch vor das deutsche Konsulat, wo wiederholt patrronfche Kundgebungen stattfanden. An vielen Orten wurden die Fenster illuminiert und die Glocken geläutet. Besonders rührende Begerftcrung rref die Äkachricht von der Einnahme ÜMibergs bei den Kriegs- flüchtlrngen hervor, für welche patriotische Ovationen
stattfanden. . . ^
Ein schulfreier Tpg in Wien.
W-T--B. Wie«, 22. Juni. (Nichtamtlich.) Anläßlich der Einnahme von Lemberg verfügte Bürgermeister Weis, kirchner, daß Donnerstag den Kindern in den städtischen Schulen die herrliche Waffentat der verbündeten Armeen sowie ihre bedeutungsvolle ÄSirkung von den Lehrpersonen dargestellt wird, woraus der Tag alZ schulsrei erklärt wird. Heute abend ist das Rathaus bereits beflaggt.
In Budapest.
W-T.-B. Budapest, 23. Juni. (Nichtmntlich.) Die Wisdcreroberuug Lmibergs wurde abends durch die Blätter bekannt und rief unendlichen Jubel hervor, uird eine große Menschenmenge wogte nach den Straßen, besonders vor den Redaktionen, wo die amt- lichen Berichte angeschlagen wurden, standen dichte Mengen. Zahlreiche öffmtliche und private Gebäude legten Flag gen schmuck an. In allen Straßen lvoqten neben den österreichischen und ungarischen, auch deutsche und türkisch- Fahnen. Bei Eintritt der Dunkecheit wurden zahlreiche öffentliche Gebäude und private prächtig beleuchtet. Die auf den Straßen weilenden Massen vereinigten sich zu einem großaiftgen Zuge, der, patriotische Lieder singend,, vor den Klub der nationalen Arbeiterpartei, das Nationalrasino, das Landeskasino und das deutsche und türkische General^
patriotischen Liedern sowie unter den begeistert cmfge» nomlmencn Hochrufen auf die verbündeten Monarchen und die Armsen bewegte sich der Zug zur -statt- halterei, zum deutschen Konsulat und znm Radetzky-Denkmal, wo die Kundgebungen sich überall wiederholten und begeisterte Ansprachen ge- halten wurden. Der aus, inehreren Taufenden van Personen besteheiide Zug löste sich erst nach Mittcrnacht auf. Auch aus zahlreichen anderen Orten des Landen laufen Berichte über ähnliche Freudenkundgebilngen em.
Oie Zreude in Berlin.
W T-B. Berlin, 22. Jum. (Nichtamtlich.) Die ami- pche Nachricht über die Wegnahme Lembergs wurde in Bcr- Un kurz uach 8 Uhr abends bekannt. Obwohl die Meldung den ganzenTag hindurch stündlich erwartet wurde, machte doch die Bekanntgabe auf das gesamte Straßenleben hen freudigsten Eindruck. Die Geschäfte und Kaufhäuser warer« zwar ge,chlossen. aber ans vielen Privatgebäuden wurden alsbald die Flaggen hochgezogen. Unter den Linden tam es zu großen Ansammlungen, die m gehobener Stimmung das Ereignis besprachen. Überall erfolgten Kundgebungen begeisterter Teilnahme der Bevölkerung an den neuen Fortschritten der verbündeten Truppen in Galizien
W.T.-B. Berlin, 22. Juni. (Nichtamtlich.) Auf di» Nachricht von der Eroberung von Lemberg fanden abends an den belebtesten Punkten der Stadt freudige Kundgebungen statt, die sich mehrmals wiederholten. Es bildeten sich immer wieder stärkere Gruppen, in denen das Ereignis begeistert besprochen und unter stürmischen Hochrufen auf di« verbündeten Armeen und die beiden Monarchen bejubelt! wurde. Insbesondere Unter den Linden spielten sich derartige Szenen der Begeisterung ab. In den Lokalen wurden unter brausendem Beifall des Publikums patriotische Weisen gespielt. Die Kundgebungen setzten sich bis in die später; Nachtstunden fort.
