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Samstag, 5. Juni 1913.
klbend-Ausgabe.
Nr. 236. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 5. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Juni. .(Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Ein Flughafen mit Bomben belegt.
Um die Reste der Zuckerfabrik bei S o u ch e z wird weiter gekämpft. Zurzeit ist sie wieder ttu Besitz der Franzosen. Die feindlichen Angriffe bei Neuville wurden abgewiesen.
Der Flughafen von Dominartemon bei Nancy wurde mit Bomben belegt.
DesMcher Kriegsschauplatz.
2000 Gefangene in Rurland.
Im Anschluß an die gestern bei R a w d S j a n y und Sawdtzniki abgeschloffenen ruflischen Angriffe stießen unsere Truppen vor, warfen den Gegner, der den Brückenkopf Sawdtzniki räumte, und machten 197V Gefangene.
Weiter nördlich fanden in Gegend P o p e l j a n y für uns erfolgreiche Reiterkämpfe statt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
weitere Fortschritte östlich przemysl und am Vnjestr.
Östlich I a r o s l a u ist die Lage unverändert.
Östlich Przemysl befinden sich die Truppen des Generals v. d. M a r w i tz im Verein mit österreichisch-ungarischen Kräften im Vorgehen in Richtung M o s z i s k a.
Die Armee des Generals L i n s i n g e n hat den Feind auf K a l u 8 z und Z u r a w n o (am Dnjestr) zurückgeworfen.
Oberste Heeresleitung.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Unser Raiser beim österreichisch-ungarischen Oberkommando.
W. T.-B. Wien, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der deutsche Kaiser ist gestern im Standort des K. u. K. Oberkom- m a n d o s eingetroffen, um dem Armeeoberkommandauten Fcldmarschall Erzherzog Friedrich zu deffen gestrigen Geburtstag sowie anläßlich der Wicdereroberung Przemysls die herzlichsten Glückwünsche persönlich zu überbringen. Bei der Mittagstafel erhob Kaiser Wilhelm fein Glas, nur in markigen Worten die Bedeutung des jüngsten Erfolges der verbündeten Truppen und die Persön- llchkcrt des siegreichen Feldinarschalls zu feiern. Bei der Ankunft und Abfahrt wurde der Kaiser von der in den Strafen der Stadt maffenhaft versammelten Bevölkerung jubelnd begrüßt.
Oie Schlacht in Galizien.
Der Fortgang der Kämpfe.
Berlin, 5. Juni. (Ktr. Blin.) Über den Fortgang der Kämpfe in Galizien wird dem „B. L.-A." aus dem k. k. Kriegs- preffequartier gemeldet: Die große Schlacht hat auf die ganze Front der Armee Pflanzer-Baltin Lbergegriffen. Sie reicht somit jetzt von der W e i ch s e l bis nahe an die bessarabische Grenze. Zwischen San und Dnjestr erzielten unsere Angriffe einen schönen Erfolg. Dem Feinde wirrde eine Stellung entriffcn. In den dahinterliegenden Abschnitten aber leisten die Russen noch zähen Wider st and. Die vormalige Besatzung von Przemysl zieht sich unter Nachhutkämpfen, verfolgt von den Truppen des Generals Puhallo und den Bayern, allmählich in die rnffischr Front auf N c d y k a zurück. Die Kämpfe der Armee L i n s i n g e n und der Gruppe S z u r m a y nehmen einen guten Fortgang. Diese Heeresgruppen drängen de» Feind immer mehr an den Dnjestr heran.
Der russisch« Generalstabsbericht.
Vorbereitung der russischen Öffentlichkeit auf den Fall von Przemysl.
