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Oienstag, iS. Juni iyiS.
Abend «klusgabe.
Nr. 272. . SS. Jahrgang.
Der Urieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die Durchbrechung der russischen Front im unteren San-Gebiet.
Berlin, 15. Juni. (Ktr. Bln.) Die Durchbrechung der russischen Front im unteren Sangebiet bis weit hinein in die östlich des San gelegenen Gebiete bedeutet, wie verschiedene Morgenblätter aus dem k. k. Kriegspressequartier berichten, einen großen Erfolg der verbündeten Armeen. Diese Schach, in welcher auf einer langen Front die Russen auä wohl- vorbereiteten und besonders starken Stellungen unter schwersten Verlusten zum fluchtartigen Ruckzug gezwungen wurden, hat der Widerstandskraft der ganzen russischen Gattzirn-Front einen Stotz versetzt dessen Wirkung
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sich in der weiteren E n t w i <k l u n g der allgemeine Kriegslage bald fühlbar machen wird.
Russische Eingeständnisseund eitle ksoffnungen.
Br. Wien, 15. Juni. (Eig. Drahtibericht Ktr. Bln.) Petersburger Berichte geben zu, daß die Verbündeten dank der zahlenmäßigen Überlegenhert lhrer Armen» weiter Vordringen. Solange sie leooch nicht Herr des Dnjestr seien, erscheine ehr Borrucken durch den anhaltenden Rückzug der Russen doch nur als halber Erfolg. Die Lffentlrchkett müsse sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß der russische Gene, ralstab sein Hauptaugenmerk vorübergehend von Galizien a b w e n d e u wrrd. Dre russische Httres- leitung gedenkt nach einem neuen überraschen- den Kriegsplan zu handeln, den Gegner zu u b c r- rumpeln und die Überlegenheit seiner Tvuppenzahl in ihrer Wirkung zu I ä h m e n.
Das Eichenlaub zum Orden Pour le m^rite für Mackensen und Falkenhayn.
W. T.-B- Berlin, 14. Juni. (Nichtamtlich.) Der ..Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Eichenlaubes zu bm Cvben Pour le merite an den Generalobersten von Mackensen, Oberbefehlshaber der Armee und den General der Infanterie v. Falkenhayn, Chef des Gene- ralstabes des Feldheeres.
Die Rümpfe um Zurawno.
Pest, 15. Juni. (Ktr. Bln.) Über die Zurück- eroberung von Zurawno werden folgende Einzelheiten berichtet. Als die um Mikolajow und Rohatyn Vordringen- den stärkeren russischen Kräfte in Aktion traten, marschierte ein Teil von ihnen gegen Zurawno, das wir vorläufig räumten. Der andere Teil der an diesem Angriff beteiligten russischen Kräfte versuchte gegen Medenice vorzudringen, so datz diese Aktion, die sich von Nordwesten und Nordosten gleichzeitig gegen unsere nördlich Stryj behauptete Stellung richtete, als ein verzweifelter Versuch anzusehen war, Stryj zurückzuerobern. Die Russen versuchten von zwei Seiten gegen unsere Stellung vorzudringen. Dieser Gegenangriff wurde aber vereitelt, so datz die Angreifer gezwungen waren, sich zurückzuziehen und die Defensive zu ergreifen. So gelang es dann unseren Truppen, den wichtigen Brückenkopf Zurawno zu erobern.
Einstellung des Güterverkehrs nach Warschau.
Wien, 15. Juni. (Ktr. Bln.) Wie Krakauer Blätter aus Warschau erfahren, ist der Güterverkehr nach Warschau bereits auf mehreren Eisenbahnlinien eingestellt worden so auf den Eisenbahnen aus Sibirien, von Moskau, Perm Rjäsan und einigen anderen Orten. Infolgedessen macht sich in Warschau bereits Lebensmittelmangel geltend und die Preise der Nahrungsmittel ziehen rasch -an.
Nikolai Nikolajewitsch must sich erneut operieren lasien.
Berlin, 15. Juni. (Ktr. Bln.) Die »Basler Nach." melden laut »B. T." aus Petersburg, datz der Generalissimus Grotzfiirst Nikolai Nikolajewitsch sich in Moskau befinde. Ern n-nr-es Ärzretollegiurn fei einb-eru^fen worden. Der russische Generalarzt der Feldarmee erachte einen zweiten operativen Eingriff für absolut notwendig.
vor der ersten Einnahme von przemysl.
Eine Rechtfertigung gegen lügnerische Angriffe.
