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Verlag L-mggaffe 21

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12 Ausgaben.

Femruf:

„Tagdlatt-Haus" Nr.K«S0-S3.

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Reklamen. «anze. halbe, drittel und öiertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung,

Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß,

^»chmitV Berti««,Schriftlritung desWieübadeilerTagblatts: Lerlin-WilmersdorfGü«tzelstr.88,Fentspr.: AmtUhlaud450u.451. Agen"MBn^rkNn-^äh^mE

Mittwoch, 9. Juni 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 262. . 62. Jahrgang.

Sn

Die Washingtoner Meldung.

W.-T.-B. Washington, S. Juni. (Nicht­amtlich. Reuter.) Staatssekretär Bry an hat demissioniert.

*

Die Kunde vom Rücktritt des novdcrmerikanischen Staatssekretärs William Immings Bryan kommt sicher­lich nicht nur als höchste Überraschung für uns, sondern wird auch in den Vereinigten Staaten selbst bsgueifliches Erstaunen erwecken, weil bisher so gar nichts in der Lfseutlichkeit bekannt geworden war, was als Anzeichen dieses Schrittes gedeutet werden konnte. Und wenn wn Augenblick ganz besonders wir allen Anlaß haben möchten, uns dieses Ereignisses zu freuen, so wollen wir uns deshalb vorläufig doch noch nicht allzuigroßen Hoffnungen für die Zukunft hingeben, wenn auch die Tatsache, daß der Rücktritt Bryans in d em Augenblick erfolgt, wo es sich um die endgültige Form der Ant­wort auf die deutsche „Lnf itania" - No te handelt, ohne weiteres die Vermutung an die Hand gibt, daß es sich um ein gewisses Einlenken von der bisher so schroff einseitigen Bcchn der Union handeln könnte. Aber wir müssen nähere Nachrichten erst abwarten.

Denn aus der Erfahrung wissen wir, wie das bis­herige Wirken des deinokratischen Regiments in der Union uns Grund genng zum, Mißtrauen gegeben hat und wie vor allem auch der verantwortliche Minister der äußeren Angelegenheiten es war, der in diesem europäischen Kriege gerade Deutschland gegenüber eine mehr als zweifelhafte neutrale Haltung einnahm und der sich selbst nicht ohne weiteres von dem Verdacht zu reinigen vermag, daß er die amerikanische Waffen- -und MunitivnsaussUhr — wenn auch nur indirekt — sogar bsgünskigte. Stoch vor wenigen Wochen erklärte Bryan ja noch, daß er nichts dagegen tun könnte. Sein ganzes Wirken und Schassen als ausübender Staats- mann sicht in schärfstem Widerspruch zu dem demo­kratischen Politiker Bryan, als den wir ihn ehedem aus seinen Reden und -Versprechungen kennen lernten. Wenn er in jenen Jahren iden Kampf gegen das Truftwesen bis zum Messer ansagte, Forderungen nach sozialen Re- formen echob und sich grundsätzlich für den Gedanken der Schiedsgerichts-Verträge aussprach, so hat er sich trotz alledem immer als schlechter Kenner der euro- päischen Verhältnisse erwiesen. Einem solchen Mann aber vertraute Herr Wilson — alleMngs wohl mchr als Dank für geleistete Dienste und als Entschädigung für dreimaliges Unterliegen als Präsidentschastskandidat — das verantwortungsvolle Amt der auswärtigen Auge- legenheiten an. Denn mögen auch aus I-eichtbegreis. licher Rücksichtnahme gewisse demokratische Blätter AmeMas noch neulich behauptet haben, daß er peinlich bestrebt gewesen sei, auch Deutschland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem er Englands Vorgehen ge­rügt hätte und daß seine Gesinnung durchaus fried­fertiger Natur war, so wollen -wir -doch nicht vergessen, daß er immer ein Agitator war, und ein Agitator, dem die Geistesgabe kühler Erwägung fehlt, wird immer be­sondere Gelegenheiten benutzen, um seine Weisheit ins rechte Licht zu rücken und sich znm Heros derer zu erhöhen, die am lautesten schreien können. Wie gesagt, wir . haben uns für diesen mangelhaft erzogenen und dilettantisch arbeitenden, in Zirkusvorführungen auftretenden Herrn nie sonderlich zu erwärinen vermocht, und es bleibt abzuwarten, ob nun ein -anderer Kurs unter seinem noch unbekannten Nachfolger eintreten wird.