W . T.-B. Petersburg, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Mitteilung des Großen Generalstabes: Am 1. Juni dauerte die Schlacht bis zur Gegend von Nadworna fort. Auf dem linken Ufer des unteren San drängten unsere Truppen nach einem kräftigen Vorstoß die feindliche Aufstellung am 2. Juni endgültig zurück. Wir bemächtigten uns eines wichtigen Abschnittes der befestigten Stellung des Gegners in der Umgegend von Rudnik, wo wir ungefähr 4000 Gefangene machten, Kanonen und viele Maschinengewehre erbeuteten; unsere Offensive auf der ganzen Front bis zur Wislokancündung dauert erfolgreich fort. Angesichts der Tatsache, daß Przemysl bei dem Ziistand seiner A r t i l le r i e und der von den Österreichern vor der Übergabe zerstörten Werke unfähig zu selbständiger Verteidigung anerkannt worden ist, war die Festhaltung für uns etn angemessenes Ziel nur so lange, als der Besitz der Stellungen, welche die Stadt im Norden und Westen umgeben, uns den Kamps am San erleichterte. Da der Feind Iaroslau und R a d y m n o nahm und sich auf dem rechten Sanufer ausdehnte, zwang die Festhaltung der genannten Stellungen unsere Truppen, auf einer ungleichmäßigen, sehr schwierig zu verteidigenden Front zu kämpfen, welche durch diese Stellungen um 35 Werst verlängert wurde und die Truppen, die darin standen, einem konzentrierten Fxuer der zcchlreichen schweren Artillerie des Feindes auSsetzie.
Daher begannen wir vor einiger Zeit, das verschiedenartige Material, das wir den Österreichern abgenommen hatten, nach und wach aus dem Punkte wegzuführen, Nach Beendigung des Transportes entfernten wir am 2. Juni die letzten Batterien. In der folgenden Nacht räumten unsere Truppen gemäß den ihnen zugegangenen Befehlen die N o r d - und Westfront von Przemysl und die umgebenden Stellungen und nahmen weiter östlich eine dichtere Aufstellung. — Feindliche Angriffe zwischen Przemysl und dem DnjLstr wurden am 1. Juni abgewiesen. Im Gebiet jenseits des D n j e st r gelang es dem Feinde, welcher sehr starke Kräfte an den Zugängen zu der Stadt S t r h j versammelt hatte, auf der Front zwischen Tysmienica und dem Stryjfluß vorzudringen, wobei er sehr große Verluste erlitt und bei unseren Gegenangriffen 1000 Gefangene verlor. An den Ufern der Swica und Lomnica bedrängten wir am 1. Juni den Feind und wiesen am der Bistrica seine Angriffe erfolgreich ab. — Auf den anderen Frontteilen ist die Lage unverändert.
Ein voreiliges russisches Urteil.
Kopenhagen, 5. Juni. (Ktr. Bln.) Die „Nowoje Wremja" schrieb am 28. Mai, daß die Deutschen durch die Kämpfe am San und dem Dunafetz und der Wisloca derart cmgerieben seien, durch Italiens Kriegsbeitritt derart moralisch angegriffen seien, daß ernst zu nehmende deuffche Angriffe auf die Festung Przemysl nicht denkbar seien.
Hätte das Petersburger panslawistische Blatt nur. noch einen Tag gewartet, so hätten seine Ausführnwgem zu einem ganz anderen Ergebnis kommen müssen.
Die Siegeskunde in Serajewo.
W. "T.-B- Serajewo, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Die Nachricht von der Wiedereroberung von Przemysl wurde hier mit Jubel ausgenommen. Die Stadt legte Flaggenschmuck an. Abends wurde ein Zapfenstreich veranstaltet, an dem sich eine große Menschenmenge beteiligte. Die patriotischen Kundgebungen erreichten ihren Höhepunkt vor dem deutschen Generalkonsulat, wo die Menge immer wieder in stürmische Hochrufe auf die Monarchen und die Armeen auSvrach.
Mil przemysl der einzige russische Erfolg gefallen
AuS der türkischen Presse.
W. T.-B. Konstantinoprl, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Die gesamte türkische Presse gibt ihrem Jubel über die Wiedereroberung von Przemysl Ausdruck. Die Blätter erinnern an die heldenssrfte Verteidigung, die schließlich nur dem Hunger weichen mußte, und heben die von dem deutschen und österreichisch-ungarischen Heere in so kurzer Zeit vollbrachte tapfere Tat hervor, die die russische Armee trotz der in der Zwischenzeit vollendetem ungeheuren Verteidigungsarbeiten zur Flucht zwang. Der „Tauin" schreibt: Mit Przemysl fällt nicht nur die Festung, sondern der einzige Erfolg der Russen in zehn Kriegsmonaten; noch weitergehend könnte man sagen, daß Rußland selbst fällt.
