M
dm Veckaa ZWLS*
Verlag: Dmggaffe 21
L8,OOO Abomumte«.
WmrtOWijWtt
Die ettrspaktige Petitzeile für locale Atyrtz» 15 Pfg., für auswärtige Ameigen 25 Pfg. — Reklamen du Pttitzeile für Wiesbaden 50 Pfg, für Auswärts 1 Wk.
m t a»_ .__ iür die Adend-RuSgab« bis 12 Uhr Mttags. für die Morgen -Ausgabe,bis 3 Uhr Nachmittags.
nächsterfchemenden AusgaMwird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
— Für die Aufnahme später emgerttchter Anzeigen zur
Mo. k04.
! Ä». 52.
Montag, den 28. Oktober.
Berlags-Ferufprrcher No. 2266.
iE
Abend-Ausgabe.
Zjjüfäx. tmb AsMrEsr
«Mresdadener CagblaE
ja aiummven. findet sich Gelegenheit
i» V-rta« Km-ssass- «7«
H»t de« Asvgabrftrtteu, d«« Zweig-GrPrdMone»
der Aachbarorte,
mü> del fZM«Wch«t drntsck,eu Merchspoftanstäkten.
Mas soll Las Werden?
W ist unter den gegenwärtigen wirthfchaMchen Bechäftnissm durchaus nicht nothwendig, Schwarzseher 'Al sein. UW mit einiger Besorgniß in die Zukunst zu blicken. Me Arbeitslosigkeit breitet sich aus, der Winter steht vor der Thür und so klingen die Worte: Was M daS werden? — für Biele wie eine Frage an das Schicksal. Es giebt gegenwärtig kaum eine größere Industrie, in der nicht Arbeiterentlassungen oder erhebliche Betneds- beschränkungen nochwendig geworden sind. Auch das Kleingewerbe leidet unter der gegenwärtigen Krise, denn wenn die Großindustrie darnieder liegt, wird das ge- sanurtte Erroerbsleberr in Mitleidenschaft gezogen. Es ist also gegenwärtig nicht nur der Fabrikarbeiter hurch die Gejchästsswckung bedrückt, sondern sie trifft auch den ' Handwerker und keineswegs mrr den Arbeitnehmer, sondern auch vielfach den Arbeitgeber mipfindlich B» sonders leidet auch der Kleinhandel unter der Krise und — was viel sagen will — selbst die Kneipen machen
Mächte Geschäfte. ■ . .,
^Aber am härtesten wird doch der eigentliche Arbeiter betroffen; am härtesten deshalb, weil er Zelten wrrch- schaftlichen Rückgangs stets cm der empfrndluMen Stelle, nämlich an seiner Lebenshaltung, spurt- Wenn das Einkamrnm des reichen Mannes strikt, so schrankt er zunächst seine überflüssigen Ausgabey em. Er ftetbr weniger Luxus, verbraucht weniger theure Weme grebt weniger Gesellschaften und auch wohl weniger Almosen, er verringert vielleicht selbst seine Bedienung und giebt die Equipage aus — aber seine Ernährung leidet mcht, seine Lebenshaltung bleibt eine gesunde und menschm- kmrdrae. Aber wie soll der Arbeiter, der kleine Geschäftsmann in schlechten Zeiten sich einschränken?Seine Luxusausgaben fallen nieistens nicht ms Gewicht, NEimtüch wenn er Familie besitzt. Er giebt vielleicht den
ohnehin nicht häufigen Kneipenbesuch und das Rauchen aus, was seiner Gesundheit dienlich ist; aber natürlich vermag diese Einschränkung der Ausgaben eine Verringerung des Wochenlohnes nicht auszugleichen. Trift nun gar wie heute in vielen Tausend Fällen völlige Arbeitslosigkeit ein, so drängt sich mit jedem Tage ernster die Frage auf die Lippen: Was soll das werden? —
Sind Ersparnisse da, ist ein Nothgroschen vorhanden, so muß dieser zunächst aushelsen. Aber meistens ist diese Zuflucht nur für sehr kurze Zeit. Eine mit Kindern gesegnete Arbeiterfamilie ka,m selbst in Zeiten guten Verdienstes keine Reichthümer sammeln. Gewiß, sie kann und soll sparen. Wenn sie kluge Wirthschcrft führt, legt sie aus alle Fälle einen Nothgroschen zurück; aber in kinderreichen städtischen Familien kann das selbst in Zeiten guten Verdienstes nur geschehen, wenn man an der kärglichsten Lebenshaltung sesthält. Ein Arbefter, der heute in ftgend einem Jndusftiebezirk mft den Seinen ein gesundes Familienleben führen will, der Frau und Kinder ausreichend nähren, sie und sich selbst anständig kleiden, seine Pflicht gegen Staat, Gemeinde und Haus- wirth ehrlich erfüllen will — der mutz ein selbst in günstiger Geschäftszeit ausnahmsweise gutes Einkommen haben, wenn er neben einer der Gesundhett und Menschenwürde entsprechenden Lebensführung noch nennens- werthe Ersparnisse machen will.
