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Leite L. 27. J»lt LS, L Wiesbadener Taqblatt (Abend-Slusgabe). -Verlag: ZLan<,»asse 27. »».Jahrgang. Sio. »4«.

Der Kultus uiinister hat euren weiteren Erlaß zur Frage, ob die lüchtprakticirenden approbirte» Aerzke zu den Umlagen bclzusteucrn haben, an die A c r z t e k a m m e r n ge­richtet. Wenn auch die Beitragspflicht zu bejahen ist, so laßt sich doch nicht verkennen, daß durch die Ausübung des Besteuerungs- rechtes uutcr Umständen Unzuträglichkeiten eintreten können.

* Wnrnnng für Rückwanderer. Der in Stuttgart er­scheinende „Staatsanzeiger" schreibt: Nach einer uns zuge­

angenen Mittheilung sollen durch ein in Paris gedrucktes Flug- latt in Deutschland wohnende, Landwirthschaft treibende Per­sonen zur Auswanderung nach Chile veranlaßt wer­den, und es hat ein gewisser Colfon mit der chilenischen Regie­rung ein Abkommen wegen Einführung von Kolonisten nach dem südlichen Chile abgeschlossen. Da dessen Unternehmen zuverlässigen Nachrichten zufolge mit dem größten Miß- t.rauen begegnet werden muß, erscheint cs angezeigt, vor einer derartigen Auswanderung zu warnen.

* Rundschau im Reiche. Bei der Reichstags-Ersatz­

wahl im Wahlkreise Duisburg-Ruhrort erhielten ins- gesammt: Beumcr (nat.-lib.) 25,773, Rintelen (Centr.) 20,076, Hengsbach (Soc.) 14,421, Rmckhoff (freist Bolksp.) 1070 und Czarlinsti (Pole) 2686 Stimmen. Es muß also Stichwahl zwischen Berliner und Rintelen stattfinden. — Wie die „Kieler Neuesten Nachrichten" melden, ist ein Arrestbefehl auf die beiden im Kieler Hafen liegenden türkischen Kriegsschiffe „Affar j Raschid" und „Jffi" Seitens des Kieler Amtsgerichts erlassen worden, weil die Forderung eines deutschen Reichsangehörigen an den türkischen Staat nicht beizutreiben war. — Der vierte Deutsche Gewerkschaftskongreß findet im Juni 1902 zu Stuttgart statt. Der dritte Kongreß wurde im Mai 1898 in Frankfurt a. M. abgehalten. — Aus Posen wird gemeldet: Sechzig der G e h e i m b ü n d e l e i be­

schuldigten polnischen jungen Leuten, unter denen sich zahlreiche Gymnasiasten, aber auch sieben Kleriker befinden, wurde nun­mehr die Anklageschrift zugestellt. Sie umfaßt 22 Druckseiten. Die Verhandlung wird vor der Strafkammer in Thorn stattfiuden. — Wie dem „Berliner Tageblatt" ein Privat-Telegramm aus Leipzig meldet, ist dort der Geschäfts­führer des Börsenvercins deutscher Buchhändler, Gottlob Thomaelen, wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung von Vereinsgeldern in Höhe von 20,000 Mk. verhaftet worden.

/Arrsland.

