Verlag Langgaffe 21
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Zreitag, 4. Juni 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 254. ♦ 63. Jahrgang.
przemysls Miedereroberung.
Der underglerchsiche Siegeslauf der Lsutsch-äster- rerchisch-ungarischen Heere in Galizien hat mit der über- raschend schnellen Wiedereinnahme Przemysls eine Krönung gefunden, wie wir sie herrlicher in so kurzer Zeit nicht erwarten konnten. Nicht der Hunger hat die Feste zu Fall gebracht, wie am 22. März, als die tapferen österreichisch-ungarischen Verteidiger, nicht mit der Waffe bezwungen, das starke Bollwerck West- galiziens nach eigener Zerstörung der Befestigungen Levgeben mußten, sondern stürmender Hand ward sie genommen von unseren tapfren Bayern, die ihrem Kriegsruhm ein neues, sür alle Zeit unvergängliches Blatt hinzufügten! Mt einem Jubel, der aus dem innersten Herzen kommt, begrüßen wir gleich unseren treuen Bundesgenossen im Häbsbuvgreiche und in der Türkei dies Ereignis des Fronleichnamstages 1Z15, das einen Me r k st e i n für immer darstellen wind in der Geschichte dieses ungeheuerlichen Krieges. — Wenn wir auch die (Schwierigkeiten der Aufgaben, die uns im Osten noch bevorstehen, die Schwere der Opfer, die sie uns noch kosten werden, nicht unterschätzen dürfen, so ist uns doch der Fall Przemysls ein Symbol dafür, daß die militärische Stärke Rußlands ihren Höhepunkt weit überschritten hat, ja, daß sie vor dem endgültigen Unterliegen steht, daß der Zusammenbruch — und mag er auch noch Monate auf sich warten lassen — doch nicht mehr aufzuhalten ist. Przemysls Fall ist uns die Hoffnung, daß der Siegeslauf der verbündeten Truppen sich fortsetzen wird bis zur Befreiung Lembergs, auf das gleichzeitig auch die bei Stryj siegreiche Armee Linsingens vorstößt, und bis zur Säuberung ganz Galiziens von den russischen Armeen. Dann erst, zu dem mit uns voll Vertrauen ersehnten Zeitpunkt, wenn auch vom österreichischen Boden der letzte Russe vertrieben sein wird, werden wir sagen können, daß die Entscheidung im russischen Feldzug klar vor aller Welt, unzweifelhaft auch für die Gegner, erfolgt sein wird; aber auf diesem Wege sind wir; das ist uns die frohe Hoffnung von Przemysl.
Was braucht es der Worte, um neben der.gewalti- gen m i l i t ä r i s ch e n Bedeutung die im augenblicksichen Zeitpmckt ganz besonders große politische Tragweite des Falles von Przemysl zu betonen! Er ist uns eine köstliche Antwort aus die schmachvolle Treulosigkeitserklärung Italiens, das bekannt- lich die gasizische Front „entlastet", und er ist eine frucht. bar ernste Warnung für diejenigen Neutralen, die etwa immer noch mit demGedanken spielen, sich gleich unseren „Bundesgenossen" an die Seite unserer Gegner zu stellen. Der fortgesetzte Siegeslauf der verbündeten Truppen in Galizien kann, wenn man in Bukarest und Sofia nicht von allen guten Göttern verlassen ist, unmöglich eine andere Wirkung auslösen als eine Ab- schreckung von dem Lentenerlichen Wege, auf den das treulose Italien sich von erkauften Hetzern und ehrlosen Staatsmännern zu seinem eigenen Versterben hat hetzen lassen.
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Der Sturmangriff der Bayern und Gesterreicher.
Sr. Berlin, 4. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Wiedereinnahme von Przemysl wird dem „L.-A." aus dem Kriegspresscguartier noch mitgeteilt, daß sich die Russen im Laufe der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag gezwungen sahen, die Festungswerke an der West- und Südfront sowie die Stadt selbst zu räumen. Der Sturmangriff der Bayern, der vom Norden her erfolgte, wurde durch einen Angriff der Österreicher von Süden und Südwesten unterstützt. Sie fanden die Gürtel- linic vom Feinde geräumt. Befestigung und Stadt Przemysl war so mit Ausnahme der Ost- und Südostfront der Werke gegen Medyka und die Sieliska-Gruppc wieder in der Hand der Verbündeten.
