Verlag Langgaffe 21
„T«gbl«ll.H-»L".
leSftnrt Mn 8 lldr morgens »i* 7 llhr abend«.
wöchentlich
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatt-Haus" Är. 6850-53.
Bon 8 Uhr morgen« ei# 8 Uhr abend«, außer Sonntag».
Nttzeiaen-Breis für die Zeile: 15 Big. in in einheitlichcr Satzsorm: W Psg. in danon
iln«eigen: 8« Big. für alle auswitrtigen Anzctgen: i m. iuii»a«if Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend. nach beionderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unvertnderter Anzeigen in kurzen Znn,chenraumen entlp-echender Nachlaß
Berliner Schriftleit«»- d-s Wirsb-dc.er X.,»latts: Berlm-Wilmersdorf Eüntzelstr.««. Fernspr.: Amt Uhlmrd 450 u. 451
Für die Auinahme von Anzeigen an vorgeschriebenen lagen und Blätzen wird keine Gewähr übernommen.
Zrettag, tt. Iuni 7913.
Kbend'Kusgabe.
Nr. 266. - 63. Jahrgang.
Oer Krieg.
Der Krieg gegen England.
Zwei englische Torpedoboote durch ein H-Soot vernichtet!
W.T.-B. London, 11. Juni. (Nichtamtlich.) Die Admiralität teilt mit, daß am 10. Juni, frühmorgens, die beiden englischen Torpedoboote Nr. 10 und 12, welche an der O st k ü st e operierten, durch er» deutsches Unterseeboot in den Grund gebohrt worden sind. 30 Mann wurden gerettet und an Land gebracht.
Die englischen Torpedoboote 10 urob 12, die durch ein deutsches Unterseeboot in den Grund gebohrt würgen, stammten aus den Jahren 1906 und 1907, haben eine Wasserverdrängung von über 160 Tonnen, eine Geschwindigkeit von 27 Meilen und sind mit zwei Stück 7,6-Zentimeter-Kanonen versehen. Die Besatzung betrug 35 Mann.
weitere neue Gpfer unserer II-Voote.
Wieder sechs Schiffe von gestern gemeldet!
W. T.-B. London, 10. Juni. (Nichtamtlich.) Das Reuter, sche Burezrn meldet folgende Taten deutscher Unterseeboote: DaS englische Fischerfahrzeug „N o t t i n g h a m" ist versenkt wurden; die Besatzung wurde gerettet. Das englische Fischerfahrzeug „Velocity" wurde in der Nordsee versenkt; die Besatzung ist gerettet, nachdem sie 52 Stunden im Boot gewesen war. Ein deutsches Unterseeboot hat die Fischerfahrzeuge „Tunisien" und „Castör" aus Grimsby versenkt; die Besatzungen wurden gerettet. Das englische Fischerfahrzeug „Saturn" ist versenkt worden; die Besatzung landete in NorthshieldS. Der Dampfer „Er ne Boldt" ist gestern früh gefunken; er war torpediert worden. Die Mannschaft landete in Harwich. Ter Dampfer war früher, ehe er als englische Prise erklärt wurde, in deutschem Besitz.
W. T.-B- Liverpool, 11. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Der britische Schoner „E r p r r tz" ist gestern durch ein beut. schcS Unterseeboot in den Grund gebohrt worden. Drei Mann der Besatzung wurden durch einen dänischen Schoner in Plymouth gelandet.
Zwei Sischkutter durch Zeppelinbomben versenkt.
Br. Rotterdam, 11. Juni. (Eig. Drahtibericht. Ktr. Bln.) Wie der „N. R. C." meldet, landete ein holländisches Fischersahrzeug in Maaslvuis die^ Bemannung zweier englischer Kutter. Während diese Schiffe in der Nordsee in einer Entfernung von 30 Meilen von dev Maasmündunq fischten (?), wurden sie von einem Z c p p e l i n l u f t s ch i f f angegriffen und mit B o m- b e n beworfen, welche die Schiffe versenkten.
DerSchaden der 3eppelinbomben in London.
