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Wiesbadener (Eaglilatt.

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Donnerstag» 10. Juni 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 264. ♦ 63. Iahrgang.

ver Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Eine neue Phase der großen galizischen Schlacht.

Nr. Berlin. 10. Juni. (Eig. Drahibericht. Ktr. Mn.) Der Kriegsberichterstatter der „B. Z." meldet auS dem KriegS- presiequarner: Wieder ist die galizische Schlacht, die seit dem 2. Mai so viele liberraschnngcn brachte, in eine neue Phase cingetreten. Während die Russen alle Kräfte der Verbündeten im Raum von P r z em h s l bis zum Dnjestr angespannt glaubten und einen neuen Stotz gegen die Armee Pflanzer-Baltin» d. h. gegen die Front im Südosten GMsziens begannen, ging dieser plötzlich, für de« Gegnstr völlig unerwartet, zur Gegenoffensive vor. Im An- schlutz an die Armee Linsingen, die in unaufhalt­samem Sie^es^uge die Russen immer wicher weiter wirst, ritz auch der General Pflanzer seine Kräfte vorwärts, und w i e d e r hat sich die i n F l u tz gekommene Auflösung des russischen HrereS deutlich gezeigt. Die noch vor wenige» Tagen gegen die Front nördlich K o l o m e a und R a d w o r n a angesetzten russischen Angriffsmaßnahmen wrrr- oen von dem Stoß nicht nur in ihre nächste rückwärtige Linie zurückgeworfen, sondern der Ansturm, der mit großer Wucht auch von in der Richtung Stanislau angesetzten verbünde­ten Kräften geführt wurde, brachte stellenweise einen Raum­gewinn von über 30 Kilometer. Die neue Front verläuit augenblicklich etwa über Kulaczkowiee (nord- wcstlich von Sniatyl) und K o r s z o w (nördlich Kvlvmea) nach Nordwesten. Sie hat den Pruth, dessen Forcierung den Rusicn so gänzlich mißglückte, im Rücken gelassen. Ein wichtiges Zeichen deS Drohen Erfolges der Verbündeten endlich ist die Wicdereinnahme von Stanislau und die dar­über hinausgehe-nde Verfolgung der Russen in der Richtung des Brückenkopfes von H a l i c z. Tie Einnahme von Stanislau bringt für dir Russen, abgesehen von allen anderen Folgeerscheinungen, die unangenehme Konsequenz mit sich, daß ihnen dadurch zwei strategisch außerordentlich wichtige Bahnlinien abgeschnitten werden, die Linie Stanislau-Lembcrg und Stanislau-Tysmienica-Bulcacz.

vie ersolgreichenversolgungskämpfe in Galizien.

Ein neutrales Urteil.

W. T.-B. Zürich, 9. Juni. (Nichtamtlich.) In einer Kriegsbetrachtung der „Neuen Zürcher Ztg." werden die uner­müdlichen Verfolgungen in Galizien dem Beispiele aus der Kriegsgeschichte wie nach Jena, Auerstedt und Waterloo an die Seite gestellt, wobei betont wird, daß es immer einen mitleidslosen Führerwillen erfordere, um von feinen Truppen nach den Anstrengungen 'der Schlacht noch Strapazen bei der Verfolgung zu verlangen. Dieser mit­leidslose F-ührerwillen scheint eine der hauptsächlichsten Eigen­schaften, besonders der deutschen Führer, auf dem östlichen Kriegsschauplätze zu sein. Hindenburg hat hierzu ein glän­zendes Beispiel gegeben. Rach Beobachtungen von Augen­zeugen ist auch nichts versäumt worden, um alle Mittel be­reitzustellen, durch die einer rastlosen Verfolgung Vorschub geleistet werden konnte. Dies gilt von den Automobil­kolo n n e n und F u h r w e r k e n, die eine anhaltende Ngch- schiebung frischer Kräfte ermöglichten, um auf diese Weise die durch Verfolgungsmärsche ermüdeten Truppen durch aus­ser uh te zu ersetzen. Dies gibt auch eine weitere Er­klärung dafür, warum cs den bereits durch die Schlacht und £ie Niederlage zermürbten Russen nirgends mehr gelingen wollte, festen Fuß zu fassen. Dieser mitleidslose .und dabei unermüdliche Vcrfolgerwille hat es auch möglich gemacht, dem Durchbruch am Dunajec die Ausnutzung folgen zu lassen, welche sich mit Recht den angeführten Beispielen an­dauerndster Derfolg-cM an die Seite stellen darf und es ge stattete, nach der Einnähme von Przemhsl jetzt die Besitz nähme von Lemberg und die Säuberung von ganz Galizien ins Auge zu fassen.

