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Nr. 257. ♦ 63. Jahrgang.
SEE* "«SK 'halbe. dHRMei.eu7durchlLi^. nach besonderer Berechwnna - Bei wiede'rhoUa Auftiahme unveränderter Anzeigen in furzen Zimichenraumen entsprechender Nachlaß.
Sonntag, 6. Juni 1915.
Oer ttrieg.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 5. Juni, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz, östlich Przemysl vermochten die Russe» bei M e d i k a nicht standzuhalten. Die Verbündeten drangen kämpfend gegen M o st i s c a weiter vor. Hm Gebiet des untersten San wurden mehrere Vorstöße des Feindes a b g e w i e s e n. Verbündete Truppen rücken von Westen her nahe an K a l u s z und Z u r a w n o heran. ^
Die Kämpfe am P r u t h dauern fort. Der Gegner griff hier an mehreren Stellen heftig an, wurde aber an den Fluß zurückgcworsen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im tiroler und k ä r n t n e r i s ch e n Grenzgebiet hat sich auch gestern nichts Wesentliches ereignet. Ein feindliches Bataillon, das sich im Gebiet des Stilfser Joches gezeigt hatte, wurde vertrieben. In Judikarien, im Etschtale, auf dem Plateau Folgaria und an mehreren Punkten der Kärntner Grenze wird der Geschützkampf fortgesetzt.
Im Küstenland blieben bei einem blutig abge- wiesenen Angriff von vier italienischen Bataillonen auf unsere Stellung nördlich Tolmein 3 OsflZrere und 50 Mann in unserer Hand. »
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallcutnant.
von den östlichen Kriegsschauplätzen. Nach der Wiedereroberung przemysls.
Russische Beschwichtigungsversuche.
Sr. Rotterdam, 5. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Weitere Depeschen aus Petersburg Wer die Räumung Przemysls sagen, daß man die Räumung aus Gefühlsgrün- den sowohl wie aus militärischen in allen Kreisen der Zivilund Militärbevölkerung außerordentlich bedauert, dennoch sei die Räumu-ng aus strategischen Gründen notwendig gewesen. Die Vorbereitung Kur Räumung war schon seit einem Monat rm Gange. Nichts hätte dem Feind !mehr genützt als die Einschließung von 130- bis 140 000 Mann. Die Garnison sei aber intakt entkommen U8& für die Operationen im Felde verfügbar geblieben.
ver Eindruck in Rumänien.
Sr. Bukarest, 5. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Sie Nachricht van der Wiedereroberung von Przemysl hat in allen Kreisen Rumäniens einen bemerkenswerten Eindruck gemacht. Im Verein mit der hier viel vermerkten Erfolgreichen Tätigleit der deutschen Unterseeboote im Mittel Meer erscheint die Wiedererstürmnng Przemhsls als eine Er leickterung der Lage vom Standpunkt der Zentralmächte aus.
seinem stets sehr unparteiischen Situationsbericht hebt der her Regierung nahestchende „Vittorul" die Tatsache hervor, daß d-ie Russen die Festung nach kaum vierzehn- tägiger Verteidigung verloren hätten, und gib: die Meinung kund, daß die Russen über keine Munition mehr verfügen. Aus den bei den Russen herrschenden Munitionsmangel weist auch ein hier eiugetroffenes Telegramm aus Petersburg hin, das offenbar auf den Fall der Festung var- bereiten sollte und in dem es heißt, daß der Feind drei Forts der Festung genommen hätte, nachdem die Artillerie die letzte Granate verschiffen habe. Die Kriegshetzer sind vorläufig sehr kleinlaut. Das „Journal de Balccma" zicht »«läufig die deutsche Ankündigung (?) in Zweifel, daß eine große Beute in Przemysl gemacht worden sei. Dagegen hat Take JoneScu vollkommen die Sprache verloren. In seiner sonst so redseligen „Rumanie" sind erst nach langem Suchen dreiversteckteZeilen über den Fall Przemtzsls zu finden. Und der erst ganz schweigsame „Adverul" behandelt das Ereignis in seiner Witzrubrik, indem er meint, die Zentralmächte würden Przemysl, das sie bei seinem Verlust als Quantitä negligeable bezeichnst hätten, nun als wichtigsten Punkt behandeln, >um nach drei Wochen, wenn Przemysl wieder in der Hand der Russen sein werde, wieder die alte Melodie zu singen. Es wird der Tripelenteute nicht leicht fallen, in dieser Atmosphäre die unterbrochenen Verhandlungen neu und erfolgreich aufzunehmen.