Haag, 11. Juni. (Ktr. Bln.) Ein aus London zurückge- kchrter Holländer bestätigte die kürzliche Meldung, wonach der durch die Zeppeline angerichtete Schaden in London weit größer ist, als die englische Presse berichtet habe. Bon den Schäden, die in den Docks und Hafenanlagen angerichtet wurden, konnte er sich allerdings nicht persönlich überzeuge», da diese Stadtteile gleich nach dem erfolgten Angriff der Luftschiffe für das Publikum gesperrt wurden, um ja keine Nachrichten über die Verwüstungen durchzulassen. Er habe jedoch persönlich in der Nacht eine große Anzahl von Bränden in der Umgebung von London wahrgc- nommen, auch auf das eigentliche Herz von London seien Bomben gefallen, so habe er in der Nähe von Bifhops- gate-Market, 5 Minuten von der City entfernt, 12 durch Bomben in Brand geratene Häuser bemerkt. Auch in Hocke», einer dicht bewohnten Vorstadt von London, wurden Bomben geworfen und eine große Anzahl Häuser in Brand gesetzt. Die Feuerwehr hatte den ganzen Vormittag noch zu tun, des Feuers überall Herr zu wer. den» wobei sic von zahlreichen Hilfsmannschasten unterstützt wurde. Mutmaßlich sollen bei dem Angriff wenigstens 300 Personen getötet und verwundet worden sein.
vie englischen Munitionssorgen.
W. T--B. Rotterdam, 11. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Rotterd. Courant" meldet aus London: In der Debatte im Oberhaus über den Gesetzentwurf zur Schaffung eines Ministeriums für Munition betonte Lord E u r z o n, daß England auch eine große Menge von Munit-on für die Bundesgenossen herstelle. Zwei Lords, die an der Front waren, sprachen über die dringende Notwendigkeit, die englische Armee mit mehr Munition zu versorgen. Lord Sta^nhove sagte: Ich hoffe nicht zu sagen, was nicht jeder deutsche Stabsoffizier weiß, aber im allgemeinen kann ich er- llären, daß die Franzosen sich in den Schützengraben mit wenig Gewehren und mit Unterstützung der prächtigen 75-Millimeter-Kanonen hasten. Wir halten uns mit G e - wchrfeuer. Die französische Art kostet viel Munition, unsere viel Menschenleben.
Br. Amsterdam, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Munitionsminister Lloyd George empfing gestern Vertreter von 22 Arbeitergewerkschafte». Es fand
yM.PiMjüx L-Mereoz" statt. « der dre neue Methode zur
Sprache kam, um die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte stärker auszunutzen und dadurch die Munitionserzeu- zung erhöhen zu können.
Eine Mahnung der „Times" zur Sparsamkeit.
W. T.-B. London, 10. Juni. (Nichtamtlich.) Die .Dimes" schreibt: Bisher haben wir durch Anleihen und Schatz- scheine 550 Millionen Pfund Sterling aufgebracht. Wir werden sehr viel austreiben und den größten Teil der amerikanischen Werte verkaufen müssen. Äußerste Sparsamkeit ist nötig. Man mutz die Einfuhr auf das Notwendigste beschränken. Die Einfuhr nach Deutschland hat fast gang ausgehört. Trotzdem ist seine kriegerische Leistungsfähigkeit unbeeinflußt geblieben.
In Erwartung eines neuen englischen Briegskredits.
Sr. Amsterdam, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ministerpräsident Asquith kündigte einer Reuter- meldung zufolge im Unterhaus an, daß die Regierung im Laufe der nächsten Woche einen neuen Kriegskredit verlangen werde.
Englische Vergewaltigung des norwegischen Briefgeheimnisses.
Sr. Christiania, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Geschäftswelt herrscht große Bestürzung darüber, daß an hiesige Firmen gerichtete Briefe aus Amerika, sowohl gewöhnliche wie eingeschriebene Briefe, von der englischen Zensur geöffnet worden sind. Das Vorgehen steht direkt im Widerspruch mit den internationalen Abmachungen.
von der post der „Lusitania".
Sr. Kopenhagen, 11. Juni. (Eig. Trcchtbericht. Ktr. Bln.) Die dänische Generalpastdirektiou teilt mit: Von der nord- amerikanischen Postverwaltung wird jetzt bekanntge- gcben, daß die mit der „Lusitania" beförderte Post nur in A r i e f s e n d u ng e n bestand, bei denen ausdrücklich die Beförderung mit diesem Schiss gewünscht worden war. Die amerikanische Postverwaltung scheint demnach für die Sicherheit ihrer Sendungen mehr Sorge getragen zu haben als die Cunardlinie für das Leben ihrer Passagiere.
wir und Amerika.
