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Dienstag, 8. Juni 1915.

Kbend »Ausgabe.

Nr. 260. ♦ 63. Jahrgang.

Neue Fortschritte in Galizien.

Der Tagesbericht vom 8. Zuni.

W. T.-B- Großes Hauptquartier, 8. Juni. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Neue erfolglose Angriffe der Franzosen.

Am Osthang der Lorettohöhe scheiterte ein feind­licher Angriff gänzlich. Bon weiteren Angriffsversuchen sahen die Franzosen ab. Auch südlich von N e u v i l l e wurde durch unser Artilleriefeuer ein feindlicher Angriff niederge­halten. In Gegend südöstlich Heuterne dauert der Kampf noch an.

Der Angriff nordwestlich von SoisfonS bei Moulin Sous Tons Bents ist durch unseren Gegenangriff zum Stehen gebracht. Bei Bikle-au-Bois, nordwestlich von Beri-au-Bac, erlitt der Feind bei einem erfolglosen Versuch, seine im Mai verlorenen Stellungen zurückzuer­obern, st a r k e Verluste.

Bei Douai wurde ein feindliches Flugzeug herunter- gcschossen.

Destlicher Kriegsschauplatz.

Zorlschreiten unserer (Offensive in Nurland.

Unsere Angriffsbewegungen in Gegend Schauten und östlich der D u b i s s a nehmen ihren Fortgang.

Südwestlich von P l o ck wurde ein feindliches Kampf­flugzeug zum Lande,» gezwungen und erbeutet.

Südöstlicher Nriegsschauplatz.

Ueber 20000 Mann Gefangene der Krmee von Mackensen seit 1. Juni. Ein neuer Erfolg der Nrmee Linsingen. Der Liskaabschnitt über­schritten. Dort 4200 Gefangene.

Östlich von Przemysl ist die Lage im allgemeinen anverändert. Die Zahl der von der Armee des Generalobersten von Mackensen seit 1. Juni gemachten Ge- fangenen beläuft sich aus über 20000.

Ans den Höhen von Rowoszyn, nordöstlich von Zu- rawno. haben die Truppen des Generals von Linsingcn den Feind erneut geschlagen. Die Verfolgung gelangte bis zur Linie Bukaczowce, südlich von H r e h o r ow, süd­lich von MoloShncc.

Südlich des Dnjestr haben wir den Liskaabschnitt über­schritten und erreichten M h s l o w (östlich von Kalucz), Woj- n i l o w, S e r e d n o, K o l o g z i e j ow. Die Beute des Tages beläuft sich auf 4200 Gefangene, 4 Geschütze und 12 Maschinengewehre.

Oberste Heeresleitung.

Die Kriegslage im Osten und ihre Ent­wicklung, besonders seit Mitte April d.Z.

Bon General d. Inf. z. D. v. Blume.

II?)

(Schluß.)

Ende April war, unter ausgiebiger Benutzung der Eisenbah'nen und unter vorzüglicher Wah­rung des Geheimnisses, aus verschiedenen deut­schen Truppen in Westgalizien eine neue Armee unter Befehl des Generalobersten v. Mackensen gebildet wor­den, der die Zlufgabe gestellt wurde, im Verein mit den benachbarten Armeen unseres österreichisch-ungarischen Verbündeten die russische Front zwischen dem Kar­pathenkamm und dem mittleren Tmnajec zu durch­brechen. Die Aufgabe war nicht leicht. Unter ge­schickter Benutzung des für die Verteidigung günstigen Berglandes hatten die Russen die ausgedehnte, seit fünf Monaten in ihrem Besitz befindliche und mit starken Kräften besetzte Stellung zu einem Boll- werk von ungewöhnlicher Stärke ausgebaut. Nur vorzügliche Truppen vernwchten unter solcher: Um­ständen die Macht des Feindes zu brechen.

