iesbaüener Cnnhlntt.
345. Morgen-Ausgabe.
(18, Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Dunkle Wege.
Ronran von Aeinhskd Hrtmann-
^Mein Gott, sie wird doch nicht die Slbsicht haben, Wt wegen meines Besuches im Landhause eine• predigt au halten", dachte er, während fem Blick über ihr ernstes, in diesem Moment «ar nicht mehr lugendlrch s Glicht streifte. „Das Ware m der That die sonoervarsw
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scküveiaen Hartwig", begann sie, nachdem sie geflissentlich fast die ganze Breite des nicht sehr großen Zimmers Livischen sich und ihn gebracht hatte, „und es ist gewiß ^aS erste Mal, daß ich mit vollem Bewußtsein emeni Gebot des Oheims zuwider handle. Aber nach den Bor- aänaen des heutigen Abends halte ich es für memeunab- meisbare Pflicht, Dir die volle Wahrheit zu offenbaren Dein Vater ist krank — sehr krank, wie tapfer er sich auch bemüht, es vor aller Welt zu verbergen. Schon seit Jahresfrist ivird er in immer kürzeren Zwischenräumen von Anfällen eines Herzleidens heimgesucht, das er selbst für ein unheilbares hält." „
Hartwig war tief erfchrocken. Wohl waren ihm vor- hm, während er den Sanitätsrath beobachtete, allerlei unbestimmte Befürchtungen hinsichtlich seines Gesundheitszustandes gekommen: die Vorstellung aber, das; der alte Herr bereits die Beute einer tödtlichen Kränklet sein sollte, erschütterte ihn nun doch Mit der ganzen Ge- Walt einer schmerzlichen Ueberraschung. .
^Und das sollte mir verheinüicht werden? ^st memes Vaters Vertrauen zu mir denn so gering?"
„Du mußt es nicht für einen Mangel an Vertrauen flchmeri, Hartwig I Der Oheim will nur nicht bemitleidet und wie ein schonungsbedürftiger Patient behandelt sein Der Gedanke, von seiner Umgebung für einen Wvachen und hinfälligen Greis schalten zu tverden, ist
chln unerträglich." „ , „ ,, ,
Und wenn ich Dich recht verstehe, hatte er auch heute Abend einen Anfall seines Leidens."
„Ja, gleich nach Deiner Entfernung. Und er tvar st, qualvoll wie noch keiner zuvor. Es gab Augenblicke, wo ich allen Ernstes fürchtete, er würde chn mcht uber-
Vben." :i . „. „ .,
„Großer Gottl^ Und jetzt — wie geht es chm ? Ich will auf der Stelle zu ihm, um —
„Nein, nein", wehrte sie seinem Vorhaben. „Der Ohenn schläft, und nichts ist ihm letzt dringender nothig ^ungestörte Ruhe. Ich hatte ja leider schon Gelegen- genug, mir einige Erfahrung m der Beurteilung rs Zustaiides zu erwerben." ^ _ r , .,
Hartwig sah ein, daß sie Recht hatte, und keqrte ihr ton üeferustes Gesicht wieder zu.
^„Natürlich bin ich es, den Dü für die m heutigen Anfall verantwortlich machst? Bei Gott, ich wünschte, baß ich an einem andern Abend heimgekehrt Ware, als
^ Du hast keine Ursacl-e, Dich anzuklagen^ Hartwig Der größere Theil der Schuld liegt auf mit,, da ich es unterlassen habe, Dich rechtzettig zu warnen.
Samstag» de« 27. Juli.
t9. Jahrgang. 1901«
„Und wem. Du es gethan hättest, Margarethe, würdm die Dinge nicht vielleicht denselben Verlauf genommen haben? Hätte ich nicht dein Gebot der Mensch- lichkeit gehorchen müssen, selbst auf die Gefahr hm, da- mit meines Vaters Unwillen zu erregen?".
Sie sah zu ihm auf und er glaubte einen Ausdruck vorwurfsvollen Erstaunens in ihren Augen zu lesen.
„Es steht mir wohl kein Urtheil darüber zu, was Du in diesem Falle hättest thun oder lassen sollen. Nur damit Du Deinem Vater nicht' unvorbereitet gegenüber- trittst, habe ich hier auf Dich gewartet."
„Ich bin Dir dafür von Herzen dankbar, Margarethe. Aber ich möchte nun auch noch eine andere Aufklärung von Dir erbitten. Was ist's mit den Damen oben im Landhause? Wodurch haben sie sich den Groll oder die Verachtung meines Vaters zugezogen ?
„Du solltest mir die Antwort darauf erlassen. Hart- wig. Es ist mir peinlich, Anderen etwas Uebles nachzu-
^",Aber Du wirst doch zugeben, daß ich einen gewissen Anspruch darauf habe, die Wahrheit zu erfahren. Und an wen sollte ich mich schließlich mit meiner ^rage wenden, wenn nicht an Dich?" ,
Nun— Frau Martorel ist eme ehemalige Schau- spiel'erin, von derNiemand weiß, woher sie kam - wahr- scheinlich eine Abenteuerin. Und ihre Tochter wird beschuldigt, namenloses Unglück über zwei allgemein geachtete hiesige Familien gebracht zu haben.