Rumänien und das Schwarze Meer.
Berlin, 5. Juni. (Kir. Mn.) „Narodni Prawa" in Bukarest teilt nrit: Die herrschenden Ansichten in Rumänien sind gegenwärtig folgende: Die am Ruder befindlichen Liberalen unter Bratianu glauben, daß die nationale Einigung der Rumänen nicht durch die Angliederung von Siebenbürgen und der Bukowina vollzogen werden kann. Tausendmal wichtiger ist die Frage der Donaumündüngen und das Dardanellenproblem. Die ftere Aus- und Einfahrt rm Schwarzen Meer, mutz unbedingt von Europa auf dem Friedenskongreß gewährleistet werden. Die Konservativen .unter Marghiloman fordern die Neu- tralitzernng de« Dardanellen uK> glauben, daß die öffentlich
Morgen - Kusgabe^
Meinung sich nicht über die Frage entzweien sollte. Der
erne von der Gesamtpartei unabhängige Teil der Kon,er- vativen unter K a r p und der andere unter I o n e s c u gehen diametral gegeneinander. Ersterer ist für den Anschluß an Deutschland, letzterer für den an Rußland. Die öfsent.lche Meinung schwankt.
Frankreich hofft noch auf Rumänien.
Sr. Genf, 5. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Petit Paristen" erfährt aus Bukarest, daß die durch me Vermittlung Englands und Frankreichs geführten Verhandlungen mit aller Aussicht auf Geliugeu fortgesetzt werden; wenn die dabei gemachten Vorschläge angenommen werden,
wäre Rumänien sofort zu tätigem Vorgehen bereit,
ksindenburgs Siegeszuversicht.
Sr. Hannover, 5. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einem dem Stadtdirektor Tramm in diesen Tagen zu- gegangeneu Schreiben des Generalfeldmarschalls v. Hlnden- bürg heißt es dem „Hann. Courier" zufolge: „. . . L-fi
suchen meine Gedanken mein liebes Hannover auf, depen Fortentwickelung trotz des Krieges ich in der Zeitung eifrig verfolge. Wie gerne wanderte ich gerade jetzt m der tn frischem Grün prangenden Eilenriede, aber das hiuter- li stige Eingreifen Italiens hat den Zeitpunkt für solche Erholungsstuudeu hinausgeschoben. Der Feld- äiirr wird dadurch verlängert, aber an seinem U u s g a n g wird dadurch nichts mehr geändert werden. Davon bin ich fest überzeugt."
Ein englisches Malt über die ungeheuren ruffischen Verluste.
W. T.-B. Manchester, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Manchester Guardian" schrieb schon vor dem Fall twn Przemysl: Was besondere Besorgnis erregt sind die sehr schweren Verluste der Russen an Menschen und Waffen in dem letzten Monat. Wir wissen nicht,
womit es diese Verluste wettmachen könnte.
W T.-B. London, v. ^ZUNI. (Nichtamtlich.) Ein Leitartikel'der „Daily News" befürchtet, datz die Rüsten durch den von zwei Seiten von Przemysl und Stryj kommenden Angriff zur Räumung ganz Galiziens gezwungen werden könnten und selbst Lemberg fallen könnte.
Deutsche Tauben über Windau.
W. T.-B. Petersburg, 5. Jum. (Nichtamtlich.) Die lettische Zeitung „Kurceme" meldet: Deutsche Tauben flie
gen täglich über Windau. — Flüchtlinge, besonders Juden, kehren von allen Seiten nach Libau zurück.
Die Kricgsschatzung Libaus nach russischer Darstellung.
W T-B. Petersburg, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Nach dem „Rjetsch" hat die Stadt Libau eine Kontribution von 500 000 Rubel gezahlt. Durch Vermittelung des amerikanischen Konsuls ist erwirkt worden, daß die Bezahlung auch durch Naturalien und andere Wertsachen erfolgen konnte.