Nachdem die Infanterie der verbündeten Truppen sich im Lause mehrerer Nächte an den Feind harange- schoben und die Sturmstellungen ausgebaut hatte, wurde am 2. Mai, morgens 6 Uhr, ein überwälti­gendes Artillerieseuer gegen die ganze feindliche Front eröffnet. Als es um 10 Uhr plötzlich schwieg, stürzte sich die Infanterie auf die feindlichen Stellungen. An einigen Stellen ergriffen die durch das Artillerieseuer erschütterten und durch den An­sturm überraschten Verteidiger alsbald die Flucht oder streckten die Waffen, vielfach dagegen bedurfte es des höchsten Krafteinsatzes, um ihren erbitterten Wider­stand zu brechen. Am Abend des 2. Mai jedoch war die erste Haupt st ellung der Russen in einer Aus­dehnung von 16 Kilometer durchbrochen und ein Ge­ländegewinn von durchschnittlich 4 Kilometer erzielt. In den folgenden Tagen wurde der Angriff mit An­

spannung aller Kräfte und mit dem Erfolge fortgesetzt, daß die Russen am 5. Mai trotz verzweifelter Gegen- wehr ihrer Nachhuten aus ihren letzten Stellungen öst­lich des Dunajec und der Biala zurückgeworfen wurden, Tornow und Dukla in den Besitz der Verbündeten ge­langten. . ,

An die gewonnene Angrisfsschtachr schloß sich eine.Verfolgung, die an Tatkraft und Erfolg den besten Leistungen dieser Art, von Irenen die Kriegsgeschichte berichtet, würdig an die Seite tritt. In dem Maße, wie die russische Front in Galizien oft- wärts zurückgÄrieben wurde, mußte auch die russische Karpathenarmee, von den Karpatchentruppen der Ver­bündeten aus südlicher Richtung bedrängt, vom Kamme des Gebirges, und zwar in nordöstlicher Richtung, zu­rückweichen. Das unvermeidlich dadurch entstehende Zusammendrängen bereits in Unordnung geratener Truppen aus engem Raume steigerte naturgemäß die Verwirrung bei den Russen.

Am 12. Mai, nach vier tägiger Schlacht und s e ch s- tägiger Verfolgung, erreichten die Vortruppen der Ver­bündeten den S a n. Sie halben in jenen zehn Tagen unter beständigen, zum Teil schweren Kämpfen 130 Kilometer zurückgelegt, die russische 3. und 8. Armee brs zur Vernichtung geschlagen und ihnen 143 500 Ge­fangene, 100 Geschütze und 350 Maschinengewehre abge- nommen. Die Russen auf deni linken Weichsel- ufer, südlich der Pilica, haben sich infolge dieser Nie- derlage der Ihrigen auf dem anderen Stromufer und bedrängt durch die ihnen gegenüber befindlichen Armeen Woyrsch und Dank! genötigt gesehen, sich der iiückzugsbewegung anzuschlietzen und sich über Kielce in nordöstlicher Richtung der Weichsel zu nähÄm.

Trotz dieser Erfolge war die Widerstandskraft der Russen in Galizien noch nickst völlig gebrochen. Mit Hilfe herangezogener frischer Truppen lersteten sie m der zunächst nachfolgenden .Zeit bei Przemysl noch Widerstand und gingen unterhalb dieses Platzes gegen die den San überschreitenden Truppen an verschiedenen Stellen und wiederholt zu Gegenangriffen über, so das; die verbündeten Truppen dort nur langsam und unter vielfachen, zum Teil heftigen Kämpfen Boden zu oewinnen vermochten. Am 2. Juni noch unternahmen die Russen heftige Massenanyrisse gegen unsere Stet lungen östlich Jaroslau, die 'über, wie mehr oder wem lger alle vorhergehenden, unter schweren Verlusten ab' gewiesen wurden. Diese Zähigkeit der Russen verdient an sich volle Anerkennung, sie zeugt aber auch von rich­tiger Erkenntnis, wie viel für Rußland irn gegen­wärtigen Augenblick auf dem Spiele steht.

