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Donnerstag» 17. Juni 1913.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 275. * 63. Jahrgang.
Die bisherige Siegesbeute tnt Mi
122 408 Gefangene. 53 Geschütze. 187 Maschinengewehre und 58 rirunitionswagen
Der Tagesbericht vom 16. Juni,
W. T.-B. Großes Hauptquartier. 16. Juni. (AmÜich»)
westlicher Kriegsschauplatz.
Starke französisch -engliscke Angriffe an vielen Stellen der Zront gescheitert.
Wieder einmal veranlaßt durck die russischen Niederlagen, griffe» Franzosen und Engländer gestern an vielen Stellen der Westfront mit starken Kräften an.
Ten Engländern gelang eü bei D P e r n unsere Stellung nördlich des Teiches von Bellewaards etwas zurückzudrücken. Es wird dort noch gekämpft. Dagegen sind zwei Angriffe von 4 englischen Divisionen zwischen der Straße Estaires-La Bassee und dem Kanal von La Basses vollkommen zusammen gebrochen. Unsere tapferen westfälischen Regimenter und dort eingetroffene Regimenter der Garde wiesen den Ansturm nach erbitterte« Nahkämpfrn restlos ab. Der Feind ließ mehrere Maschinengewehre und rmr« Minenwerfer in unseren Händen. An die Stellungen der mit größter Zähigkeit sich behauptenden. Badener bei der Lorettohöhe wagte sich der Feind nach seinen Niederlagen vom 13. und 14. Juni nicht wieder heran. Bei M o u l i u - s o u s - T o u v e n t ist der Kamps noch im Gange. Ein feindlicher Durchbruchsversuch in den Vogesen zwischen den Bachteileu der Fecht und Lauch scheiterte. Dort wird nur noch nordwestlich von Metzeral und am H i l s e n f i r st gekämpft. Im übrige» sind die Angriffe schon letzt abgeschlagen.
Westlicher Kriegsschauplatz.
2040 Gefangene auf der Front Lispowo- Ualwaria.
Russische Angriffe gegen die deutschen Stellnngcn am D a v i n a-Abschnltt (südöstlich von Mariampol). östlich von Angustow und nördlich von Bolimow. wurden abgewehrt.
Unser Borstoß auf der Front Lispowo-Kalwaria gewann weiter Boden. Mehrere Ortschaften wurden genommen, 2040 Gefangene und 3 Maschinengewehre wurden erbeutet.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
40000 Mann Kriegsbeute des Generals v. Mackensen.
Nördlich der obere» Weichsel wiesen die Truppen des Generalobersten W » Y r s ch russische Angriffe gegen Stellun , gen ab, die wir am 14. Juni den Russen entriflen hatten. Die geschlagene russische Armer versuchte gestern auf der ganzen Front, zwischen dem San nördlich von Siniawa und den Dniestrsümpfen östlich von Sambor die Verfolgung der verbündeten Armeen zum Stehen zu bringen. Am Abend war sie jedoch überall aus ihren Stellungen bei Cieplico (nördlich von Siniawa). südwestlich Lubascow-Cawadowka-Abschnitt (südwestlich Niemipow), westlich Jaworow, westlich Sadowa- Wisznia nach hartem Kanchf geworfen. Es wird verfolgt.
Die Armee des Generalobersten v. Mackensen hat seit dem 12. Juni über 40 000 Mann gefangen genommen und 69 Maschinengewehre erbeutet.
Zwischen den Dnjestrsümpfen und Zurawno haben die Russen etwas Raum gewonnen. Die Gesamtlage ist dort unverändert. Oberste Heeresleitung.
Ver österreichisch - ungarische Tagesbericht.
V-'. T.-B. Wien, 16. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich der- lautet vom 16. Juni, mittags.
Nussischer Kriegsschauplatz.
Die russischen Stellungen südlich der Lemberger Strotze erstürmt.
In Galizien konnten dir Russen dem allgemeinen Angriff der verbündeten Armeen trotz zäher Gegenwehr nicht standhalten. Bon unseren siegreichen Truppen hart verfolgt, weichen die Reste der geschlagenen russischen Korps über Cewkow. LubaSzow und Jaworow zurück. Südlich der L e m- berger Straße hat die Armee Böhm-Ermolli heute nacht die russischen Stellungen auf der ganzen Front e r - st ü r m t und den Feind über Sadow-WiSzni und Rudki z u - rückgeworfen.
Südlich des D n j e st r wird im Vorfeld der Brückenköpfe gekämpft. Truppen der Armee Pflanzer haben gestern früh N i e n i o w genommen. ,
Die bisherigen Schlachten und Gefechte des Monats Jun, haben reiche Beute eingebracht. Vom 1. bis 15. d. M. ergibt sich als Gesamtsumme 108 Offiziere. 12 2 300 Mann gefangen. 53 Geschütze. «7 Ntaschinengewelwe und -8 MunitiouSwazen erbeutet.
