Wiesbadener Ts
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As. 462. Redaktions-Fernsprecher No. 52.
KsSSIBLZ-KkSSZASZS.
Donnerstag, den 3. GKIoKer.
Berlagö-Fernfprecher No. 2266.
XDn beehren uns der verehrüchen Geschäftswelt wie dem mferirenden Publikum bekannt zu geben, daß die neueste Vervollkommnung unserer maschinellen Betriebs-Einrichtungen es uns ermöglicht, von heute ab die
Lnzeigen-Nnnalme kür die Äbrnd-Äusgabr des Wiesbadener Tagblatts
bis n Adr Mittags aus* zndedne». «.*******«.
$xv Verlag.
England und das Völkerrecht.
Dieser Tage sind von aus allerlei leibet ficilt
fofe Gerüchte verbreitet worden, wonach der Protest der Buren gegen die bekarmtliche völkerrechtswidrige Proklamation Kitcheners mm doch den Schiedsgerichtshos rm Haag beschäftigen und außerdem eme Neucmslage üer Haager Friedenskonferenz geplant werde. Diese Gerüchte trugen den Stempel der Erfindung an der Strrn und fw sind unterdes; auch berefts demenürt worden. Der Schreds- aerichtshof ün Haag fuhrt ein Stillleben, um das es von dem Amtsgericht mancher Kleinstadt beneidet werden dürfte. Und was die Haager Friedenskonferenz betrifft, s. werden die Mächte wohl den Grundsatz befolgen, daß man sich eine Komödie nur einmal ansehen soll.
Freilich, wenn die Haager Friedenskonferenz mehr als eine Komödie gewesen wäre, dann allerdings hatten die Mächte, welche sich an ihr betheiligt haben, allen Anlaß. sich mit der Erörterung der Frage zu befaßen, ob sie dazu stilljchweigen wollen, daß in Südafrika sowohl
die Bestimmungen der Genfer Konventton, als mich die Beschlüsse der Haager Konferenz von den Engländern mtt den Füßen getteten werden. Die englische Kriegsführung in Südafrika ist ein Hohn auf das Vo ker-rechl Und dennoch ist diese Kriegsführung dem englischen Oberbe- fehlshaber Lord Kitchener noch zu zahm, sodaß er von der englischen Regierung unter der Androhung seines Ruft- ttftts eme weitere Verschärfung der Maßnahmen gegm die Buren verlangte. Da jetzt von dem englischen Kriegsamt dieMeldung der englischen Presse, daß Lord Kttchener sein Entlassungsgesuch eingereicht habe, für „durchaus imbegründet" erklärt lvird, so heißt das aus dem Englischen ins Deutsche übertrageu. daß die englische Regierung sich den Forderungen Lord Kitcheners gefügt hat.
Man wird also m Zukunft noch weitere barbarische Maßnahmen der Engländer m Südafrika zu ecwarwn haben, wenn nicht den Buren unterdeß der Geüuldaden reißt und s'e sich auch anschicken, m umfassendem Maße Barbarei mit Barbarei zu beantworten. Das ist bisher seitens der Buren nur in verschwindend wenig Fallen ge- schehen, denn das Temperament und der streng, religiöse Charakter der Buren haben sie bisher von eurer bar- barischen Kriegsführung ferngehalten, wie sie von den Engländern, die ihr Christenthum nur auf der Zunge tragen, ungenirt ausgeübt wird. Aber allgemach werden die Engländer damit rechnen müsseii. daß die Buren oben- falls des milden Tons satt werden und Gleiches mtt Gleichem vergelten. Die Engländer treiben em gefährliches Spiel. denn sie sollten bedenken, daß dre Buren bis her fast täglich Dutzende von Gefangenen frei lausen lassen, ohne ihnen ein Haar zu krünimen!
