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Donnerstag» 10. Juni 1913.

Morgen'Ausgabe.

Nr. 263. - 63. Jahrgang.

Die erste größere Niederlage der Italiener,

Der Tagesbericht vom 9. Juni.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Juni.

(Amtlich.)

westlicher Rriegsschauplatz. weitere schwere Rümpfe um Arras.

Am Osthang der Lorettohöhe zum Angriff ein­setzende feindliche Kräfte wurden gestern nachmittag durch unser Feuer vertrieben. Am Südhang der» selben Höhe scheiterte ein feindlicher Angriff. Die Ietz- ten Häusergruppen des schon seit dem 9. Mai zum größten Teil im Besitz der Franzosen befindlichen Dorfes Neuville wurden heute nacht dem Feinde überlassen. Südlich von Neuville schlugen wir wieder­holte Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen ab. In der Gegend südöstlich von H cb u- t r r n e ist der Kampf nach einem in den Morgen­stunden mißglückten Angriff der Franzosen wieder im Gange. Nur um eine kleinere Stelle unseres vordersten Grabens wird noch gekämpft.

westlicher Rriegsschauplatz, Fortschritte an der vubissa und bei Rowno.

Auf dem östlichen Windau-Ufer wurde Kubyli, nordöstlich Kurschani, genommen. Von Südwesten her nähern sich unsere angreifenden Truppen der Stadt Schänken.

An der D u b i s s a wurde der feindliche Nordflügel durch umfassende Angriffe in südöstlicher Richtung geworfen. Unsere vordersten Linien er­reichten die Straße Betygola-Jlgize.

Südlich des Njemen traten die Rüsten nach hartnäckigen Angriffen bei Dembowa, Ruda und Koz- liszke den Rückzug auf Kowno an. 300 Ge­fangene und 2 Maschinengewehre wurden erbeutet. Bei der weiteren Verfolgung gewannen wir unter Siche­rung gegen Kowno die Straße Mariampol- Kowno.

Südöstlicher Rriegsschauplatz.

Stanislau wiedererobert.

Östlich P r z e m v s l ist die Lage unver­ändert. Nordöstlich Z u r a w n o brachten die Trup­pen des Generals v. Linsingen einen russischen Gegenangriff zum Stehen. Weiter südlich wird um die Höhen westlich Halicz und westlich Jezupow noch gekämpft. Stanislau ist bereits in unserem Besitz. Es wurden 4500 Gefangene und 13 Maschinen­gewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung.

ver österreichisch. ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Amllich verlautet vom 9. Juni, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz. vie Fortschritte in Dstgaiizlen.

Südlich des D n j e st r verloren die Rüsten neuerdings an Boden. Unter vielfachen Verfolgungs- kämpfen siegreich vordringend, erreichten die Ver­bündeten gestern nö r d l i ch K o l o m e a die Linie Kulaczhowcze-Korscow, gewannen die Höhe von Otthnia, nahmen Stanislau in Besitz und drangen weiter gegen Halicz vor. Der Tag brachte 5570 Gefangene.

A» der übrigen Front in Galizien und Pole» hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Italienischer Rriegsschauplatz.

Die ersten grötzeren italienischen Angriffe auf die Isonzolinie blutig abgeschlagen.

Der erste größere Angriff des Feindes, der gestern nachmittag von Truppen in der beiläufigen Stärke einer Infanteriedivision gegen den G ö r z e r Brückenkopf angesetzt wurde, wurde unter schweren Verlusten der Italiener abge­schlagen. Diese fluteten im Artilleriefeuer zurück und mußten mehrere Geschütze stehen lassen. Das gleiche Geschick ereilten feindliche Augriffsversuche bei Gradisca und Monfalcone.

Die Kämpfe an der Kärntner Grenze, östlich des Plöckenpasses, und das beiderseitige Gcschützfeuer im Gebiet unserer Kärntner und Tiroler Sperrbefesti­gungen dauern fort.

Balkankriegsschauplatz.

Ein Völkerrechtsbruch der Montenegriner.

An der serbischen Grenze fanden da und dort Plänkeleien und Artillerirgefechte ohne Bedeutung statt.

Bei Korito wurde eine montenegrinische Bande in österreichisch-ungarischer Uni­form versprengt.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmnrschallentnaut.

*

Ein weiterer Bericht.

