No. 574. 49. Jahrgang. Wiesbadener Tagblatt <Abend-A«sgabe). Verlag: Langgasse 27.
Kleine Chronik.
Aus Bremerhaven wird der „Köln. Volksztg." geneidet: Der Heringslogger „Weser" ist mit 14 Mann Besatzung in der Nordsee unt.ergegangen.
Großes Aufsehen in der Berliner Gesellschaft erregt das Verschwinden des Or. W. v. Li ebermann. Der Verschwundene hatte am Pariser Platz Nr. 7 bis zum 1. April o. I. eine luxuriös eingerichtete Wohnung inne. Einzelne seiner Gemälde hatten einen Kunstwerth von 30- bis 40,000 Mk. Er war Mitglied des Union-Klubs und nicht nur als Sportsman, sondern überhaupt in der Berliner Gesellschaft eine bekannte Persönlichkeit, die für sehr reich galt. Hierauf ließen auch seine Neigung zu großen Geldausgaben schließen. Er hat in Berlin nicht unbeträchtliche Schulden zurückgelaffen.
Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Heilbronne Gestern Früh gegen 8 Uhr entstand in der Oelfabrik von Hahn Großfeuer, das auch die benachbarte Fabrik von Hauber ergriff. Beide Fabriken sind gänzlich niedergebrannt. Die Bleiweiß-Fabrik von Rund ist ebenfalls zerstört. Der große Schaden ist ziffernmäßig noch nicht zu übersehen. Vorläufig .scheint eine weitere Gefahr beseitigt.
Zu dem von uns aus F o r st (i. Lausitz) vom 28. November initgetheilten religiösen Paroxysmus der Familie Katschke in dem Dorfe Datten wünscht der Vorsteher der Apostolischen Gemeinde zu Forst i. L. die Feststellung und Veröffentlichung, daß die Dattener Religionsgemeinde, deren Führer der in Sorau internirte Katschke ist, in keinem Zusammenhänge steht mit der in Forst agirenden Apostolischen Religionsgemeinde, fälschlich Jrvingianer genannt. Die Dattener Sektirer sind dem Vernehmen nach völlig konfessionslos und nicht zur Apostolisch- katholischen Kirche gehörig.
Eine Feuersbrun st zerstörte das 60 Werst von Mitau gelegene prächtige Schloß des Staatssekretärs Grafen Pahlen._ •
Letzte Nachrichten.
Eontinental-Telegraphen-Eompagnie.
Wien, 8. Dezember. Der österreichisch-russische Handclsverei:: wählte heute in der Angelegenheit der Erneuerung des Handelsvertrags mit Rußland einen Anschluß,. der die Wünsche der Industriellen feststellen und nne der Regierung zu unterbreitende Denkschrift aus- ,arbeiten soll. Im Lause der Berathung theilte der Vorsitzende unter lebhaften: Beifall der Versammlung init, daß sowohl Ministerpräsident Körber als der Handels- Minister Freiherr v. Call dem Verein ihre Mithülfe zugesichert Und erklärt hatten, eine. Erweiterung der Ausfuhr nach Rußland und den Balkanstaaten liege ihnen außerordentlich am Herzen. Auch der .russische Botschafter Graf Kapnist habe einer Abordnung versichert, er werde mit seiner ganzen Kraft für eine bessere Gestaltung der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Oesterreich wirken. — Der Verein betraute sodann den Vorstand mit den vorbereitenden Schritten zur Schaffung einer österreichiscken Abtheilung auf der in Moskau im Jahre 1903 stattfindenden internationalen Ausstellung.
Lemberg, 8. Dezember. Heute Mittag fand unter Betheiligung von etwa 8000 Personen die Enthüllung des Denkmals für den Dichter Ujejski statt. Nach Beendigung der.Feier zogen zahlreiche Theilnehmer von derselben nach dem deritschen Konsulat. Eine starke Polizeiabtheilung sperrte den Platz vor demselben ab. Me Demonstranten durchbrachei: jedoch die Polizeikette und zogen unter Absingen von Liedern an dem Konsulatsgebäude vorbei, worauf sic auf demselben Wege zurückkehrten. Danach zog die Truppe vor das Goluchowski- Tenkmal, wo sie durch herbeigerufenes Militär zersprengt wurde. Ein Theil der Demonstrantei: sammelte sich sodann nochmals vor dem Ujejski-Denkmal und zerstreute sich, nachdem mehrere Lieder gesungen waren.
