I. Beilage Mm Wiesbadener TagblaN.
Wo. 533. Morgen-Ausgabe.
Donnerstag, den 14. Uovemder.
49. Aastrgang. 1001.
n t*»»*»«««*»**»*»»»».».»».»«.»*««»»»*»»«-» »
r
ü>
Dem Ungestüm
Des rohen Drangs der Menge zu entgehen.
Hat uns etn Gott den schönsten Port bezeichnet. Im Hause, wo die Gattin sicher waltet.
Da wohnt allein der Friede, den vergeben»
Zm Weiten Dn da draußen suchen magst, unruh'ge Mißgunst, grimmige Verleumdung, Verhöhnendes, parteiisches Bestreben,
Nicht wirten sie aus diesen heil'gen Kreis.
Vernnnst und Liebe hegen jedes Glück,
Und jeden Unfall mildert ihre Hand. Goethe.
»
£
I
!
» »
^,____ *
ir9WW¥W¥WW¥¥¥W9¥i¥¥WW¥S^fW¥WWW9W¥Wf9¥*
OS. Fortsctzimg.) (Nachdruck verboten.)
Die Furstentachler.
Novelle von Karl Kd. Akopfer;.
„&t hat mit dem Portrait sein Glück gemacht, und hatte es bei tüchtiger Ausbildung seiner originellen Vorzüge auch verdient, aber da verfiel'er mit seiner Manier irr Manierirtheit und ist jetzt fast bei der Karikatur an gelangt ; es ist pure Geckerei, worin er und sein Publikum sich zusammenfinden. Er merkt auch was davon, er stellt ja seine Portraits nicht mehr aus und soll sich jetzt eigensinnig auf das Monunrentale verlegen."
^Ja, meine Herren, haben Sie denn noch nicht die heutige Mittagszeitung gelesen? Da hat's in 1. gestern einen wohlausgervachsenen Skandal mit Fromholz ge- g<ckeu, aber das lvird chm keine Reklame machen. Denken Sie, er hat bei dem Wettbeloerb um das Kriegerdenkmal mitkonkurrirt, ist scheußlich abgefallen und hat dem Preis- richterkollegium das Modell hingeschmissen und heftige Grobheiten noch dazu. Die Sache wird noch ein Nachspiel haben."
„Ein Nachspiel, ja, und wissen Sie, mein Verehrter, wo?" ließ sich ein älterer Künstler vernehmen, dem allenthalben großer Respekt entgegengebracht wurde. „In Dalldorf!"
Man lachte und sprach viel durcheinander. „Ja, ein nervöser Patron, leicht aufbrausend und dann unberechenbar." — „Er glaubt sich Alles herausnehmen zu dürfen, das find so die Launen der Modegrößen." — „Er laborirt an einem bedeutenden Defizit." — „Der Kritiker erklärt sein Kriegerdenkmal wirklich für irrenhausreif."
„Ich spreche im vollen Ernste", verschaffte sich wieder der Senior Gehör. „Er ist von seiner Mutter her neu- ropathisch belastet; die Frau ist erwiesenermaßen im Wahnsinn gestorben. Ich beobachte ihn schon lange — ich bin ihm in Italien und Paris begegnet — und habe Proben seines zügellosen Temperaments ge- fefyeit, welche einen Psychiater von Weltruf zu der Prophezeiung veranlaßt haben, die ich Ihnen hier also nicht aus Eigenem gebe."
Osalko verharrte in betroffenem Schweigen. Jetzt wußte er, was ihm Emerentia noch verborgen hatte.-
Ungefähr um dieselbe Stunde kam Gabriel Fromholz zum zweiten Frühstück nach Hause. Heute gab er sich einmal kalt und zugeknöpft. Aber Enrerenz fürchtete diese Art wie die Ruhe vor dem Sturme. Sie wagte
kaum von chrcm Teller aufzusehen, um seinem Auge nicht zu begegnen, das forschend, fast lauernd auf chr ruhte, während er das Essen vorübergehen ließ und nur dem Weine sehr ausgiebig zusprach.