Einstweilen ist es uns ja noch unbekannt, welche Vor­gänge sich hinter denKulissen abgespielt haben, welcheEin- wirkungen und Gründe für Bryans Rücktritt bestun- lneätd waren und welche Rolle dabei namentlich die .deut­schen Vorstellungen in Washington gespielt haben mögen. Wenn sich unsere Hoffnungen und Erwartun- gan erfüllen sollten, wenn die amerikanische Regierung, namentlich auch in der „Lusitama"-Ang-el-egenhmt zu einer anderen Auffassung als bisher kommen und dies mich in der bisher noch zurück-gehaltenen zweiten Note zum Ausdruck kommen sollte, so darf man dann über die Affäre Bryan hinweg gern zur Tagesordnung über- gch,en. Denn das könnte auch nur im eigensten Inter­esse der Bereinigten Staaten selbst liegen.

Die Ueberraschung in Berlin.

8. Berlin, 9. Juni. (Eigene Meldung. Ktr. Mn.) Der MWchs Rücktritt Bryans hat auch hier in Berlin außer­

ordentlich überrascht. Nach seiner ganzen bisherigen Haltung durste man Bryan zwar als deir ausgesprochenen Freund Englands ans-ehen, auf der anderen Seite aber bat er sich während seiner Amtstätigkeit von Anfang an als ausgesprochener Friedensfreund betätigt. Der Rücktritt scheint mit dem KabinettSrat zusammenzuhängen, der gestern in Washington stattfard, und der sich zweifellos mit der amerikanischen Note an Deutschland befaßt hat. O-Hne über die Gründe des Rücktritts Näheres zu wissen, wird man immerhin annehmen können, bfffj der bis­herige Leiter der ainerikanischen auswärtigen Politik in die­sem Kab'nettsrat gegen eine allzu scharfe Antwort­note gewesen ist und seine Konsequenzen zog, als er mit seiner Anschauung in der Minderheit blieb. Authenti­sches ist bis zur Stunde in Berlin noch nicht bekannt und die Meinungen gehen zum Teil weitauseinander. So ist die „B st." in ihrem Artikel der gegenteiligen Anschau­ung. Sie glaubt, Bryan fei wieder für eine Verschar­rung der Note gewesen, und wie die angebliche Krankheit Wilsons nur die Verzögerung der Antwort habe ver­schleiern wollen, so -bedeute vielleicht die Deirrission Bryans eine Schwenkung der bisherigen amerikanischen Politik.

*

Gras Bernftorff bei Präsident Wilson.

Dcrilburgs Abreise.

Frankfurt a. Di., 9. Juni. (Ktr. Mn.) Siach einem an die „Frkf. Ztg." gelangten Radiotelegramm hatte Gms Bern st o r f f eine halbstündige Unterredung mit Wilson, deren Verlauf befriedigend war. — >Dern- b u r g reist nach Norwegen ab, nachdem ihm England ungehinderte Reise zugesichert hat.

Elliot hetzt weiter.