Die günstige Lage nach dem Falle von przemysl.
Br. Berlin, 4. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus dem Kriegspreflequartier wird der „B. Z." geschrieben: Die aus dem Fall von Przemysl sich ergebende neue Sftuation ist außerordentlich günstig. Bor allem wird dadurch, daß nnn die bisher die Festung umklammernde Linie nach O st e n ausgebogcn wird, ein Ausgleich der Front erzielt, welche die für ein Fort schreiten des Angriffs bis jetzt ungünstige K e i l f o r m der Armee Mackensen beseitigt. Die Front geht nun von der Sa u m ü n d u n g in südlicher Richtung, links des Stromlaufes bis zur Lubaczoka, westlich K r a k o w i tz gegen die Ostfront von^Przemysl und verläuft dann über die Hügel nördlich S a m b o r nach Osten, um im Norden von Stryj wieder nach Südosten abzubiegen. Die Armee- sruppc Mackensen hat durch die Stellung wieder die
Elastizität zu eigenen Angriffen erhalten. Das dürfte zunächst aus die bei S i e n i a w a noch am San stehenden russischen Abteilungen, die in der Flanke aufs schwerste bedroht sind, sehr ungünstig einwirken, dann aber auch dem Druck gegen G r o d e k neue Kräfte verleihen. Ob es den Russen, nachdem ihre Sanstellung nun endgültig verloren ist, gelingen wird, ihren durch neuen Druck ebenfalls arg bedrängten, vor der Armee v. Linsingen zurückweichen- den Frontteil an der D n j e st r - L i n i e zu halten, mag fraglich erscheinen.
Krieges. Galizien sollte Neu-Rußland werden. Deutschland und das Deutschtum bis zur Vernichtung schwächen, war die gemeinsame Absicht unserer Feinde un Westen und im Osten. Für Rußland war Galizien das Sondcrgeschenk Europas. Die russische Gefahr, die für uns im Norden schon seit dem Winter überwunden ist, ist auch für Österreich-Ungarn endgültig beseitigt. Die russische Angriffskrast ist gebrochen. Berlin, Wien, Budapest reichen einander die Hände und danken den Helden- mütigen Siegern. Przemysl ist für uns ein S y m b o I. In der Geschichte der deutsch-österreichischen Bundesbnü-
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Dis Ausnahme der Siegesnachricht in der Donaumonarchie.
W. T.-B. Wien, 4. Juni. (Nichtamtlich.) Die Nachricht von der Wiederbesstzung Przemysls, die gestern mittag durch Extrablatt bekannigegeben wurde, erweckte allenthalben den größten Jubel. Die städtischen und privaten Gebäude legten Flaggenschmuck an. In den Straßen bildeten sich Gruppen, die den Erfolg der verbündeten Truppen mit Begeisterung in dankbaren Worten rühniten. Abends fand ein Zapfen st reich unter ungeheurer Beteiligung der frohge- stimmten Bevölkerung statt. Der Zug bildete sich vor dem Kriegsministermm und zog nach einer erhebenden patriotischen Kundgebung mit klingendem Spiel nach Schönbrunn, wo er sich Var dem Schloß nach einer überwältigenden spontanen Huldigung für den Kaiser auflüste. Ein zweiter Zug marschierte vom Praterstern zum Albrecht-Denkmal, wo gleichfalls eine stürmische Kundgebung sür den Kaiser und die Armeen der Verbündeten veranstaltet wurde. Vor dem Kriegsministerium und dem Schwarzenberg-Denkmal ertönten patriotische Lieder und nicht endenwollende Hochrufe auf den Kaiser und die Armeen der Verbündeten. Aus allen Provinzstädten der Monarchie werden begeisterte Kundgebungen gemeldet.
Tie Freude in Ungarn.