Paris, 8. Dezember. Gegenüber der Behauptung einer Zeitung, daß der ehemalige Gesandte Pichon sich in Peking Pelzsachen in: Werthe von 250,000 Francs
Verve ließ sich der sehr lebhaft applaudirte Künstler in der zu- gegebenen Polonaise von Vieuxtemps Hinreißen, welche im Publikum unweigerlich zündete.
Die Kurkapelle hatte in den beiden vorgenannten größeren Werken von Wagner und Beethoven genügende Gelegenheit, ihre Schlagfertigkeit zu offenbaren: unter Herrn
Kapellmeister Lüstners Führung wurde mit Aufmerksamkeit und Sicherheit accompagnirt. Wagners „Faust-Ouverture", welche den Abend eröffnet hatte, war in der Wiedergabe durch Klarlegung der Conturen und sorgsame Abstufung der Klangfarben ausgezeichnet, während sich in der Schluhnummer, sechs charakteristischen Stücken aus Tschaikowskys Ballet „Casse- Noisette" — einem Merkchen von zierlichster Kleinkunst — jene geschmackvolle Nuancirung und jene technische Eleganz und Nettigkeit der Ausführung bekundeten, welche Herr Kapellmeister Lüstner und seine Kapelle für solche pikanten Aufgaben stets bereit halten. ________^___ 0. D
Aus Kunst und Leben.
* Der Ankauf der Gallerte Borghese um 3,600,000 Lire durch das italienische Parlament setzt den italienischen Staat in den Besitz der größten und schönsten Privatgallerie der Welt. Und um welche Bagatelle! Die herrliche Sammlung, aus der die Namen Tizian. Correggio, Rafael, Botticelli besonders hervorleuchten, wird von Kennern auf Dutzende von Millionen geschätzt, ja für Tizians „himmlische und irdische Liebe" allein bot vor einigen Jahren der Pariser Rothschild die Summe von fünf Millionen. Der mit der Regierung vereinbarte und obendrein auf zehn Jahresraten von je 360,000 Lire vertheilte Kaufpreis erscheint also thatsächlich irisorisch, und Niemand kann bezweifeln, daß Italien mit der Sache ein vorzügliches Geschäft gemacht hat — ganz abgesehen davon, daß nunmehr jedem etwaigen Verzetteln und Verschachern der köst lichen Werke ins Ausland, nach dem Vorbild der Fürsten Chigi und Sciarra, vorgebeugt ist. — Außer der Gallerte wird auch noch die prächtige Villa (Park) um drei Millionen angekauft, Umberto I." genannt und mit dem Pincio verbunden werden. Die Römer, die bisher den Eintritt in ihren „Thiergarten" noch mit einem Obolus an den halbverkrachten Principe bezahlen mußten, werden sich künftig also, wie andere Großstädter, um-
aiigeeignek habe, erklärt Pichon, lediglich für 900 Francs Pelzsachen gekauft und dem Händler baar bezahlt zu haben.
Cherbourg, 8. Dezember. Das Unterseeboot „Triton" machte auf der Fahrt zwischen Cherbourg und Cap de la Heve während 24 Stunden interessante Versuche. Das Boot fuhr auf der Oberfläche, tauchte unterwegs und lud unterwegs die Accumulatoren. Alles ging sehr gut, trotz des schlechten Wetters.
Lyon, 8. Dezember. Etwa 1500 Arbeitslose veranstalteten in verschiedenen Gruppen Kundgebungen gegen die Stadtverwaltung. Me Polizei ging mehrmals gegen sie vor, wobei einige Schutzleute durch Steinwürfe verletzt wurden. Schließlich zerstreute berittene Muni- cipalgarde die Manifestanten. Dreißig Personen wurden verhaftet.