Italienischer Kriegsschauplatz:
Kbgewiesene italienische Angriffe:
Die Italiener versuchten neue vereinzelte Borstöße, wur- den aber allenthalben abgewiesen, so am Jsonzo. bei' Monsaicone Sagrado und Plava, an der Kärntner Grenze in der Gegend östlich des Blöcken, im Tiroler Grenzgebiet bet
Peutelftein. , _
, Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabes:
v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
*
Besuch des Königs von Württemberg in Nordpolen.
(Stuttgart, 16. Juni. (fttr. Bln.) Einem längeren Bericht des „Staatsanzeigcrs" über den Besuch des Königs von Württemberg M den württembergifchen Truppen in Nordpolen ist zu entnehmen: Der Eindruck, den der König von seinen Truvven mitnahm, war ausgezeichnet. Das Aussehen der Leute ist dank der geordneten Verpflegung vorzüglich. Die Leute sind meist in Hüttenlagern, welche sie sich selbst gebaut und so hübsch wie möglich eingerichtet haben, untcrgebracht, da die Wohnräume der Bevölkerung nichts weniger als einladend aussahen' nur einzelne Gebäude sind ben"tzbar. Der GM der Leute ist zuversichtlich und unverdrossen. Auch hier ist das Verhältniszwischen Vorgesetzten und Untergebenen vorbildlich und für jeden Vaterlandsfreund Gegenstand vollster Genugtuung.
Eine neutrale Stimme über die Lage im Osten.
Br. Rotterdam, 16. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der „Neue Rotterd. Courant" erörtert die strategische Lage im Osten und schreibt: Falls der Erfolg der Zentralmächte östlich des San so groß ist, wie e» sowohl nach den russischen als nach, den deutschen und österreichisch-unga- . rischen Meldungen den Anschein hat, dann hilft es den Russen nichts, daß sie die Gefahr, die ihren Truppen bei Lemberg von Süden fycr drohte, vorläufig abgswrndet haben. Jetzt nähert sich die Geiahr von W e st e n, deren Hrrannahen sie durch zehn Tage aufgehalten hatten, wieder. Wenn die Zentralmächte nach dein Durchbruch am Sau ebenso schnell marschieren, wie sie es nach dem Durchbruch am Dunajec getan haben, so werden sich die Russen weder am oberen Dnjestr noch in Lemberg behaupten können.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
vis Tragweite der deutschen Batterien.
W. T.-B. Compiegne, 16. Juni. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Am Montagabend zwischen 5 und 7 Uhr vernahm man zwei furchtbare Explosionen. Man glaubte zuerst, daß feindliche Flieger Bomben geworfen hätten, er. kannte aber dann» daß cs Geschosse von deutschen Batterien waren» die 24 Kilometer von Compiegne ent- »ernt abarfeuert waren. Die Geschosse fielen in den Wald. Jedes von ihnen gerissene Loch mißt 10 Meter Tiefe. Der Materialschaden ist gering; getrosten wurde niemand.
Geringe Operationsfähigkeit der Engländer.
W- T.-B. Paris, 16. Juni. (Nichtamtlich.) Die Tastache, datz die englische Front in Frankreich nur etwa 50 Kilometer lang ist, hatte in Frankreich eine gewisse Verstimmung aufkommen lassen. Der „Temps" läßt sich heute in einer Zuschrift aus London eine darauf bezügliche Frage so beantworten, daß die englische Front eigentlich nur eine vorgeschobene Linie sei, die großen, in Frankreich befindlichen Truppenmassen dienten dazu, die Nachschubverhältnisse zu ordnen. Die englische Armee selbst sei nur in geringem Maße operationssähig. da die englische Artillerie nicht genügend Munition besitze, die Herstellung von Munition in England aber erst organisiert werden müsse, waS einer jahrelangen Organisation bedürfe; man solle deshalb feine Vorwürfe gegen England erheben, vielmehr bedenken, datz England bereits viel geleistet habe und datz der Augenblick kommen werde, wo die englische Armee in großem Matz» stabe zum Angriffskrieg bereit sein werde.
Der Urieg gegen England.
Der deutsche Unterseebootskrieg.
W. T.-B. Christian!«, 16. Juni. (Nichtamtlich.) Das ,Norsk Telcgrambyran" meldet: Nach Mitteilungen, die aus Christiansand hier eingetrosfen sind, wvrde der schwedische Dampfer „B e r d a n d i" aus Hoeganacs 4 Seemeilen südöstlich von Lxoe von einem deustchen Unterseeboot, das von einem deustchen Hilfskreuzer begleitet war, torpediert. Die Mannschaft wurde an Bord des Hilfskreuzers genommen,
worauf das Unterseeboot verschwand. Der Hilfskreuzer feuerte darauf 20 bis 30 Schüsse gegen den „Verdandi" ab. Als der Zeuge, von dem die Mitteilung stammt, den Ort verließ, war der Schornstein am Achtercnde unter Wasser. Nach einem anderen Bericht war kein Unterseeboot zur Stelle. Der Htlfs- kreuzer legte erst eine Mine an Bord, die explodrerte und das Deck zertrümmerte. Darauf eröstnete der Kreuzer dre Beschießung. Ob das Schiff gesunken ist, ist bishcr unbe- kannt. Einige seiner Boote wurden von Makrelrnfstchern geborgen.