Trotzdem ist von den deutschen Arbeitern m den letzten Jahren des wirthschaftlichen Aufschwungs viel gespart. Me Sparkassenstaftsük mit ihrer außerordentlich steigenden Ziffer der kleinen Einzahlungen und das Aufblühen der Genossenschaften stellen der Enftvickelimg des Sparsinns in der deutschen Arbesterbevölkerung das günstigste Zeugniß aus. Doch die Sparkassen-Statistrk beweist daß besonders auch die kleinen Einlagen in der letzten Zest in sehr großer Zahl wieder in die Hände dm Sparer zurückgeflossm sind. Jndustneakftm haben sich dieselben ganz bestimmt nicht für das Geld gekauft. Schon im vorigen Winter war die Arbeüslofigkeft erheblich größer als in den Jahren vorher; seine Dauer war lang und er fühfte ein sftenges Regiment. Schon damals haben viele Arbeiterfamilien ihre Ersparnisse angreisen müssen. Heute sind dieselben wohl in den meisten der- artigem Familien aufgezehft, dmn selbst der Sommer ließ viele Arbeiter beschäftigungslos;. Schulden vom Winter mußten bezahlt werdm, so daß wohl nur m wmigen Ausnahmen Erspamisse gemacht werdm
konntm. v „ . r .. ,
Der kommende Winter trifft also eine Arberterbe völkerung, die mehr als in dm letztm Wintern darauf angewiesm ist, von der Hand in dm Mund zu lebm und im Allgemeinm mit chrer Ernährung auf dm Verdienst des Tages rechnm muß. Immer wieder drängt sich da die Frage auf: Was soll das werdm? — Ganz abgesehen
von chrisfticher Nächstmliebe, ist es soziale Pflicht, dev ' ohnarbeitendm Bevölkerung ihre schwierige Lage so viel als es möglich ist zu erleichtem. Aber wie kann das ge. chehm? Ein Beschäftigungsloser kann natürlich nickst ohne Weiteres Almosmempfänger sein. Sein berechtigtes EhrgefÄhl wird sich dagegm sträuben und eine kluge Fürsorgepolftrk verbietet es. Also Arbeit, Verdierfft schaffen! Das ist allerdings schwerer als Almosen geben. Für uns ist es keine Frage, daß die Untemehmer die soziale Verpflichtung habm, ihre ganze Umsicht aufzu- Meten, um in einer Zest, wie die gegenwärtige, Arbeiter« entlassungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Wir sind, nicht im Zweifel darüber, daß schon heute von dm meisten Arbeitgebern im Sinne dieser sozialm Verpflichtung ge« handelt wftd. Aber selbst dem mmschmfrmridlichstM Unternehmer wird durch die harten wirthschastlichm Thatsrrckim eine Grenze gezogm. Wenn die Aufträge arisbleibm und die Lager gefüllt sind, da ist diese Grenze meistens erreicht. Wo sie überschriüeii wird, kann der ge« schästliche Ruin des Umernchmers leicht die Folge sein.
