Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener

wöchentlich

Verlag L«m«affe »1

MMlT-$*#e rE«t i«i 8 Utzr micgcnf Hl 74Ufik dciiM.

rt»r hfifet 70 Pfa monatlich, M t- vietteljährlich durch den Verlag

PanaJttfle&i Hnw ©rinaerlobi? M 3— vierteljährlich durch alle deuttchen Postanstalten. avsschlieHlich

aabeüeüer und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Taadlatt-Lrager.

12 Ausgaben.

Fernruf:

„T«gbi«tt-H»»»" Nr. KSS0-SS.

8»n * Uhr nwrjenä MS 8 Uhl adriM. »»her komlirgt.

as s ä ,ü a? e a» affik-um =n»fÄai

8M Srtolftr änfrabii? MOrrL.rdrrtrr «n,eigen in kurzen Z-unch-nr-umen entbrechender N-chl-i.

Samstag, 19. Juni 1915.

Kbend-Rusgabe.

Nr. 280.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen. Die neue Verteidigungslinie der Russen.

Br. Berlin, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nus dem Kriegsprcffequartier wird der „B. Z." gemeldet: Wie erwartet, haben sich die russischen Verteidiger LembergS hinter die W e r e s z y c a in das n ö r d l i ch e anschließende Hügelland in längst vorbereitete Deckungen zum voraussichtlich letzten Kampfe gestellt. Die Wereszhca und di« Grodekrr Teiche waren wohl für die Verbündeten ein s e h r schweres Annäherungshindernis, wenn die russische Front nicht in beiden Flanken durch Umgehung aufgerollt werden könnte. Heute ist bereits gemeldet worden, daß die österreichisch-ungarische zweite Armee den Flußabschnitt südlich Grodek an mehreren Stellen über­schritten hat, während die Armee Mackensen im Norden gegen die russischen Verteidiger im Hügellande Nirmirow drückt.

Die Lage vor Lemberg.

Berlin, 19. Juni. (Ktr. Bin.) Der Kriegsberichterstatter Kirchlehner meldet dem „93. L.-A." aus dem Kriegspr:ffe- quartier: Falls es gelingt, die Vorstellung der verbündeten Truppen an den Grodekeingängen dauernd zu behaupten, so wäre damit die wichtigste Anmarsck, stratze auf Hemberg dort genommen, wo sie ani besten zu verteidigen ist. £§ darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die rusiische a u p t it c 11 u n g bei Grodek auf den Hohen östlich, somit hinter Grodek gelegen ist. Ni-mirow liegt gleichfalls am Fuße der russischen Stellung, nordöstlich der Seenlinic.

Der russische Generalstabsbericht.

W. T-B. Petersburg, 18. Juni. (Nichtamtlich.) Mit teilung des Stabes des Generalissimus vom 17. Juni, 11 Uhr abends:

Die vorzeitige Einberufung (er Duma.

Br. Wien, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Beratung der Führer aller Dumafraktwnen ist di« vorzeitige Einberufung des Parlaments einstimmig e- schloffen worden. Fürst Mansyrew beantragte, b,c Jtevcps- duma möge in irgend einer Form den Wunsch aussprechen, daß das Kabinett nach dem Beispiel des französischen, englischen und belgischen Koalitionskabinettsum- gewandelt werde. Dieser Antrag wurde von Vertre­tern aller oppositionellen Fraktionen unterstützt. Die Mitglieder der Liechten erklärten, daß sie grundsätzlich gegen eine solche Umwandlung nichts einzuwenden hatten, daß sie sich jedoch gegen ein dem Parlamentverant- wörtliches Ministerium verwahrten. Der Duma­präsident RoSjansko erklärte, der Antrag könne viel­leicht in der nächsten Duma beraten werden, ihn gegen­wärtig zur Kenntnis der Regierung zu bringen, halte er für unmöglich. Die Vertreter der Fraktionen schloffen sich dieser Anschauung an.

weitere schreckliche Einzelheiten zu den Pogromen in Moskau.

W. T.-B. Stockholm, 18. Juni. (Nichtamtlich.) Trotz der strengen Zensur gelangen doch Mitteilungen iöber den Pogrom, der m der vorigen Woche m Moskau statt- gefuliven hat. in das Ausland, welche jedoch nur eine schwache Vorstellung von der unheimlichen Tragödie geben, die sich dort abgespielt ^hat. Daß eS weni­ger eine nationalistische als revolutionäre Be- ivegung war, tritt nun deutlicher zutage. Ter ursprüngliche Anlaß waren, wie ein schwedische Geschäftsmann, welcher heute aus Petersburg hier angeiangt ist, in der „Nya Dagltght Allehanva" erzählt, die russischen Niederlagen, be­sonders in Galizien, welche die Behörden auf die Dauer nicht geheimhalten konnten. Diese sowie die immer mehr zunehmende Teuerung, riefen eine Gärung in großem Maße hervor. Der erste Ausbruch ereignete sich cm vorigen

In der Gegend von Schau- len sowie westlich des Mittel­laufes des Njemen liegt keine besondere Veränderung vor. Sämtliche deutschen An­griffe während des Tages vom 15. Juni wurden zurückge­schlagen. Die Kämpfe dauern fort. Auf der Narewfront gab es keinen Kampf während des Tages. An der Bzura, flußaufwärts S o ch a c z e w, schlugen wir am 16. Juni die Angriffe kleiner deutscher Streitkräfte zurück.