‘ Oesterreich-Ungarn. Aus Budapest, 24. Juli, wird dem „N. Wien. Tageblatt" gemeldet: Die gestrige Abge- ordneten-Erfatzwahl in Privigye im Trencsiner Komitat, welche mit dem Sieg des Kandidaten der Volkspartei, des päpstlichen Kämmerers Dr. Alexander Ernst, endigte, war das Ergebniß einer mit den unglaublichsten Mitteln betriebenen klerikalen Agitation. Sämmtliche Abgeordnete der Volkspartei traten hier­bei persönlich in Aktion. Was die Betheiligung am Wahlakt qnbetrifft, so stimmte die gesummte Intelligenz des Bezirkes ausnahmslos für den liberalen Kandidaten Dr. Alexander Markhot, während die bäuerliche Bevölkerung, mit Ausnahme der zur Domäne des Grafen Johann Palffy gehörigen Bauern­schaft, für Dr. Ernst stimmte. Dieser selbst erschien stets in vollem Ornat inmitten der Wählerschaft. Die Geistlichen drohten Jedem mit der Verhängung des kirchlichen Bannes, der es lvagen wollte, für den liberalen Kandidaten zu stimmen. Den liberalen Wählern wurde von den fanatischen Bauern mit Sensen und Heugabeln der Eintritt in die von Klerikalen be­wohnten Dörfer verwehrt. Pfarrer Klein, der bei einem vor­gestern gestorbenen Bauern als Seelsorger fungirte, erklärte, die Bestattung nicht früher vorzunehmen, bevor nicht die Familie einen Eid geleistet haben werde, daß sie für den Kandidaten der Volkspartei stimmen werde. Es wurden förmliche Pro­zessionen mst wallenden Kirchenfahnen durch die Ortschaften für Len Wahlsieg Ernsts veranstaltet. Die Verkündigung des Wahl- resultats wurde von den Klerikalen mit Beschimpfungen der liberalen Wähler ausgenommen, worauf unter den Klängen der päpstlichen Hymne der Abmarsch zur Wohnimg des Pfarrers von Privigye, wo Dr. Ernst sein Absteigequartier genommen hatte, erfolgte. Man hatte den Leuten unter Anderem ver­sprochen, daß es ihnen gestattet sein werde, in Privigye die Wohnungen und Geschäfte der Juden zu plündern; als aber Militär und Gendarmerie einschritt, zogen die plünderungs- süchtigen Leute ziemlich enttäuscht ab. Die Aufregung im Be-

Femlleton.

Aus Kunst und Än?,__

® Nasianischer Kurrstvercm. Neu ausgestellte Bilder: Don Bodo Wille in Düsseldorf drei Bilder: „Herbst", „Motiv ans der Eifel" und „Motiv aus dem Oetzthal". Bon Jacob Hoffmann in Frankfurt zwei Bilder: „Waldbach" und „Partie «UZ Hering im Odenwald". Von P. F. Peters in Stuttgart eixr Bild: -Fußweg". Von Pietronella Peters in Stuttgart ein Bild: „Im Stall". Von E. Cruse in München drei Bilder: „Die Pagode", „An der Würm" und „Abendstimmung am Weiher". Von A. Chelius in München fünf kleinere Bilder aus Wald und Feld und ein Bild: „lieber Feld". Von Fritz Dgegling in Königsberg drei Bilder: „Am Waldesrand", „Herhsttag" und „In der Haide". Von A. Bredow in .Charlottenburg fünf Bilder: „Winterlandschaft" (Böhmische

Schmuggler), „Kapelle im Gebirge", „Alte Klosterhalle", „Mondnacht" (Seestück) und „Sonnenuntergang" (Seestück). Von Professor Hugo Goertz in Metz zwei Bilder: „Nieder­ländische Marine" (Gewitterstimmung) und „Strandbild" (Normandie). Von Otto Strützel in München ein Bild: „Novemberabend". Von M. Ortlieb in München zwei Genre­bilder.

* Uebcrbrettl „Buntes Theater". Freiherr v. Wol- zogen, der Schöpfer des „Ueberbrettls", beklagt sich über un­lauteren Wettbewerb. Er versendet an di« Zeitungen folgend« Erklärung: „Seit einiger Zeit reisen in Deutschland, Oesterreich- Ungarn und in der Schweiz Schauspiel-Unternehmer mit kleinen Truppen umher, welche durch ihre Spielankündigungen beim Publikum den Glauben zu erwecken suchen, als brächten sie mein Original-Ueberbrettl, genannt „Buntes Theater", oder als wären sie wenigstens von mir zur Führung eines ähnlichen Namens und zur Aufführung meines Reperwires ermächtigt. Die Täuschung des Publikums glückt häufig, wie zum Beispiel jüngst in Marienbad, dadurch, daß der unterscheidende Titel möglichst klein, die Worte „Wolzogens Uebcrbrettl" (in irgend­welchem Zusammenhänge) dagegen recht auffallend groß gedruckt werden. Herr Dr. Hans Heinz Ewers bedient sich in der Schweiz