Es ist ganz selbstverständlich, daß auch Staat und Gemeinde in Zeiten der Arbeitslosigkeit größere soziale Pflichtm zu erfiillm habm. Auch bei ihnm bestehm diese vor Allem in der Beschaffung von Arbeit. Dieser Ausgabe, wmigstens vorübergehend, in einmi Nothstands- winter, gerecht zu werdeii, sind sie ruehr als der einzelne Unternehmer in der Lage. Das Wort „Nothstcmds« arbeitm» hat weder bei stacckkichm und städftschm Verwaltungen. noch in der Arbesterbevölkerung einen be« sonders gutm Klang. Man hat sich daran gewöhnst unter diesm Arbesteii solche zu verstchm, die eigenüich nicht recht nothwmdig sind und die schlecht bezcchlt werden. Das braucht aber nicht die Eigenschaft von Nothstcmds- arbeftm zu sein. Es ist zu bedauern, daß weder SttA noch Gemeindm auf die Erfüllung chrer sozialm Pflicht bei größerer Arbestslosigkejt genügmd vorbereitet sind. Schlimme Zestm kchrm regelmäßig wieder. Man hctt auch Erfahrung genug, um aus bestinmitm ZÄchen er« kermm zu können, wenn etwa eine Krise imd große« Arbeitslosigkeit zu erwarten ist. Eine weise soziale Für-! sorgepolitik sollte auch Staat und Gemeindm zur Bo. ackstimg dieser Zeichm besümmm. Staat und Gemeinden würdm sich dann aus die sozialen Ausgaben, Me ihnen während einer wirthschastlichm Krise zufallm, rechtzeitig vorbereitm können. Es giebt sowohl bei ftaatlichm, wie bei kommunalm Verwaltungm geivisse umsmrgreiche Arbeitm, die in Zestm starker Beschäftigung auf iomiger günstige Jahre verschoben, andere, die vielleicht erst in geraumer Zeit nothweisisig, aber bei Arbeitsmangel in Angriff genommen werden könnm. Es sollte in dieser; Beziehung gewisferrnahen von allm öffmtlichen Bchörden eine Arbeststheilung im großm Sftl staftfiudm; mt sollte in ohnehin guten Jahren nicht allziwiele staatliche
.Mrtsttzmm-
Nachdruck Verbote«.
Uemssis.
«Mhe» G-Mchast von Z. v.
Er hotte sich urrbewlcht wieder zu isKmla g«oeudet, Ehrend er antwortete, als schulde er ihr diese Erklarmig .— wie die Magnetnadel ilMM Pol sucht, ohne zu wissen, Wi fix von zwingendem Gesetze gelenkt wrrd. S« ah chm mst unverstellterTheilnahme in di« leicht umschatteten Uuam imd sagte warm und herzlich: . , —
Sie meinen ausrichägm Wunsch, daß Sw «S Ihrem nächstm Kommen uns eure Genefungsboffchast
^mTbanfenb ine ihm dargebotme Hand und behält sie in der sernm, währmd einen Augenblick lang ein glückliches Auflmchtm seine Züge wie em Sonnen- strcchl erhellst Dann werden sie wieder ruhig und ernst, als er in seltsam Mer Weise erwidert: ,,Mis steht kaum zu hoffen. Es ist ein altes Uebel, .das sich lang vor- bereitet hat und nur jetzt in schwererer Form auftrstt Mes, was ich hoffm kann, ist, daß durch ärztliche Kunst der Leidende>i die schwerste Form erspart bleibm möge.
„Gott, wie er so ruhig davon sprechen kann! denkt mst fast mißbilligendem Staunen, und zieht ihre
Hand zurück Und als er jetzt fortfährt: ^
„Aber lassen Sie mich Ihnm für Ihre therlnahms- volle Güte ebmso warm kankm, wie sie mrr warnr ans Herz drang!» Da läßt dies Staunen sie nur «mge hos- siche Worte der Erwiderung sagm, die in entern ihr setbst vieLeicht kamn beivilßteu, aber für den Hörer deutlich wahrnehmbarm silegmsatz zu chrer vorigen Spreck>welse stcmdm. Ob Clemens iche Gedcmkm errath, da er eme Mimst« mst sich kämpfmd zögert, zu scheiden? Dann zwingt er sich ju dem verabschi'dertdeii Wort und geht, Stirn imd Herz von Zweifel umdüstert. .
Vielleicht lsistte er es in Meser Sftmmung nicht em< mal gebilligt, daß Serge seine Abwesercheit benutzte, um für den Freund eine Lanze zu breckim. Der Lebms- tmd Ljehesfrohe Wichte gut geimg, was Gehm m solchem
Augmblick bedmtet, und er sagte deshalb gegm seine Gewohnheit langsam, fast gewuchtig:
„Wenn irgend etwas meine Hochachtung sur Harder noch steigern könnte, so wäre es die Art, wie er sich gegen seine Mutter bmimnst. ,
Paula sah ehrlich erstaunt zu chm hmuber.
„Nun, ich muß sagm, Serge, daß seine Art mir verzweifelt kühl scheint. So kühl, daß sie geradezu erkaltend auf warmes Enwfinden wfttt und man sich auf einmal ftagt, ob er überhaupt warm empfindm kann."
