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Der KonioiU

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' - ~B Morgen-Beilage des Wiesbadener Cagblatts.

Nr. 142.

Dienstag» 22. Juni.

1918.

(19. Fortsetzung.)

Um die Beute.

Kriminalroman von Reinhold Ortmann.

"(Nachdruck verboten.)

„Ich will nicht fragen, wohin Sie gehen, „denn wenn es Ihre Absicht wäre, mich zu betrügen, wunden Sie mir ja doch nicht die Wahrheit jagen. „Aber, ich will wissen, wann Sie wiederkommen, denn ich wurde ein zielloses Warten nicht ertragen."

,Morgen schon werde ich zurück sein."

,Zst das ganz gewiß?"

„Ganz gewiß." v r r

„Aber es könnte sich etwas Unvorhergesehenes er- eignen, >das Sie zuvückhält. In diesem Fall müssen Sie mir sofort Nachricht geben."

Er versprach auch das. In dem heißen Vierlangen, endlich fortzukommen, wunde er jeden Erd geleistet haben, Len sie von ihm verlangte. Schon war er ans dem Wege zur Tür, «da kam ihm eine neue Be-

fürchtung. ...

„Und Hartniann? Er ist rn seinem Zimmer, ich habe ihn noch vor wenigen Minuten gehört. Es Ware nicht das erste Mal, daß er mir folgte."

„Ich werde zu ihm hineingehen, um ihn festzu- halten. Nach fünf Minuten können Sie sich unbesorgt

entfernen." ^ _

Sie reichte ihm noch einmal dre Hand. Dann ertte sie hinaus, um mit vollkonmien unbefangener Miene an die Zimmertür des Herrn Bruno Hartmann zu klopfen. Von drinnen ertönte ein liebenswürdiges .^Herein!", und sie trat über die Schwelle.

„@tc hoben geklingelt? Was steht zu Diensten.

Mit einem erfreiiten Lächeln war er auf sie zu ge­treten. „Nein, ich habe nicht geklingelt, Fräulein Hanna. Aber ich habe trotzdem einen Wunsch."

„Und der wäre?" .

„Den Wunsch, daß Sie mir wieder einmal auf ein Wiertelstündchen Gesellschaft leisten. Da ich Ihren Vater vorhin fortgchen hörte, haben wir ja kerne Störung zu befürchten."

Hanna drückte die bis dahin offen gebliebene Tur hinter sich ins Schloß und kam ein paar Schritte weiter. ins Zimmer hinein. „Wenn Sie mit einem Viertel- siündchen zufrieden sind, und wenn Sie mir versprechen, schr artig und vernünftig zu sein -"

Er leistete dieses Versprechen damit, daß er rhrc Hand ergriff und sie mit Küssen bedeckte. ,/Sie sind ein Engel, Fräulein Hanna! Und ich hatte schon ge- fürchtet, daß Sie mir böse seien."

„Böse — weshalb?"

„Weil Sie inich seit unserem letzten Ausfluge «igent- sich recht schlecht behandelt haben. Mer das war wohl nur ein Zufall — nicht wahr? Sie sind mir doch noch

lein klein wemg gut?" . . . „

„Ich sagte Ihnen doch, daß Sie mir Zeit lassen müssen. Wir wollen jetzt lieber von etwas anderem sprechen, sonst dürfte ich nicht bleiben. Erzählen Sie mir etwas von Ihren anlerikanischen Menteuern. Sie wissen, wie gern ich davon höre/'

Sie hatte sich auf einen Stuhl, zwischen der Dur ;md dem Tische niedergelassen, hinter dem Bruno

Hartmann stand. Wenn er ein aufmerksamer Be- obachter war, so mußte er bemerken, wie unruhig und zerstreut sie bei aller Liebenswürdigkeit war. Wer er sah es «nicht oder er gab sich doch wenigstens den Anschein, es nicht zu sehen, ihrem Wunsche gehorsam, sing er an, eine luftige kleine Geschichte zu erzählen, die ihm widerfahren sein sollte, schon nach den ersten Sätzen jedoch hielt er plötzlich lauschend inne. Er hatte das Knarren einer Tür gehört, die nur die Tür von Paul Grevenbergs Zimmer gewesen sein konnte.

„Wie geht es denn übrigens meinem Nachbar? unterbrach er seine Erzählung. «Ich hoffe, sein Be­finden hat sich gebessert."

Anscheinend gleichmütig gab Hanna zuruck: «>;ch glaube nicht, daß seine Krankheit bedenklich ist. Jur anderen Fall würden wir ja genötigt sein, ihn ins Hospital zu bringen, „denn auf„ eine lange Kranken- psiege sind wir natürlich nicht eingerichtet."

„Er kann also das Bett noch nicht verlassen?" ,

„Nein, daran ist nicht zu de.nken. Er liegt tnt Fieber und ist außerordentlich schwach."

In diesem Arigenblick fiel draußen die Korridor- tür ins Schloß. Bruno Hartmann heftete einen durch­dringenden Blick auf Hanna, und jetzt, vielleicht unter dem Eindruck von Paul Grevenbergs voriger Äuße­rung, hatte auch sie zum ersten Male die Empfindung, daß etwas Unheimliches in de-m Blick dieses Menschen sei. Als hätte er seine unterbrochene Geschichte voll- ständig vergessen, drehte sich Harimann um, nachdem er sie ein paar Sekunden lang angestarrt hatte, und trat an das Fenster.

„Was haben Sie denn nur?" fragte Hanna.

Er blieb ihr die Antwort schuldig, atnii mit be­leidigter Miene stand Hanna auf.

„Sie gestatten wohl, daß ich nüch wieder entferne.

Da war er mit zwei Schritten an ihrer Seite und erfaßte ihre Hand, als wolle er sie gewaltsam zurück- halten. „Sie haben Ihre Sache gut gemacht, Fräulein Hanira", sagte er in hörbarer Erregung. „Darum also dieser unerwartete Besuch! Sie wollten Ihrem Schützling den Weg frei machen uiid wollten mich hindern, ihrn zu folgen." .

Mit erheucheltem Unwillen, aber mit innerem Beben befreite Hanna ihre Hand. „Was wollen Sie von mir? Ich verstehe Sie nicht." ,

geben Sie sich keine Mühe. Meine Augen fmb scharf, und wenn der Mann, der soeben das Hrms ver- ließ, auch den Mantel Ihres Vaters trug, so habe ich darum doch Herrn Paul Grevenberg in chm erkannt. Diese angebliche Krankheit war nichts als eine Konw- die, um ihm das Fortkonimen zu erleichtern. Sw haben ihin dazu verhvlfen, und Sie wissen unzweisel- hast auch, wohin er geht. Ich verlange, daß Sie es mir sagen."

„Sie sind von Sinnen. Auch wenn sich alles so ver- hielte, wie Sie da vermuten — woher nchmen Sw das Recht, irgendwelche Auskünfte m fordern oder Rechen»