Entblöden sich doch die Engländer, die sich dem zu saminengeschmolzenen Häuslein der Buren allnn nicht mehr gewachsen fühlen, nicht, dw Lucken m shren Schlacht- reihen durch Eingeborene auszusullen und dre Käftern auf die Buren zu hetzen. Bisher hatten dres die Eng- länder noch halb zu leugnen gesucht und Herr Chamber lain erklärte es in seiner letzten Parlamentsrede für .inopporttm". in Südafrika Farbige zu verwende, ^etzt aber gesteht die englische Kriegsleitung unumwunden em daß bei den letzten Kämpfen an der Grenze von Natal und Zululand Kaffern verivendet worden sind.
Freilich. angesichts der zahlreichm Verstöße gegen das Völkerrecht, welche von den Engländern m Südafrika begrmgen worden sind, verlernt man es allgemach, sich noch über irgend etwas zu wundern, ^ft doch Mt der Erlaß Kitcheners zur Ausführung gelangt, wonach das Eigenthum der noch im Felde sichenden Burenfuhrer kon- siszirt wird (ivobei zuiiächst beschönigend bemerkt wird das hiervon die Unterhaltungskosten der Angehorrgen bestritten werden) und wonach die Burenfuhrer selbst mtt der Verbmmung bestraft werden sollen Dieser Erlaß bedeutet einen u n e r h o r ten V e r st o tz g e S e n d a s Völkerrecht, denn es ist emer der obersten voller- rechtlichen Grundsätze, daß kein Bürger des feindlichm Staates, Kombattant oder Nichttombaüant, wegen de
während des Krieges begangenen polittschen oder mrlr- tärischeii Handluii-gen verfolgt, zur Untersuchung gezogen oder in seiner Person oder seinem Vermögen verkümmert werdeii darf, demi es ist klar, daß die einfeittge und. wre die Thatsachen zeigen, nnivahre Erklärung Kitcheners, daß der Krieg zu Emde sei, nicht das Ende des Krieges bebautet
Nicht minder haben die Engländer plmigemäß gegen die Bestimmung der Genfer Konvention verstoßen. welche die huniane Bchandlung der Verwundeten gebietet. und gegen die Bestimmung der Haager Konferenz, welche die Bestrafung entflohener und svieder erlangter Gefangener untersagt. Vor Allem aber ist die ganze Kriegsführung der Engländer ivährend des lchten Jahres ein Hohn ach die Besttmmung der Haager Konferez. welche besagt., daß die Schädigung der Ehre und. des Besitzes von Privat- Personen, sowie Plünderung verboten sind Daß diese Dinge vor sich gchen kvrmten. ohne daß die MEe sich zu einem gemeinsamen Protest gegen diesen Bruch des Völkerrechtes zu vereinigen vermochten, ist em erneuter Beweis dafür, daß die Haager Friedenskonferenz nichts war, als eine „Komödie der Irrungen".
Der neue Gesetzentwurf, bete. die Sicherung der Saufvrderungen.
Auf Grund der Kritik, welche an den im Dezember 1S97 veröffentlichten Gesetzentwürfen, betreffend die <Licherur^ der Vau orderungen. geübt wurde, ist jetzt ein neuer Entwurf aus. gearbeitet worden, lieber den Inhalt desselben kann die „Deutsche Taaesztg." mitthcilen: „ . .