W. T.-B. Wien, 15. Jum. Aus dem Kriegspretzequartier wird gemeldet: Ter Korrespondent der »Times" im russischen HEptquartier, Stanley Washburn. ein Amerikaner, hatte Mi April einen unsere Verteidigung der Festung Przernysl und insbesondere das dortige Offizierkorps beschimpfenden Artikel veröffentlicht, Lessen handgreifliche Lügen m dem vom Krieasoressequartier publizierien Aufsatz „Die Derpf.egungs- ausrüstung von Przemysl" bereits ihre Widerlegung fanden. Nunmehr hat Washburn einen zweiten, den gleichen Gegenstand vehundelnden Bericht produziert, der den ersten an groo- lichen Anklagen und Insulten der ästerreichlsch-ungariichen Offiziere wenn möglich noch übevbietet.
Über diesen auszugsweise wiedergegebenen Lugenbericht hat sich ein klaffrscher Zeuge der Verhältnisse m Przemysl, Rittmeister Georg Edler von Loh mann, der rn seinem Aevoplan als Letzter die Festung verlassen hat, im wesentlichen wie folgt geautzert: Wer das Verhältnis zwischen Cf Mi« und Mannschaft in unserer Armee nur elniger- inatzL« kennt, mutz zu dem Schlich gelangen, datz m keinem
anderen Heere diese Bezichungen besser sind als bei u War dirs schon, ian Frieden der Fall, so zeitigte der Kr reg i unserer Armee ein geradezu rührendes, auf gegeuser iger Hochachtung und Treue begründetes, in schweren Tagen. g - sestigtes VechLltnis zwischen den Truppen und ihren gm* tem. So war es auch im ^belagerten Przemysl. Die ziere der Festung waren stets und überall, selbstverständlich auch an den gefährlichsten Punkten und in den Zeiten der größten Bedrängnis mitten unter ihren Truppen, die sie duwy ihr persönliclies Beispiel zu Heldentaten hinrissen. ^ Dem Einfluß der Offiziere war es zu danken, datz die durry den Mangel an Lebensmitteln stark herabgekommenen Abteilungen bis zu dem anbefvhlenen Zeitpunkt der Wergabe alles hergaben und ihren Dienst in übermenschlicher Weife erfüllten.
Gegenilber der Behauptung, der mitzkmigene Durchbruch vor der ersten Eroberung der Festung s«, bloß mit 30 ovo Mann ungarischer Truppen versucht worden, ist zunächst festzustellen, daß der Durchbruch vou Streükräften aller Nationen unternommen wurde, die sich alle gleich vorzüglich schlugen und nur dern numerischen Übergewicht des Gegners weichen muhten. Die ins Gefecht gelangten 30 000 Mann repräsentierten wohl die kriegsbrauchbarsten Truppen, stellten sedoch nur d-e Vorhut mit der Stotzgrupp: dar, während die der Zahl nach weitaus größere Gruppe sich noch als Nachhut und für besondere Verwendung, hauptsächlich zu ZerswrungsmLeiten, in der Festung befand. Wäre der Durchbruch gegluckt, so hätten alle anderen Streatträfte die Festung verlassen, nach- ! dem sie dem Befehl entsprechend zuerst den Gürtel und alle militärisch wichtigen Objekte und Krlegsgerate. vernichtet hätten. Als das Scheitern des Durchbruchs evwnesen war,
^ wurden -cher daun die Maßnahmen getroffen, die zur Übergabe jenes Platzes führten, der einst den Namen „Festung Przemysl" iruy. Datz der zahlenmäßig größere Teil der Besatzung aus L a n d st u - m a r b e i t e r a d t c i l u n g e n bestand, wollte der Verfasser des Schmahartikels nicht wissen. Wie er sich den Durchbruch, der im Falle des Ge.ingenS Ins ?vm Erreichen der eigenen Limen etwa sechs Tage erheischt vätte, ohne schwere Ausrüstung, d. h. also ohne geliugende Munition und Verpflegungsvorräte, varstellt, ist nicht leicht
* U ^Was^die Menagen der Offiziere mchelangt, d,e nicht im Dienste standen, so hatten die meisten ihre Vorräte vor der Belagerung für einen längeren Zeitraum angehauft. Fleisch wurde von allen Ofsisieren gleich der Mannschaft g»-
faßt; vom Festungskoinmandanten abwärts wurde seit Januar hauptsächlich Pferdefleisch gegessen. Alle Fassungen wurden nach wöchentlich eingesandten «tandesauSweasen für Offiziere und NLanuschasteii gleichmäßig bowertstÄlligt. «>amt- Iicke Offiziere taten in ihrem Wirkungskreis seDstverstandlick, olles, um die Not der Mannschaft zu lindern. Daß man aber von den geringen Mehrvorräten der Offiziersmeffen dm zen Stand der Besatzung nicht vcrp,legen konnte, liegt auf der
^"Für die Zivilbevölkerung wurde vom FestungS- kommandanteii in wahrhaft grohmütiger Weise gesargt. Abgesehen davon, daß alle bedürftigen Einwohner genau so wie dos Militär in Verpflegungsmagazrnen chtzten, wareii laut Befehl des Kommandanten noch Volksküchen und Teestuben errichtet. Trotz der langen Belagerungsdauer und der großen Not sah man nur sehr wenige bednntrge Z'^ilper. sonen; nur Säuglinge litten an dem herrschenden Milch-
“"lie einfältigste Widerlegung der Anlvürfe der „Times" erblickt Rittmeister v. Lohmann m der ehrenvollen Behandlung, welche die Russen den gefangenen österreichisch- ungarischen Offizieren der Przemysler Besatzung an.gedeih.n
Die russische Heeresleitung unzufrieden mit den Verbündeten.
