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' »» Jahrgang.

Mschemt in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag »« Psg. monatlich, durch lue Post S Mk. S« Psg. vierteljährlich für betbe Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur

US« 353. Redaktious-Fernsprecher No. 52.

Donnerstag, der» 1. August.

Berlags-Fcrnsprecher No. 2266.

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güerggeu-AMSfjafees»

Kriegserfahrungen in Südafrika.

Von militärischer Seite wird uns geschrieben:

Wenn der südafrikanische Krieg auch noch nicht be­endet ist und aller Voraussicht nach noch weit länger 'dauern wird, als die englische Kriegsleitung, die ihn in drei Monaten beenden wollte, während er jetzt schon fast 22 Monate dauert, sich einbildet, so lätzt sich doch das rein militärische Facit aus diesem Kriege einigermaßen schon heute ziehen. Denn wesentliche kriegstechnische oder strategische Erfahrungen sind aus dem Guerillakrieg, der jetzt in Südafrika geführt wird, für unsere europäischen Heere nicht mehr zu erwarten.

Die zunächst in die Augen springende Lehre des süd­afrikanischen Krieges, die allerdings für uns weder kriegstechnischer, noch strategisck>er, sondern politischer Natur ist, ist die, daß das englische Heerwesen sich als weder quantitativ noch qualitativ den Anforderungen der Jetztzeit gewachsen gezeigt hat. In den Fachkreisen hat inan das freilich schon früher gewußt, aber die politische Bedeutung der Thatsache, daß die militärische Schwäche Englands, dessen Hauptfaktor allerdings seine starke Flotte bildet, jetzt aller Welt und vor Allein den, eiig- lischen Vclke selbst enthüllt wurde, ist doch nicht zu ver- kennen.

Wenn sich im Verlauf des Krieges der Erfolg mehr und mehr auf die Seite der Engländer neigte, so gebührt das Verdienst hieran nicht irgend welchen hervorragenden inilitärischen Leistungen der Engländer, sondern in der Hauptsache der ungeheuren Uebermacht, die sich das reiche England gegenüber den beiden kleinen Burenvölkern leisten konnte. Aber zu dieser ungeheuren Uebermacht, wie sie in den Kriegen der Neuzeit ganz ohne Beispiel dasteht, kam doch noch ein zweiter Faktor, der dm Miß- erfolg der Vurm mit entschied.

Dieser Mitzstand ist der Mangel an militärischer Schulung und Disziplin und die daraus sich ergebende taktische Schwäche bei den Buren. Man kann es aus­sprechen, daß in keinem modernm Kriege ein so vorzüg- liches Soldatenmaterial zur Verwendung gekommen ist, wie die Buren es darstellm. Auch von manchen Ueber- trejbungen abgesehm, ist es jedenfalls nicht zu leugnen, daß der Bur in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit im Schießen und Reiten, in der Ertragung von Strapazen uno in der Kcnntnitz und Benutzung des Geländes dm Soldaten aller modemm europäischen Heere überlegen ist. Wenn die Leistungen der Buren trotzdem hinter betten, die ideell mit einem so glänzmden Soldaten- piaterial zu ermöglichen gewesen wären, zurückgeblieben sind, so liegt das an der mangelnden Schulung, an der mangelnden Disziplin der Buren.

Das Wort, das anfänglich hie und da wohl lobmd gebraucht wurde, daß jeder Bur sein eigener General sei, hat sich in der Folge als ein schwerer und berechtigter Tadel erwiesen. Die Kriegsführung der Buren entbehrte inr Großen wie im Kleinm des durchaus nothwendigen Zusammenhanges, und diesem Umstande ist ein großer Theil der Mißerfolge der Buren zuzuschreiben. Auf die

mangelnde militärische Schulung der Buren ist es aber ferner zurückzuführen, wmn dieselben sich fast durchweg auf die Defensive beschränkt und zu einer energischen Offensive im größeren Stil überhaupt als unfähig er- tviesm haben.

Man hat diesen beklagenswerthm Mißstand zumeist dm Führern der Burm in die Schuhe geschoben. Die Burenführer haben ja bis auf die rühmlichen Ausnahmen Dewets, Bothas und Kruitzingers, die sich bisher als die tüchtigsten bewährt haben, zahlreiche und verhängnißvolle Fehler begangen. Aber die Schuld an der Scheu vor der Offensive trifft sie unseres Erachtens nicht. Die Burm- führer warm sich offenbar vollkommen klar darüber, daß ein bei der hervorragendsten Waffengeübthest doch mili­tärisch ungeschultes Soldatenmaterial, wie es die Buren darstellcn, für den Offensivkrieg, dessen Grundbedingung die unerschütterliche Disziplin der Massen ist, nicht ver­wendbar ist.

