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iesbsitemr Tsgblatt

40. Jahrgang.

Eischeint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag &o Psg. m-i>att,ch. durch die Volt S Mk. so Pfg. viertel,ahrlich sur beide Ausgaben zusammen.

Nerlaq: Langgasie 27.

Alu»,menten.

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It0. 34Ä. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Donnerstag» den 28. Juli.

Verlags-Fernsprecher No. 2266.

tt

Jür Dugust unS September

auf das

Wiesbadener Tanblatt"

Hn abonniren, findet sich Gelegenheit

im Krrlag Langgaste 27» bei den AnsgabrsteUen. den Zweig - Grprdittanr»

der Nachbarorte,

und bei fämmtiiche» deutschen Ueichsy-stanstalten.

(Nachdruck verboten.)

Politische Strömlingen in Frankreich.

Unser Pariser Korrespondent schreibt uns unterm 22 . :

Seit einer Reihe von Monaten hatte die Berathung des Vereinsgesetzes die Gemüther in Aufregung und Spannung gehalten und es war vorciuszuseheu, daß der pro und contra desselben geführte Kampf nnt einer Ab­lehnung oder Annahme durch den Senat nicht beendet sein würde. Scheinbar hat sich die Mehrzahl der unter- legenm geistlichen Orden, mit Ausnahme der Jesuiten, m das Unvermeidliche geschickt, scheinbar der Papst sich mit der neuen Ordnung der Dinge befriedigt erklärt, aber unermüdlich wird in der Stille gegen die Regierung weitergeNiühlt. Wenn man zwischen den Zeilen der an die frar-zösischen Kirchenfürsten aus Rom gelangten Briefe lesen will, so wird man unschwer die Bestärkung des oppositionellen Willens herausfinden. Frankreich aber antwortet in offener, deutlich zu verstehender Weise. Die Los-von-Rom-Bewegung hat hier nicht denCharakter wie in Oesterreich durch inasseiihafte tlebertritte voii katholischeii Christen zum Protestantismus angenommen, aber dennoch kann das Bestreben, sich der beengenden römischen Herrschaft immer mehr zu entziehen, nicht ver­kannt werden. Ein neuer Schritt auf diesem Wege wurde durch die beschlosseire Aufhebung des französischen Ge­sandtschaftspostens bei«, Vatikan gethan. Die augen­blicklich im Palais Bourbon mit der Budgctfrage beschäf­tigte Kommission votirte den Antrag,und von vegierilngs- freundlicher Seite wird Alles gethau, um die Wichtigleit dieses Beschlusses abzuschwächen und darauf hinzuweisen, daß derselbe später vo,i der Kammer ntcljt angenommen werden wird. Es handle sich hier nur um ein geschicktes Wahlmanöver der Radikalen der äußersteii Linken, welche ihreii Wählen: schon seit Jahren derartigeVersPrechungen gemacht. Thatsächlich setzten sich die iieun all der Sitzung theilnehmenden Mitglieder der Kommission aus Radi­kalen zusammen, ivährend es die übrigen vorgczogcn hatten, sich vor der Abstimmmig zu entfernen.

Was bis jetzt auch die allezeit getreue Tochter der alleinseligniachenden Kirche gegen diese und das Papst- thum gcsiindigt, es erfolgte schließlich immer wieder die Absolution, weil man in Rom sich dieser einst so getval- tigen Stütze nicht entnußern möchte, trotzdem dieselbe von Jahrzehnt zu Jahrzehnt morscher geworden; wenn Frank- reich aber Weiler in der Art und Weile fortfahren lollte, ivie es sich iii letzter Zeit gegen Rom benommen, so köiinen die Folgen, das heißt ein förmlicher Bruch, über kurz oder lang nicht ausbleiben, und dieser wird em- treten, falls der Beschluß der Budgetkommissron wirklich -Iesetzeskräft erhalten sollte. Soweit möchte es die Regie­rung denn doch nicht kommen lassen, da die französischen Interessen im Auslmrde zu sehr darunter leiden wurden. Der unter französischem Protektorat im Orient und äußersten Osten stehende Katholizismus würde ihremCm- flusse eiitzogen iverdeii, um sich aus De u t s ch l a ii d z u ii b e rt r a g e n. llnd damit spielt die Regierung einen Trumpf aus,der iioch immer gewonnen hat. Die Regierungsblätter weisen auf die Stellung hin, welche der deutsche Kaiser dem Papste gegenüber eingenommen, und schon um Deutschlands Ansehen in jenen fernen Lan­der nicht noch mehr durch Uebertragung des Protektorats Wer die katholische Christenheit zu stärken, ist es geboten,, mit dem Papste wenn auch nicht in Freundschaft zu leben, so doch wenigstens in Frieden auszukommen zu versuchen.