W. T.-B. Budapest, 4. Juni. (Nichtamtlich.) Anläßlich der Wiedereroberung von Przemysl herrscht großer Iub e'l. Die öffentlichen und privaten Geibäude waren geflaggt und geschmückt. Auf Anordnung des Militärkommandanten fand ein Zapfenstreich statt. Eine unabsehbare Ddenschenmenge durchzog, patriotische Lieder singend, die Hauptstraßen.
W. T.-B. Budapest, 4. Juni. (Nichtamtlich.) Die Blät- ' ter feiern in begeisterten Artikeln die Wiedereroberung von Przemysl. Der „Pester Lloyd" schreibt: Przemysl ist wieder unser. Ein Lorbeer all den glorreichen Soldaten, die in der heutigen Juninacht ihr Bestes an wundervoller Tapferkeit geleistet haben. Rußland ist niedergeworfen und wird sich nicht wieder erheben. Das Schicksal, das der Zar unserer Monarchie freventlich zugedacht hat. kehrr sich wider ihn. Der Frevel faßt seine Rächer und Richter.
Aus der deutschen Presse.
Berlin, 4. Juni. Zur Wiedereroberung von Przemysl sagt die „Voss. Ztg.": Auf den Mauern von Przemysl werden siegreich die Fahnen der Heere Deutschlands und Österreich-Ungarns wieder aufgepflanzt und die russischen Fahnen sinken in den Staub. Galizien war das Ziel des russischen
derschaft ist der Name Przemysl nicht mehr zu missen. In treuer Gemeinschaft wollen wir weiter vorwärtsschreiten über alle Feinde hinweg.
Eine neutrale Beurteilung.
W. T.-B. Amsterdam, 3. Juni. (Nichtamtlich.) In einer Kriegsübersicht schreibt das „Handelsblad": Die Eroberung von Przemysl ist nicht nur von großer strategischer Bedeutung für die Deutschen und Österreicher, sondern sie hat zweifellos auch einen großen moralischen Einfluß auf die Heere. Die Bedrohung Lembergs wird nun sehr viel ernstlicher, zumal die Österreicher auch bei Stryj die gewonnenen Erfolge durch Eroberung der Stellungen zwischen Drohobycz und Stryj fortsetzen konnten. Die Befreiung Ostgaliziens ist um einen großen Schritt nähergerückt.
Königliche Danktelrgramme.
W■ T.-B. München, 4. Juni. (Nichtamtlich-) Die Korrespondenz Hofsmann meldet: Der König von Bayern hat an den kommandierenden General Grasen v. Bothmer folgendes Telegramm gerichtet:
„Schloß Leutstetten. Die Erstürmung von Stryj durch Ihr Armeekorps hat mich aufrichtig erfreut. Ich gratuliere Ihnen zu diesem zweiten großen Erfolg, den Ihre treffliche Führung errungen hat, und spreche Ihnen, Ihrem Generalkommando und Ihren tapferen Truppen meine wärmste Anerkennung aus. Ludwig."
Der König von Sachsen telegraphierte:
„Königliche Villa Wachwitz. Exzellenz! Ich spreche Ihnen in Erinnerung an meinen Besuch in München im Jahre 1911 meinen herzlichsten Glückwunsch zu dem herrlichen unter Ew. Exzellenz Oberbefehl durchgefiihrten Sturm von Stryj aus. Es ist ein glänzender Erfolg. Friedrich August."
Wirkungen der Erstürmung von Stryj.
Sr. Berlin, . 4. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Dem „B. T." wird vom südöstlichen Kriegsschauplatz gemeldet: Nach der Einnahme von Stryj durch die Armee von Linsingeu und 1 m damit verbundenen Durchbruch der russischen Linie ge ict auch die russische Front süd-- ö st lich von Stryj ins Wanken, da diese einem gefährlichen Flankenangriff ausgesetzt war. Die Verfolgung gefährdet schon Zydaczow und die Eroberung dieses wichtigen Eisenbahnknotenpunktes hätte zur Folge, daß die sich auf Stanislau stützenden russischen Kräfte von Lcnp» berg ab geschnitten werde».