„Weißt Du was Neues?" begann er, nachdem sich der servirende Diener zurückgezogen hatte, im Harm- losesten Tone» „Fürst Rosalko, der Flössmger, ist m Berlin."
„In der That?" Sie hatte Mühe, sich zu bezwingen. „Woher weißt Du das?"
„Aus der Fremdenliste der Zeitungen. — Apropos, Zeitungen! Mein Abenteuer bei der Xer Denkmalkon- kurrenz ist schon tüchtig im Umlauf. Da erftecht sich so ein Zeilenschinder, mir ein kolossales Fiasko nachzusagen."
„Beruhige Mch doch, ich bitte Mch!"
„Ich bin ja ruhig!" schrie er mft allem Aufwand seiner umfangreichen Stimmmittel und schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch, daß Teller und Gläser tanzten.
Emewnz erhob sich schweigend.
„Sitzen bleiben!" befahl er kurz, um gänzlich unvermittelt, wie er abgesprungen war, zu seinem anfänglichen Thema zurückzukchren. „Was würdest Du dazu sagen, wenn ich Seine Durchlaucht in unser Haus einladcn wollte?"
„Du scherzest."
„Du meinst, daß er nicht kommen würde?"
„Ich meine — daß Du nicht vergessen wirst, weshalb ein Verkchr zwischen uns und Werdenberg ..."
Me Kehle versagte chr den Menst. Gabriel strich sich den dunklen Bart und sah sie mft seinen funkelndenAugen an, als gälte es, in das Innerste ihres Herzens zu dringen. Jetzt begegnete sie diesem Blick und erblaßte.
„Und gestern hast Du chn doch empfangen", sagte er langsam, halblaut; die Worte schlichen wie auf Katzenpfoten.
„Du hast — erfahren . .?" stotterte sie in angstvoller Bedrängniß.
„Ich Hab' chn gestern im Wagen in der Straße nebenan gesehen, sein Gesicht kam mir bekannt vor und als ich heute seinen Namen las, wußte ich, wer es war. Die Portiersfrau, die ich vorhin des Näheren fragte, konnte mir eine passende Personalbeschreibung eines Besuchers geben — und Du hast mir die Richtigkeit meiner Muth- maßungen eben bestätigt. — Seit wann verlegst Du Dich aufs Lügen, mein Schatz?"
Sie fuhr entrüstet auf. „Wer hat gelogen?"
„Man kann auch durch Schweigen lügen. — Was wollte er hier und warum hast Du mir seinen Besuch ver- schwiegen?" -
„Er war so naiv, mir, uns Beiden, eine Versöhnung mft Großvater Emanuel vorzuschlagen, der sich seinem Ende nahe fühle. Hätte ich Dir diesen unmöglichen Vorschlag unterbreiten sollen?"
„Warum nicht? Eine Versöhnung mit dem Alten? Nicht so üböl. Wenn's mit ihm zu Ende geht . . Er hat doch noch ein beträchtliches Allodialvcrmögen, über das er nach seinem Gutdünken testiren kann, wie?"
Emerenz rang etwas in sich nieder und nahm sogar wieder ihren Sessel ein. Jetzt gedachte sie einmal ihrer
seits einen Hinterhalt einzunehmen. „Ich dächte doch seine Unthat an Deinem Vater würbe Ms verbieten «
„Ach so! Ja — hm!" Er schlürfte langsam das frisch eingegossene Weinglas aus und setzte es sorgfältig mrf den Tisch zurück.
„Sage doch, warum hast Du mich belogen?" fragst sie mft zitternder Stimme. „Du mußt Mr doch zuverlässigere Beweise für Emanuels Blutschuld verschafft haben als etwa die abgerissenen Berichte einer Geistesgestörten. Es war ein wirklicher Akt der Nothwehr, m welchem der Fürst den Jäger auf Ellershausen gelobtet hat. Mes ist aktenmäßig festgestellt."