So ergiebt sich aus dem Burenkrieg aufs Neue die Lehre, die allerdings für die Meisten eine selbstverständ­liche Thatsache ist, daß mit dem von der Socialdemokratie empfohlenen „Volksheer" selbst unter sonst günstigsten Verhältnissen ein Krieg gegen einm militärisch geschulten Gegner nicht mit Erfolg zu führen ist, dmn die Gegen­sätze zwischen dem glänzmden Soldatmmaterial der Burm und dem schlechten und schlecht geführten Sol­datenmaterial der Engländer werden sich schwerlich noch einmal in gleicher Schärfe vorfinden.

Des Weiterm aber ergiebt sich aus den ebm ange­führten Thatsachm die mtscheidende Bedeutung einer- energisch durchgeführtm Offensive, der die Engländer zum Schluß ihre Erfolge gegen die zur Offmsive nicht fähigen Burm verdankten. Es ergiebt sich mithin auch für unsere Heeresleitung aus dem Burenkrieg die Lehre, das offensive Elmrent in der Ausbildung der Mann­schaften und in der Entwicklung der Strategie so viel als möglich zu steigern. Eine solche offmsive Strategie be­dingt aber die technisch vollkommenste Entwicklung in der Durchführung und Aufrechterhaltung der rückwärtigm Verbindungen. Die Mängel auf diesem Gebiet sind es, an dmen Englands strategische Pläne noch heute in Süd- afrika scheitern und noch lange scheitert: werden.

An« Stadt und Zand.

Wiesbaden, den 1. August.

— Der August, im alten Rom „Sextilis" (abgeleitet von ssxtus, der Sechste) geheißen, wurde zur späteren Kaiserzeit dem römischen Kaiser Casus Julius Cäsar Octavianus geweiht, dem bekanntlich der römische Senat den Beinamen „Augustus" (der Erhabene) verlieh, und erhielt deshalb den Namen „Augustus mensis", d. i. der auguftifche Monat. Die deutsche Bezeichnung für August lautet Erntig, Erntemonat und Aran- manoth bei Karl dem Großen. Auch die Namen Hitzemonat, Heuert, Kochmonat, Schnittmonat findet man häufig. Das mundartliche „Augst" ist nicht etwa eine Verstümmelung des Wortes August, sondern entstammt dem gothischen „aukan", das wiederum dem lateinischen „augere", d. i. vermehren, ent­spricht, und womit auf die Vermehrung der Habe durch die Ernte hingewiesen wird.

uc. Alte Bauernregel» vom August. Wenn's im August stark thauen thut, bleibt auch gewöhnlich das Wetter gut.

— Gewitter um Bartholomä bringen Hagel und Schnee. — Jst's in den ersten Wochen heiß, so bleibt der Winter lange weiß.

— Wer in dem Heu nicht gabelt, in der Ernte nicht zappelt, im Herbst nicht früh aufsteht, der steht zu, wie's ihm im Winter geht. — Höhenrauch im Sommer, ist der Winter kein frommer.

— Freundlicher Barthel und Lorenz machen den Herbst zum Lenz. — Lorenz muß heiß sein, soll guter Wein sein. — Im August viel Regen ist dem Wein kein Segen. — Nordwind im August will fa'n, daß gut Wetter noch hält an. — Mutter Maria, die schmerzensreiche, im Sonnenschein gen Himmel steige, dann können bei trefflichem Wein die Menschen sich trefflich er- freun. — Geht der Fisch nicht an die Angel, ist an Regen bald kein Mangel.— Sonne, scheine im August, daß Du uns den Wein mögst braten; Mond und Sterne schaut drauf mit Lust, daß er möge wohl gerathen. — Vläset im August der Nord, dauert gutes Wetter fort. — Stellen sich im Anfang Gewitter ein, so wird es bis zu End' so sein. — Hitze um St. Dominicus (4.), ein strenger Winter kommen muß. — Um St. Laurentie (10.) Sonnenschein, bedeutet gutes Jahr mit Wein. — Sind Lorenz und Barthel (24.) schön, ist ein guter Herbst vorauszu- seh'n. — Wie das Wetter an Cassian (13.), hält es mehrere Tage an. — Hat uns're Frau gut Wetter, wenn sie zum Himmel fährt (15.), gewiß sie dann uns Allen viel guten Wein bcscheert. — Mariä Himmelfahrt Sonnenschein, bringt uns stets guten Wein.