zirk ist so groß, daß einstweilen das Militär dort verbleibt, bis völlige Ruhe wieder eingetreten sein wird. — In Nikince in Kroatien sind 80 ungarische Familien vom katholischen zum reformirten Glauben übergetreten, weil Bischof Stroßmayer den Unterricht in der ungarischen Sprache in den Schulen unter­sagte. Wertere Konversionen sollen bevorstehen. — Wie die „Reichswehr" meldet, haben die österreichischen Kriegs­schiffe „Kaiser Karl VI." und „Pelikan" Befehl erhalten, an der a l b a n e s i s ch e n K ü st e zu kreuzen. Dies soll mit der Anwesenheit der italienischen Eskadre im Hafen von Dnrazzo zusammenhängen. Gleichzeitig meldet ein griechisches Blatt, daß die albanesische Insurrektion das Centrum ihrer Thätigkeit nach Dnlcigno in Montenegro verlegen will.

* Italic». Bei Schluß des am 30. Juni zu Ende ge­gangenen Rechnungsjahres stellte sich die g e s a m m t e Staatsschuld Italiens an tilgbaren und konsolidirten Verpflichtungen auf 12,866,692,334 Lire, die eine Verzinsung von 679,692,764 Lire erforderten. Gegen den gleichen Tag 1900 ist daher eine Kapitalsminderung von 24,829,684 Lire und eine solche an Zinsen von 1,301,101 Lire eingetreten.

Niederlande. In der Umgebung von Dortrecht kam es wegen einer Polizei-Verordnung, die verfügt, während der Kirmes die Wirthschaften um 10 Uhr Abends zu schließen, zwischen der Polizei und den Truppen einerseits und der Be­völkerung andererseits zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Menge bewarf die Truppen mit Steinen, wobei ein Offizier schwer verwundet wurde. Darauf gaben die Soldaten Feuer. Zahlreiche Personen wurden verletzt.

* Frankreich. Das „Journal Messagcs-Eodois" ver­öffentlicht folgenden eigenthümlichen Zwischenfall, der sich in Dieppe zugetragen haben soll. Darnach soll der englische Kreuzer „Delphin" einen englischen Unterthanen eingeschifft haben, Ivelcher unter dem Verdachte der Spionage von der fran­zösischen Polizei verhaftet worden >oar. Der Verhaftete war der Ingenieur Groby. Er gehört einer bekannten englischen Familie an. Der angebliche Spion wurde der französischen Regierung bei seiner Ankunft in Dieppe angezeigt, unter dem Hinweise da­rauf, er sei von seiner Regierung beauftragt worden, alle mög­lichen Erkundigungen über das Unterseeboot Gustav Jede ein­zuholen. Auf einen Befehl von Paris hin wurde Groby frei­gelassen und an Bord des „Delphin" gebracht, wobei der englische Konsul, ein französischer Staatsanwalt und der Polizei­kommissar von Dieppe anwesend waren. Groby erklärte, 26,000 Francs Entschädigung für jeden Tag zu fordern, den er im Gefängniß zugebracht habe.