Durch landesherrliche Verordnung kann danach ange-mmot werden, daß für einzelne Gemeinden eine Sicherung der Bag- forderu'ngen nach den Vorschriften des Gesetzes staktsmde. Sicherung erfolgt durch Eintragung einer Hypothek, und so weit dl- der Bauhypothek vorgchenden Belastungen dm Bau- st-llmwerth übersteigen, durch Hinterlegung von Geld oder Werthpapieren. Zur Sicherung des Ranges der Bauhypothek ist vor dem Beginn des Baues der Vermerk, daß das Grundstuck bebaut werden soll (Bauvcrinerk), in das Grundbuch e,nzutr<^em Bon dieser Eintragung ist die Ertheilnng der ÄauerlaubmH abhängig. Außerdem ist der Nachweis zu fuhren daß die htm Bauvermerke vergehenden Belastungen den Baustellenwerth nutzt übersteigen, oder daß durch die obm erwähnte Hmterlegur^ Sicherheit geleistet ist. Zu einer Rangänderung, durch d-c dem Bauvermerte der Vorrang vor anderen Rechten emgeramnt wird, gmügt an Stelle der Einigung des zurncktretmden und des vor- tretenden Berechtigten die Erklärung des lurücktr^mdm Berech- tiaten vor dem Grundbuchamt. Der Bauskellenwerkh ist durch eine Bescheinigung der zuständigen Behörden nachzuweism. So
weit stimmen die beidm Entwürfe uüerem. Bu der Festsüüui^ des Begriffs der Baugläubiger geht der Entwurf 2 echttllich weiter und ist genauer spezialistrt. Es werden °ls Baugläubiger nicht nur die an der Herstellmig des Bauwerks auf Grund eines Werk- oder Dimstverttages B-theillgten wegen chrer Ansprüche auf die in Geld vereinbarte Vergütung bezeichnet, sondern auch die Lieferanten der zur Herstellung des Bauwerks
«eHäHSfSSESHHSS!»
2l. LortieLung.
Nachdruck verboten.
Uemrsis.
Roman aus der russischen Gesellschaft von ?. »> <£#$«•
„O Sie achtloses Menschenkinds" rief Lex im Tone Whasten Bedauerns und blickte beinah' betrübt aus d« aus schwarz-goldenen Perlen überaus zierlich gearbeitete Uhrschnur nieder, von deren zerrissenen Fäden dre winzigen Kügelchen herabrollteu.
„Non Vien, qael chagrin!" lacht Serge. „Stt, tauschen tott, und der Schaden ist gut gemacht!" Er nestelte seine goldene Kette los und bietet sie chm m der
^Nn^mifft ein verwunderter, vorwurfsvoller Blick.
„Sie irren, Graf Lcmsky. Sie können, mw den Schaden nicht ersetzen; denn diese Kette ist ein Geschenk mmner Schlvester und ihre eigene Arbeit."
Serge wird etwas roch und blickt einen Augenblick zu Boden; dann aber steht ec dem jungen Manne ehrlich und
voll in die Augen: m „ . . _ „
„Und weil ich dem kleinen Mädchen etwas zu flickm gegeben, Rn ich für Sie auf einmal Graf Lausky geworden, atnice ?"
„Nicht deshalb!" brummt Lex.
„Also weil ich nach dem ersten Besten griff, das eme Ahrschnur Vorfällen konnte? Bin ich schuld, daß sie gelb ist statt schwarz?" Er hält sie noch einige Sekunden in der ausgestreckten Hand; als Lex jedoch ohne Antwort sich zum Gchen wendet, fügt er hinzu: . „
Ob ich dabei an irgend emen Werth des Dinges
daclste, mögen Sie urtheilen-"und schlenkert mit
nachlässiger Geberde die kleine Goldschlange ms Wasser.
Lex hat unwillkürlich eine Bewegung gemacht; jcht bleibt er stehen und ruft heftig:
„Das war Unrecht! Das Dmg hat für mich so wen-g w- 'ür Sie, aber aus unendlich verschiedenen
Motiven! Prinz Uebermuth, wissen Sie auch, daß dre Handvoll Gold einer armen Familie aus Wochen Brod gegeben hätte? Aber wie käme der Gedanke m >?hren lechtsinnigen Kops? Da treibt Sie der Hochnmths- teusch. dem armen Lehrerssohn ein wenig zrr rmpomren — ganz und gar nicht haben Sie mir rmponrrt ganz
im Gegentherl!" ^ ,
Lex wenn der Sernron noch langer dauert, so hör ich gern noch ein Weilchen zu!" erwidert Serge gemuth- lick. Der Student wendet sich ab rmd macht große Schritte, um die inzwischen Vorcmgegangenen zu er- reichen, aber sein Begleiter bleibt an serner serte und fährt im fteundlichsten Gleichmuth fort: „Herr Conmu- lftone, würde mir Ihr Schwesterchen auch solch em Uhr-
Nickolsen beißt sich die Lippen. antwortet aLer doch ziemlich barsch: „Meme Schwester rch kern klernes
Mädchen mehr und macht für fremde Herren keine Ha -
arbeittn.^ _ — Mer ivarum der Aerger?