„Ww? — dies liebliche, junge Geschöpf? Was um des Himmels willen hat sie denn gethan?" ,
' ,Du darfst keine Einzelheiten von mm verlangen, -ick weiß nur daß kurze Zeit, nachdem die beiden Damen
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R-nIch-n gelöst wurde, die 61S dustm für “ »JJ* und glücklichste Brautpaar gegolten hatten. £<f) glaube. Du mußt sie beide gekaiint haben. Denn eu waren Ella Breitenfeld und der Assessor Stembach, der Sohn des Rathsherrn, mit dem Deinen Vater schon seit ^ahr zehnten die innigste Freundschaft verbindet
„Natürlich I Der funge Stembach war mem Mit schüler auf dem Gymnasium, und er Hatte da wegen tones exaltirten Wesens emen gewissen Ruf. Aber was weiter? Was hatte Fräulein Eva Martorel mit der Auflösung seines Verlöbnisses zu schaffen?" , r .
^rrt Kirchenchor von Sankt Marien, bem sie bald nach ihrer Ankunft beigetreten war, hatte der Assessor sie kennen gelernt. Sie hat eine sehr schöne Stimme und sie singt wie eine geschulte Künstlerin Alle^ die Gelegenh«t hatten sie zu hören, waren von ihr entzückt, und ich glaube, daß damals sämmtliche Herren des K,rchenchors für sie schwärmten. Vitt dem mngen Steinbach aber muß sie wohl heimlich vertrautere Beziehungen angeknüpft haben. Denn wenige Wochen vor dem Termin, der für die Hochzeit festgesetzt worden «Je « seine Verlobung rückgängig und ^ersiefmte die be, klagenswerthe Ella rücksichtslos dem Gespött der Welt.
Ein Verbrechen, für das man nach gutem alten Brauch nicht ihn, sondern einzig Fräulein Martorel verantwortlich machte. Er ist also vermutlich scht au tan Punkte, die junge Dame aus dem Landhause zu her- rathen?"
Margarethe schüttelte den Kopf
„Er wird Niemanden heirathen, Hartwig; denn ev ist todt. Man fand ihn eines Morgens erschossen m seinem Schlafzimmer. Und in einem zuruckgelassenen, Brief an seine Eltern, der mir wenige Zetten enthielt, beschuldigte er Eva Martorel, daß ihre Herzlosigkeit rhtt.
in den Tod getrieben habe."
„Das ist allerdings eine schwere Anklage. Und sie? Hat sie nichts gethan, sich zu rechtfertigen? — Oder war . sie schon verurtheilt, noch ehe man ihr Gelegenheit gegeben hatte, sich zu verteidigen?"
„Ich weiß nichts von einer Vertherdigung und nichts von einer Verurteilung. Ich weiß nur, daß das Schick« sal des unglücklichen jungen Mannes allgemeine Thett- nahme erregte, und daß der Tag seines Begräbnisses wie ein Trauertag war für d,e ganze Stadt. Als der Oheim von der Beerdigung heimkehrte, war er so ttes erschüttert, daß Du sein heutiges Verhalten wohl der- stehen würdest, hättest Du ihn damals gesehen.
„Ich fange allerdings an, es zu verstehen. Aber daß man Eva Martorel für schuldig halt, beweist doch noch üicht, daß sie es ist. Auf die bloße Bezichtigung eines vielleicht halb Unzurechnungsfähigen hm — .
Er mußte sich unterbrechen, denn der Klaiig einer
Glocke schrillte durch das Haus.
„Das ist der Oheim", sagte Margarethe. „Ei ist er.
wacht, und ich muß zu ihm." , flrr rtnT
Hartwig schickte sich an, sie zu begleiten. Aber am
Fuße der Treppe flüsterte sie ihm zu: ~ w ,
Laß mich zunächst allein hineingehen, Hartwig! Mir' müssen darauf bedacht sein, jede neue Aufregung En er d?n Wunsch hat,,Dich heute noch zu sehen, rufe ich Dich natürlich sogleich
Hartwig mußte sich ihrem Willen fugen; denn sie hatte durch ihr Verhalten ohne Zweifel bessere Rechte m Öm Ä ettJben, »18 er fie für « m t« uelmen durfte Wie sie nach der Versicherung des Sam- tätsrathes seine todtkranke Mutter mit aufopfernder Hingebung gepflegt hatte, so war sie allem Anschein nach ievt im Begttff, seinem Vater den gleickM Liebesdienst erweisen Und er wußte als Arzt vielleicht besser als iraend ein Anderer die heldenmütige Selbstverleugnung «^würdigen deren es zu solchem Werke für ein Mgend- l naturgemäß nach Glück und Freude verlangendes wLliche! !S» Er fühlte sich tief m t^ Schuld und mit einem raschen Händedruck, J* n welleicht nur deshalb duldete weil sie mcht darauf vor-
’S Ä 3 KorjontH dem.
“ÄfffÖffN mub.- er matten. Sonn trat «i «Ts bem Mt im ©«immer d-8 Somta». ratfi§ liegenden Gemache und raunte ihm zu. .
den Namen der Frauen aus dem Landhause darff (Fortsetzung folgt.)
Wegen bevorstehender bedeutender
Geschäftsveränderung veranstalten wir von heute ab in unserem
Mjtft 38, «W der ffietetode,
in allen Tbeilen des gesammten Lagers einen
zu enorm billige« Preise«. Es kommen bei dieser Gelegenheit die denkbar feinsten Schuhwaare«
z« selten billige» Preisen znm Ansverkanfe.
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