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Mittwoch» 9 . 3 um 1915 . G HIOrgEN- KU§g(lbL. Nr. 261 . . 63 . Jahrgang.

Vas italienische Luftschiff „Litta di Zerrara" von einem österreichisch­ungarischen Flugzeug vernichtet.

W.T.-B. Wien, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juni, mittags:

Das feindliche Luftschiff „Cittü di Ferrara" wurde auf der Rückfahrt von Fiume heute früh 6 Uhr von dem Marineflugzeug „L 48", Führer Liuienschiffsleutnant G l a s i n g, Beobachter Seekadett v. Fritsch, südwestlich Lussin in Brand geschossen «ud vernichtet. 2 Offiziere, 5 Mann der Besatzung gefangen. Flottenkommando.

Venedig erneut erfolgreich mitvomben belegt.

W.T.-B. Wien, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juni: Marineflugzeug „L 47", Führer Fregattenleutuant Bansild, Beobachter Seekadett v. Strobel, hat heute morgen Venedig, und zwar die Ballonhalle Murano, Campalto, sowie feindliche Zerstörer erfolgreich mit Bomben belegt und einige Brände erzeugt sowie das Zelt- lag er mit Maschinengewehren beschossen.

Flottenkommando.

Der österreichisch * ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juui, mittags:

Nufsischer Kriegsschauplatz.

Gute Fortschritte in GftgaNzien.

6200 neue Gefangene.

Im P r u t h- und D n j e st r - Gebiet setzten die ver­bündeten Truppen gestern den Angriff über Larzyn, Nadworna und Kalusz fort, drängten den Feind gegen StanislauundKalicz zurück, breiteten sich auf dem linkem Dnjestrufer östlich und nördlich Zurawno weiter aus und nahmen wieder 620 0 Russe» gefangen. .

Sonst ist dir Lage rm Norden unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Lin allgemeiner italienischer Angriff am Isonzo? plündernde Garibaldianer.

Im Küstenland bereitet der Feind an­scheinend einen allgemeinen Angriff auf unsere Stellungen am Isonzo vor. Seine bisher ver- einzrlten Vorstotze bei Gradiska und Sagrado Wurden b l u t i g a b g e w i e s e n.

Im Kärnter und Tiroler Grenzgebiet halt das erfolglose Artilleriefeuer der Italiener an. Eine Alpini-Abteilung, die den Monte Piano (süd­lich Laudwo) besetzt hatte, wurde von unseren Truppen vertrieben. Die Gegend von Ala ist «tarn plündernden Garibaldianer« heim- gesucht.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschallrntnant.

Von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Beginn der Räumung Lembergs.

Diebstahl der Museen.

W. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Die „Birschewir* Wjedemosti" vom 2. Juni enthält die erste Mit­teilung von der begonnenen Räumung von Lemberg. Dev Inhalt des M u s c u m s, des Stavropygischen Instituts wurde von de« Russen g e st o h l e n und. in 4« Kisten verpackt, von Lemberg nach Kiew gesandt.

Fürftenbesuche in przemqsl.

Die Festung erwartet Kaiser Wilhelm.

Nr. Berlin, 8. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In eurem Telegramm ans dem österrekchffch-ungarischen Kriegs- pveffeqnartter wird an den kärzlichen Besuch des Zaren in Przemysl erinnert. Bevor der Zar eintraf, hatte das Stadtkommando verfügt, datz sämtliche Fenster nicht bloß geschlossen btevben, sondern auch mit Papierftreisen verklebt werden mühten. Als das der Zar sah, wurde alles Von der Zivilbevölkerung, was harmlos erschien, eifrig eiugeladen, auf die Strotze hmmrsNirkommen und fler tz :g hochz a r uf e n.

Schon sechs Wochen später, so schreLt der Berichterstatter, erwartet die zur Ücker oderte Festung den Besuch des d e u t - Latzs et s, dessen zwsckätteftze- Sohn, Prä n-z Eite-l-

Friedrich, am Sam seine Gmrdedivision zu einem ruhmvollen Siege führte. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, datz bei der zweiten deutschen Armee Galiziens, nänrlich der Armee Linsingens, ein bayerischer Prinz steht. Es ist dies der Neffe des Königs von Bayern, Prinz Georg, der als Verbiudnngsvffizier beim Korps des Generals Bothmer Dienst tut.

Eine erklärliche Gastspielabsage.

W. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Russische Zeitungen vom 2. Juni geben bekannt, datz das vom Kaiser­lich Russischen Theater für Anfang Juni geplante Gastspiel in Przemhsl nicht stattfinden kann.

„Petersburger Frühling".

W. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Boris Suvorin, Redaktemr der „Wetcherners Wremja", beschreibt ferne Reise von Petersburg nach Warschau, und sagt: Der Petersburger Frühling Hot mit der Eroberung Przemysls angefangen, und der Schneestnrm endigt mit mätzrgrr Kälte und Gerüchte ohne Ende. Alle Gerüchte sind trostlos, weil das Verbreiten von guten Nachrichten anscheinend nicht mehr ÄS anständig gilt und nicht der MÄw entspricht.

Die Deutschenvertreibung aus Moskau.

w. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Die Mos­kauer Zeitungen setzen ine Veröffentlichung der Namen der in den letzten Tagen ansgewiesenen, dort dauernd lebenden Deut­schen fort. Von 2000, die aus Moskau ausgewlesen wurden, sind mehr als 1000 in Moskau geboren. Der neue Moskauer Generalgouverneur Fürst Jussupow, der die Ausweisun­gen bewirkte, wurde zürn Generaladjutanten be­fördert.

Russische Lügen!

Zu den Jubenmtsweisungen aus Kvwno und Kurland.

W. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamüich.) Den russischen Zeitungen ist von der Militärbehörde verboten wor­den, Einzelheiten über die Judenansweisungen zu berichten, auch dürfen die AuSweisungsorte in Kurland und K o w n o nicht mehr erwähnt werden. Um über die herzzerreißenden Szenen unter den massenweise ausgewiesenen Juden berichten zu können, sind die russischen Zeitungen durch die Zensur­behörde gezwungen worden, stets von „Flüchtlingen aus Galizien" zu sprechen, die angeblich von den Deutschen und Österreichern aus Galizien nach dem Innern des Landes ge­jagt werden. Die amtlichen russischen Mitteilungen von vcr Einstellung der Judenausweisungen aus den von dem Krieg berührten Gebieten sind bewußt falsch.

Rutzland lockt politische Auswanderer zur Heimkehr.

W. T.-B. Petersburg, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Wie er­innerlich veröffentlichten in W i b o r g nach der Auflösung der Rerchsduma 137 Reichst) um»mitglie der Linen Auf­ruf gegen die Regierung. Alle, die diesen Ausruf unterschrie­ben hatten, sind zu Gefängnis verurteilt worden, ausge- ncmm:en das Rerchsdumamitglied Wirkawcy, das kurz vor der Auflösung der ersten Reichsduma nach Paris abgereist war. Bor einigen Tagen ist Wirkowcy nach Petersburg zurück- gekehrl- um als militärpflichtiger Laudsturmmann in das Heer einzutreten. Er wurde am Bahnhof verhaftet, vor ein Gericht gestellt und ist trotz der inzwischen mehrmals er­folgten Amnestie zu zwei Monaten Gefängnis verur­teilt worden. Das Urteil hat ungeheures Aussehen und Er­bitterung Herr ärgernfen, da seit Ausbruch des Krieges die russische Regierung Viole politische Emigranten durch die Bortäuschung der Straffreiheit goir Rückkehr verleitete und nach der Rückkehr rücksichtslos einsperrte und verbannte.

Der Odessa er Stadthauptmann hat den Aufenthalt in den Sommervillen an den Ufern des S-chwarzen Meeres untersagt und die dort erscheinende angesehene hckräffche Monatsschrift „Haschi Lach" verboten.

vas Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe in Ungarn:

W. T. -B. Budapest, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Das Ergeb­nis der gestern abgeschlossenen Sübfkription der zweiten Kriegsanleihe wird noch vorläufiger Schätzung auf üb ex eine Milliarde veranschlagt. Die ganze Endziffer wird rrach Revision der einzelnen Liften demnächst bekanntgegeben.

Einberufung des kroatischen Landtags.

W- T.-B. Agram, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Der kroattsche Landtag ist auf den 14. Juni einberufen, um das Budget- provisorium und die Verlängerung des Finanzausgleichs mit Ungarn zu erledigen.

Der serbische Vormarsch in Nordalbanien.

W. T.-B. Sofia, 8. Juni. (Nichtamüich.) Die „Agence Bulgare" erfährt aus sicherer Quelle, datz der Vormarsch von serbischen Truppen in Nordaibanien auf breiter Basis f or t -

dauert und führt dazu auS: Man bewahrt Schwelgen über dre Tragweite der unternommenen Operationen, um die Mächte vor die vollendete Tatsache der Besetzung zu stellen. Offfziöse Nachrichten fahren fort, über Kämpfe mit Albaniern zu berichten, deren Zahl man vergrötzert. In der Zwischenzeit find die wichtigen Orte Pogradetz und Pts-- kopes, d:e dre Serben seinerzeit infolge der Drohung von Österreich-Ungarn räumen mutzten, durch serbische Truppen besetzt worden. Die Griechen und Bulgaren sind erstaunt Liber diese neuen Manöver der Serben, denen man alle Launen hin- gehen läßt, ain mersten über ihre Urwersöhnlichkeit Bulgarien gegenüber. Gleichzeitig konstatiert man, datz die serbische Armee kerne Erle zeigt, etwas gegen die üsterreichisch-u-ngari­schen Truppen zu mtternehmen, und es vorzieht, unvertei­digte Gebiete zu besetzen, was sie übrigens auch im türckW- ballanrschen Kriege getan hat.