— Wie Bartholomäustag sich hält, so ist der ganze Herbst be­stellt. — Um die Zeit von Augustin (28.) zieh'n die tvarmen Tage hin. — Jst's hell um den Laurentiustag (10.), viel Früchte man sich versprechen mag. — Schlechten Wein giebt's Heuer, wenn St. Lorenz ist ohne Feuer. — Was die Hundstage gießen, muß die Traube büßen. — Je dicker der Regen im August, desto dünner wird der Must. — Der Monat August muß Hitze haben, sonst wird der Früchte Zahl und Güte begraben. — Morgen? lauter Finkenschlag verkündet Regen für den Tag.

— Walhalla-Theater. Statt der für heute Abend atv> gesetzten Operette „Der arme Jonathan" wird das Vaudeville „Wie man Männer feffelt" in Scene gehen.

— Die allgemein geschäftliche Krisis macht sich in ganz empfindlicher Weise auch bemerkbar im Verkehr der großen Personendampser von Köln bis Mainz. Die prächtigen Schiffe sind nur mittelmäßig besetzt. Die Hoteliers klaget: gleichfalls, daß in diesem Jahre das Geschäft so schlecht gehe; sie hegen die schlimmsten Befürchtungen für den nächsten Winter. So schlecht wie heuer war die Lage der Hoteliers seit vielen Jahren nicht, zumal auch der internationale Verkehr sehr zu wünschen übrig läßt. Ein Krieg könnte die Rheinlands — schreibt man der „Franks. Ztg." — in geschäftlicher Hinsicht kaum empfindlicher treffen, als es die gegenwärtige Geschäftsflaue thut.

— Verlegung der Griesheimer Werke Elektron. Aus Delitzsch (Provinz Sachsen) wird dem „Leipziger Tagebl." berichtet: Die Griesheimer Werke Elektron, welch« die Absicht haben, ihren Hauptbetrieb von Frankfurt a. M. in die hiesige Gegend zu verlegen, haben einen als Bauterrain passenden Komplex von 420 Morgen Größe vom Oekonom Böttcher in Roitzsch erworben: Das Terrain liegt zwischen Noitzsch,

Petersroda und Holzweißig bei Bitterfeld. Weitere Erwerb­ungen von Grund und Boden stehen noch bevor. Gedachte Werke beschäftigten in Griesheim vor dem Brande etwa 6000 Arbeiter.

8. Ein eigenartiges Gratiskonzert kann mau jetzt täglich genießen, wenn man die Mainzerstraße hinaus in der Gegend des Schlachthauses vorbeigeht. Dort ist eine riesige Konzerthalle nach allen akustischen Regeln errichtet, und sie ver­fügt über eine ganz außerordentliche Resonanz. Von Morgens bis Abends wird dort eine Chorprobe abgehalten, und die

Feuilleton.

‘.ST#

(Nachdruck verboten.)

MsMW GrlWuungen im AM 1901,

Noch führt auf der nördlichen Halbkugel unseres Planeten Per Sommer das Regiment, und gerade der neue Monat ist rs, der sehr oft mit dem höchsten Wärmegrad des ganzen Jahres pufwartet. Am Spätabend des 23. gelangt die Sonne, die heute 20,258,000 Meilen von uns entfernt ist, ins Zeichen der Jungfrau. Damit erreichen die sogenannten Hundstage ihr Ende. Wir sprachen eben vom „Zeichen" der Jungfrau. Dieses dürfen wir durchaus nicht mit dem „Sternbild" der Jungfrau berwechse/n. Die Sonne bewegt sich schinbar in den zwölf Zeichen des Thierkreises. Mt diesen fielen vor 2150 Jahren die gleichbenannten Sternbilder zusammen. Das ist heute in­folge der Drehung der Erde nur in der Richtung von Osten zegen Westen um die Achse der Sonnenbahn nicht mehr der Fall. Dies« von der Umdrehung unseres Planeten um seine Achse wohl zu unterscheidene Bewegung vollzieht sich ungemein lang­sam und geht alle 25,800 Jahre ein einziges Mal vor sich, ein Zeitraum, den man ein großes oder platonisches Jahr nennt. Könnten wir am 23. d. M, bei Tage die Sterne sehen, so würden ttft finden, daß die Sonne ins Sternbild des Löwen ge­langt Ünb sich dem Regulus nähert. Die Tageslänge nimmt Nunmehr auffallend ab und der Höhenstand der Sonne wird M inuuer tieferer. Heute, am O, Mittags 12 Uhr, beträgt der Abstand ßer letzteren vom Südpunkt des Horizonts für Wies­baden nur noch 57° 50' 6". Die bürgerliche Dämmerung hält gegenwärtig 38, die astronomische dagegen 145 Minuten an. Die Zeitgleichung beträgt am 1. 4 6 Mn. 8 Sek., am 1L + 5 Win. 6 Sek., m 21. * 8 Mn, L Sek. und a m 31,

\ + 0 Min. 23 Sek. — Der M o n d ist Neumond am 14., Voll­mond am 29. Er befindet sich in Erdnähe am 6., in Erd­ferne am 20. Den höchsten Stand am Himmel erreicht er am 9., den tiefsten am 24.