Br. Petersburg, 15. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln) Eine urrussische Militärperson. wie man sagst der Generaladjutant Sandcetzki, soll sich oemnachst nach ü-rauk- ! reich begeben, um dort die direkt k r i tisch g e wo r de ne üaac Rußlands darzulegen und beide Verbündete zu
energischem Vorgehen anzuspornen. Wie versichert wird, geschieht die Reise auf den dringenden Rat des Großfürsten Niko. lai Nikolajewitsch. der in einem geheimen Schreiben an den Zaren klipp und klar erklärte, er könne für nichts elnstehen, wenn Engländer und Franzosen sich nicht sofort zu einer ge- wattigen Offensive entschlössen, die allein die deutsche Kraft von der Ostfront nach Westen abzuleiten vermöge. Andernfalls müsse er seinen Rücktritt ins Auge fa,sen, da er außerstande sei, mit der erschöpften Armee ganz allein der oewaliaen Stoßkraft der deutschen und österreichisch- ungarischen Heere standzuhalten. Der russische Kriegs- Minister, der in den jüngsten Tagen dreimal zum Zaren berufen wurde, äußerte sich am Samstag m iutunen Kreisen wörtlich- Der Zar sei selbst erstaunt darüber, daß die Verbündeten ihre militärischen Operattonen so wenig denremgen Rußlands anpaßten, wodurch Rußland den ganzen Weltkrieg eigentlich auf eigenen Schultern tragen müsse. Bemerkens- wert isst daß die russische Militärzensur, die bisher die leiseste Kritik der Bundesgenossen erbarmungslos strich, setzt so deut-
ttche ^ngnffe "^etersburg^l^ Juni. (Nichtamtlich.) ^Auch „Rustkoje Slowo" beschwert sich über die geringe Tätig, keit der westlichen Verbündeten und erklärst die ruf st, ch ett Truppen hätten seinerzeit Paris durch ihren Einfall in OstpreuHen vor dem Schicksal Antwerpens gerettest
Trotzdem sei damals von französischer Seite der Borwurf er- hoben worden, daß die Offensive der noch nicht völlig mobil gemachten Truppen noch nicht genügt habe. Jetzt aber hatten die Alliierten nichts dagegen getan, datz Deutschland enre große Armee in Galizien zusammengezogen hatte. Dre Erfolge der Alliierten an der Westfront seien ganz geringfügig. Auch die Italiener seien über Borpo st engefechte nicht hinausgekommen. Hindcnburg verfolge jetzt hartnäckig die Wledererobe- rung Galiziens und sehe alles andere als nebensächlich an. Wenn der „Rußkoje Invalid" Gattzten nlfc Nebenkriegsschauplatz bezeichne, so seien diese Aus- führungen nicht ganz verständlich und widerspräche» seinen früheren Erklärungen.
Oie Lebensmittelnot in Rutzland.
W. T.-B- Petersburg, 14. Juni. (Nichtamtlich.) „Rußkoje Slowo" meldet: Sieben Gouvernements, darunter Kiew,
Dessarabien und Cherson, haben sich zu oemeinscrm-er Bekämpfung der Lebensmittelnot vereinigst DaS Gouvernement Smolensk berichtet von völligem Zucker- m eng ef. IN Kostoroma sind die Händler feit Einführung der Höchstpreise ganz ohne Landeserzeugniffe.
Erzherzog Friedrich au den schlesischen Provinzial, landtag.
