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Benag: Langgaffe 27.
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Die einspaltige Petitzeile für locake 15 Pfg., W auswärtige Anzeigen 35 Wg.- Reclnme« die PeUtzeUe für Wiesbaden öO Pfa» für Auswärts 1 Mk.
Abend-Ausgabe.
M NerfsmfW te risllM KüineM.
Hnfer Londoner «-Korrespondent schreibt uns oom 29. ds.:
»Dir Versammlung des Kabinetts" lautet die Neber- schrrft, unter der heute alle hiesigen Zeitungen längere Leitartikel bringen. Vemerkenswetth erscheint das gestrige Ereigniß, das sie behandeln, nur darum, weil unsere Staatsleiter, iinbekümmert um alle Schwankungen des englischen Kriegsglückes in Südafrika, sich während einer so langen Zeit dern Genüsse ihrer Ferien Hingaben. Ueber die Borgänge bei den Kabinettssitzungen dringt natürlich nie etwas an die Oeffentticksieit, und höchstens ausländische Zeitungen behaupten manchmal besondere Informationen zu besitzen, die aber immer nur aus Blüthen der fruckstbaren Gehirne der Herren der Telegraphen- Lüreaus oder sonstiger vom Neuigkeitsvertriebe lebender Schreibkundiger bestehen. Alle imsere Zeitungen haben nun endlich einmal Gelegenheit gelebt, in einem Punkte einrg zu sein. Keine einzige zweifelte nämlich, daß sich das jkabmett dieses Mal lediglich mit dem Kriege beschäftigte. Die meisten von ihnen geben indeß nicht zu, saß dieser den Ministern Anlaß zu besonderen Erörterun- gen rmd Maßnahmen geben könnte, denn Mr. Chamber- lain erklärte ja erst dieser Tage, die militärische Situation in Südafrika liefere keinen Grund zur Besorgniß. Ohne Zweifel hat dieser famose Staatsmann auch insofern Siecht, als eine militärische Katastrophe ausgeschlossen erscheint. Darüber, daß die englischen Streitkräste keine wirklichen Fortschritte machen, das „siegreiche Heer" sich ausschließlich auf die Defensive beschränkt!, muß, und das venneintliäie Fehlschlagen des Einfalls Bothas in Natal als ein glänzender englischer Sieg gefeiert wird, läßt sich der ehrenhafte Joe kein graues Haar wachsen. Er kalkulrrt eben wie der „Standard", der soeben schrieb: „Lord Kitchener schätzte, daß im August noch etwa 13,500 Buren im Felde standen. Die Hälfte dieser Zahl wurde inzwischen gefangen genommen, getödtet oder verwundet, so daß uns also nicht vielmehr als zwei Brigaden gegenüber stehen. Selbst wenn ein schnelleres Tenipo als das bisherige nicht möglich ist, muß das Ende des Widerstandes der Buren doch binnen wenigen Monaten kornmen." Derartige Berechnungen haben die Engländer von Anfang des Krieges an gemacht, und eine der ersten lief dararrf hinaus, daß eine Handvoll englischer Soldaten genügen würde, um die Buren Mores zu lehren. Biel- leicht irrt man sich auch heute noch, wie stets zrwor, aber da Wunder nicht geschehen und das kindliche Gottvertrauen des wackeren Bauernvölkchms dieses nur veranlaßt sich im zwecklosen Kampfe völlig aufzureiben, so
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wird dre Zeit es schließlich doch sein, die den Briten zum Trrumphe verhilft. — Es muß mdetz mt Kabinett eine ge- wisse Konfusron herrschen, wie schon daraus hervorgeht, daß sich die Minister in ihren öffentlichen Reden fortwährend wrdersprechm. So behauptete z. B. der Herzog von Devonshire dieser Tage, es stünde den Buren noch heute frei, die ihnen im Frühjahr durch Lord Kitchener angebotenen Friedensbedingungm anzunehmen, während Mr. Chamberlain fast gleichzeitig erklärte, dieselben wären ein für alle Mal zurückgezogen worden, um nie wieder erneuert zu werden. Die Rede des „ehrenhaften Joe" am vorigen Freitag in Edinburgh, die bereits solche Entrüstung in Deutschland erregte, ist aber nur geeignet denKrieg zu verlängern, denn in derselben machte er es den Buren wieder einmal klar, daß es ihnen keiner- lei Nutzen bringen würde, wenn sie heute die Waffen nrederlegten. Ihre Heimstätten, loenn nicht verbrannt, find konsiszitt, ihre Kinder gemordet und das ganze Land verwüstet, und wer nicht verbannt wird, hat für unabsehbare Zeiten seine Bürgerrechte verloren, falls er nicht gar als Rebell sein Leben verpfändete. — Einiges Aufsehen erregte hier soeben die Liste derEntschädigungen, die England den Angehörigen der verschiedenen Staaten gewahrt, die durch ihre Ausweisung aus dem Transvaal Verluste erlitten. Danach werden (Wie schon gemeldet MeRed.) Deutschland 30,000, Oesterreich 15,000, Italien 12,000, den Vereinigten Staaten 6000, Rußland 4100 Schweden und Norwegen 1000, Belgien 800, Dänemark 260, der Schweiz 250 und Spanien 150 Pfund Sterling zur Vertheilung überwiesen. Nach der „Daily News" ließe sich daraus der Respekt erkennen, den John Bull empfindet. Die Beträge für Frankreich und Holland sind noch nickst festgesetzt.