* Großbritannien. Wie berichtet wird, fand vor einigen Tagen eine Versammlung von englischen Finanzleuten statt, der auch deutsche Financiers und Großindustrielle beiwohnten. Einer der letzteren schilderte die wirthschaftliche Lage, welche für die deutsche Industrie und das deutsche Kapital durch den Burenkrieg geschaffen wurde. Er erklärte, die deutschen Finanz­leute seien entschlossen, alle Mittel anzuwenden, um das Ende des Krieges herbeizuführen. Die englischen Financiers er­kannten an, daß der Krieg ein Ruin des englischen und deutschen Handels werden könnte und stimmten der Ansicht bei, daß der Krieg baldigst beendet werden müsse. — Aus London, 23. Juli, wird uns geschrieben: Nach dem Tode der Königin Viktoria muhte bekanntlich das königliche Dienst- und Beamtenpersonal neu bestätigt werden, und deshalb haben gewiß so Manche ge­bangt, ob sie auch unter König Eduard ihre Stellen behalten würden. Borgestern hat nun die Geduldsprobe ein Ende ge­nommen, denn die wichtige Angelegenheit tvurde durch das Hof­marschallamt erledigt. Das Resultat war die Entlassung von 70 Angestellten im Königlichen Schloß zu Windsor, da der König den ausdrücklichen Wunsch kundgegeben hat, aus Spar­samkeitsrücksichten das Personal nach Möglichkeit zu beschränken. Die Entlassenen erhielten durchweg eine angemessene Ent­schädigung, den Uebrigen ist ihre Weiteranstellung durch mit der Schreibmaschine geschriebene Briefe mitgetheilt worden, indem ihnen gleichzeitig für die der Königin Viktoria geleisteten Dienste gedankt wurde. — Lord Curzon, der Vicekönig von Indien, hat zur Zeit schwere Sorgen, die ihm nicht nur die Hungersnoth bereiten, sondern — les extremes se touchent — auch die Ueberproduktion von Thee. Da die Eingeborenen offenbar keine Reizmittel für ihre Nerven brauchen und wenig Neigung verspüren, den Thee zum Nationalgetränk zu erheben, ist der­selbe beinahe schon zum Unkraut geworden. Dieser Mißstand veranlaßte Lord Curzon einen künstlichen Massenkonsum herbei­

sogar unbefugter Weise meiner Originalplakate! Allen diesen Anstrengungen eines unlauteren Wettbewerbes gegenüber er­kläre ich hiermit, daß mein „Buntes Theater", mit Ausnahme des in der Berliner Sccessions-Bllhne gastirenden Ensembles, zur Zeit Ferien hat und kein einziges seiner Mitglieder mit einer anderen Gesellschaft reist, noch irgend ein Unternehmer von mir ermächtigt wurde, sich als mein Vertreter zu geriren, noch gar meine Firma zu führen. Ich habe lediglich einigen selbständigen Unternehmern gestattet, etliche Nummern meines Repertoires aufzuführen, nämlich den Herren Direktoren Reese­mann (Stettin). Willy Rath (München), Neebel (Posen) und Dr. H. H. Ewers (Schweiz). Das sogenannte „Berliner Secessions-Variets (Direktion Martin), das gleichfalls mit meiner Erlaubniß mein Repertoire aufführte, hat sich inzwischen aufgelöst."

* Tuberkulose-Kongreß. In der Schlußsitzung des Tuberkulose-Kongresses in London, der Lord Derby präsidirte, wurde eine Reihe von Resolutionen einstimmig angenommen, in denen der Kongreß «. A. gegen das Ausspeien auf den öffent­lichen Plätzen sich ausspricht und den Hospitälern und Poli­kliniken empfiehlt, jeden Phthisiker mit einer schriftlichen An­weisung über fein Verhalten zu versehen und auf den Gebrauch von besonderen Spucknäpfen hinzuweisen. Ferner empfiehlt der Kongreß die Anzeigepflicht für Schwindsuchtsfälle, sowie die Errichtung von Sanatorien und Schwindsuchtsheilstätten. Er legt den Regierungen dringend ans Herz, sofort die Unter­suchung der Koch'schen Theorie zu veranlassen, inzwischen aber in den Vorsichtsmaßregeln gegen inficirtes Fleisch und inficirte Milch nicht nachzulaffen. Des Weiteren empfiehlt der Kongreß die Einsetzung eines ständigen internationalen Ausschusses, welcher Material sammeln und darüber berathen soll, Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose zu empfehlen. Schließlich wurde beschlossen, daß auf dem nächsten Kongresse die Frage der per- ssönlichen Schwindsuchtsanlage, sowie der Mittel, dieser Anlage entgegenzuwirken, zur Berathung gestellt werden soll.