Der Urieg gegen England.

Oie Bestückung der „Lusitania".

Br. New York, 8. Juni. (Eig. Drcchkbericht. Ktr. Bln.) Die in St Paul erscheinende „Pioneer Preß" enthAt in ihrer Ausgabe vom 12. Mai folgende Drahtung ans Iowa- City: Wilhelm Peterburs, der hier ansässig ist, erMrte heute, daß die „Lusitania" immer bewaffnet war und daß sie während fünf Reisen, die er als Deckoffizier des Dampfers mitgemacht, zwei 12;Mge Geschütze führte. Peterbnrs ist bereit, zu beschwören, daß, so lange er a» Bord des Dampfers beschäftigt war, dieser die Reservemarine­flagge Großbritanniens führte und in der Liste der bewass- netrn Fahrzeuge stand.

England behauptet nach wie vor das Gegenteil.

Br. Amsterdam, 8. Juni. (Eig. Drahtbeeicht. Ktr. Bln.) Wie Reuirr meldet, hat der britische Botschafter dem Staats­departement in Washington eine Note des britischen . Ans- wärtigen Amtes überreicht, in der den Bereinigten Staaten versichert wird, datz die „Lusitania" unbewaffnet war. Ferner berichtet Reuter, datz Herr Gustav St« hl^der die Erklärung' abgegchen bat, datz die „Lusitania" bewckffnet war, nicht ausgefunden werden könne. ES sei eins gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden.

Neue Opfer unserer V-Soote.

W.T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamtlich.) ^Dalltz Chronicle" gibt die Zahl der bis Ende bet letzte« Woche von deutschen Unterseebooten zerstörten Schrffe auf 21 an. Das Blatt führt noch folgende Schiffe an: „Jona' aus Dundee, „Jnkum" cms Liverpool, Schomr „George and Mary" ans Glasgow und dre Fffch- dampfer „Ed. H amay" aus Petershead und „B a-r- dolph" aus Hüll, ferner den belgischen Flschdampfer „Delta", den dänischen Schoner Salvador" «nd den französischen Dampfer „Penfeld".

Ein dänischer Dreimaster durch ein Unterseeboot vernichtet- Kopenhagen, 8. Juni. (Ktr. Bln.) Hier ist die Meldung c'naetroffrn, datz der Dreimastscho-ner „Salvador" in der Nordsee in Brand gesteckt und die Besatzung in Lerwick an, Land gesetzt worden sei. Der Schoner wurde in der Nähe d« e n g I i s ch e n K ü ste von einem Unterseeboot angehalten und der Besatzung befohlen, innerhalb fünf MnÄen das Schiffe zu verlassen. Wer Mann der Besatzung des Unterseebootes gingen an Boü> des dänischen Schoners, dor kurz Varvnf itf Brand geriet.

Der Erfolg der Zeppeline am kjumver.

Br. Genf, 8. Juni. (Esg. Drahtbericht. Ktr. Bffr.) Zn elnter Londoner DteWamg wirld Me _ Zahl der Lodesopfer in den Hnmberidocks jetzt auf 29 Mgegcken. Der in Grims-by amgerichtete SchcÄen fct ein bedeutender.

Deutschlands Lob aus englischem Munde.

Hindernisse und Hemmnisse im Lande des Individualismus.

W T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamilich.) „Erononrrst" schreibt- Wenn jedermann, wie wir seinerzeit vorschlngen. bei Beginn des Krieges dem KriegSmirristerium und der Admiralität nrit seiner Arbeitskraft verpflichtet wor­ben wäre und alle Agenten umd Spekulanten von Bergwerksbezirken und Eisewbcchnwesen serngehakten worden tvären würden die Ausgaben des Nantes erheblich ge­ringer' gewesen sein. Die Erchöhmw« de-r Kohlen- preise, BerSeh^shmnd-ernftdftfte und die Frachben^ steigern waen wären verintzeden worden, die Preise niedriger und die Aussichten bezügstch der ErchShung der Stenern erheblich weniger beunruhigend geworden. Mit anderen Worten: Man sieht jetzt selbst in liberalen Kreisen das Übergewicht ein, datz Deutschland eine äutzerst durch- gsarbeitete und durchgeführte Qrgianisati.on hatte. Während Englands Kraft dadurch geschvächi wurde, datz un­entbehrliche Arbeitskräfte ins Fstd gingen, hat Deutschlands wo die Rücksicht auf die Liriegsiudustrie uüd dgs^oiWg^Er,