Nun ist auch die seit dem 22. März in den Händen -der Russen befindlich gewesene Festung, Przemysl nach einer BÄagerung von wenigen Tagen, die am 31. v. M. zur Erstürinung von -drei, cmi 1. Juni zur Erstürmung von zwei Forts führt, von Truppen der Verbündeten zurückerobert worden. Und die inzwischen aus dem Ge­birge südöstlich von Przemysl hervorgebrochene Arm« des Generals v. Linsingen hat am 31. v. M. die vor ihr befindlichen Russen bei Stryj entscheidend geschlagen, auch diesen stark befestigte Ort erstürmt und ist dann nordwärts bis Micolajow am Dnjesft vorge- drnngen, wo sie sich nur noch 35 Kilometer von Lem­berg entfernt befindet. Danach dürfte den Russen kaum eine andere Wahl als der Rückzug in nordöstlicher Rich- ftrng, nach Wolhynien, bleiben, dem auch die im östlichsten Gebiete von Galizien und in der Buko- wma noch am Pruth stehenden russischen Heeresteile entsprechende Folge werden geben müssen.

Die Große der durch die Offensive aus idem südöst­lichen Kriegsschauplätze erzielten Erfolge .geht deutlich daraus hervor, daß die Verbündeten bei ihr im Lause des Monats Mai — also ungerechnet die seitdem, be­sonders in Przemysl gernalKe Beute — 863 Offiziere und 268 860 Mann gefangen genommen und 251 Ge- schütze, 576 Maschinengewehre erbeutet haben. Zieht nmn die Verluste, die die Russen schon vorher in die'em Kriege erlckien haben, sowie den Umstand in Betracht, daß ihre blutigen Verluste in allen Kämpfen t er- hältnismäßig weit schwerer als die der Heere anderer Staaten gewesen sind und daß es chnen auch an Mit­teln zum Ersatz des verlorenen Materials fehlt, so kann es keinen: Zweifel unterliegen, daß -die m i l i t ä r i- s ch e Macht Rußlands für die mögliche Dauer des gegenwärtigen Krieges als endgültig gebrochen zu betrachten ist. Keine Lügen unserer Feinde vermögen die'e Sachlage zu verdunkeln!

Der Urieg gegen England.

Die englische Rüste abermals von deutschen Luftschiffen angegriffen.

W. T.-B. Berlin, 8. Juni. (Amtlich.) In der Nacht vom 6. zum 7. Juni führte» unsere Marine- luftschiffe erfolgreiche Angriffe gegen die Docks von Kingston und Grirs^btz am Humber

aus. Sie kehrten trotz starker Beschießung unbeschädlgt zurück.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behacke.

Die Wahrheit kommt doch an den Tag.

Wirkung des Zeppelinbesuches an der Tynemündung.

Nr. Berlin, 8. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Es ist bereits verschiedentlich angedeutet worden, daß bei dem Zeppelinbesuch in Newcastle und am Tyne an der eng­lischen Ostküste auch ein englischer Panzerkreuzer er- tiebkich durch Bombenwürfe beschädigt worden sei, ohne daß cs aber bisher möglich war, Genaueres darüber in Erfahrung zu bringen. Wie die „B. Z." mitteilt, hat nun ein a»S Bremen stammender deutscher Seemann am 21. Mai einem Vertreter des „Baltimore-Korrespondenten" interessante Aufschlüsse dar­über gegeben, die in allen Einzelheiten einen glaubwürdigen Eindruck machen. Der Betreffende befand sich zur Zeit der erwähnten Zeppelinoperationen in Newcastle. Er erzählt; Im Hafen lagen der noch im Ausbau befindliche Dreadnought „Resolution", zwei alte Tauchboote und zwei im Bau be­griffene neue Unterseeboote. Die deutschen Luftschiffe, eS rvaren drei, warfen etwa 25 Bomben über Newcastle ab, wovon drei auf das neue Schiff fielen. Sie demolierten nicht nur das Deck der „Resolution" und den Jnnenbau, sondern rissen auch eine ganze Seite der Panzerplatten ab. Dadurch ist die ganz moderne „Resolution", ein 25 000-Tonncnschiff, das bereits diesen Sommer in Dienst gestellt werden sollte, nach den übereinstimmenden Aussagen von Dockarbeitcrn total unbrauchbar gemacht. In der Stadt Newcastle, so er­zählt der deutsche Seemann weiter, stürzten durch deutsche Bomben vier Häusergevierte ein, wodurch ein nach Millionen zählender Schaden angerichtet wurde. Im benach­barten Nordshields wurde das R«thaus wie vom Erd­boden weggefegt. Im Hafen von Newcastle lag zu jener Zeit auch das in der Seeschlacht in der Nordsee beschädigte Linien­schiff „L i o it“, das augenscheinlich sehr schwere Havarie hatte. Neue Opfer unserer V-Voote.