Die Russen im Abzug von Lemberg.

Sr. Bukarest, 10. Juni. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin. Aus authentischer Quelle wird berichtet, daß die russische Heeresleitung bereits Verfügungen zur Räumung Lembergs getroffen habe. Die in Lemberg befindliche» russi­schen Truppen sind schon im Abzug begriffen. Auch die russische Polizei hat ihre Tätigkeit eingestellt.

Der Erfolg von Stanislau.

Berlin, 10. Juni. (Ktr. Bln.) Über die Einnahme von Stanislau heißt es in einem Telegramm des Kriegs berichterstatters des „B. T.": Die entscheidenden Erfolge, irclche die Verbündeten in den letzten 24 Stunden erreicht haben, sind für die weitere Entwicklung der gesamten KriegÄage von besonderer Bedeutung. Me Besitznahme von Stanislau sowie auch die Besetzung der besonders starken Linie nördlich Kolomea und das weitere Vordringen gegen Haltes bedeute ein besonders einschneidendes Vortreibcn des unwiderstehlichen Keiles, den unsere und die österreichischen Kräfte in die russische Front mit unb^wing barer Energie erngetrteben haben. Aus dem nördlichen Ab schnitt, in Polen tme im unteren San-Aebiet. begleiten zur­zeit kleinere Gefechte, die in dem vorher erwähnten Abschnitt sich abfpielen, die für uns so siegreichen und für die Russin so verlustreichen-,Operationen. Die tägliche Mindest zahl

von 5000 bis 6000 Gefangenen beweist den unwidersteh­lichen moralischen Eindruck, den auf die russischen Truppen das konsequente siegreiche Vordringen der verbün­deten Armeen macht.

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Oie Wiedereroberung przemysls.

Ausführliche österreichische Darstellung.

Wien, 10. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Augenzeugen berichten über den Her­gang bei der Einnahme von Przemysl:

Dos rasche Vordringen der Verbündeten nach dMi Siege in Westgalizien hatte die Russen offenbar höchst 'überrascht. Immer wieder glaubten sie durch den Ein­satz rasch herbeigesührter Verstärkungen den Siegeslauf an verschiedenen günstigen Abschnitten, insbesondere an >der Wisloka und am Wislak aufhalten und Przemysl, dem so wichtigen Stützpunkt der Zarenherrfchaft in Galizien, die BÄ-agernng ersparen m können. So wur­den denn auch beträchtliche Teile der Festungsbesatzung der Feldarmee $u Hilfe gesandt und in den Strudel der rasch aufeinanderfolgenden Niederlagen hineingerissen. Mt unheimlicher Schnelligkeit näherten sich die Verbündeten Przemysl und

überraschten die geschwächte Besatzung, die nun die weit ausgedehnten Vorstellungen dem An­sturm der Verbündetn, besonders der von Westen hevan- rückenden .st-Mallerietruppendivision Berndt und dem von Südwest heranziehettden 10. Korps überlassen »nutzte. Fast schien es, als ob auch der Gürtel der Wetzte nur als Nachhutstellung dienen sollte, mm den R hassen der über den San strebenden geschlagenen russi­schen Truppen einen Vorsprung zu verschaffen. Das 10. Korps setzte auch sofort, schon am 16. Mat zum An­griff an. Trotzdem zur artilleristischen Vorbereitung nur Feldgeschütze zur Verwendung kommen konnten, drangen die Unsrigen in einem Zuge trotz wütender Gegenwehr 'der Rüsten bis an den Rand der Hindernis­zone des südwestlichen Abschnittes und .namentlich des Werkes Pralkovce. Von hier ab ging es aber nicht wei­ter, da zur Zerstörung der soliden Hindernisse und betonierten Werke die Feldartillerie nicht ausrerchte. Inzwischen war in Przemysl

ein Befehl des Oberbefehlshabers Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch -eingetroffen, datz die Besatzung die Festung bis zum Äutzersten zu verteidigen habe, und m welchem das Ein­treffen bedeutender Kräfte zur Verstärkung der Be­satzung angekündigt wurde. Das so dicht am Feinde liegende 10. Korps hielt die Besatzung nunmehr ständig in Atem. Mittlerweile vollzog sich die Einschließung der Festung im Süden und bald auch im Norden.