In der „New Aork Times" richtet der frühere Prä- sident der Harvard- Universität, Dr. Charles EI l i o t, einen Aufruf an die Noutrale.n mit der Auf- iorderung, sich auf die Seite der „Gesittung" zu stellen, indeni sie niit allen möglichen Mitteln bas Vorgehen Deutschlands zu bekämpsen suchten. Er äußert den Ge- -danken, daß bei strenger Wahrung der Neutralität Nord- und Südamerika die Sache des Dreiverbandes w-essntlich fördern könnten, indem sie ihren Fabriken er- laubten, Nahrungs-msttel, Kleider und,Geschosse für die Verbündeten herzustellen, und indem sie chnen Geld zum Behufe des wn Interesse der Menschheit ge- führten Kampfes sendeten. Die, Dienste, Welche die amerikanischen Freistaaten auf diese Weise der „Frei­heit" und der „Gesittung" zu , erweisen vermöchten, seien wahrscheinlich größer als diejenigen, die sie durch ihre Mitwirkung zu Land und zu Wasser zu leisten imstande seien. An diesem Gerede des deutschfeindlichen Hetzers ist — -darauf weist die „Kölnische Ztg." ganz mit Recht hin — -das Eingeständnis bemerkenswert, daß die Ver- einigten Staaten durch ihre Kriegslieferungen,- die sie jetzt schon nach ihrem vollen Vermögen ausführen, un­seren Feinden -mehr Hilfe l e i st e n, als wenn sie -uns den Krieg erklärten. Derselbe Gedanke ist schon von englischer Seite geäußert worden. Wir sind dem­nach ganz im Recht, die, sogenannte Neutralität der Ver- einigten Staaten als eine der st eckte Feindschaft anzusahen und sie entsprechend zu behandeln.

Der Krieg gegen England.

Neue Opfer unserer II-Boote.

W. T. B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Lloyd meldet aus Margate, daß der belgische Dampfer „M o n o p i e r" gestern abend von einem deutschen Unterseeboot torpediert wurde. Ter zweite Offi­zier, der zweite Maschinist und 6 Mann der Besatzung landeten in Margate. Der Kapitän, dessen Frau und Tochter, der erste Offizier, der Lotse und 12 Mann der Besatzung werden vermißt. Das Schiff sank in einer halben Minute. . Ä

■W. T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Der russische Dampfer „A d o I f" ist von einem Unterseeboot vernichtet worden.

« Zur Versenkung des „Jnkum".

Amsterdam, 9. Juni. (Ktr. Bin.) Der norwegische Dampfer „Wendla" landete gestern in Falmouth 41 Mann der Besatzung des englischen Dampfers „Jn- ku-m", ber, wie bereits mitgeteilt, 45 Mailen novdwest- lich vom Lizardkap angeschossen wurde. Die Besatzung, die sich bereits in den Rettungsbooten befand, glaubte, daß das Schiss noch zu retten sei. Einige Mann begaben sich cm Bord zurück. Wer in diesem Augenblick sah man das Periskop eines Unterseebootes, und einige Sekun-

den später wurde -das Schiff von einem zweiten Tor­pedo getroffen und sank sofort. Die Matrosen, die an Bord waren, konnten sich gerade noch retten.

Allein 14 Dampfer in den zwei letzten Tagen der letzte« Woche versenkt.

Amsterdam, 8. Juni. (Ktr. Bln.) Eine von Lloyds veröffentlichte Aufftellung verzeichnet allein 14 Dampfer mnd Fischerboote als Opfer des, C-Bootkrieges an dm b-öiben letzten Wochentagen, Freitag und Samstag.

Ein norwegischer Dampfer versenkt.

W. T.-B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Ein deutsches Unterseeboot hat in der Irischen See de« norwegischen Dampfer „Trudveng" versenkt.

Was es mit dieser Vernichtung des norwegischen Dampfers auf sich hat, werden wir ja hoffentlich auch bald erfahren. Wäre es doch nicht das erste Mal, daß ein solcher Fall nach genügender Untersuchung eine ganz andere Aufklärung erhält, als sie „Reuter" für somL Zwecke für gut und nützlich hält.

Der „Hellespont"-Fall beigelegt?