DrrrLsches Deich.
Ein Gipfel.
Die Agrarier kennen keine Gnade selbst gegenüber den bereitwilligsten Anhängen: und Vorkämpfern ihrer Zollforderungen. Ganz oder garnickst, das ist ihre Losung — einstweilen wenigstens —, und danach wird Lob und Tadel, Freundschaft und Feindschaft rücksichtslos ausgetheilt. Die Beschlüsse der ständigen Kommission des preußischen Landes-Oekonomie-Kollegiums müssen jeden ruhig urtheilenden Beobachter wahrhaft erschrecken durch die Maßlosigkeit, mit der hier die extremsten bünd- lerischen Forderungen gutgeheißen werden. Für die reinen und echten Agrarier jedoch sind die Mitglieder jener ständigen Kommission offenbar nichts als mattherzige Kompromißler, die man nicht scharf genug wegen ihrer Nachgiebigkeit rüffeln kann. Der Sinn des gefaßten Beschlusses ist dieser: Der Getreideminimalzoll von 6 Mark für Roggen und von 5% Mark für Weizen ge
nügt nicht; unter den Satz von 6 Mark darf nicht herab, gegangen werden, und wenn es doch geschehen sollte, ss „erachtet die ständige Kommission eine Kompensafton aus anderen Gebiete:: nicht mehr für möglich und würde dann dre gänzliche Ablehnung des neuen Zolltarisgesetzes als rm Interesse der Landwitthschaft liegend erklären." Mtt anderen Worten: Das Landes-Oekonomie-Kollegiunr droht mit dem Uebergang zum radikalen Freihandel eignet sich also die aufrührerische Parole der Agrar- konservativen an und trägt hiermst Scheite zum Feuer. Es :st eine Sache für sich, wie es am letztem Ende mit der Frage von Freihandel und Schutzzoll steht. Nicht darauf kommt es au, welche dieser beiden wirthschaftspolttischen Weltanschauungen die bessere ist, sonder:: das Ent
scheidende ist zunächst die Frage der taktischen Stellung^ nähme, und von diesem Gesichtspunkt aus muß das Spielen der Konservativen mit dem Feuer des Frei- Handelsprinzips als eine Leichtfertigkeit gerade vom Standpunkte des Konservatismus aus, als eine Politik des Jakok nerthums bezeichnet werden. slftm sollte man meinen, daß die „Derstsche Tageszeitung" zufrieden damit sein könnte, wenn oie offizielle Verttetung der preußischen Landwitthschaft einen Mndestzoll von 6 Matt verlangt und im Ablehnungsfälle dieVerwerfung des ganze« Zolltattfgesetzes empfiehlt. Aber, wie gesagt, üÄ« Bündlerthum erscheint der mitgetheilte Beschluß nur als e:ne Schwächlichkeit. Die ständige Kommission des. preußischen Landes-Ottonomie-Kollegiums wird dattiber belehrt, daß sie kttne politischen Erwägungen anzustelle« habe, daß es ihr glttchgültig sein müsse, ob die Regierung das Herabgehen unter den 7>ch-Mattzoll wünsche. Der Beschluß wird als „bedauerlich" bezeichnet. Am Ends verlangt der Bund der Landwirths vom Landes-Oekono- mie-Kollegium, daß es gleich mit dem Abfall zur Social, demokratie drohen müßte. Wie muß dem Reichskanzler zu Muthe sein, wenn er angesichts solcher an Wahnsinn grenzenden Ueberttewungm im agrarischen Lager an dis Zeit denkt, wo er die neuen Handelsverttäge unter unbedingter Aufopferung nicht bloß der bündlettschen Forde, rungen, sondern auch des vorgeschlagenen Getreids- minimalzolls abzuschließm haben wttd! Er kann sich schon jetzt zu den Liebenswürdigkesten gratuliren, die ihm die Bündler alsdann versetzen wer
* Berlin, 31. Oktober. Dem Bundesrath tst, wie nach dtt „Kreuzzeitung" verlautet, der Entwurf einer Bekanntmachung zugegangen, betreffend den Fett-, Wasser- und Sa lz." gehakt der Butter.