Aerger schadet dem Teint, sagt, Clemens' Mama inrmer. Heilige Perepetuja, Sie laufen ja wre em Hippopotamus-
^Lex hält plötzlich an und wmdet ihm das lachende icht zu: „Schadet das auch dem Teint?' ^
„Ich bin ganz athemlos!" versichert chm serge. „Wenn jetzt meine Molekülen sich auflosen, bmdet keine Ührschnur sie zusammen." Er macht eine kleme Hause und ftagt dann: „Wie alt ist, sie denn.
Um die Mundwinkel des sungen Mannes zuckt ,es leise. „Drei Jahre. Ich bekam sie zu meiner Konsrr- matton mit der Uhr."
Serge sieht chn lachend an: „Die Schwester?- Wa- rum übrigens haben Sie mir noch nie ein eorerbens- wörtchen von ihr erzählt?" . m ,
Aber auch jetzt giebt Ler nur eine ausweichende Antwort. Ein wenig sürtzig geworden, schweigt Serge da-
- - - -
rauf- bann sendet er chm aus den halb zugekniffenen Augen einen eigeiühünfticheii Blick zu. Deuie Neugier ist geweckt und damit der Wunsch, sie zu befriedigen, und der Eittfchluß wird gefaßt, dieses geheun gehaltene kost- bare Kleinod einmal mit eigenm Augen zu schauem Sie haüeii jetzt die Vorderen erngeholt; bald darauf tteunte man sich mit Handschlag und ichftchm „Aus Wiedersehen". Die beiden Bruder und Morolt schlugen den einen Weg. Clemens und Serge einen entgegenge.
„Nun, wie gefallen sie Dir?" fragte Letzterer, halb
neugierig, halb scheümsch. ,
Gar nicht übel. Den Aeüeren übrigens kannte ich ja
bereits. Er hat den Doktor gemacht?"
„In diesem Frühjahr. Ist setzt so und so vielter Assistenzarzt am O.-Hospital; natürlich noch ohne Gage. Aber dabei — stolz wie ein verarmter Castttterl Auch Lex zeigte sich heute als ein rechter Philister!
„Er hatte ganz Recht, in beiden Fallen! potie dis tianze Sache. Er sprach genau das aus. was «h selbsteiU- mal empfand, als ich ein Garde-Offizieren emen Dre^ Rubelfchein als Fidibus gebraucheii sah. Nur schwieg ich — er kocht noch, wird sich schon abkrihlen." ,
Serge schwieg. Clemens fuhr fort: „Warum übrigens wird dieser Ler denn nicht wie alle ehrlichen Alexander
^Serge Mte'die Achseln. „Vielleicht, well derblasse Privatdocent ebenso heißt. Sie sind ja eftl Herzumd eme Seele- noch von den Kinderjahren her befreundet. Dn Morolt soll jetzt schon Gelehrsamkeit besitzen, wie drei Mönche zusammengenommen!"
"©ültter!" lacht Serge, „ich dachte an dch alten Klöster im Mittelalter. — Für s?ne Asserlotton iwer-- Nim irgend etwas - hat er die 5
kommen. Aber wo willst Du denn hnr? Blewst Du nM den Abend bei uns?"
