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1. Beilage nun Meslmüraer Tagblatt.
Ko. 349. Morgerr-Ansgabe.
lis. Lortsetzuug.)
(Nachdruck verboten.)
Dunkle Wege.
Nomau von Zteinhold Hrtmann.
„Du wirst sie sehr gut anwenden, wenn Du Margarethe Gesellschaft leistest. Da hast Du bessere Unterhaltung als mit mir, denn Du weißt ja, daß ich wahrend deZ Fahrens gern ungestört meme Zeitungen le]e ;
Das war eine Abweisung, gegen die sich nichts mehr einwenden ließ, und mit derselben erheuchelten .Ltranum heit, wie er gekommen war, verließ der Sanrtatsrath nach einer kleinen Weile das Zimmer, um ßch sur seme Krankenbesuche fertig zu inachen. Dtargarethe begleitete ihn, um ihm allerhand kleine Handreichungen zu leisten, und auch als der Wagen davon gefahren war, kehrte sie nicht in das Wohnzimmer zurück. Hartwig aber beeilte -ich, sein Versprechen einzulösen und nach seinem geherm- nißvollen Patienten im Landhause zu sehen.
Als er um die neunte Stunde die Glocke am Garten- thor der Villa zog, schien ihm der heute von lachendem Sonnenschein überstrahlte Schauplatz seines nächtlichen Abenteuers um Vieles heiterer und freuirdlicher als bei dem ersten Besuche. .
Wohl ein paar Miimten vergingen, ehe der Gärtner Ansorge erschien, um ihni zil öffnen. Er begrüßte den Doktor in seiner höflichen, wortkargen Weise und geleitete ihn durch den Park nach dem Hause, das Mit seinen weißen Mauern uiid seinen grünen Fensterläden heilte garnicht niehr unheimlich aussah.
Wieder stand wie gestern die spitznastge Haushälterin .'u der Thür und theilte Hartwig unterwürfig knixend i»it, daß Frau Martorel ihn bereits mit Ungeduld er- wartet habe. Noch ehe er ihr hatte antworten können, zeigte sich die Dame des Hauses selbst auf dem ersten Absatz der Treppe und eilte, so bald sie ihn erkannt hatte,
raschen Schrittes auf ihn zu. ^ „
„Wie freue ich mich. Sie zu scheu, lieber Herr Doktor. Zwar geht dem Anschein nach Alles gut, aber der Kranke hat wohl schon ein Dutzend mal nach Ihnen gefragt."
Sie machte Miene, ihn wieder in den rothen Salon zu führen. Aber er wünschte zunächst den Patienten zu sehen, und so begleitete sie ihn in das obere Stockwerk hinauf Als sie die Thür des Gemaches vor ihn: öffnete, das ihm gestern wie das Arbeitszimmer eines Gelehrteil erschienen :var, fühlte er sich unangenehm überrascht von der schweren, dumpfigen Luft und der dännnerigen Beleuchtung des ziemlich großen Raumes. Den,: die Glas, thür wie das einzige Fenster schienen ganz ubersponnen von dem Gezweig eines riesigen Kastanienbaumes, dessen undurchdringliches Blättergewirr gleich einer gewaltigen dunkelgrünen Mauer dem Lichte wie der Luft den Zutritt verwehrte. Die dunklen Tapeten iind der oliven farbige Teppich, der den aanzenFußboden bedeckte, trugen volleiids dazu bei, das Zimmer selbst um diese Vor- mittagssülnde düster und melancholisch erscheinen zu lassen, und der erste Gedanke des jungen Arztes war, daß dies für einen brustkranken Patienten sicherlich der ungeeignetste Aufenthaltsort sei. , . .