* Besuch sämmtlicher Hochschulen im Deutschen Reich. Die „Etat. Korr." hat den Versuch gemacht, die Besuchsziffer aller Hochschulen im Deutschen Reich — mit AurS» schluß der Hochschulen für Kunst und Musik — also die der Universitäten, der Technischen Hochschulen, der Forst- und Bergakademien, der Thierärztlichen und Landwirthschaftlichen Hoch-,
4S. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Nemesis.
»s«aB «as der russischen Gesellschaft vcm I.». Lagt».
Was wohl in den: Herzen der Greisin vorgeht, als sie Sen Blick jetzt auf das rührend blasse, angstverstörte Madchengesicht ttchtet, so verstört, daß all seine Lieblich- kest wie verlöscht scheint?! Eveline hat sich über ihre Hand gebeugt und versucht, die gewohnte Begrüßung hervorzustammeln: aber ihre Augen forschen inzwischen unnchevoll im Antlitz der bleichen Frau da, und sie stöhnt plötzlich hervor:
«Gott, er ist nicht hier, nicht hier —?"
Eharlottens weiches Herz hält dem nicht Stand; sie rn:ß einen Trost versuchen; beruhigend nimnst sie die Hand des jungen Mädchens: „Noch nicht. Tausend
Hindernisse könne« sie aufhalten. Aber wußten Sie denn —?"
Es zrukt um dei: süßen Mund wie ein Weinen.
„Ich? — er ist von mir gegangen ohne Lebewohl — «üt einen: Scherzwort auf den Lippen — er konnte so von Mir gehen —"
»Um Ihres Bruders willen!" unterbricht die Gräfin in Groll und Schmerz. Es war zum ersten Mal, daß zwischen Beiden auch nur eine Anspielung über ihr Per- böltniß zu ttnander fiel. Aber was galt ihnen Beiden j»tzt Formenstrenge und Widerstand, aesellschastliche Sitte und mädchenhafte Schm:! Wie Schneeflocken im Strome schmollen sie dahin, und die Fluth der ewigen Gefühle ««ufte stürmend darüber hinweg.
Und stürmend klang Evelinens Entgegnung:
„Er durste nickst gehen! Er gehörte nicht sich! Mein -vor er. mit tausend heiligen Eiden! Mttn Bruder ist lmÄukdig, man hätte ihn freigesprochen! Ueber den Golf!
den Golf nacy Finnland! Bei solcher See! — Hättr ich es gnmißt, mit diesen nreinm Arnien hätte ich ihn Pchaihm — aber er stahl fid> von mir fort, weil Paula tt! ftwäte. Welch Recht hatte sie an ihn? Doch was ist ihr
die ganze Welt, wmn es Lex gilt! — Was sie selber! — Heute, jetzt erst habe ich das Schreckliche von ihr erfahren, dre Angst zwang es von ihr heraus. Sie selbst bat mich, herzugehen — er mußte ja merst hierherkommen — er hat Sie ja so unendlich lieb — ach, ich habe Sie nie darum beneidet, ich mußte ihn nur mehr lieben darum —"
Gräfin Lansky hat die Hände sinken lassen, und ihr Auge ruht mit gramvollem Blick auf der rührenden Mädchengestalt. Dann neigt sie sich zur Seite und ni mm t von einem Tisch ein kleines Päckchen.