Tie politischeii Parteieii jeder Schattirrnig konnten sich seit Wochen aber noch aus einem anderen Felde tummeln. Galt es doch, sich zu den Generalrathswahlen zu rüsten, die am 21. ds. ihren Abschluß fanden. Die- selben verliefen im Großen imd Ganzen recht riihig, und da die zu Wählenden in politischer und ökonomischer Hin­sicht eine wichtige Rolle spielen, so ivar die Besonnenheit des Volkes sehr am Platze. Die Generalräthe stellen die direkten Steuern auf, sie regeln die öffentliche Ilnterstutz- ung der Departements, sie ordnen den größten ^heil der öffentlichen Arbeiten am besitzen durck iürs StrmmNl ß^.

sluß auf die Regierung des Landes und spielen durch ihre Zahl und Autorität eine entsckfeidende Rolle bei der Wahl der Senatsniitglieder. Die Dauer des Mandats nt eme dreijährige. Es wurde in 1464 Bezirken gewählt der Gesammtzahl der aufgestellten Kandidaten befmiden sich 214 Repräsentanten des Parlaments, namlich, 74 Senatoren und 140 Deputirte. In der Reihe der Sena­toren sehen wir die früheren Minister Ramband, Lourties und Monestier, unter den Abgeordneten MÄme, Guievsse. Chautemps, Rouvier, Lebret, Chcisiophle, Ribot und Krantz. Von den Mitgliedern der ichigen Regierung finden wir nur zwei Kandidaten, namlrch Delcass6 und Bkougeot. Auch Paul Deschanel fehlt nicht unter den Bewerbern eines Sitzes im Generalrath. Diese Wahle,i können als Vorspiel zu denen des Parlaments im nächsten Jahre gelten. (Große Verschiebungen sind, wie schon berichtet, nicht erfolgt. D. R.)

Deutsches Deich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Nach einer Meldung des Nordischen Telegramm-VUreau" wird König Oskar als Gast des K a i s e r s W i l h e l m den Manövern in Danzig beiwohnen.

* Berlin, 25. Juli. Zur Förderung des Schulunterrichts sind den Regierungen Mittel zur Verfügung gestellt, aus denen Staatsbeihülfen zur Anlage von Turnplätzen und Beschaffung von Turngeräthen an bedürftige Gemeinden zu ge­währen sind. Es soll jedoch darauf gesehen werden, daß die Ge­meinden nicht, wie dies bisher zuweilen im Interesse der Kosten­verminderung geschehen ist, die Turngeräthe von ungeeigneten Handwerkern unzweckmäßig anfertigeu lassen.

Ausland.

* Frankreich. Die Mtentäterin Frau Olzewska er­klärte im Laufe der gegen sie eingeleiteten Untersuchung, sie habe am 14. Juli nur deshalb nicht auf Delcassa geschossen, weil sich in seinem Wagen auch seine Gattin und Tochter be- fanden. Alsdann habe sie auf Baudin die Waffe gerichtet. -- Mehrere Anarchisten wurden gestern in Paris wegen Be leidigung der Armee und wegen des Versuchs, Soldaten zum Ungehorsam zu verleite», zu Gefängnißstrafen von 8 Tagen bis 2 Monaten und je 100 Francs Geldbuhe verurtheut.

Der Kriegsminister macht in einem Tagesbefehl an die Truppen die neuen Vorschriften bekannt, welche im Haag von der Friedenskonferenz aufgestellt und beschlossen worden sind, be­treffend die verschiedenen Punkte über den Gebrauch von Explosivstoffen, Mantel-Geschossen rc. Ein aus Rom kommender Prälat erklärte mehreren Journalisten, die Männer-Kongregationen in Frankreich seien entschlossen, die auf Grund des Dereinsgesetzes einzuholenden Erlaubnißgesuche bei der Regierung nicht cinzureichen, es vielmehr auf die Verfolgung der Regierung ankommen zu lassen. Sie hoffen, durch diese Ver­folgung bei der Bevölkerung eine für die Kongregationen günstige Stimmung hervorzurufen, welche dann bei den kommenden Parlamentswahlen politisch ausgebeutet werden soll.

* Rußland. Laut einer sensationellenDaily Mail Meldung aus Konstantinopel verlangt der russische Botschafter von der Hohen Pforte die Abtretung von zwei Koh.enstatwnen im Persischen Golf und einer oder mehr ähnlichen Stationen entlang der kleinasiatischen Küste. Rußland übe den stärksten Druck'aus, dem die Pforte wahrscheinlich nachgeben werde.