Graf Rpponyi bei Kaiser §ranz Ioseph.
W- T.-B- Wien, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der Kaiser empfing gestern vormittag den Grafen Albert Apponyi in besonderer Audienz
Der ttrieg gegen England.
Die Erfolge des deutschen II-Vootkrieges.
111 Schiffe in einem Vierteljahr.
Am 18. Februar begann bekanntlich der energisch geführte Seekrieg gegen unsere Feinde. Er spielte sich vor allem an der englischen Küste ab. Welche Verluste hierbei den feindlichen Handelsmarinen in der Zeit vom 18. Februar bis zum 18. Mai, also im Zeitraum eines Vierteljahres, zugcsügt werden konnten, darüber können jetzt sichere Angaben gemacht wer- werden. Die Verluste betragen für England und Frankreich zusammen nicht wenrger als 111 Schiffe. Den Löwenanteil trug hierbei England mit 104 Schissen davon. Von diesen 111 Schiffen hatten einen Tonnengehalt von unter 1000 Tonnen: Schiffe, von 1000 bis 5000 Tonnen: 49 Schiffe, „von 5000 bis 10 000 Tonnen: 7 Schisse und 1 Schiff „über 10 000 Tonnen, das war die „Lusitania" mit einem Tonnengehalt von 31550 Tonnen. Die Namen der Schiffe von 5000 bis 10 000 Tonnen waren „Harpa- livn" (5867), „Durham Castle" (8228), „Glcnartney" 5201) „Harplüyce" (5940), „Wayfarer" (9599), „Can- didate" (5858), „Cenrnrion" (5945). Ein stolzer Erfolg'.
Neue Gpser unserer H-Boote.
w . T.-B- London, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der Dampfer „I n t i m" ist bei Kap Lizzard torpediert und versenkt worden.
Besatzung von 40 Mann wurde gerettet.
IV T-B Brest, 5. Juni. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Der Dampfer „Pcnfeld" aus Brest ist gestern mittag von einem Unterseeboot im Ärmelkanal versenkt worden. Die Besatzung ist gerettet.
-w T-B; London, 5. Jum. (Nichtamtlich. Reuter.) Der Dampfer „I o n a", 3344 Tünnen groß, und der Segler „C h r"y s o p h asind Douncrsrag bei der Insel Fair torpediert worden. Die Besatzungen sind in K i r k w a l l an- grkommrn. Zwei Sr gl er aus Lowe st oft sind Don
nerstag in der Nordsee torpediert worden. Dir Besatzungen ind in Lowestoft cingctroffcn.
Oie bewaffneten Handelsschiffe.
W. T.-B. Lissabon, 5. Juni. (Nichtamtlich. Havas.) Nach Blättermeldungen beschoß der Postdampser „D o m a r a r a" aus der Fahrt von Liverpool nach Lissabon das Periskop eines Unterseebootes, welches ihn verfolgte. Das Unterseeboot verschwand sofort.
Für Versenkung des „Gulflight".
W. T.-B. London, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Reuter meldet aus New Dort: Der Botschafter der Bereinigten Staaten in Berlin, Gerad, übermittelte dem Staatsdepartement den Inhalt der deutschen Note, in welcher Schadensersatz für die Beschädigung des amerikanischen Dampfers „Gulflight" zugesagt wird. Die Note besagt, daß der Kommandant des Unterseebootes die amerikanische Flagge erst gesehen, als das Torpedo schon abgeseuert ioar. Die Note drückt das Bedauern der deutschen Regierung über den Vorfall aus.
England verteilt die Welt.