W. T.-B- Wien, 9. Juni, (Nichtamtlich.) In Russisch- Polen und den bisherigen zentralen Kampfgebieten von Przemysl mit Ausnahme gelegentlicher Plänkeleien keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Südlich des Dnjestr heimsten unsere in der Offensive begriffenen Truppen nun die Erfolge der letzten wuchtigen Schläge ein. Unter sieg­reichen Vcrfolgungskämpfen wurde die Linie Kularone-Kolo- mea erreicht und von den Höhen von Otthnia Besitz ergriffen. Abends wurde Stanislau genommen. Auch gegen Halisz wurden unsere Truppen weiter vorgezogen. Diesen Tag 5570 gefangene Russen.

Im Jsonzogebiet setzten die Italiener ihre An- griffsvorbereitungen fort und arbeiteten sich an der Front an einigen Stellen allmählich gegen unsere Stellungen vor, an deren Stellen suchten sie Lokalvorstöhe, die aber wie immer blutig abgewiesen wurden. An der Kärnt­ner Grenze fanden auf den Höhen teils Plänkeleien, teils kleinere Kämpfe unserer an der Grenze stehenden Truppen statt. An der Tiroler Grenze periodisches Feuer der beiderseitigen Sperrforts.

An der Grenze bei A u t o v a c wurde am 7. Juni eine ca. 40 Mann starke montenegrinische Bande, die mit unseren Uniformen bekleidet war, gemeldet. Ein Teil derselben ist am gleichen Tage nach Korito geeilt, über­fallen und zersprengt worden. Die Richtigkeit der Tat. fache des Tragens unserer Uniformen wurde an einem ge­fallenen Bandenmitglied durch Augenschein konstatiert.

An der serbischen Grenze stellenweise Geschütz­kampf.

Zur Rückeroberung przemysls.

W. T.-B. Berlin, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Aus dem Große« Hauptquartier wird uns über den Fall der Festung Przemysl ergänzend geschrieben: Die Stadt Przemysl mit etwa 50 000 Einwohnern liegt zu beiden Seiten des San. Fünf bis sieben Kilometer von der Stadt enffernt sind die Hauptbefestigungen ange­legt, die eine Gesamtausdehnuug von rund 50 Kilo­meter haben. Die Befestigungen bestehen aus kleineren und größeren Forts, die untereinander durch Schützengräben, Schanzen und sonstige Erdwerke ver­bunden sind. Die Forts sind mächtige, von tiefen Grä- beu uingebene Erdwerke mit zahlreiche» betonierten Unterständen und gemauerten Kasernen. Breite, meist in zweifacher Reihe angelegte Drahthindernisse sperren nach allen Seiten den Zugang zu den Befestigungs­anlagen. Für den Angriff der verstärkten bayeri­schen Division wurden drei Forts der N o r d- front samt den dazwischen gelegenen Befestigungs­anlagen bestimmt, d. h. es sollte in den großen Umzug der Festung ein Loch g e b o h rt werden von einer Breite, die etwas mehr als den 20. Teil des befestigten Gesamtumzugs der Festung darstellt. Dies gelang am 31. Mai durch die Erstürmung der Forts 10a, 9a und 11 samt Zwischenlinie. Bis zum Abend des 2. Juni hatte sich durch die Wegnahme der Forts 11 und 121 und die Kapitulation der Werke 10b und 9a die durch­brochene Linie zu einer Breite von acht Kilometer erweitert, d. h. die g a n z e N o r d f r o n t und etwa der sechste Teil der gesamten Befestigungen war im Be­sitze des Angreifers. Die Besichtigung der erstürmten Forts der Nordfront legt zunächst Zeugnis von der er­schütternden Wirkung unserer schwersten Geschütze ab. Betonklötze von 3 Meter Stärke sind geborsten und abgesplittert, gleich zerstörten Sand­burgen, die Trichter der 42-Zentimeter-Geschoffe weisen eiue Tiefe bis zu acht Meter und eine Breite bis z» 15 Meter auf. Auch die morali- s ch e Wirkung dieser Geschosse war eine derartige, daß die Russen an mehreren Stellen selbst die Drahtnetze durchschnitten, um sich ans der unerträglichen Lage zu befreien und dem stürmenden Feinde zu ergeben.

Ungarisches Lob unserer Feldgrauen.

W. T.-B. Wien, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Der Kriegs­berichterstatter Franz Moliiär drückt in einem Telegramm an die ^Neue Fr. Kresse" seine Bewunderung Der die deutschen

Soldaten aus. Molnär schildert das Aussehen der Deutschen 48 Stunden nach der Einnahme PrzemyÄs und erzählt Ein» zech eiten aus seinen Beobachtungen, welche alle Zeugnis von der glänzenden Disziplin und musterhaften Ordnung und Sauberkeit unserer Truppen geben. Er faßt fern Urteil in den Worten zusammen: Wer je gesehen hat, was wir hrer gesehen haben, dem kann man nie aus-- reden, daß diese Soldaten von niemand auf dieser Weilt überwunden werden.

vie Erfolge der Armee Linflugens Lob sogar aus feindlichem Munde.