* (Nrosibritamncn. Bei den englischen Leutnants ist der Säbel als Kriegswaffe abgeschafft worden. Diese wichtig.' Verordnung, die für britische nicht berittene Offiziere der In­fanterie erlassen worden ist, bestimmt, dag in Zukunft Aus­bildung im Jnfanteriesäbelfechten nicht mehr stattftnden wird, da die genannten Offiziere künftig bei Manövern und cm Krieg statt der Säbel Karabiner zu tragen haben. Nur die zu Ehren­bezeigungen nöthigen Griffe ioerdeu beigebracht Venu Schieg- dienst und Felddienst rücken die unbenttenen Infanterie-Offiziere ohne Säbel aus. Mau kann vom britischen Heer demnach nicht sagen, daß es sich die gemachten Erfahrungeu nicht prompt nutzbar zu machen wisse.

* Spanien. Aus Madrid. 22. Juli, wird uns ge­schrieben: Vor noch nicht gar zu langer Zeit war von offizieller Seite hervorgehobeii ioorden, daß die regionalistische Bewegung in Spanien ihren'Höhepunkt erreicht habe, weil die Bevölkerung sich oegenwärtig mehr mit wirthschaftlichcu, als mit politischem Fragen beschäftige. Es gehört- nicht viel Scharfsinn und Kenn - niß der einschlägigen Verhältnisse dazu, um zu wissen, daß diese Darlegungen lediglich auf dieöffentliche Meinung berechnet gewesen sind, da in Wirklichkeit der Aufruhr starker als y unter der Oberfläche gährt. Würde sonst wohl den katalonistischen Abgeordneten bei ihrer Rückkehr nach Barcelona °"> so enthu­siastischer Empfang bereitet worden sein, wenn die Bevölkerung nicht die Absicht gehabt hätte, gegen dir Regierung zu^demon- striren. Eine ungeheuere Menschenmenge walzte sich vor und hinter dem Wagen, in welchem die Deputaten saßen, m allen Tonarten wurden Hochrufe auf Katalonien ausgebracht. D- Polizei war vollkommen machtlos, zumal in dem Augenblick, wo die Kundgebung ihren Höhepunkt.erreichte, nämlich als -m bekannter Redner und Führer der Separatisten vom Balkon herab

zu der Menge sprach und zum Schluß erklärte: Katalonien

müsse unter allen Umständen lelbstandig werden! Wie sich

dieser Vorgang mit der oben erwähnten Erklärung der Regie­

rung zusammenreimt, dos werden wohl nur Diejenigen verstehen, die dieBedeutung" eines spanischen Kabinetts zu würdigen

Congastaat. Die Unruhen, welche in verschiedenen Theilen des Cougostaates herrschen, rufen ernste Bedenken her­vor und haben infolge dessen ein« offizielle Erklärung veranlaßt, in der darauf hingewiesen wird, daß strikte Befehle ertheilt wor­den seien, mit den Aufständischen ein Ende zu mache», die schon von Lothaire, Dhauis und Anderen hitzig verfolgt wurden. Tue Aufwiegler, die immer mehr in die Enge getrieben werden, haben sich nach Süden gewandt und bilden drei verschiedene Trupps, von denen jeder ein befestigtes Lager (Boma) hat. Die Gesammt- stärke der Aufrührer beläuft sich auf ungefähr 1000 Mann, die das Land in Schrecken halten und sich dadurch leicht Verbündete machen. Sie besitzen ungefähr 800 Gewehre neuester Konstruk­tion und große Vorräthe an Munition. Man nimmt nun an, daß die Waffen und Patronen von englischen und portugiesischen Kaufleuten stammen. Ferner sei eine bedeutende Anzahl britischer Missionäre in hohem Grad« verdächtig. Sie werden auf das Strengste überwacht, doch hat man vorderhand von energischen Maßnahmen abgesehen, um, so lange es geht, Differenzen zu vermeiden. Das Treiben der Engländer erscheiiit recht be­zeichnend, und es ist keineswegs ausgeschlossen, daß die Congo- siaatfrage noch unangenehme Ueberraschungeu bringt.

* Philippinen. Der Papst wies die Mönchsorden auf den Philippinen an, ihre Latifundien zu verkaufen. " Die an­haltende Dürre verursachte, Schätzungen zufolge, hinsichtlich des Maisertrags einen Schade» von 430 Millionen Bushels Futtermangels wegen wird das Vieh haufenweift geschlachtet.