Gegen Ende Mai kam dann die schwere Artillerie der Verbündeten heran, deren Vormarsch durch die Zer­störung aller Brücken -beträchtlich verzögert worden war. Kaum waren beim 10. Korps einige schwere Batterien eingetroffen, als das Bombardement, insbesondere gegen die hartbdedrückte Front Pralkovce begann. Als sich dessen Wirkung zeigte, setzte die In­fanterie zum Sturme an und nahm das Werk am Abend des 29. Mai. Als Pralkovce fiel, wurde die gesamte Reserveartillerie der Festung und alles Geschütz, das an den anderen Fronten entbehrlich war, herrmgezogen und zur Wwehr in Tätigkeit gesetzt.

Bald ergoß sich ein dichter Hagel von Geschossen auf Pralkovce,

so -daß ein Verbleiben in dem Werk unm'öglich war. Die Infanterie mutzte zurückgezogen werden, setzte sich aber wieder in den höheren Stellungen vor dem Hindernissen fest und vereitelte den Versuch der Russen, das Werk wieder zu nehmen. So blieb die Wunde, -die in den Festungsgürtel geschlagen worden war, offen, und die Russen -mußten Massen ihrer Artillerie stets bereit hol- ten, um jeden Versuch eines neuerlichen Einbruchs wirk­sam bekämpfen zu können.

Inzwischen war auck) vor der Nordfront, wo die bayerische Division Generalleutnant Kneußl, verstärkt mit etwas preußischer Garde und einem preu­ßischen Infanterie-Regiment sowie nrit denn Fuß- b'atmllon einer Honved-Liavallercediviston nach dein Sieg bei Radymno, den Raum bis zum San abschloß, schwere Artillerie eingetroffen und begann am 30. Mai, mittags, die

Beschießung des Abschnittes zwischen Ujknwice und Dunkawici,

in dem sich die Werke 10 (Ufkowice), 10a, 11a, 11 (Dunkowiei) nebst etlichen Zwischenwerken befanden. Vom zwerahaften Gebirgsgeschütz bis zum 42er Riesen traten hier alle Kaliber der österreicküsch-ungarffchen und 'deutschen Artillerie in Tätigkeit. Mt unheimlicher Genauigkeit und Wirkung bearberteterr die Feuer- sMmde den Abschnitt, namentlich aber die Werke 10n, 11a und 11. Die Russen konnten nur verhältnismäßig

wenig Artillerie entgegenstellen und hielten den Angriff gegen diesen stärksten Teil des Gürtels übrigens auch nur für eine Demonstration, die nur die Aufmerksam­keit von der Südweftfront -ablenken sollte.

Die Befesti'gungen, namentlich die Hinderniszone, waren so stark, daß die Beschießung am 31. fortgesetzt ,werben mußte. Doch hatte sich die Infanterie während der Nacht nahe an die Stellungen hercmgearbsitet. Am Mittag des 31. trat eine Feuerpause ein. Ein preu­ßischer Unteroffizier schlich sich aus der Deckung -gegen 11a vor, um die Wirkung des Bombarde­ments zu -erkunden. Er fand mehrere Breschen i n -d e n Hindernissen und merkte beim Vorgehen, daß die Schießscharten der Werke unbesetzt waren. Rasch eilte er mit mehreren herbeigewinkten Soldaten vor und erkletterte die Brustwehr. Die Russen waren wäh­rend der fürchterlichen Beschießung aus den Werken in rückwärtige Stellungen zurückgeigangen. Ms die Feuer­pause eintrat, eilten sie in ihre Stellungen zuruck. Schon aber hatte der Unteroffizier mit seinen wenigen Leuten die Brustwehr erklettert. Vor den drohend an­geschlagenen Gewehren stutzten die Russen, einzelne war­fen -die Waffen wag und hoben die Hände hoch.^ Mit- lerw-eile hatten aber auch die nächstm Kompagnien das Vorgchen der kleinen Gruppe bemerkt und stürmten herbei.