„Er ist auch von Ihnen nicht ohne Lebewohl gegangen!" sagt sie leise und legt es in Evelinens Hände. Es enthält wenige Zeilen und einen Ring. Und wie das Mädchen diese wenigen Zttlen liest, da entrollt das kleine goldene Rund ihrer zitternden Hand und zieht auf dem Teppich einen funkelnden Kreis, während seine Eignerin zusammensinkt in bitterem, trostlosem Weinen.
„Sie hat Thronen", murmelt die Matrone, „die Glückliche!" —
Feinfühlig hat Charlotte die Beiden allein gelassen. Sollte hier eine innerlich Annäherung ettolgen, so durfte Niemand zugegen sein, Niemand — als Priester Schmerz, vor dem Atter und Jugend, Fürst und Bettler sich beugen
— gleich geworden! Priester Schmerz, der mit der Wucht seines Wortes kleine Seelen zu Boden drückt, der aber auch Lehren zu verkünden weiß, welche der Erde Nichtigkeiten vergessen machen in ihrer Erhabenheit und ihrer Macht. —
Der Greisin bebende Hand hatte sich auf das gebeugte Madchenhaupt gelegt — als Eveline plötzlich am ganzen Körper crzrtterte; sie hebt wie lauschend Hand und Kopf
— konnte ihr Ohr sie getäuscht haben? Ihre Einbildung, diese Stimme ihr gelogen haben? — Sie steht auf einmal auf den Füßen, die ihr doch den Dienst fast versagen; sie will nach der Thür - da tritt Serge über die Schwelle Mit einem stammelnden, gebrockienen Laut thnt sie tränkend ihm einen Schtttt entgegen; dann legt sich ihr Nacht auf die Augen, und der Herzueilende hat nur noch Zert, die Arme auszustrecken, um eine Ohnmächtige zu
stützm und zu halten. An seiner Schulter ruht das wachs, bleiche Gesicht der Geliebten; aber da drei Schritte vor sich sieht er auch eine alte Frau, welche umsonst die zitternden Hfinde auf die Sessellehnm preßt, um ein Aufstehen zu ermöglichen; er hört Eharlottens Hellen freudigen Aufschrei, und wie er jetzt, in der noch reglosen Gestalt de« Herzschlag wieder spütt, da überläßt er sein Mädchen den starken Armen und der weichen Sorge der bewährten Freilndin, um selbst vor dem Stuhle der alten Frau in die Knie zu brechen. Me Arme um der Grttfin Leib geschlungen, wie er als Knabe gtthan, wenn er Großes er. bitten oder Verzeihung erflehen wollte, schaut er stumm zu ihr hinauf. Auch sie spricht kein Wort; sie hat di« Hände ihm um Haupt und Nacken gelegt und blickt in des Enkels lebendes Antlitz, in dies Antlitz, das sie unter salzigem Wellenschaum begrabe:: wähnte — und jetzt, jetzt hat sie Thränen. Leicht und licht Perlen sie hervor und rinnen über die welke Wange, während ein leises, lindes Aufschluchzen der gepreßten Brust endlich Luft zu schaffe« scheint. Und Serge lehnte dm Kopf an ihren Schooß und blickt auf diese rinnmden Tropfen, umsonst bemüht, das Zittern der Lippen zu verbergm, und auch er muß mtt einein Würgm in seiner Kehle kämpfm, um endlich sprechm zu könnm. Aber als er spttcht, da sind es kurze« fast trockme Wotte, nicht Triumph, noch Bitte, mit Rechenschaft gebende Auskunft.
„Wir hattm schwere Fahrt. Bjelskys Nachttchtm und! Anstalten warm ausgezeichnet; aber der Wind machte uns zu schaffm. Wir erreichten nur noch im letztm Augen, blick den englischm Dampfer, dm erstm, der in diesems Jahre von Helsingfors abging. Lex ist in Sicherheit Aber wir wagten nicht, Nachricht zu geben. Auch nicht mit der Bahn zu fahren. Fischerboote und Pferde. Wfts haben zwei Paar zu Schanden gejagt."
Ein kurzer Bericht; ein Soldat konnte seinem Dort gesetzten kaum einen kürzeren geben. Aber wie eines reifen Lesers geübter Sinn zwischm dm Zeilm liest, sci hörte der Großmutter Herz diesen Bettcht. Sie hörttz darin nicht nur die Bitte um Vergebung für das ihr zu;