* Australien. Nach der neuesten Volkszählung in Australien hat sich die Bevölkerung von Sidney in den letzten 10 Jahren von 386,859 auf 488,968, also um 102,109 Ein­wohner vermehrt. Die ziveite Großstadt Melbourne dagegen hat kaum eine Vergrößerung erfahren, da 'hr Zuwachs nur 3069 Einwohner beträgt, indeß ist sie mit ihren 493,956 Einwohnern Sidney noch immer um fast 5000 überlegen. Adelaide ist in derselben Zeit auf 162,094 gewachsen, ern Plus von fast 29,000 Einwohnern. Die Vermehrung der Bevölkerung betragt m letzten Jahrzehnt für Sidney 27.6, für Adelaide 21.7 und für Melbourne 0.6 v. H. Die in Sidney erscheinendeReview os Reviews" erklärt mit Stolz, daß die Welt keine Stadt aufzu- ioeisen habe, die sich im Wachsthum >mt den erst ein Jahr­hundert alten australischen Städten vergleichen lasse. Sie hatte sich jedoch erst genauer umthun sollen, ehe sie erklärt, dag Deutsch­land außer Berlin keine Stadt von gleicher Größe aufzuweisen, hätte, wie Sidney und Melbourne.

Der Aufstand in Csiina.

Hel. Berlin, 24. Juli. DerLokal-Anzeiger" ma'det aus London: England hat, nach einer Meldung derDaily Marl auS Peking, gegen Rußlands Forderung, die Seezolle aus 10 pCt. zu erhöhen als Sicherheit für die Zahlung der Ent­schädigung, fo'gendeu Gegen-Vorschlag eingebracht: die berens bestehenden und bekannten Einnahmeguellen können vor der Hand als genügend angesehen werden. Sollte es sich später Heraus­stellen, daß sie nicht genügen, dann sollen die Mächte gemein­schaftlich berathen, welche neue Quellen zu erschließen seien, um das Defizit auszugleichen. Mehrere Mächte unterstützen diesen Vorschlag, welcher Aussicht hat, angenommen zu werden

Vcrlustiisrc Nr. 10.

Abkürzungen: T. = Todt. S. v. = Schwer verwundet.

L. v. Leickt verwundet, fr.früher, l.- "ins. r.- rechts A. H. Amtshauptmannschaft. Bez. A. Bezirks­amt. Kr. = Kreis. Landw. B. = Landwehrbez.rk St. = Stadt. Die fehlenden Angaben über Zeit und Ort des Tode»^ sowie die Todesursache werden den Angehörige» sofort nach Eingang weiterer Nachrichten mitgetheilt werden. Ostasiati,che-- Expeditionscorps. Gefecht bei A u n g - t s i n^g - h s i e n am 16. Dezember 1900. 3. Ostasiatisches ettfai.terie-

Regiment. 5. Compagnie. 1. Unteroffizier Arnold Abel aus Dülmen. Kr. Koesfeld; fr. Jnf.-Regt. Herivarth von Bitte, - lcld, 1. Comp.. L. v., am Kopf d. blanke Waffe. 2. Unter­offizier Joseph Noortwyk aus Munster. St Munster, fr. ^nf.- Regt. Prinz Friedrich der Niederlande, 2. Comp., L. v., r. Hand d blanke Waffe. G e f - ch t a n d e r gr o tz e n M a u e r -iuischen Heishan-kuan und Ku-kuan (Dt i Niang-se-kuan) am 2 3. April 1901. OstasiatiscyeZ Reiter-Recnment. 1. Eskadron. 3. Reiter Johanne» Klausch

iStXS «- o S>. «. ofr. ew 1'* * * ;

Reiter-Reot., 1. Esk., L. v., Quetschung d. l Fußes d Sturz m Rferd" Auf der Expedition auf Hou-lu am 2 7. April 1901. Ostasiatisches Feld-Artillerie-Regiment. Leichte Feldhaubitz-Munitions-Kolonne. 4. Kan. Josef Gaza aus Jactorowo, Kr. Kolmar i. P.; fr. Feld-Art.-Regt. Nr. öl, 8 matt L. v., a. Kopf d. blanke Waffe. Außerdem ge­storben b e z w. v e r w » n d e t. 3. Ostasiatisches Jnfauterce- R-giment. 3. Compagnie. 5. Gefreiter Mejer;ohann aus Brake. K Lemgo Lippe; fr. Jnf.-R-gt. Nr. 74. 5. Comp. 2»

6 Musk. Ferdinand Beyer aus Damnitz, Kr. Pyritz; fr. Jnf.^ Reat von der Goltz. 3. Comp., T. 7. Compagme 7. Unter- öfffiier Anton Büsch aus Steinshardt, Kr. Neuwieds fr. ^nf.- Reat v Horn. 2. Comp.. T. 4. Ostasiatisches Infanterie-

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