Christiania, 9. Dezember. In: National-Theater
fand heute Abend zu Ehren der hier weilenden deutschen Marineoffiziere und Unteroffiziere eine Festvorstellung statt; zu Beginn derselben wurden die „Wacht am Rhein" und die norwegische Nationalhymne gespielt, dann begann das Festspiel. In der deutschen Gesellschaft wurde Abends ein Festmahl veranstaltet, an dem Prinz Heinrich von Preußen, der deutsche Gesandte v. Leyden und eine größere Anzahl von Offizieren des deutschen Geschwaders theilnahmen. Der deutsche Gesandte v. Leyden toastete auf den König Oskar und Kaiser Wilhelm; der Vorsitzende der deutschen Gesellschaft auf den Prinzen Heinrich, welcher mit einem Hoch auf die deutsche Kolonie dankte. Weitere Trinksprüche wurden aus die norwegische und deutsche Marine ausgebracht. An Kaiser Wilhelm wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt.
wb. Madrid, 9. Dezember. Man glaubt, daß die von der Kammer zur Prüfung der Vorlage, betreffend die Zahlung der Zollabgaben in Gold, eingesetzte Kommission die Zollbehörden ermächtigen werde, für sämmtliche Einfuhrartikel die Zahlung der Zölle'in Gold zu verlangen.
Depeschenbüreau Herold.
Berlin, 9. Dezember. Nachdem die Vertreter der deutschen Reichsregierung sich über die Tendenz der deutschen Handels-Politik, welche sie mit dem neuen Zolltarif iuauguriren wollen, vor der Oeffentlichkeit des Langen und Breiten aüsgesprochen haben, ergreift der russische Finanzminister Witte zum zweiten Male selber das Wort, um seinerseits festzustellen, wohin eine solche deutsche Handels-Politik nach keiner Ueberzerigung führen mutz, lieber die allgemeine Wirkung dieser Politik sich auszulassen, ist nicht seines Amtes. Er faßt nur die Wirkung der angekündigten deutschen Tarif-Politik auf das handelspolititche Verhältniß zwischen Deutschland und Rußland in einem Artikel eines; Petersburger Blattes ins Auge und kommt dabei zu dern Schluß: entweder Fortsetzung der bisherigen Vertrags-Politik auf der Basis des Vertrages von 1894 oder Zollkrieg. Zu diesem Artikel bemerkt das „Berliner Tageblatt": Die ganze
Fassung deutet daraufhin, daß Herr v. Witte zu einer Erhöhung der Zollschranken nur ungeri: sich versteht. Er steht aus dem Standpunkte, daß Deutschlands und Rußlands handelspolitische Interesse:: Hand in Hand gehen müssen, wenn beide Länder nach ihrer derzeitigen wirth- schaftlichen Struktur Vortheile 'Haben sollen. Wir wünschen nur, die Veröffentlichung der Auslassungen Wittes wären ein Symptom dasür, daß die deutsche Regierung im Interesse unserer Volkswirthschaft auf die Ausführungen des russischen Ministers das Gewicht legt, das sie verdienen.
Berlin, 9. Dezember, lieber 2000 Polen h:elten gestern Nachmittag wegen der Wreschener Vorgänge eine große D e m o n st r a t i o n s - V e r s a m m l u n g ab, die vom polnischen demokratischen Verein einberufen war. Dieselbe wurde daher von der Polizei als Vereins-Versammlung angesehen und die Entfernung der zahlreich erschienenen Frauen von derselben angeordnet. Für die Polinnen Berlins und Umgebung soll nun eine besondere
sonst der schönen Natur erfreuen dürfen . . . wenn sie sich nämlich Sonntags von ihren Ausflügen vor die Thore und den Osterim trennen können. .