Da wappnete er sich mit cynischer Ruhe. „Diest. Akten hat Dir der Osalko vorgelegt und Mr dvmü bewiesen, daß ich meiner damaligen Erzählung von Emanuels Enkelin eine kleine — künstlerische Färbung gab? Was, empört Dich das so? Ueberdies steht es immerhin fest, daß Emanuel meinen Vater umgebracht hat, um dasWie hat sick' ein guterSohn nicht zu kümmern» ich mußte ihn hassen und thue es noch. Aber ich Habs mich an seinem Stamme bezahlt gemacht, und da ich nun einmal in seine Verwandtschaft getteten bin und er sich in einein mftleidsbedürstigen Zustande befindet, so bin ich bereit, die alte Feindschaft so weit zu begraben —"
„Um ihn so gut als möglich zu beerben. Sehr ebeV müthig! Aber dann lass' mich Dir endlich sagen, warum ich für meinen Theil keine Brücke mehr ins Haus meines Großeltern finde!" Und nicht länger im Stande, sich zurückzuhallen, gestand sie ihm, wie sie dem Großvater niemals verzeihen könne, daß er ihr erstes Schreiben aus der Flucht nach Berlin ignorirt und dadurch erst di« Situation geschaffen habe, auf Grund welcher er sie dann in eine Ehe hineinjagte, die ihr Hölle geworden sei. Fromholz lehnte sich in seinen Stuhl zurück und schob die Händ« in die Hosentaschen, die Cigarre zwischen den Zähnen drehend.
„Und wenn dieser Umstand nicht wäre, würdest Dp Mch wohl verstehen können, ihm seine letzten Tage zu erleichtern? — Nun, dann wollen wir ihm den Gefallen thun. Er hat jenen ersten Brief niemals erhalten,; ich habe ihn durch ein Schreiben von meiner Hand ersetzt^ worin ich Seiner Durchlaucht mittheille, daß jeder! Versuch vergeblich sei, mir mein auserwähltes Bräutchen^ mein Pariser Elfenkind abzujagen; mein Recht auf Dich sei älter als das seine, da ich Dich schon liebte, ehe er Dich noch gesehen."
Emerentia hatte ihn sprachlos, die Hände an diS Brust gepreßt, angehört. Jetzt brach es wie ein TodeÄ stöhnen aus ihr hervor: .„O, daß ich daran nicht gedackch
habe!"
„Mache mir keinen Vorwurf daraus, Emerenz, es gcst schah ja Alles nur aus meiner grenzenlose Liebe zu Mr!7
„Du — Elender!"
Mit einem Satze war er über den Tisch; sie wollte enst setzt aufspringen, nichts Anderes erwartend, - als daß etz ihr verzweifeltes Wort mit einer thätlichen Mißhandlung vergelten werde. Aber bei ihm geschab immer das Un«. berechenbare. Er stürzte chr zu Füßen und umschlang ihren Leib mit bebender Inbrunst.
E
°ostkarten,
Liebig-Bilder,
c tollwerck-Bilder,
Briefmarken,
Photographien,
Zeitungs-Abschnitte,
Amateur-Bilder.
C. Schellenberg,
(Soldgasse 4. 15377
Znchthähne,
rebhuhnsarb. Legborn, stammend au» den Zu stationcn der Landwirthichaftskammer Wiesbaden >,at abzugebcn die Wiesbadener Geflügels« in Clarenthal
Loose»
Ziehung; 39. Mnv. bis 4. I)e z'i
|Woliliahrts
Ziehung 30» 1---
ftaupttt.t 100,000, 50,000, 25,000 Mk.
Rothe Iioose« fsi
***' Ziehung 4« bis 30. Ileibii Haupttr.: 100,000,50,000,25,000 3»!.
»cs pos Md.3.30.
F. Raehor, g&Ä*. Mainz!
Eis-Berkauf.
Da« EiScrgebniß während des bevorstehend Winters, meines dicht hinter Clarenthal, an d alten Schwalbacherstraße gelegenen, ca. 2000 Omtr großen Eiswcihers ist preiswerth zu verkaufen Die Lage des Weihers ist znm Eisen und Abfahr« außerordentlich günstig. Näh. bei 160SL
4. Meier, Hotel Taunusdlick.
Telefon 291 ‘