Der Untergang von „U 14“.
Weitere Einzelheiten.
Br. Rotterdam, 16. Juni. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Mn.)' Der Kapitän des Scheveninger Loggers „Adrian a" berichtet, daß er am 5. Juni, früh, in der Nordsee, 57,16 nord- sicher Breite und 1,16 östlicher Länge, plötzlich ein dettstches Unterieeb-ot, vermutlich „U 14", über Wasser kommen sah. Das Unterseeboot feuerte zwei Geschosse auf Men eng- l»f ch e n Trawler ab, der mit einer 7,5-Zentimeter-Kanone bewaffnet und mit englischen Marinematrofen bemannt war. Statt aus die Warnungsschüffe des Unterseebootes zu warten, gab der englische Trawler Signalschüsse ab, worauf vier englische Fischdampfer, die ebenso bewaffnet waren wie der ersi- grnannte, herbeieilte». Die fünf Trawler grifft» vereint das Unterseeboot an und beschädigten dessen Vorderschiff, das ans dem Wasser empvrzuragen begann. Das Unterseeboot tonnte nun nicht mehr untertauchen, es wurde von einem Trawler gerammt und verschwand in der Tiefe. Nach einigen Minuft« kam es wieder für einen Moment an die Oberfläche. Die! Besatzung sprang mit Schwimmgürteln ins Meer und wurde von den Trawlern an Bord genommen, die nach GrstnsSH fuhren.
Die bewaffneten englischen Fstchdampfer.
Rotterdam, 16. Juni. (Ktr. Bln.) Der Limburger „Koerier" erfährt durch die „Nienwe Vlaardinger Courant" aus Ymuiden, daß das in Dmuiden am 8. Juni eingetroffen- Fstchereifahrzeug „Bruinvishym 69" meldete, alle unter- Wegs angetroffenen englstchcn Fischdampfer-waren bewaffnet und zugleich zum Minenlegen eingerichtet.
Die Explosiv« auf dem Darupfer „Prinzeß Irene".
W. T.-B Berlin, 16. Juni. (Nichtamtlich.) Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: Der Kapitän Farie, Mitglied des Nntersuchungs Hofes der britischen ^Admiralität, hat bei der Leichenschau einiger Opfer der „ Prinzeß-Irene" - Katastrophe im Haftn von Sherneh «klärt, datz die Explosion des Schiffes, wie allgemein angenommen wurde, ans Men unglücklichen Zufall zurückzuführen ist. Zur Zeit der Explosion wurden weder feindliche Flugzeuge noch Unterseeboote in der Nähe bemerkt. Ein Zeuge sagt« aus, es war noch alles in bester Ordnung, als ich vier Minuten nach der Explosion von Bord der „Irene" ging.
Juni deutschen Luftschiffangriff auf die Humber-Mündung.
Br. Christiania, 16. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mm) Aus Stavanger wird berichtet: Die Besatzung zweier aus England eingetrossenen norwegischer Schiffe erzählen, datz Hüll am vorigen Sonntag durch deutsche Luftschiffe bombardiert wurde. Ein« große Schiffswerft sei zerstört und mehrere Häuser in der HiMtveet seien- schwer beschädigt worden. 50 Menschen sollen getötet worden sein. Dies wurde den norwegischen Seeleuten- von einem Hafenbeamten in Hüll erzählt. Der englischen Presse sei strengstens verboten worden, Wer das Bombardement etwas zu erwähnen. (Es handelt sich um einen- von unserem Admirasttab gemeldeten- Angriff, den unsere Marine- luftschiffe in der Nacht vom 6. zum 7. Juni auf die Docks und Werstanlagcn am Humber aussührten. Schrifil.)
Herbe amerikanische Kritik der Engländer, ap. Amsterdam, 16. Juni. (Ktr. Bln.) Das amerikanische Militärsachblatt „Army and Navy Journal" in New Uork schreibt: „Es scheint unfern britischen Wettern t>kl_ Spatz m machen die Deutschen „mit dem Munde zu tüten", wie Lord Roberts gesagt hat. Selbst ein so nüchternes Fachorgan, wft die „Army and Navy Gazette", bringt die Wochenschau über die deutschen Unterseeboot-Operationen mit der Überschrift „Die Piratereien der Woche". Wir A-nerikaner müssen uns erinnern, daß unser Schiff „Paul Lones" auch von den Briten damals ein Piratenschiff genannt wurde, weil es «inen Seekrieg ftihrte, der den Briten nicht in den Kram patzte. Ein Schiff einer kriegführenden Nation, wie bedenklich auch immer feine Methode der Kriegführung ftrn mag, ist niemals ein Piratenfchiff, so lange es^unter feiner Flagge segelt und seine Papiere bei sich führt,"