Eine neue Ehrirng Mackensens.
•W. T.-B. Hohcnsalza, 4. Juni. (Nichtamtlich.) In der letzten Sitzung der Stadtverordneten wurde unter Bravorufen dem Antrag des 'Magistrats zugestimmt, dem Sieger von Wloclawek, Generaloberst v. Mackensen, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.
Petersburg in Erwartung eines grotzen ttrisgsrates.
W. T.-B. Basel, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Die „Basler Nachrichten" ,neiden: In Petersburg sind in den letzten Tagen zahlreiche Generale, frühere Minister und Generalgouverneure, die dem Zaren als Berater zu dienen pflegen, einge- troffcn. Es wird ein großer Kriegsrat erwartet, was geht in Petersburg vor?
Sr. Wien, 5. Juni. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „Extrablatt" meldet über Kopeichagen: Ernste Gerüchte kommen a-uS Petersburg. Seit acht Tagen ist keine ausländische Zeitung zur Einfuhr in Rußland zugelassen worden. Tue skandinavischen Zeitungen sind zum Teil bereits zurück- gelangt Die n-uh Kopenhagen gelangten russischen Zeitungen bringen zum erstenmal seit Beginn doS Krieges auch die deutschen und'österreichischen Generalstabsberichte, selbstverständlich in dem zurechtgestutzten A u s z u a der „Petersburger Telegraphen-Agentur". Das „Extrablatt" meldet iwch, daß der Zar die Urteile des Petersburger Kriegsgerichts gegen fünf sozialistisch-revolutionäre Dumaccb,geordnete aufgehoben und die nach Sibirien verschickten begnadigt habe. #
Nutzland beruft den Jahrgang 1916 ein.
Kopenhagen, 5. Juni. (Ktr. Bln.) Die Einberufung russischer Rekruten des Jahrgangs 1916 ist im Gange.
Wo ist General Dimitricw?
W. T.-B. Lasel, 5.'Juni. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Pariser „Temps" soll sich G e n e r a l D i m i t r i c w, wie bereits untgeieilt, seit längerer Zeit in Petersburg zur Pflege seiner Wunden, die er bei Besichtigung der vordersten Frontlinien erhalten hat, befinden. Der „Basler Anzeiger" stellt den Wider sprach in dieser Meldung zu der kürz- lichen amtlichen russischeu Meldung fest, wonach General Dimitriew den Beschl über die zum Angriff gegen den Bosporus bestimmte Armee übernommen haben sollte.
Dimitricw in russischer Ungnade.
Die Sofioter „Kambana" schreibt, laut „Nat.-Ztg.": Gegenüber allen anderen Meldungen ist es Tatsache, daß der
General Radio Diimtriew wegen der Niederlage in Galizien beim russischen Hof in Ungnade gefallen ist und auch die Führung der Operationen gegen die Türkei nicht übernehmen wird.
Verstimmung und EnttauschunginFrankreichs
Br. Zürich, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die hier eingetroffenen Pariser Zeitungen, die von der Wiedereroberung Przemysls noch nichts wissen konnten, ^verraten Ungeduld und En t i ä u s ch u n g. Die^ Ursache der Entmutigung ist hauptsächlich die offiziöse Erklärung, daß die französische Heeresleitung vorläufig nur die Gewinnung bestimmter Stützpunkte erstrebe, da entscheidende Erfolge bei dem Charakter der deutschen Befestigungen und artilleristischer! Überlegenheit unmöglich leien. Auch die Lage an der Ostfront trägt stark zur Verstimmung des französischeri Publikums bei. Trotz der Petersburger Siegesdepeschcn kennt man in Frankreich die wahre Lage scheinbar genau. Die militärischen Mitarbeiter der Zeitungen beschränken sich im allgemeinen daraus, zu versichern, daß die Lage der Russen doch nicht ganz so ungünstig sei, wie das Publikum annehme. Das Losschlagen Italiens hat offeribar nur einen kurzen Moment Eindruck in Frankreich gemacht. Auf das Losschlagen Amerikas wird trotz der Kriegsankündigungen, die sich der „Matin" aus New Jork täglich kabeln läßt, nicht mehr gerechnet.