W. T.-B. Breslau, 14. Juni. (Nichtamtlich.) Erzherzog Friedrich hat auf das au ihn gerichtete Telegramm des Provinziall.rndtags vmr Schlesien an dessen Vorsitzenden, den Herzog von Ratibor, folgendes gedrahtet: „Die patriotischen Grüße des Provinziallandtags von Schlesien an die meinem Befehl unterstehenden Armeen erfieuten mich aufrichtig. Ich bttie Ew. Durchlaucht, hierfür meinen wärmsten Dank entgegenzunehmen und ihn verdolmetschen zu wollen. In zähem Ringen haben die verbündeten Armeen den Ansturni eines mächtigen Feindes auf die heimatliche Scholle abgetvehrt. Mit Gottes Hilfe wird es den Schulter an Schulter kämpfenden Truppen auch gelingen, den treuverbündeten Völkern Zeinen ehrenvollen und segensreichen Frieden zu erringen."
Begeisterungskundgebungen im kroatischen Landtag.
IV. T.-B. Agram, 15. Juni. (Nichtamtlich.) Der kroag tische Landtag ist gestern eröffnet worden. In der Er- öffnungsrede gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des Moneirchen. Die Abgeordneten erhoben sich von den Siheu und brachte» stürmische Zwio-Rufe aus. Als der Vorsitzelido den Treubruch Italiens und die p atr i otischen P fl ich- t ii der Kroaten erwähnte, erhob sich enthustastischec Beifall; man rief: „Hoch uwserc Küste, hoch unser Meer, imc werden unsere Scholle zu verteidigen wissen! Die Galerie siel in den Beifall ein. Im weiteren Verlauf der Rede ge- dickte der Vorsthende der glänzenden Leistungen der U-rmeert und der Tapferkeit der kroatischen Truppen, was neuerliche Kundgebungen und Begeistenrng im Hause und^ auf de« Galerien erweckte. Die Regierung hat einen Gesetzenstvurf über ein Budgetproviforium und die provisorische Verlange, rung des finanziellen Ausgleichs bei Ungarn eingcreicht.
Außerkraftsetzung von Zöllen.
W T.-B. Wien, 14. Juni. (Nichtamtlich.) Die morgigs Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Ministerialverordnung über die zeitweilige Außerkraftsetzung der Zölle für Melasse. Rollenpapier. Dampfpflüge, Kasein und Säcke.
Ruch Minen im Weitzen Meer.
Br. Christiania, 15. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr Bln.» Der norweaffche Generalkonsul in Archangelsk meldet, datz e:n englischer Dampfer im Weißen Meer ta to Drei-Inseln auf eine Mine stteß. Der Generalttmful rat den einiahrrnden Schiffen wegen der Mlnengefahr größte Vorsicht an und sich möglichst nahe der Küste bis zur OstseitS zu hatten.__
Neue Erfolge unserer V-voole.
W. T.-B. London. 14. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Ein deutsches Unterseeboot hat den Dampfer „Hopemounst im Bristol-Kanal versenkt; die Besatzung wurde gerettest —> Der Fischdampfer „Queen Al-randra" ist bei Dundee torp«, -ziert worden. Die Besatzung ist gerettet.
w T -B London, 15. Juni. (Nichtamtlich.) Die Fischerei, bampser „K i n g I a m e s" und „I a m e s L e h m ° n n" sin« am Samstag durch Unterseeboote z er stört wo^en
W T-B. Odense, 15. Jum. (Nichtamtlich) Der Dampse,
Hengest" von den Bereinigten Dampfschifsahrtsgesellschaf. ttn ist gestern nachmittag hier angckommen mit dem Kaprta«. dem Steuermann und 5 Mann von dem Schoner „Salvator . der am 2. Juni durch ein dcuffches Unterseeboot rn der Nord, see in Brand gesteckt wurde.
Angehaltener Dampfer.
-W. T.-B. Rotterdam, 14. Juni. (Nichtamtlich.) Den« „Rotterd. Courant" zufolAT ist der Dampfer „Rotier- d a m" von der Holland-Amerika-L'.nie, von New Aorl nach Rotterdam unterwegs, in D o v e r angehalten worden.
Die Brandstiftungen in London.
Br. Amsterdam, 15. Juni. (Eig. Drahtberichst Ktr. Blm) „Reuter" meldet, dotz außer in den B i k t o r i a - D o ck s r» London, in den Baumwollspeichern in Bootle, nahe Liverpool, und in der Anilinfabrik in Manchester Brände ansbrache»j