* Andrses Schicksal. Ein bekannter Schiffsführer der Eismeere, Johann Posti aus Alben, hat sich über das muthmaß- liche Schicksal deS kühnen PolarfahrerS ausgesprochen, und da r.r vierzig Jahr« hindurch die arktischen Gewässer untersucht hat,

zuführen, indem jedem der unter seiner Negierung stehenden Ein­geborenen ein Quantum Thee-gugetheilt wird, mag er wollen oder nicht. Diese Gratisvertheilungen sollen sich auch auf die Eisen­bahnen erstrecken, sodaß die Reisenden wenigstens umsonst Thee trinken können. In den Hungerdistrikten würde jedenfalls Reis und Getreide ein willkommeneres Geschenk sein.

* Rußland. Die Auswanderung russischer Bauern nach Sibirien ist augenblicklich, wie der „Köln. Volksztg." geschrieben wird, besonders im Gouvernement Minsk so stark wie seit Jahren nicht mehr. In zahlreichen Dörfern hat nicht weniger als der dritte Theil aller Einwohner Pässe von den Behörden gefordert. , Die Auswanderungslustigen behaupten, daß es ihnen nicht möglich sei, in der alten Heimath ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Zahlreiche Auswanderer begeben sich auch in die Uraldistrikte. Wie die Leute erzählen, soll jeder von ihnen in der neuen Heimath fünf Deffatinen (60 Morgen) Land und genügendes Holz zum Bau eines Hauses erhalten. Auf der anderen Seite sind aber vorige Woche eine ganze Reihe Bauern, die vor zwei Jahren aus dem Gouvernement Minsk nach dem sibirischen Gouvernement Tomsk ausgewandert waren, wieder in ihrer alten Heimath angelangt, und zwar als Bettler. Die Leute hatten erst in der alten Heimath ihre Besitzungen zu sehr niedrigen Preisen verkauft, sahen sich aber in Sibirien voll­ständig enttäuscht. Sie fanden im Gouvernement Tomsk einen sumpfigen Boden vor, der sich zur Bestellung durchaus nicht eignete. Für den letzten Rest ihrer Habe kauften sie sich Eisen­bahnfahrkarten zur Rückkehr. Viele von ihnen hatten schon unter­wegs keine Mittel zur Ernährung mehr und fielen der öffent­lichen Wohlthätigkeitspflege anheim.

* Bulgarien. Die „Agence bulgare" bezeichnet die Ge­rüchte über die angebliche Absicht des Fürsten von Bulgarien, sich zum König proklamiren zu lassen, sowie die Behauptung, der Besuch des Großfürsten Alexander Michailowitsch stünde mit dieser Absicht in Verbindung, als reine Erfindung.

* Türkei. Der französische Botschafter überreichte der Pforte eine energische Note, in welcher die sofortige Einsetzung der Thee-Gesellschaft in alle ihr durch die Konzession zuge­sicherten Rechte und Privilegien gefordert wird. Im Weigerungs­fälle werde die französische Regierung selbst alle Maßregeln er­greifen, um der Gesellschaft zu ihrem Rechte zu verhelfen. Gleich­zeitig droht der Botschafter mit der sofortigen Abreise, falls die Antwort der Pforte unbefriedigend ausfallen sollte.

Der Anfstand in China.

hd. London, 27. Juli. Aus Peking wird gemeldet: Hier cirkuliren zahlreiche Gerüchte über Gefechte zwischen chine­sischen Truppen und Rebellen. Die meisten derselben sind stark iibertrieben. Es handelt sich um Raubzüge, wglche im Norden Chinas stattgefunden haben, wo in der That keine chinesische Regierungsverwaltung besteht. Die Gegend, die kürzlich von den verbündeten Truppen durchzogen wurde, wird augenblicklich von Boxerbanden heimgesucht. Die kaiserlichen Truppen haben bei ihrer Rückkehr nach Peking 16 Städte im Süden von Paotingfu geplündert, und sobald die kaiserlichen Truppen sich entfernt hatten, mißhandelte die Bevölkerung die Beamten und Mandarinen, zerstörte deren Wohnhäuser und plünderte sie aus.