Athen, 8. Juni. (Frkf. Ztg.) Die deuffche Regie­rung akzeptierte die Forderung, der griechischen Regie­rung wegen einer E n t s ch ä d i g u n g für -den durch ein' deutsches II-Bovt versenkten griechischen Dampfer .^ellespont". Die EntschädigungHnmme wird durch einen griechischen und einen dsutschen Experten festgesetzt werden.

ver durch den Ieppelinangriff in London angerichtete Schaden.

Aus zuverlässiger Quelle erfährt die „Köln. Volksgtg.", daß der Zeppelinbesuch nichr nur die Vororte der Stadt, so-n- dern auch London selbst erreicht hat, und Koar sind eine ganze Anzahl Boniben rm östlichen Stadtteil, unweit der be­kannten London Docks, tziedergegangen. Ob die Bomben die Docks salbst beschädigt haben, konnte der Gewährsmann nicht ermitteln. Eine Bombe, Me in der Liverpool Street niederging, zerstörte drei Häuser gegenüber den dort befindlichen Bahnhöfen derart, daß auch nicht ein Stein auf dem anderen geblieben ist. Mehrere Bomben ftÄen in der C c t Y R o a d nieder, kamen aber nicht zur Explosion. Bet sorrders schwer scheint die Gegend um die Bro ad- Street und Liverpool Street-Station mitgenommen zu sein, da die dort befindliche Eisenbahnbrücke, die über ein ziemlich breites Schi-enenfeld der North London Ry., der Great Eastern Ry. und -der Colchester Line führt, zerstört imiaroe. Hier hatte auch die Polizei umfangreiche Absperr- maßregeln getroffen, so daß der Zutritt zu dieser Gegend meh­rere Tage unterbunden war. Die Brande, die abends spät begannen und teilweise bis spät in den anderen Vormittag hinein wüteten, sollen von den Bomben hergerührt und g r o - tzen Schaden verursacht haben.

Au-s diesen Mitteilungen, die dem genannten Kölner Blatt von einer Persönlichkeit zugehcn, welche in der Nacht des Zeppelinbefuches rn London Werlte, ersieht man, daß die eng­lische Regierung alles Interesse daran hat, über die Wirkung dos Besuches keine Mitterlmrgen in das Ausland gelangen zu lassen. Da die Bombenwürfe sich auch auf andere Stadtteile Londons erstreckt urrd, wie einwandstei sestgestellt wird, dort ebenfalls Brände erzeugt haben, so ist anzunehmen, daß der angerichtete Schaden größer ist« als uns selbst beka>mt sein dürfte.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Oie Lage in der Bukowina.

Aus dem österreichisch-ung«rischen KricgSpressequartier

meldet die „K. Z.": Die russische Armee in der Bukowina, verrnehrt um die der Kalusz geschlagenen Heeresteile, die un­ter Nechbutkämpfen rm Zurückfluten sind, ist nunmehr von ihrer Verbindung mit den mittelgalizischen Kräften vollends ab ge drängt. Sie wird nach Osten geworfen. Die bei Kalusz siegreichen Armeen stehen wenige Kilometer vor S t j n i § I a u, der linke Flügel des Generals v. Pflanzer- Baltin ist in die heftigste Offensive übergegangen. Die von St anislau- westlich und nördlich abzüveigenden Bahnen sind für r-usstsche Verschiebungen unbrauchbar gewor- den, da die Verbündeten die Linien bereits durch­schnitten haben. Der Vormarsch d-ex Armeen Linsingen- Szurmay-Losffnann vollzieht sich in Eilmärschen, die trotz zahlreicher Gefechte fast die regelmäßigen Tag-esleistun- gen ohne Hemmnisse marschierender Truppen erreichen.

Oer Beginn der Räumung Lembergs.-

Budapest, 8. Juni. (Ktr. Bln.) Nach einer Meldung des Bukarester russophilen Blattes „Dimineata" hat die russtscht! Armeelcitung bereits Vorkehrungen für die Räumung von Lemberg getroffen. Auch die r u s s i s ch P o l i zei hat ihre Tätigkeit eingestellt; es wurde eine Bürgerwache bestellt.