wie die Skandinavier über Rutzland urteilen:
Berlin, 5. Juni. (Ktr. Bln.) Die Wiedererobcrnng von Przemysl hat nach Meldungen aus Kopenhagen auf die Stimmung in Skandinavien entscheidend eingewirkt. Heute sei Italien, über daS Presse und Publikum gleich verächtlich dächten, völlig vergessen. Die Siege in Galizien und der Fall Przemysls hätten Dänemark begeistert. „Politiken", die angesehenste skandinavische Zeitung, spricht von einem völligen russischen Zusammenbruch.
Magen der gefangenen Russen über schlechte Verpflegung und Besoldung.
Sr. Budapest» b. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Be, Przemysl gefangene Russen sagen aus, seit dem großen Rückzug der russischen Armee in Galizien haben wir täglich nur 3 Kopeken an Lohn erhalten. Die Herabsetzung wird damit begründet, daß zuviel russisches Geld in die Hände der Feinde gelangen würde, wenn wir g e - fangen genommen werden sollten. Auch die Verpflegung ist unglaublich schlecht geworden; die Unzufriedenheit unter den Soldaten ist sehr g r o ß, weshalb sie. sich nach einem S ch e i n w i d e r st a n d bei der ersten besten Gelegenheit ergeben.
Unerschwingliche Fleischpreise in Moskau.
W. T.-B. Moskau, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Nach dem „Rußkoje Slowo" sind in Warschau die Fleischpreise jetzt auf 60 Kopeken pro Pfund gestiegen (gegen früher 18 Kopeken). In Charkow haben die Fleischer erklärt, daß sic zu den Höchstfleischpreisen nicht liefern könnten. In Sewastopol ,ist Brotnot eingetretcn.
Graf Bcrchtold Kriegsfreiwilliger?
Berlin, 5. Juni. (Ktr. Bln.) Der frühere Minister des Äußern in Österreich-Ungarn, Gras Berchtold, will Berliner Blättern zufolge als Kriegsfreiwilliger auf dem italienischen Kriegsschauplatz seinen Sohn begleiten und selbst als fieiwilliger Automobilfahrer in den Dienst eintreten. Graf Berchtold macht gegenwärtig die Ausbildumg als Chauffeur durch.
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Der sehr starke Eindruck der Wiedereroberung von przemysl in Rumänien.
IV. T.-B. Bukarest, 5. Juni. (Nichtamtlich.) Der Eindruck des Falles von Przemysl, der durch Sonderausgaben des „Universul" und „Adeverul" am Nachmittag hier bekanrft wurde, war in alle» Kreisen s e h r st a r k. Die r u s s i s ch e « Siegesmeldungen fanden in den letzten Wochen zwar keinen Glauben mehr, trotzdem nahm man aber den Fall der Festung für einen so nahen Zeitpunkt n v ch n i djt an.
Rußland droht jetzt Rumänien?
» Br. Konstantinopel, 5. Jum. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie dem Blatte „Puran" aus Sofia gemeldet wird, nimmt Russland jetzt Rumänien gegen- über seine Zuflucht zu Drohungen. Es stellt feindliche Handlungen gegen den Hafen K o n st a n z a in Aussicht, falls Rumänien nicht den D u r ch z u g r n s s r- scher Truppen gewähre. In Sofia glaubt man» dass Rumänien mit einer tcilweiscn Mobiliste- r u n g antworten werde.
Ein Bündnisvertrag Deutschland-Gesterreich- Ungarn und Rumänien.
Br. Berlin, 5. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Bon besonderer Seite gehen der „Boff. Ztg." ans Bukarest Mitteilungen über einen seit mehr als 30 Jahren bestehenden Bündnisvertrag mit Deutschland und Österreich-Ungarn zu. Eingeweihten Politikern ist danach längst bekannt, daß seit dem Jahre 1883 ei» Bündnis zwischen Rumänien, Österreich-Ungarn und Deutschland besteht, das schriftlich »icdcrgclcgt und wiederholt erneuert worden ist. Jenes Bündnis ist und bleibt in Kraft, wenn nicht ver-