Frau Martorel schob deii Wandschirm ein wenig bei Seite und bereitete den Leidenden, der allem gewesen war auf das Erscheinen des Doktors vor. In unverkenn
Dienstag» den 30. Juli.
barer Freilde streckte er Hartwig seine magere, durchsichtige Hand entgegen und flüsterte:
„Es geht mir sehr gut. Ich habe prächtig geschlafen, lliid ich fühle ganz deutlich, daß es sich wieder zum
Besseren wendet." . . . a
Aber als der Arzt sich dann über ihn neigte, uni das Ohr an seine Brust z,l legen, raunte er ihm noch leiser iind für Martorel nicht mehr vernehmlich, zu:
„Schicken Sie sie hinaus, Here Doktor! >zch uiuß unter vier Augen mit Ihnen sprechen."
Hartwig beendete seine Untersuchung. Dann erklärte er dem Verlangen des Kranken entsprechend, daß er sur eine kurze Zeit mit ihm allein zu sein wünsche. Und Frau Martorel verließ, wenn auch mit ftchtlick)em Wider- treben, das Gemach.
Sobald sich die Thür hinter ihr geschlossen hatte, lüsterte der Patient hastig und wie unter dem Druck emer
gewissen Furcht: _ . r
Ich kann es hier nicht länger aushalten, Doktor, ich kann nicht. Mir ist, als läge ich schon im Grabe. Seit Monaten habe ich keineil Sonnenschein mehr gesehen. Nichts als die dunklen Wände und den entsetzlichen, verhaßten Kastanienbaum! Ich werde n,e wieder gesund werden, weun ich verurtheilt sein soll, immer hier zu
bleiben." . , fX ... _
„Das sollen Sie nicht, Herr-ja, entschuldigen
Sie: mit Ihrem Namen kann ich Sie nicht anreden, da
ich ihn nicht kenne." _ ' ^ ,
„Müller. Ich heiße Müller, Herr Doktor! Hat man
Ihnen denn das nicht gesagt?"
„Nein. Man hatte es wohl vergessen. Also verlassen Sie sich auf mich, Herr Müller! Auch ich habe bereits be- nierkt, daß dies Zimmer nicht hell und luftig genug für Sie ist. Und ich werde Sorge tragen, daß Sie noch heute ein anderes erhalten."
„O, wenn Sie das durchsetzen konnten! — Aber sie wird es nicht thun — glauben Sie mir, sie wird es rundweg verweigern." .
Wer? Frau Martorel? Und aus welcheni Grunde? Das Haus bietet doch, wie ich meine, Raum
00"",Mehr als genug. Aber sie wird es doch nicht thun. Ich habe sie ja schon so oft vergebens darum gebeten.
„Das konnte ich nicht vermuthen. Einen Zwang vermag ich ja natürlich auch nicht auf die Dame auszuuben. Haben Sie dann vielleicht den Wunsch ^an irgend einem anderen Orte untergebracht zu werden?" ^ „
Mit dem angstvollen Griff eines zum Tode Erschrockenen faßte der Kranke Hartwigs Handgelenk.
„Um Gotteswillen — nein! Sprechen Sie ihr Nicht von etwas Derartigem! Und sagen Sie mr aud) Nicht, daß ich nach dem Süden muß oder sonstwohin. Es wäre doch Alles unnütz. Denn ehe ich das Haus verlasse, eher bleibe ich in dieser Gruft bis zu memem letzten Athem
* Ogt zitterte am ganzen Leibe, und Hartwig hatte Mühe, seine durch die harmlose Frage hervorgerufene Aufregung zu beschwichtigen.
Wenn sich aber die Besitzerin der Vllla ^hren Wünschen so unzugänglich zeigt, weshalb bitten Sie denn nicht Fräulein Eva, Ihre Fürsprecherin zu machen?.
40. Jahrgang. 1001/
Mit dein Ausdruck der Entmuthigiing schüttelte de^
Andere den Kopf. _ »
„Eva hat keine Macht über sie m dieser Sache. Nie< mand hat Macht über sie. O, sie ist eme energische FrauP Und ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich Mich vor ihr
fürchte." .... v .