Amsterdam, 4. Junt. iKtr. Bln.) In der„ ersten Nummer der neuen Zeitschrift „War Budget" verteilt Sir * ®. Rees die Beute, die die Verbündeten gern haben mochten. Rußland erhält Galizren, Armenien, Deutsch-Polen und unter gewissen Bedingungen K o n st a n t r n o p e I. Rees sagt, diese verhängnisvolle Stadt beherrscht das Schwarze Meer, wo der Löwenanteil des Handels in rus- fischen Händen liegt. Wenn Rußland Konstantinopel hak, wird wohl der letzte Widerstand Rußlands gegen uns rn Afghanistan und Indien aufgehöri haben. Frankreich gibt Rees natürlich E l s a ß - L o t h r i n g,e n, an Belgien Luxemburg, an England Helgoland und dre deutsche Flotte und an Japan für dauernden Besitz Porr Arthur und Tsingtau. Die Türkei würde endgültig von der Landkarte Europas verschwinden und Österreich-Ungarn nur als ein Schatten aus „dem Friedensschluß hervorgehen. Böhmen würde selbständig werden, Istrien, Bosnien und die Herzegowina, Galizien und Öster- reichisch-Polen würden fortfallen, und Deutschland würde sich wieder in eine Gruppe unabhängiger Staaten auslösen. So sieht die Welt nach dem Kriege in den Augen eines Engländers aus.
Oer Rampf um die Wehrpflicht.
W- T.-B- London, 5. Juni. (Nichtamtlich.) „Daily Chronicle" begrüßt Lloyd Georges Äußerungen über die allgemeine Wehrpflicht und sagt: Wenn sie notwen-
d t g wird und von den M i n i st e r n, welche das Verttanen aller Parteien besitzen, feierlich als notwendig erklärt wird, nehmen die Patrioten sie an; wenn sie ihnen aber durch den Lärm ununterrichteter, vorurteilsvoller und unverantwortlicher Leute aufgedrängt wird, welche die Harmonie des Volkes gefährden, nehmen sie sie nicht an.
W. T.-B. Rotterdam, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Rotterdamscke Courant" meldet aus Lomldon- Der Minister für KriegZmmlitron Lloyd George sagte in seiner „letzten Rede noch ilber die allgemeine Wehrpflicht, 'daß er sie k e i n e s- wegs für undemokratisch halte. Er sprach mit Anerkennung von den bisherigen Erfolgen des Freiwilligenshstzems uiid sprach die Ansicht aus, daß eine Dienstpflicht aus industriellem Gebiete noch einmal nötig werden könnte. Die kurze Erfahrung in seinem neuen Amte habe ihm gezeigt, datz das Land nicht'die Hälfte seiner industriellen Leistungsfähigkeit anzuwenden brauche, um den Krieg zu gewinnen. Wir waren vor dein Kriege das am s ch l e ch t e st e n organisierte Volk der Erde.
Oie unabhängige englische Arbeiterpartei gegen die allgemeine Wehrpflicht.
W T.-B. London, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der .Labour Leader" teilt mit, daß der Vorstand der unabhängigen Arbeiterpartei einen Aufruf gegen die ErnM- rung der allgemeinen Wehrpflicht veröffentlichte und ihn. unter den Gewerkschaften und sonstigen Arbetterorganisatto- nen zu verbreiten beabsichtige. Der Vorstand fordert alle Parteimitglieder auf, die allgemeine Wehrpflicht zu bekämpfen und sagt: Es ist u n n ü tz, die allgemeine Wehrpflicht zu bekämpfen, wenn wir mit der Fortdauer des Krieges einverstanden sind. Wenn wir die kriegerische Politik mitmachen, so ist der Militarismus, der Krieg und die allgemeine Wehrpflicht unvermeidlich. Unsere posittve Politik muß sein: Furchtlos für einen baldigen und dauernden Frieden zu wirken.
Der staatliche Zwang der Nlunitionsarbeiter.
IV. T.-B. London, 5. Juni. (NichtamUich.) Die „Daily Mail" schreibt: Die Regierung hat keine leichte Aufgabe, denn ein großer Teil der Nation erwartet, daß wir in einer Woche erreichen, was Dentschlaüd in einem halben Jahrhundert erreicht hat. Nicht nur dm äußeren Formen und Einrichtunigein des nattonalen Lebens mit sofortiger Wirksamkeit, sondern mtt einem Schlage auch das ganze Temperament der'Engländer von Grund auf zu ändern; das fft in dieser Art unmöglich, aber es besteht die Gefahr, daß eine! Gruppe des neuen Kabinetts es versucht, urid daß das unheilvolle Folgen hat. Lloyd George kennt die Gefahren und sagt in seiner Rode von Manchester geschickt: ..Ich werde ans dem Patriotismus von ÄancMrre wehr hWMS*