W. T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Die englische Bark „S u n l i g h t" ist Sonntagabend au der irischen Küste durch ein deutsches Unterseeboot torpediert wor­den. Die Besatzung wurde von einem Fischdampfer ausge­nommen und gestern früh in Queenstown gelandet. — Ein deutsches Unterseeboot torpedierte den Fischdampfer „Dromio". Die Besatzung wurde gerettet und in Peter- head gelandet.

Der „Lusitania"-Untergang.

Weiteres von der Ladung der „Lusitania".

W . T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Die Blätter veröffentlichen eine Zuschrift aus der hervorgeht, daß bei dem Untergang der „Lusitania" eine Ladung Feldstecher, an denen bei der unentivickelten optischen Industrie Englands großer Mangel herrsche, verloren gegangen ist.

Die Zahlungen der englffchen und Saeerikamschen Versiche­rungsanstalten.

Haag, 8. Juni. Reuter meldet aus London: Die eng­lischen Vsvsicherungscmstalten haben bis jetzt an die Nach­kommen von ungefähr 350 Versicherten, die mit der „Lusi­tania" wmgÄommen sind, über 2 Millionen Mark aus­zahlen müssen. Diese Summe wird sich noch erheblich steigern. Amerikanische Versicherungsgesellschaften haben bisher über 6 Millionen Mark ausaezahlt. An See­versicherungen mußten über 24 Millionen Mark gezahlt wer­den. Eine einzige amerikanische Versicherungsgesellschaft hat für umrgekommene amerikanische Bürger 1400 000 M. ent­richten müssen. Die Höhe der Lebensversicherung Vander- b i l t s ist bisher noch nicht bekam::. Die englischen Versiche­rungsanstalten haben an die Erben von auf See umge- lömmenen Personen während des bisherigen Krieges 2 800 000 Pfund Sterling, gleich 56 000 000 M., ausgezahlt.

wie die englische Flotte sich verkriecht.

Ehristiania, 8. Juni. (Ktr. Bln.) Der Kapitän des Wcck- filchkochereidampiers „Roald Amundsen" ist in Frederiksstad angekommcn. Er erzählte einem Mitarbeiter von „Frederiks- ftad Blad", er fei im Atlantischen Ozean außerhalb der irlän­dischen Küste von einem großen deutschen Untersee­boot angehalten worden. Als der Unterseebootskommandant gebärt habe, welches Schiff es war, sei er sehr liebenswürdig gewesen und habe gebeten, die Post für das Unterseeboot mit- zunehmen. Aus der ganzer: Reise von Cardiff rings um ganz Großbritannien bis Norwegen hat der Kapitän kein einziges englisches Kriegsschiff gesehen.

Die größte englische bisherige Verlustliste.

5600 Offiziere und Mannschaften.

Berlin, 8. Juni. (Ktr. Bln.) Über die wachsenden eng­lischen Verluste heißt es in einem Telegramm an das „B. T." aus Rotterdam: Die heutige englische Verlustliste ist die

größte, die bisher veröffentlicht wurde. Sie enthätt die Namen von 5 6 0 0 Offizieren und Mannschaften, von denen 1670 gefallen sind. Die sieben letzten Listen verzeichnen einen Gesamtverlust von 913 Offizieren und 20 000 Mann.

Lloyd Georges INunitionsmcrschine.

w. T.-B. London, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Lloyd Georg­hat einem Mitarbeiter der „Tnill, Mail" gesagt, er glaube endlich, daß die Dinge gut gehen. Die Maschine be- ginnet sich zu b-ewege-n. Der MüaKeiter der «Dqgtz

»4 Vergleiche Nr. 253 deS JVieSEdener Tnablatts".