Im Nu waren die Stellungen voller Angreifer,

die der russischen Gegenwehr in kurzenr heftigen Kampf ein rasches Ende bereiteten. 10a und 11a waren nebst Zwischenwerten genommen. An der Erstürmung der zwischen 11a und 10a gelegenen Jnfanteriestellun- icen beteiligten sich Honvedhusaren zu Fuß. Nun zoa 11 (Dunkowiei), obschon es in bestem Derteidlgungs- zustande war und am wenigsten gelitten hatte, dre Werpe Fahne auf. Die Russen sahen aber endlich doch daß hier die größt? Gefahr drohe. Reserven eilten herzu. Sie konnten zwar 'den Schaden nicht mehr behs-aen, vor- eitelten aber in wütendem Gsgenangriffe ein Vorgchen gegen die Straßensperre bei Dunkowiei. Bald kam auch ein Gegenstoß in Richtung 10a und Hip der nach heißem Kainpt unter Mitwirk-ung der die ^nfanterw mit bewunderungswürdigöm Verständnis unterslutzen- dm Artillerie abgewlesen wurde. Diese schweren Kampfe füllten den 1. Juni aus. Am Abend ab-er wurde die Straßensperre genmnmen.

Auch auf dem westlichen Flügel war die Jnstm- i>"°i» ott das Werk 10 gekommen. Das Werk 9a hatte ihr- Vordringen dirrch Flankenfeuer zu stören versucht, wa>- aber von der schweren Artillerie sogleich derart Mit Bauchen bölegt worden, daß es rasch zum Schweigen gebracht wurde. Das Werk 10 war aber so stark, daß die Infanterie nicht durch die intakten Hindernisse zu stürmen vermochte. In der Nacht ging die Infanterie auf 1000 Dteter zurück, damit am Morgen die 42er und di-e 30.5 ihre Grütze hinübersenden konnten. Nach wenigen Schüssen schon sah man im Werk Rauchwolken aufsteigen.

Zu spät eilten russische Reserven herbei.

Die Unseren warm bereits in das Werk elmgerückt und wiesen diese Stürme blutig ab. Inzwischen war am 2. Juni, mittags, die Gruppe, die Dunkowicl genom­men .hatte, gegen die Stellung vorgegangen, welche diö Russen nördlich von Zrawica besetzt hatten. Nament­lich um das Barackenlager und die benachbarten Hohen entwickelte sich ein heftiger Karnpf, -der mit dem Z u- rückwerfen der Russen endete. Als die Ver­bündeten zuni Angriff gegen den Nohau vorg-mgen, fanden sie diese Werke geräumt. Demoralisiert von der Beschießung und den schwerm Niederlagen hatten die Russen sich zur

Preisgabe von Przemysl

entschließen müssen, ohne den letzten Widerstand in Nohau M versuchen, trotzdem bekannt war, daß die Feldarmee einen allgemeinm Angriff plante und äußerster Widerstaird befohlm war, um das Erg-ebnis dieser Rettung verheißenden Aktion abzuwarten. Be- zeichnend ist, daß der Angriff auf die stärkste Front der Gruppe Kneußl an Toten und Derwuiidetm Nicht Mel inehr als 500 Mann kostete, während die Russen bm der ersten Belagerung allein vor Dunkow-ici 4000 ^.otc liegen ließen, ohne näher als an den Rand der Hinder­nisse M kommen.

Das vorpsstengefscht in der Gstsee.

W T.-B. Berlin, 10. Juni. (Nichtamtlich.) Bon Pcters- bnra ras «mbe am 7. Juni die Meidung verbreitet, daß aus Berichten russischer Kuiienpvsten und im Dienste bestndtuher Unterseeboote heworgche, daß es gelungen sei, durch in dre

Fabtrichtnng des Feindes ansgestreute Mnen und Angriffe

russischer Tanchboete drei feindliche schiffe zu ver­senken oder zu beschädigen. . . , „ . .

Hierzu- erfahren wir von zuständiger stelle, oaß nur ein Schiff, und zwar ein K o h-l-e nck-a m p f-ew, durchLen'.TarPÄo eines feind-lirhcn Unterseebootes versenkt worden ist. Ern