Br. Genf, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die französische Fachkritik erklärt die Dürftigkeit der russischen Hauptquartiersmeldungen über die Lage am Pruth sowie die deutsche Unterbrechung der Linie Lemberg-Stanis- lau als eine Folge des fortgesetzten Vorstoßes der Armee Linsingen. Hierzu bemerkt „La Guerre mondiale", daß die jüngsten Leistungen der v. Linsingenschen unermüdlichen Truppen, der Garde. Ostpreußen und Pommern, die Ab- schneidung jeder Lemberger Zufuhr bewirken müßten.

vie Ruffen glauben an den Zusammenbruch ihrer SLdwestarmee.

Br. St. Gallen, 9. Juni. (Eig. Drühtbericht. Ktr. Mn.) Petersburger Privatmeldungen besage«: I«

russischen Militarkreisen sei man von dem Zusam- menbruch der russischen Südwestarmee über­zeugt, obgleich General Iwanow heldeühakt kämpfe. 1

Japanische Geschütze in der russischen Armee.

Nr. Amsterdam, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Wie die „Daily Mail" erfährt, such der japanische Oberst: Mihagawa und mehrere andere japanische Offiziere am 18. April in Petersburg eingetroffen, um die russischen Trup­pen im Gebrauch einiger schwerer japanischer Ge, schütze auszubilden, die Rußland kürzlich von Japan er­worben hatte.

Bryans Rücktritt,

vryan und Wilson.

W. T.-B. Washington, 9. Juni. (Nichtamtlich. Rsuter.) Bryan sagt in einem Briefe an den Prüft' identen Wilson: Im Einklang Mt Ihrem Michtgefühb und von den vornehmsten Beweggründen gelortet, haben Sie zur Weitergabe an Deutschland eine Note vorbe­reitet, der ich nicht zustimmen kann, ahne meine Pflicht gegen dies Land zu verletzen. Der Gagen» ftand ist so bedeutend, daß mein Verbleib im Kabinett ebenso ungerecht Ihnen ,toie der Sache gegenüber wäre, die meinem Herzen am nächsten liegt, nämlich die Mer« Hütung dä K r i e g es.

Wilson antwortete, er bedaure das Rücktritts- ggsuchs Bryans, das er mit dem Gefühls persönlichen Bedauerns nur deshalb annehme, weil Bryan darauf, bestände. Wilson kommt weiter auf die freundliche Zu­sammenarbeit mit Bryan während der letzten 2 Jahre zu sprechen und sagt, selbst jetzt trennt uns nicht: das Ziel, sondern die zu befolgende Methode. Lansing Bryans Nachfolger.

Was „Reuter" von der Antwortnote erhofft.

Br. Amsterdam, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) „Reuter" meldet aus Washington: Die Ursachen des Rücktritts Bryans sind Meinung sver- sch i edenh eiten über die deutsche Note. Bry-ars widersetzte sich jeder Fassung, die einem Ulti­matum an Deutschland Gleich gewesen wäre. Bryans, Nachfolger wird ohne weiteres sein bisheriger StÄlver-, treter im Staatsdepartement Lansing, der auch die Note unterzeichnen wird, nachdem sie die Zustimmung des Kabinetts gefunden haben wtrd. Die Note ist mit besonderer Sorgfalt stilisiert, weil man annimmt, datz die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten auf unbe, stimmte Zeit abgebrochen werden, falls keine Eini­gung erreicht werden sollte. Nach zweistündigem Kabi­nettsrat wurde offiziell bekanntgegtzben, datz die N o t'tz fertiggestellt sei und wahrscheinlich am Donners­tag abgeschickt werden würde.

Der neue Staatssekretär Lansing gilt in den Ver­einigten Staaten als einer der hervorragendsten Kenner detz internationalen Rechts. 1864 geboren, wurde er nach vollen­deten Studien im Jahre 1889 zur Rechtspraxis zugelassen» aber bereits 1892 zog ihn die Washingtoner Regierung alt^ einen ihrer Vertreter zu dem Schiedsgericht hinzu, welches die Zwistigkeiten lösen sollte, die über die Jagd auf Pelz- . robben in der Beringssee zwischen England und-den Ber-