„Ertappe ich die so selten Jrrmde auf dem Fehler, andere Verhältnisse nach den eigenen zu beurtheilm?" entgegnete Serge bedeutsam, und aus ihren fragendm Blick fichr er fort, vorsichtig die Worte wägend, um nicht zu viel und doch gmug zu sagen: ^ .
„lieber Clemens ist einmal ein Gramessturm herein- gebrochen, so stark, daß all seine Empfindungen darin herumwstbeftm. Und er hat eigentlich Niemandm, woran er sich feftklammern konnte. Ich — war noch zu jung. Grandmaman — obwohl sich die Beiden sehr lieb habm, vielleicht nicht mehr jung gmug; vielleicht — Du wirst das verstchm. Lex — ein rechter Junge schämt sich, vor Anderen als dm Wemächstm Gefühl und Schmerzm zu
zeigm.» „ ^,
Lex nickt wie bestätigend, und Paula, die gespannt zu- gehört, fragt sich stutzend:
„Von der Mutter sagt ec nichts?
„Nun?" forschte sie laut.
„Nun, Clemms trug also seinen Gram und sein wärmstes Fühlm, wo ein gläubiges Mädchen sein Kreuz- chm trägt, versteckt auf der Brust. So etwas wird Gewohnheit. Als er dann in die Welt trat, Me Ihr Dichter ja ein Meer nennt, da versteckte er seinen Schatz in zwm starkm Muschelschalm, sehr fest schließmd, sehr hart und kalt Das Wasser und die Fische, und überhaupt äußere Geivalt können da nicht hinein. Wmi er die Schalen frei willig öffnet, der findet — was man eben nur m Perlen muscheln, und zwar in seltenm Exemplarm findet.»
Paiila sfteckte chm plötzlich mit lmchtmden Augen Me Hand hinüber, ohne ein Wort zu sagm. Er drückte sie
herzlich und würde wahrscheinlich den erlangtm Vortheil benutzt haben, hätte nicht ein lautes Schellm der Thür- klingel seine Aufmerksamkeit abgelenkt. ,
„La voila! Es ist auch wirklich Zeit, daß sie kommt! rief er. während er mit wmigm Schrittm dm Korridor, erreichte. Nach einer Minute kam er ganz verdrießlich wieder und reichte Lex einen Brief- „Ein Expreßbote, da!»
„Von meinem Redaktmr? Was hat der mir denn si» Eiliges zu sagen?» meint Lex während des Oeffuens undj überfliegt dm kurzm Inhalt.
„Eh — verweigert er das Honorar — oder was sonst?» ruft Serge, „Du machst ja em kurioses Gesicht?!* Er hätte ebensogut statt kurios, verstöft sagen können. Der junge Mann hat jäh die Farbe verändert. Ec scheint etwas sagen zu wollm, schließt aber nach einem! Blick auf Paula ohne Wort wieder den Mund und reicht Serge das Schreiben. Und bei dmi bringen die wmigm Zeileti fast noch verstärkte Wirkrmg hervor; er wird aschbleich, sendet einm mffetztm Blick zu Lex hinüber; ist seiner bebmdm Hand rasckM das Blatt.
„Gott — Ihr seht Beide aus wie Kalk an der Waich — was geht vor?»
Sie erhäü keine Anttvoft, sie sieht die Beidm nur einen Blick tauschen; ungewisse Angst läßt ihr plötzlich das Blut fast erstarren. ^ ^ „ r
„Ich will es wissen —" sie hat sich des Bnefes bemächtigt. Ihr Bruder macht eine Bewegung, ivie um sie am Lesen zil hindern, aber Serge, der sich gewalffmn g» faßt hat, sagt: .
„Verheimlichen nützt doch nichts — wir mussM
yanMsii^ @tinrme ist vollkommen tonlos. Und Pauls wollen fast die Knie einsiiikm, als sie die migmscheinlich in fliegender Eile aufs Papier geworfmm, halb der-, löschtm Worte eittziffert: „Ganze letzte Niunmer beschlag- ilahmt. Einzelverkauf bis auf Wetteres verboten. >chtz Pseudonym verrathm, mir uneftlärlich, wie; beim @iiv| nicht durch mich. Man verdächtigt Sie des Schsimmstm. Weiß sicher, daß Sie verhak'"+ werdm sollen. Rache
I