Aus den Worten, mit denen Bryan sein Abschieds gesuch begründete, läßt sich, wenn man will, folgern, daß Wilsons Note der Vorbote einer amerikanischen Kriegserklärung an uns sein könnte. Jöden falls ist Bryan ausgeschieden, weil er fürchtet, daß sich der Krieg vielleicht nicht verhüten lasse. Ob >diese Be soxgnis des bisherigen Staatssekretärs zutrifft, darüber kann sich bei uns niemand mit Sicherheit äußern, denn wir kennen die amerikanische Note noch nicht, und was aus englischen Zeitungen bis dahin über ihren Inhalt mitgcteilt worden ist, braucht nicht wahr zu sein. Immerhin werden wir mit einer Verschärfung des Gegensatzes zwischen uns und den Vereinig ten Staaten zu rechnen haben, wenn es richtig sein sollte, daß Herr Wilson auf der Forderung bcharrt, der Unterseebootkrieg dürfe unter keinen Umstän den das Löben amerikanischer Bürger gefähr den, auch wenn sie entgegen unseren Warnungen Schiffe besteigen, die mit Kriegslieferungen für England und Frankreich angesüllt sind. Zwischen dieser Forderung und unserem wohlerwogenen, ge rechten, unbedingt festzuhaltenden Anspruch aus Vertilgung jedes erreichbaren feindlichen Kriegsmittels tut sich eine Kluft ans, von der ffeilich nicht zu er kennen ist, wie sie überbrückt werden könnte. Wir er innern an die Worte unserer am 28. Mas dem Berliner Botschafter der Vereinigten Staaten zugegangenen Note: „Angesichts dieser ihr cittwandsrei bekannten
Tatsachen vermag die Kaiserliche Regierung e n g I i sche Kauffahrteischiffe auf dem vom Admiral- stab der Kaiserlich deutschen Marine bezeichneten S e e kriegsschauplatz nicht mehr als „uüber- teidigtes" Gebiet anzuseihen; auch sind die deut scheu Kommandanten infolgedessen nicht mehr in der Lage, die sonst für das Seebeuterecht üblichen Regeln zu beobachten, denen sie früher stets nachgekom- men sind." Soweit bekannt, hat die amerikanische Re gierung nicht die Absicht, unser Angebot einer Untersuchung darüber, ob die „Lusitania" mit Munition beladen war, in sachliche Erwägung zu ziehen; sie würde, auch wenn ihr der Beweis dafür geliefert werden würde, daß das amerikanische Gesetz verletzt worden ist, welches die Beförderung von Passagieren aus Schiffen mit Explosivstoffen an Bord verbietet und mit Strafe bedroht, keineswegs von dem Standpunkte äbgehen, daß die Kommandanten unserer Unterseeboote zunächst die amerikanischen Passagiere in Sicherheit bringen müssen, ehe sie dos feindliche Schiff versenken. Wenn Wilsons Note diese Auf iaüung e r n em t ausdrücken sollte, dann stände aller
dings zunächst nur Meinung gegen Meinung, und wir könnten die amerikanische Meinung ruhig auf s tch beruhen lassen, solange wir entschlossen und befähigt sind, unserer eigenen Ansicht durch entsprechende Taten die erforderliche Geltung zu verschaffen. So scharf also die in Aussicht gestellte Not« auch lauten mag, so brauchte sie, falls sie nur den Inhalt der ersten Note wiederholte, noch nicht die Vorbereitung zum Kriege zu sein. Mit dem Vorbehalt, daß uns die Ereignisse in den Nächsten^ Tagen widerlegen könnten, inöchten wir uns zu dem Glauben bekennen, daß die Vereinigten Staaten den Entschluß zum Kriege doch wohl nicht finden werden. Warum auch sollten sie gegen uns mit den Waffen kömpfeu wollen, da von drüben her jede Schädigung, die uns überhaupt zugesügt werden kann —- daraus weist auch eine unten wiödergegebene neutrale Stimme ganz mit Recht wieder hin.