Gar zu glänzend erscheint der Planetenhimmel im neuen Monat nicht. Merkur kann in der ersten Hälfte des August des Morgens im Ostnordosten bemerkt werden. Am 8. beträgt die Sichtbarkeitsdauer 30 Minuten. Am 13. befindet er sich in der Nähe der Mondsichel. Der röthliche Mars steht bei Sonnenuntergang tief im Westen und kann etwa noch 15 Minuten lang gesehen werden. Iupiter, der größte Planet, geht bald nach Mitternacht zur Rüste. Seine vier größeren Monde sind im Feldstecher wohl zu bemerken. Saturn geht bald nach Jupiter unter. Die große Achse seines Ringes er­scheint zur Zeit 2,312-mal so groß als die kleine. Von seinen neun Monden ist mit bloßen Augen keiner zu sehen. Uranus steht um 10 Uhr tief im Süden im Schützen. Sein Licht hat eine grünliche Färbung. Mit unbewaffneten Augen ist dieser Wandelstern schwer aufzufinden. — In Mondnähe verweilen Merkur am 13., Venus am 16» Mars am 19., Jupiter und Saturn am 26.

Bei der immer ftüher eintretenden Dunkelheit betrachten wir den F i x st e r n h i m m e l wieder zeitiger. Das Bild ist am 1. um 10, am 16. um 9 und am 31. um 8 Uhr das gleiche. Auf der w e st l i ch e n Hälfte finden wir hoch über uns d:e wie ein Saphir strahlende W e g a in der Leier. Westlich von ihr erfreut uns das hübsche Bild der Krone. Die sechs helleren Sterne bilden einen Halbkreis, der das Diadem der Ariadne genannt wird. Den hellsten Stern heißt man Gemma, das lateinische Wort für Edelstein. Zwischen Leier und Krone be­findet sich der Herkules. An letztere schließt sich westlich der tzootts mit dem oransekarbjaen Arkturus an. Tief im

Süden fällt uns der düsterrothe Antares im Skorpion auf,

dessen Färbung derjenigen des Mars ähnlich ist. Im Nord­westen erglänzen die sieben Hellen Sterne des Großen Himmels­wagens, der nun eine nordöstliche Richtung annimmt. — Aus der Osthälfte erblicken wir die Milchstraße, deren Richtung im Großen und Ganzen eine nordsüdliche ist. An ihrem Westrand, aber tief im Norden, flackert kn gelblichem Licht vie Kapella im Fuhrmann. Weiter herauf nach uns zu strahleu die Sonnen der Kassiopeja, an die sich östlich die durch ihren schon mit bloßen Augen sichtbaren Nebel berühmte Andromeda lehnt. In der Verzweigung der Straße schimmert Deneb im Schwan und am östlichen Zweig der Milchstraße flammt der gelbliche A t a i r im Adler. Das Dreieck Deneb-Wega-Atair trägt jetzt mehr die Form eines rechtwinkeligen mit der Hypotenuse Deneb-Atair. Der Polarstern befindet sich zwischen der Kassiopeja und der Deichsel des Großen Himmelswagens. An Sternen 1. Größe sind gleichzeitig sichtbar: Antares, Arkturus, Atair, Deneb, Kapella und Wega. — Der Durchgang durch die obere Mittaqslinie findet statt in V Nacht des 1. bei Jupiter 9 Uhr 30 Min., Saturn 10 Uhr, A a 10 Uhr 3 Min., Atair 11 Uhr 15 Min., Deneb 12 Uhr 1 Min., Mond 1 Uhr 18 Min. und Fomalhaut 2 Uhr 26 Mi.. Durch die untere Mittagslinie ziehen in derselben Nacht Kapella 8 Uhr 40 Min. und Dubhe und Merak, d. h. die Hinterräder des Gr. Wagens, 2 Uhr 80 Mim Aufgang, Durchgang und Untergang der Fixsterne ereignen sich in jeder nächsten Nacht um 3,93, also um fast 4 Minuten früher.

Sternschnuppen Pflegen im August auszugehen in den Nächten vom 6. bis 14., besonders am 9., 10. und 11., vom Perseus (Perseiden ober Laurentiusstrom oder die feurtgerj Thränen des h. Laurentius), am 14. vom Cepheus, am 15. vont Schwan, am 16. und 21. wieder vom Perseus, am 22. vom Drachen und am 25, von den Fischen. vr. R-