In Galizien dauert die Schlacht an. Auf dieser Front haben die intensivsten Zusammenstöße am 15.

Juni zwischen dem San und der Stadt Lubaczow und in der Gegend von Bugede- Krakowiez stattgefunden.

Auf der Dnjestr-Front wurde der Feind in der Nacht vom 15. zum 16. in dem Ab­schnitt zwischen den Flüssen Zchsmenica und Stryj in Un­ordnung zurückgeworfen. Un­sere gesamte Beute am Dnjestr flußaufwärts Zu- rawno während des 14. und 15. Juni umfaßt 292 Offi­ziere, 8544 Soldaten, 6 Kanonen, 21 Maschine-.ige- wehre und andere Beute. Am 15. Juni überschritt der Feind den D n j e st r oberhalb und unterhalb N i z n i o w, östlich von Stanislau. Die Armeeteile, die oberhalb über­setzten, Ivurden vernichtet. Die Offensive der Abteilung, die unterhalb übergegangen war, wurde aufgehalten. Die Kämpfe dauern fort. In der Richtung von Chotin (Beffarabient be­drängten wir am 16. Juni zwischen Pruth und Dnjestr die gegnerischen Abteilungen.

Der russische Rückzug nach vefsarabien.

Bukarest, 19. Juni. (Ktr. Bln.) Nach Meldungen des „Universal" und des „Adverul" sind die russischen Streitkräfte in der Bukowina und in Beffarabren überall rat Rückzug be­griffen und konzentrieren sich ganz offensichtlich aus den: Ge- lande um die Festung Chotin. Ein österreichischer Flieger erschien über den russischen Stellungen südwestlich dieser Festung und schleuderte mehrere Bomben, die ein großes Depot für Artillertemunition zerstörten. Die Festung Chotin soll in den letzten Wochen sehr erweitert und verstärkt worden sein. Die rumäi>ischen Militärkritiker glauben, daß die Russen ver- zweifelte Anftrenauingen machen werden, um die Festung Chotin, die den Schlüffe! zu Bessarabien bildet, um jeden Kreis M halte».

M i t rw o ch bei welchem es über die Ausländer, besonders solche deutschen Namens, herging. Auch mehrere schwedi­sche Läden wurden von der Menge geplündert. Ein schwedi­sches Jutvelievgeschäst wurde nur durch die Geistesgegenwart deS Besitzers gerettet. Noch furchtbarer, als die Zerstörung der Läden, »var die Zerstörung der industriellen An­lagen. Erst als die angelegten Brände auf den russi­schen Stadtteil üoerzuspringen drohten, griffen die Polizei und Militär ein.

Berlin, 19. Juni. (Ktr. Bln.) Der Angehörige eines ne.r- tualen Staates, der den russischen Staub von seinen Füßen ge­schüttelt hat, nachdem er die Greuel,zencn der letzten Tage :n Moskau mit durchleben mußte, gibt der „Morgcnpost" von dem Wüten der echtrussischen Leute gegen die Moskauer mit deutschklingendem Diamin und von den Leiden ihres Unglücks eine eingehende Schilderung. Tie Unruhen begannen am 9. abends. Auf dem Hofe der Fabrik von Zyndel Uitd von Hybner versammelten sich etwa 1909 Arbeiter und stellten vorerst verschiedene Atiforderungen an den Direktor von Zyndel, Herrn Earlhen. Ta sie ihnen nicht sofort be­willigt wurden, begannen sie ttt der Fabrik das Zerstörungs-

werk. Herr Carlßeii flüchtete, aber ein Teil der Moeb-- brenner verfolgte ihn mrt wüstem Geheul. In seiner ^.odes- angst stürzte der Unglückliche sich in den Moskau-Kanal, um sich an das andere Ufer zu retten. Kaum war er an der Kanalböschung emporgeklettert, als. er auch schon von der Menschenmenge ergriffen und erschlagen wurde. Meh­rere weibliche Angehörige der Fabrrküirektoren wurden in den Kanal geworfen, und als sie nicht ertranken, so lange von oben mit Steinen beworfen, bis sie tot waren. Der Pöbel war Alleinherrscher in dm Stadt. Am Donners­tagfrüh zog er unter Porantragung der russischen gähne und der Bilder des Z a r e n und des Generali s s t m u s durch alle Straßen der Stadt. Abends waren die Hauptstraßen so überfüllt mrt M ö b e l t r ü m m e r n und Wagen, daß viel­fach die Straßenbahnen nicht mehr durchkommen konnten. ->on der Polizei war nichts zu sehen. Der durch die Plünderung angerichtete Schaden wird aus 300 bis 4 00 Millionen R u b e l geschätzt.