* Uebcr das „Kistenfahrzeug", in welchem der Buda- pester Buchdrucker Johann Beck die Reise Uber den Ocean unternommen^ hat, liegen jetzt nähere Mittheilungen vor: Die Kiste. T. B. 71 signirt.'war 6 Fuß lang, 3 Fuß hoch und 4 Fuß breit; ihr angeblicher Inhalt war ein Modell. In deutscher Sprache stand darauf: „Diese Seite oben, Vorsicht". In der Kiste war ein alter mit Wäsche gefüllter lederner Handkoffer, der als Kopfkissen gedient hatte. Der Boden der Kiste war 4 Zoll hoch mit Werg bestreut und dies diente als Bett. Ein dicker, langer Ueber- zieher diente als Decke. Zwei Dutzend Sodawafferflaschen mit Kaffee waren an den Seiten angebracht. Was Beck sonst für Nahrung bei sich hatte, weiß man nicht. Er scheint mehrere Tage gefastet zu haben. In der Kiste waren auch ein Regenschirm, ein Clinderhut, einige Bücher, Papier, Couverts und ein Packet. Briefe von seiner Braut. Beck hatte seine Kiste als Expreßfracht verschicken lassen. Dieselbe muhte deshalb ziemlich in der oberen Schicht der Ladung behalten und dann gleich zuerst mit ausgeladen werden. Beck hatte Freunde ins Vertrauen gezogen, denn ein Exprcßwagen fuhr zweimal am Pier vor und verlangte Kiste „D. B. 71". Ein gut gekleideter Mann erkundigte sich auch' danach. Die „Palatia" hatte eine ungewöhnlich lange Fahrt. Man nimmt an. daß Becks Nahrung einige Tage vor seiner Ankunft ausging. .Einige Flaschen enthielten noch Kaffee. Warum Beck diese merkwürdige Reise machte, weiß man nicht, er muß für Nahrung und Fracht 12 Dollars ausgegeben haben, und für 25 Dollars hätte er ein Zwischendeckbillet haben können. Beck hatte 3 Mk. bei sich. Vielleicht wollte er die Einwanderungsbehörden umgehen. — Der Gefahr, nach seiner Genesung als mittelloser Einwanderer von den amerikanischen Behörden zuriickge- schickt zu werden, wird Beck entgehen, da ein reicher Amerikaner für ihn bei der Einwanderungsbehörde Bürgschaft leistet. — Sollte dieser reiche Amerikaner nicht etwa ein Impresario sein, der mit dem glücklich gelandeten Kistenreisenden nunmehr eine Tournee durch Amerika unternehmen will?
* Verschiedene Mittheilungen. Hermann Suder- manns Roman: „Es war" ist, wie aus Petersburg gemeldet wird, von Grigorew (Ginzburg) zu einem russischen
9. Dezember 1991. Teile 5.
Versammlung einberufen werden. Der Referent führte aus, daß diepreußische Polen-Politik das Gegentheil von dem erzielt habe, was sie erstrebe, indem sie den nationalen Geist in allen drei Theilen Polens neu erweckt und sogar bewirkt habe, daß alle Partei-Unterschiede der», schwunden seien. Sensation erregte die Mittheilung, daß panslawistische russische Sendboten die Erregung unter den Polen zu Gunsten Rußlands auszunutzen suchten, sodaß man nicht jedem Polen trauen dürfe, der seiner Entrüstung über die Wreschener Angelegenheit Ausdruck verleihe. In der Debatte, an der sich auch polnische Socialisten betheiligten, wurde die polnische Reichstagsfraktion äußerst heftig angegriffen. Die Abgeordneten wurden als Streber und feige Höflinge bezeichnet, die nicht werth seien, auch nur eine polnische Stimme zu erhalte::. Ein Redner erntete mit den Worten „Polen war und wird ewig sein" stürmischen Beifall. Schließlich gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, in welcher die Polen Berlins den Opfern des Wreschener Prozesses ihr tiefstes herzliches Mitgefühl ausgesprochen, in welcher ferner alle Landsleute aufgefordert werden, für dieselben Sammlungen zu veranstalten und gegen die systematische Entziehung der elementarsten Rechte, den Unterricht in der Muttersprache durch die preußische Regierung protestirt. Schließlich bezeichnet die Resolution das "Verhalten der polnischen Reichstagsfraktion als unwürdig des polnischen Namens.
Berlin, 9. Dezember. Das gemeinsame Grabdenkmal der Parlamentarier Eduard Lasker und Ludwig Bam- berger wurde gestern Nachmittag auf dem hiesigen Fried- Hofe in der Schönhauser Allee feierlich eingeweiht.
Berlin, 9. Dezember. Wie das „Berliner Tageblatt" aus Madrid n:eldet, bat in der letzten Kammersitzung der Deputirte für Malaga den Finanzminister, das von Kaiser-Wilhelm aus Anlaß der „Gneisenau"-Katcistrophe für das dortige Hospital geschenkte bakteriologische Kabinett zollfrei hereinzulassen, da die Provinzkassen erschöpft und eine Ablehnung des Geschenkes unmöglich sei. Der anwesende Fumnzminister versprach die Bitte zu unterstützen. In den: gleichen Sinne spricht sich auch die Presse aus.