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hd. Berlin, 26. Juli. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bestätigt, daß Reichskai^ler Graf Bülow dem Präsi­denten Krüger nach dem Tode seiner Gemahlin durch den deutschen Gesandten im Haag seine herzlichste Theilnahme aus­sprechen ließ. Präsident Krüger hat dem Reichskanzler hierfür seinen herzlichsten Dank übermittelt. — Dem „Lokal-Anzeiger" zufolge ist Präsident Krüger in Scheveningen eingetroffen.

Amsterdam, 26. Juli. Wie das „Allgemeen Handels­blad" mittheilt, ist die Zahl der dem Präsidenten Krüger auS Anlaß des Todes seiner Frau zugegangenen Beileidsbe­zeugungen so groß — etwa 700 —, daß es unmöglich ist, eine vollständige Uebersicht derselben zu geben. Kondolirt haben u. A. die Königin Wilhelmine und der Prinz-Gemahl, die Königin-Mutter von Holland, der Kaiser von Rußland, der Präsident der französischen Republik, die Königin Marie beider Steiften, die holländischen Minister, viele Stadträthe und Kor­porationen, auch aus Amerika und England. Unter den Kondo- lirenden hat sich bekanntlich auch Graf Bülow eingestellt.

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verdienen seine Aeußerungen Aufmerksamkeit. Posti befand sich auf dem Fahrzeuge, das am nördlichsten lag, als Andrer aufstieg, und hatte so gute Gelegenheit, die Windrichtung und das Wetter zu beobachten. Er meinte, daß sich auf dem Ballon eine Eiskruste bilden würde, wenn er die großen Eisfelder er­reichte, besonders wenn das Wetter kalt und feucht würde. Es zeigt sich nämlich oft, daß Fangfahrzeuge mit Eis bedeckt werden infolge der Feuchtigkeit, die die Luft enthält. Kurz nach dem Aufstiege Andrees brach ein Schneesturm los, wie aus dem Tagebuch Postis vom 11. bis 20. Juli hervorgeht, und Posti er­klärt, daß dieser Sturm von den Eisfeldern ans Nordostland gekommen sei. Er meint, der Ballon sei zwischen dem 16. und 20. Juli gesunken, und er ist fest überzeugt, daß der Schnee- sturm während der genannten Tage den Untergang des Ballons verursacht'habe, da der Ballon wegen des Gewichtes des Schnees und des Eises sich nicht schwebend halten konnte. Ferner meint er. daß die Stelle, wo der Ballon herunterfiel, zwischen Novalja Semlja und Franz Josefs-Land gesucht werden müsse.

* Verschiedene Mittheilnngcn. In Oborgnigk (Schlesien) wurde bei einem Streckenbau ein Findlings- block von 76 Centnern gesunden. Dieser Stein soll — wie man schreibt — als Gedenkstein fiir Karl v. Holtet, den schlesischen Dichter, Verwendung finden. Auch ein dem Dichter gewidmetes Denkmal soll im Herbst d. I. ausgeführt iverden.

Der bekannte und geschätzte Schriftsteller und Dichter Dr. phiL Ernst Muellenbach, der unter dem Namen Ernst L e n b a ch schrieb, ist in Bonn g e st o r b e n. Mnellen- bach ist am 3. März 1862 zu Köln geboren. Er hat ein- Reihe beliebter Romane und Novellen geschrieben.

Aus Antikythera wird gemeldet, daß man nach vielen unbedeutenden Funden endlich wieder einen wichtigen gemacht hat. Die Taucher förderten eine vom Meere kaum angegriffene kleine Statue des Apollo auS Bronce von 26 Ccntimeter Höhe, die auf einer runden marmornen Basis von röthlicher Farbe und 10 Centimeter Höhe steht. Der Statue fehlt nur die rechte Hand, sonst ist sie wohlerhalten und zeigt eine gute Ausführung. Die Taucher forschen nun zunächst nach der ver­lorenen Hand und hoffen sie an derselben Stell- zu finden, wir es schon so oft mit fehlenden Stücken geschehen ist