— ohnehin schon bereitet wird, ohne daß ein Tropfen amerikanischen Blutes zu fließen braucht? Das Kriegslieserung sge schüft müßte arg ins Stocken kommen, wenn die Union für den eigenen Bedarf stärker zu rüsten hätte. Keine der Vierbund- rnächte hätte ein sichtbares Interesse daran, für sich de» Bezug von Waffen und Munition aus Amerika zu e rschweren, sie alle werden Herrn Wilson vermutlich dringend ersuchen, den bisherigen Zustand nur ja unverändert zu lassen. Wir unsererseits haben, da uns Amerika als offener Feind auch nicht zu schrecken brauchte (denn was toitt uns die Union antun?), nicht die geringste Veranlassung, unbefugten, hochmütig und drohend gestellten Ansprüchen nachzugeben. Auch ist gebührend zu berücksichü- gen, daß die Amerikaner infolge des Krieges nicht bloh ihre Ausfuhr nach den uns feindlichen Ländern, sondern auch die Ausfuhr in die neutralen europäischen Staaten erheblich haben steigern können, und daß dieser zweite Teil der Ausfuhr durch einen Krieg mit uns doch wohl stark beeinträchtigt werden würde. Sit den dreiviertel Jahren vom 1. Juli 1914 bis 1. April 1915 hob sich die amerikanische Ausfuhr nach Dänemark von 12 auf 36, nach S chw ed e n von 11 ans 66, die nach Norwegen von 7 ans 32, die nach den Niederlanden von 84 ans 102, endlich die nach Italien von 59 ans 139 Millionen Dollar. Soll man glauben, daß die klugen Rechner jenseits des Ozeans diesen einträglichen Handel preisgeben möchten'? Vielleicht würden sie es tun, wenn dafür entsprechende Gewinne zu haben wären, die auf andere Weise nicht eingebracht werden könnten. Aber Amerika ist ja in der angenehmen Lage, daß es das eine tun kann, ohne das andere zu lassen, das Geschäft blüht nach jeder Richtung hin, nur durch offenen Krieg könnte es gestört werden. Also .wollen wir die Note aus Washington kaltblütig erwarten, sie kann, wie sie auch gefaßt sein mag, nichts enthalten, worauf wir-nich't vorbereitet wären, mit unseren Ge- sin nun gen, mit unseren Entschlüssen, mit unserer Kraft.
Die amerikanische Antwortnote vor der Ueberreichung.
Br. Berlin, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die neue amerikanische Note in der „Lusitania"-AugelLgenheit ist, wie die ,.B. Z." hört, gestern nachmittag dem amarikani- , scheu Botschafter Gerard telegraphisch zugegangen. Sie lies I aus der Botschaft in 12 Teilen nacheinander ein, woraus ! bereits erhellt, daß sie ein ausführliches Dokuments isü An der Entzifferung der Depeschen wurde aus der Botschaft bis spät nachts gearbeitet. Die fertige Idole soll heute in der Mittagsstunde dem Auswärtigen Amt übergeben werden.
Zu Bryans Rücktritt.
Berlin, 11. Juni. (Ktr. Bln.) Aus Washington wird noch weiter aemelbet: Gerade in dem Augenblick, als der A nf an g damit gemacht wurde, die Note der amerikanischen Regierung an Deutschland telegraphisch zu übermitteln, erschien die Äußerung Bryans, in der er bekannt gab. er betrachte sich jetzt als Privatperson und gänzlich frei. Er. werde die öffentliche Meinung über seine Erwartungen und Ansichten ausklären. Er hoffe, einen öffentlichen Me i n u n g s- au stau sch anzuregcn, der zugleich den Präsidenten unterstützen und den von ihm vorgeschlagencn friedlichen Mitteln zum Sieg verhelfen würde, wenn Präsident Wilson cs mit seinem Pflichtgefühl nicht in Einklang bringen könne, diese Mittel anzuwenden. — Präsident Wilson lehnte eine Erklärung über die Äußerung Bryans ab.
Bryans Popularität bei den Friedensfreunden.
Br. Rotterdam, 11. Jüm. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Berichterstatter der „Morningpoft" lenkt die Aufmerksamkeit auf die uneingeschränkte Popularität Bryans. Falls Bryan die Absicht hatte, eine Friedenspartei gegen Wilfon zu bilden, würde er dem Präsidenten starken Abbeuch tun können. Wenn er Wttjon auch dadurch noch nicht zur OhnnwÄ