Br. Stockholm, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.)

Ein aus Moskau heimkehreuder Götheborger Ingenieur teilt Einzelheiten über die russische Deuts chenyetze mit, welche die Angaben über die Höhe des angerichteten Schadens glaubhaft erscheinen kaffen. Aus einer Pianohandlung wur­den über 60 Klaviere zum Fenster hinousgeworfen. Darunter Flügel im Werte von 8- bis 10 000 M. Aus einem Machmen- lager stürzte der Pöbel mit unendlicher Mühe Mascyrnen von 4- bis 5000 Kilogramm Gewicht durch die Fenster. Em Galanteriewarengeschäft, das 20 Schaufenster hatte, wurde m weniger als einer Stunde völlig ansgeraubt. Kmetres Uxrtete man eine Zeitlang auf der Straße in den spitzen, e-eiden- zeugen, Federn und Bändern. Mit dem Ausräumen großer Lagerbestände eines dreistöckigen Herren- und Damenkon­fektionshauses waren die plündernden Weiber den ganzen Nachmittag hindurch beschäftigt. Die Straßenbahnen waren überfüllt mit Menschen, die ihre Beute wegschleppten.

Revolutionäre Stratzenkundgebungen gegen den Krieg.

Sr. Wien, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „8 Uhr-Abendblatt" meldet aus Petersburg die Wre- dercinstellung des Eisenbahnverkehrs nach Reval und Riga. In Reval haben r e v »l u t t» « n r e Straßenknndgebungen gegen den Krieg stattgeftm- de«, die zu Zusammenstößen führten. Man spricht von ä# reichen Verwundeten. Die Zeitungen in Reval haben thr Er- scheinen einstellcn muffen. t

Ermordung Kriegsgefangener auf Befehl russischer Offiziere.

! „Nach dem vor einigen Tagen in deutschen Zeitungen ver­öffentlichten Briefe eines russischen Soldaten Huben russische Offiziere in wiederholten Fällen, wenn ihre Truppen Niederlagen erlitten hatten, deutsche und östw- reichisch-ungariüche Kriegsgefangene ermorden lassen, diese varüaristhe Handlung. von den Russen häufiger gegangen ivird, beweist — wie es in einer Zuschrift an die ..Franks.

Z t g." weiter heißt — „ein Zettel, den russische Soldaten rn der Nacht zum 2. Juni unweit eine: deutschen Stellung bei Zalesie nahe Kobylin an einem Stock befestigt haben, dämmt er von den deutschen Soldaten gelesen werde. Der Settel tragt in russischer und deutscher Sprache folgende Inschrift: „Es ist befehlt, die zehn ersten deutschen Kriegsgefangenen, als Erfolg der mörderischen Thaten, die sich einige deutsche Tmwpen e> landen, zu erschießen." Einen Grnnd zu diesem Befehl , ott ehrlichen Soldaten einen schimpflichen Tod and-rvht, hak^n unsere Trappen, wie sich von selbst versteht, nicht gegeben. ES handelt sich lediglich, um den feigen Versuch der Russen, «a tvÄijulosen Kriegsgefangenen ihren Ärger und ihre Wut raigE die erlittenen Niederlagen auSz^rssen."

Oer Gipfel englischer Medertrscht.

Es ist noch in frischer Erinnerung, welche Empörung es vor Monaten in Deutschlands erregte, als bekannt tvurde, ldtr englischen Handelsschiffe hätten von chrer Neaier-ung den Rat erhalten, unter falscher neu- t r a l e r Flagge zu segeln, um auf diese Werse den dem- scheu ll-Booten leichter entgehen zu können.

Auch int neutralen Ausland wurden stharfe Urterle über diesen englischen Betrrrgsversuch laut, .der nichts mit einer erlaubten Kriegslist zu tun hatte. Aber es fehlte leider bei den neutralen Staaten an der nötigen Energie, sich erfolgreich bm Eng- land zu verbitten, daß man ihre Flagge miß­brauche. Die Vorstellungen, die inan z. B. von seiten Hollaiids, auch von seiten Amerikas erhob, hielten sich in allM bescheidenen Grenzen. Deutschland konnte es ruhig mit ansehen. Schlmimstenfalls riskierte einmal eines unserer II-Boote, ein neutrales Schiff, das es für ein englisches mit falscher Flagge hielt, anzuhalten. Dann mußte nran eben für den Schaden' ausiommen. Jedenfalls ließ maii sich von deutscher Seite durch dieses betrügerische Manöver nicht cinschüchtern.^ Es ver­mehrte nur die ungeheure rnoralische Schuld, bte England in diesem Krieg auf sich häuft.

Jetzt aber werden vir plötzlich au einem tief- ergreifenden tragischen Beispiel daran^ er­innert, wie England mit seiner betrügerischen Hmrer- lift .neuen uns gearbeitet hat. Es liegt, wie wir uut».