„Das ist sehr sonderbar! Man konnte danach ja beinahe glauben, daß Sie von Frau Martorel in einer Art von Gefangenschaft gehalten werden." . 1
„Wer sagt das? Wollen Sie mir vielleicht emreden, daß ich etwas Derartiges gesagt habe? In Gefai:gen- schuft — ich? — Hier in meinem eigenen — ich wollte sagen, hier in diesem Hause? Es ist nicht recht, Herr- Doktor, daß Sie mir eine so unsinnige Aenßerung .n\
den Mund legen wollen." . .
„Ich denke nicht daran. Ihnen etwas ,n den Mund zu legen", sagte Hartwig, deiii nachgerade einige Zw eiset an der Zurechnungsfähigkeit seines Patienten kanwn.. „Und da ich nuninehr über Ihre Wunsche unterrichtet bin ist es wohl am besten, wenn ich zunächst mit FrM. Martorel wegen des Zimmers Rücksprache neyme. müssen sich jetzt ganz ruhig verhalten Nur nnterdiestt Bedingung verspreche ich >zhnen, Mich für Sie zu ver
Er war aufgestanden und öffnete die Thür, in der sicheren Erwartung, Frau Martorel draußen zil ftnden. Und er erblickte sie in der That am Ende des ichrnalM Ganges; aber nicht allein, sondern rat ^sprach mit ihr« Tochter, die bei seinem Anblick eme rasche Bewegung macküe als fühle sie sich versiicht, die Flucht zu ergreifen. Doch mußte sie wohl eingesehen haben, daß es für »nm solchen Rückzug zu spät sei, denn sie blieb mit mederge- chlagenen Augen stehen und erwiderte leise semen Gruß. Hartwig bedachte sich nicht, sein Anliegen m ihrer Gegenwart vorzubringen, und er that es 'U erndringlichM Weise, die ihn durch seme ärztliche Pflicht geboten et
^ Mt sichtlichem Unbehagen hatte Frau Martorel ig angehört, und ihr Antlitz, das im hellenTagesl-chteallA- aussah als gestern bei der kümmerlichen Beleuchtung,, war wie vonOenier Wolke des Unmuths beschattet.
Das wird sich leider nicht emrichten lassen, Herl. Doktor" sagte sie sehr entschieden, „wenigstens nicht ;esst. Ich will zusehen, was sich «« einem spateren Zmtpuntt nach dieser Richtung hin thun laßt Augenblicklich aber, ich wiederhole es, ist nicht daran zu denken. , ä
Hartwig, der seine Grunde bereits mit allem zM lässigen Nachdruck vorgebracht zu haben glaubte, zuckte dir Achseln und schwieg Da schlug Eva Martorel du> wundervollen dunklen Augen zu ihm auf, um unbekümmert um einen nicht mmzuverstehenden Zornes 4 ihrer Mitter^zu ftagen:^ un6ebingt „othwendiH
^ ^ch*könnte Ihnen im anderen Falle nicht versprechm, dall der Kranke sich noch einmal einigermaßen erholest ^rde zumal er'auch seelisch unter den Uebelstandest seines ietzigen Aufenthalts schwer zu leid«! scheint.
„Dann muß Ihr Verlangen selbstverstandlich w:fE werden", erklärte sie ruhig. „Vielleicht darf ich^^hn«r die verfügbaren Zimmer zeigen,!damit Sie selbst dasant besten geeignete darunter auswahlen können. (Fo !• *•>
velaimtmachung!
Wegen bevorstehender bedeutender GeschäftSverändernng veranstalten wir von heute ab m unserem
“ Lmmlse 38, närt)H bet «erM
in alles Steilen des gesammten Lagers einen
Großen Ausverkauf
jtn enorm billige« Preisen. Es komme« bei dieser Gelegenheit di« denkbar feinste« Schnhwaare»
zu selten billige« Preise« zum Ausverkäufe.
Sc do.’S Kanksurter Zchuh-Vazar.
vis-i-vi* der Bäreustratze«
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