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Der Roman.

h i ,'is , Morgen-Ve ilage des Wiesbadener Tagblalts. !e==»i

Nr. 139. Freitag, 18. Iuni._ 1915,

(IG. Fortsetzung.)

Um Me Beute.

Kriminalroman von Neinhold Ortman«,

(Nachdruck verboten.)

Hamm schien noch inimer unschlüssig zu Mildern, ober er ließ nicht nach, in sie zu dringen, und endlich glaubte sic seiner sicher genug zu sein, um das Anliegen vorzubringen, dem zuliebe sie nun schon seit Tagen ihr kokettes Spiel mit ihm getrieben.

„Es ist die Sorae um einen mir nahestehenden Menschen, die mich bedrückt — die Sorge um einen Verwandten, der ohne sein Verschulden ein Opfer un­glücklicher Verhältnisse geworden ist. Ich kann Ihnen seinen Namen nicht nennen, und dieser Name hat auch nichts zu schassen mit dem, woraus cs für mich an­kommt. Tenn es handelt sich einzig darum, diesein Un­glücklicher! zu einer Flucht in das Ausland zu verhelfen. Er ist hier durch seine Leichtgläubgkeit und Unerfahren- heit in eine fatale Kriminalsache verwickelt worden, und er muß stündlich darauf gefaßt sein, >daß man ihn verhaftet.- Eine Flucht, die er unter seinen! Namen an- rrätc, würde ihn wahrscheinlich nicht weit gelangen lassen; um aber unter einen! anderen Namen zu reisen, schlt cs ihnr an denn Notwendigsten, an den erforder­lichen Papieren. Man hat ihm gesagt, daß es nicht ve- sonders schwierig sei, solche zu beschaffen, aber er ist wohl zu ungeschickt und zu wenig bcüvandert m solchen Dingen, um es zu versuchen. So muß er denn seinem Verhängnis entgggengchen, vor dem ich ihn so gern bewahrt sähe."

Mit ernster Miene hatte Hartmann chr zugehort. „Das ist allerdings eine bedenkliche Geschichte, mein liebes Fräulein", sagte er. „So leicht, wie man es Ihrem Verwandten dargestellt hat. ist die Beschaffung solcher Papiere durchaus nicht."

„Aber Sie haben ja selbst schon erzählt, daß es Ihnen ohne Schwierigkeiten gelungen ist, aus solche Art Ihren Verfolgern zu entgehen."

„Ja — allerdings. Allein tvas man für die eigene Rettung wagt, riskiert rnan nicht ohne weiteres für einen anderen. Welches würde denn mein Lohn sein, Fräulein Hanna, wenn ich Ihnen behilflich wäre, Ihren Verwandten glücklich über die Grenze zu bringen?"

„Ist das uneigennützige Freundschaft, Herr Hart- -nanu, die sich vorher ihres Lohnes versichert? Ich wußte ja freilich schon, daß man dergleichen von keinem Manu erwarten darf." , ^ _

Er gab sich den Anschein, seine unbedachte Frage schon wieder zu bereuen. „Verzechen Sie, es war nicht so geineint. Ob Sie mich für meine Dienste später be- lohnen oder nicht, soll ganz in Ihr Belieben gestellt sein. Jedenfalls bin ich glücklich, daß Sie mich Ihres Vertrauens gewürdigt haben, und ich werde alles tun, was in nieinen Kräften steht, uni es zu rechtfertigen. Wollen Sie mich mit Ihrem Verwandten u bekannt »rachen, damit ich weiß, wie ihm zu helfen ist?"

„Das ist unmöglich. Wenn Sie mir Ihren Beistand seihen wollen, kgnn es uur auf andere Weise fern. Sie sagten, daß es Leute gcht, die sich mit der Herstellung pon Ausweis-papieren befassen, und alles, was ich von

Ihnen erbitte, ist, daß Sie mir einen solchen Mann zu«

„Das dürste sich leider kaum tun lassen. Denn Slö begreifen, daß man in solchen Dingen mit äußerster Vorsicht zu Werke gehen muß. Man kann diese Leute nur in ihren Schlupfwinkeln aufsuchen, und die Orte, an denen sie sich aufhalten, sind zumeist nicht für den Besuch einer Dame eingerichtet."

„O, ich würde keinen Anstoß daran nehmen, und was hindert Sie, mich zu begleiten, wenn Sie ver- muten, daß mir etwas zustoßen könnte?"

Er fügte sich endlich mit scheinbarem Widerstreben ihrem Willen. „Gut denn", sagte er. „Ich will es versuchen. Wenn ich Sie vorhin recht verstanden habe, ist die Älche sehr dringend?"

„Sie ist so dringend wie nröglich. Jeder gewonnene Tag, jede gewonnene Stunde tvürde für meinen Ver­wandten von unschätzbarem Werte sein."

„Ich werde also unverzüglich meine Erkundigungen einziehen. Wenn es mir gelingt, den Mann, den ich im Auge habe, sogleich zu finden, können Sie noch heute abend mit ihm reden."

„Ich würde Ihnen von ganzem Herzen dankbar

° Es war beinahe wie ein Aufleuchten von Zart» lichkeit, was er in ihren Augen sah. Noch einmal wagte er es, sie zu uinfassen und an sich zu ziehen, aber Hanna wußte sich mit sanfter Gewalt der beabsichtigten Lieb­kosung zu entziehen! .

„Nicht so!" sagte sie leise und tvar rm nächsten

Augenblick verschwunden. ,

Aber die Genugtuung, die ihr Herz erfüllte, wurde sich mit einer Empfindung großer Unruhe gemischt haben, wenn sie das eigentümliche Lächeln geschcn hätte, das um Hartinanns Lippen spielte, während er ihr nachblickte.

Das Mittagessen tm Wendrinerfchen Hause verlief wie gewöhnlich. Hartmann war von liebenswürdigster Unbefangenheit, und auch Hanna verriet mchts von der Ungeduld, die sie verzehrte. Geflissentlicher noch alS sonst vermied sie es, mit Paul Grevenberg zu ftrechen, oder auch nur einen Blick mit ihm zu tauschen. Schweig­sam, wie er erschienen tvar, zog sich der ehemalige Kassierer nach beendeter Atahlzeit zuruck. -Hanna »rächte sich an dem im Zinmner sichenden Glasschrank zu schassen, und jetzt fand Bruno Hartmann Gelegen- heit, ihr unbemerkt einige Worte zuzuflüstern.

„Es ist alles in Ordnung. Wenn Sie wollen, kön» wen wir den Mann heute abend aufsuchen. Wer ich sage Ihnen noch einmal: es tst kein äugenchmer Ort, an den ich Sie führen nuttz."

„Das ist einerlei", gab sie chenso lerse zurück. „Wik können uns um acht Uhr an dem Kiosk rm Stqdt- garten treffen, denn ich inöchte nicht, daß man uns zu­sammen von hier fortgchen sieht-"