London, 9. Dezember. Ein amtlicher Bericht über die Pest auf St. Mauritius für die mit dem 3. Dezember schließende Woche stellt 52 Pestfälle fest, von denen 37. tödtlich verliefen.
Belgrad, 9. Dezember. In dem neuen Preßgesetz werden nur der König, die Königin, deren Eltern und Kinder als unverletzbare Mitglieder des Königshauses bezeichnet. _'_
VoUrswirthschaftliches.
Geldmarkt. Coursbericht der Frankfurter Börse vom 9. Dezember,/.Mittags 12^4 Uhr. Kredit-Aktien 206.80, Diskonto-Kommandit 179.10,. Staatsbahn 141.20, Lombarden 18.60, Gotthard 164, Nordost 100.40, Laurahütte 182, Bochumer 168.60, Gelsenkirchener 170.50, Harpener 160. Tendenz: schwach. ' _
Geschäftliches.
JJJJ. CrtMnu.n jede Preisl., bestes Material, imz-ocmrille hochelegant, -willkommene
Leonhard llitz, Fabrik gegr. 1839, Weihnachtsgabe.
3«. liangjrasse 3«. Heueste Marke „Smart“.
Die Abend-Ausgabe umfaßt 18 Seite«.
Der unerlaubte Nachdruck unterer Or iginal-Artikel ist verboten. _
Leitung: W. Schutte vom Brüht in Wiesbaden.
Verantworllich lür Politik und Feuilleton: ÜB. Schulte vom Brühl: sür de» übrigen redaktionellen Theil. C. Nörherdt: sür die Anzeigen und Reklame», I. Ebert: jammtlich in Wiesbaden
Druck und Verlag der L. Schellenberg'ichen Hoj-Buchdruckeret in Wierbuben.
Drama unter dem Titel „Ohne Reue" verarbeitet worden und soll, dem „Kl. I." zufolge, demnächst auf einer dortigen Privatbühne aufgeführt werden.
Im Residenz-Theater ging nach längerer Pause • am Samstag der lustige Kraatz - Hirsch - berger'sche Schwank „B o ck sp r L n g e", neu einstudirt, in Scene und bereitete, Dank der vortrefflichen Darstellung, den Theaterbesuchern wieder einige vergnügte Stunden. Im zweiten Akt, in dem die komischen Verwickelungen und Verwechslungen ihren Höhepunkt erreichen, schallte das Haus von lauter Heiterkeit wieder. Der Besuch war nicht besonders groß, doch darf dies nach den vorangegangenen Strapazen des Andreasmarktes nicht Wunder nehmen.
August Strindbergs neues, historisches . Drama „E n g e l b r e ch t" hatte bei der ersten Ausführung im Schwedischen Theater in S t o ck h o l m starken Erfolg.
Ein Lexikon, in dem alle in Zolas Romanen vorkom- menden Personen alphabetisch aufgeführt werden, beginnt in Paris zu erscheinen. Der erste Band mit 1200 Personennamen, die nur der Romanreihe „Die Rougon-Macquart" entnommen sind, ist bereits im Buchhandel zu haben.
Die E r h a l t u n g der schwäbischen Volts- trachten, die immer mehr schwinden, hat sich ein Comitci zur Aufgabe gesetzt, das in Stuttgart zusammentrat. Es wurde beschlossen, einen Volkstrachten-Verein ins Leben zu rufen, der nach dem Muster solcher Vereine in Bayern und Baden die malerischen und gediegenen Trachten erhalten will. Auch ein Trachtenmuseum wurde geplant. -
Auf dem Boden eines Hauses in Osnabrück wurde.' laut der „Osn. Vztg.", ein großes, werthvolles Oel- qe m älde, aus der besten Zeit d e r K ö l n e r Schule stammend, aufgefunden. Das 2,80 Meter lange, 1,70 Meter hohe, leider beschädigte Gemälde zeigt in sehr warmen Farben und lebhafter Auffassung die Weihe und Einkleidung junger Novizen durch den h. Äbt (Dominikus?) eines Dominikanerklosters. Das Kolossalqemälde, welches 36 Figuren von hervorragender Schönheit zeigt, sowie die herrliche Architektur stempeln das Bild, welches der Zeit um 1460 angehört, zu einem hervorragenden Kunstwerke. Aufgcsunden und erworben wurde cs von Herrn Franz Thiesing jun.
