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„Tagblatt-Hau»" Nr. «650-SZ.
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Donnerstag. 3. Juni 19t 5.
Der Krieg.
Die ungeheure Maibeute im Osten
2 weitere Werke von przemysl erstürmt.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
w. T.-B. Wien, 2. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 2. Juni, mittags:
Nussischer Kriegsschauplatz
Auf den russischen Kriegsschauplätzen wie. derholte der Feind seine starken Angriffe auf die östlich des San stehenden verbündeten Truppen und unter neuen schweren Verlusten wurden vie verzweifelten Angriffe des Gegners durchweg abgcwiesen. An der Nordsronr der Festung Przemysl wurden zwei weitere Werke gestürmt und das bisher gewonnene Terrain behauptet.
Südlich des D n j e st r schreiten unsere Angriffe erfolgreich fort. Die feindliche Stellung zwischen Stryj und D r o h o b i tz wurde gestern erstürmt. Starke russische Kräfte, die in S ü d - st g a l i z i e n in der Gegend von Solot- wina zum Angrift auf unsere dortigen Stellungen vergingen, erlitten große Verluste und zogen sich stellenweise fluchtartig zurück.
In den Schlachten des Monats Mai wurden von den unter österreichisch-ungarischem Oberkommando kämpfenden verbündeten Armeen an Gefangenen und Beute eingebracht: 8 63
Offiziere, 268869 Mann, 251 leichtere und schwere Geschütze, 576 Maschinengewehre und 189 Munitionswagen, hinzu kommt sonstiges zahlreiches Kriegsmaterial» das z. B. bei einer der Karpatheu- armeen allein an 8506 Schuß Artilleriemunition, 5y a Mil- I oiten Jnfanteriepatronen, 32 000 russische Reprtiergewehrr nd 21000 russische blanke Massen beträgt.
Italienischer Kriegssckauplatz
Auf dem italienischen Kriegsschauplatz blieben alle bisherigen Unternehmungen des Feindes ohne Erfolg. Die mit großem Aufwand an schwerer Kriegsmunition verbundene Beschießung des Plateaus Lavarino-Folgaria und einzelner Kärntner Sperren vermochte unseren Werken keinen nennenswerten Schaden zuzufügen.
Sonst fanden weder an der Tiroler noch an der Kärntner Grenze große Kämpfe statt.
Im Küstenland wurden Angriffe des Feindes auf dem Krn-Rücken unter schweren Verlusten der Italiener abgewiescn.
Das durch ein Kommunique des italienischen Marinestabs veröffentlichte Resultat des Bombardements von P o l a durch ein italienisches Luftschiff ttifft nicht zu. Bier Bomben explodierten allerdings, doch ist der Materialschaden minimal, ein Brand ist nirgends ausgebrochen. Der bei der Beschießung von Monfalcone verursachte Schaden reduziert sich auf die leichte Verletzung einer Zivilperson durch Steinsplitter.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabrs: v. Höf er» Feldmarschalleutnant.
Morgen- Rusgabe.
Nr. 253. ♦ 63. Jahrgang.
Als der Frühling von den Bergen in «die Täler stieg und Fluren und Wälder mit mildem Sonnenschein überflutete, da regte sich auch in des Deutschen Brust ein mächtiges Sehnen nach Natur und Luft, weit gewaltiger wohl noch als sonst in anderen Jahren, die Mit diesem Bölkerfrühling ohnegleichen sich auch nicht im entferntesten messen konnten. Auch für unsere Feldgrauen brach nach des Winters Beschwerden und Härten eine neue Zeit an, die mächtiger noch als je den Drang nach neuen Daten und neuen Siegen in sich fühlten.
Besonders auf den russischen und galizischen Geftl- den begann es sich zu regen und die Osterschlacht in den Karpachen war eine Einleitung zu Kämpfen und Siegen, wie sie die Weltgeschichte anher den Schlachten bei Tannenberg und durch die Winterschlacht in Masuren noch nie gesehen hat. In den Karpathen, am Lupkower- und Uzsoker-Paß Hub das große Völkerringen, in dem Deutsche und Österreicher Schulter an Schulter kämpften, an. Zuerst folgte der Durchbruch an der Duklasenke, der das Signal für den allgemeinen Ansturm gegen die russischen Heerscharen anzeigte. Aber als dieser gewaltige Vormarsch vom Dunajec und von der Biala erfolgte, da hegten unsere Heeresführer und Truppen wohl selbst nur die Hoffnung, daß es ihnen bestenfalles gelingen möge, die Russen wenig stens aus den Karpathen zu vertreiben und jeden Ein fall aus ungarisches Gebiet zur ferneren Unmöglichkeit zu machen. Welche Früchte aber haben jeneSiege der ersten Maitage nun im Verlaufe des Monats ^bereits gezeitigt Nicht nur die Sanlinie wurde erreicht und die westlichen Karpathen vom Feinde gesäubert. Nein, noch viel mehr wurde erreicht. Weder in den langgezogenen, von Pässen und Tälern durchzogenen Karpathen noch^ am , San steht heute ein russischer Soldat, denn die Sanlinie ist bereits weit überschritten: von Westen und Süden her naht der Zug der .unaufhaltsam vordringenden Der- büvdeten und «st gestern konnten wir zu unserer
Freude vernehmen, daß auch Stryj, der heißumstrit tene und für die russische Macht außerordentlich betaut» tarne Eisenbahnknotenpunkt, stürmender Hand durch die tapferen Truppen des Generals v. Linsingen gerwm- men werden konnte, ebenso wie es gelang, bereits fünf Forts der Feste Przemysl wieder zu erobern und deren Wiedereinnahme zur Gewißheit zu machen Oben im Novden aber winkte Libau als Siegesveute, das sich auch trotz der Bemühungen der russischen Fernde noch wohlgeborgeu in deutschen Händen, befindet, wahrend es jenen auch weiter südlich am Njemen trotz des verzweifeltesten Ansturmes nicht gelingen will, unsere bei Schaulen oder an der Dubissa stehende Front zu durchbrechen. Ja, auch dort wird ihnen nur zu oft zuteil, was auch anderwärts ihr Los ist: daß sie mrt
blutigen Köpfen abziehen müssen. , .
Ungeheuer sind in Galizien wie auch hier m Kurland d-ie Verluste des Gegners an Menschen und Kriegs- material, über alle Erwartungen groß unsere Sieges- beute vom Mai. Mit stolzer Genugtuung kann der heutige Bericht aus dem Großen Hauptquartier melden, daß in den Schlachten des Monats Mai auf dem südöstlichen und östlichen Kriegsschauplatz etwa 1000 Offiziere und über 300 000 Monn zu Gefangenen .ge- macht wurden, während die Beute an Kriegsmaterial 261 Geschütze schweren und leichten Kalibers und 5.6 Maschinengewehre betrug. Nördlich des Njemen und zwischen dem Njemen und der Pilica wurden rm gleichen Zeitraum allein fast 32 000 Gefangene, 16 Ge- chütze und 68 Maschinengewehre dem russischen, nun rsilich unaufhaltsam seiner Auflösung entgegengehen- >en Koloß abgenommen. Was wir so von deutscher amtlicher Stelle erfahren, wird weiter auch durch den österreichischen Tagesbericht bestätigt, der außerdem noch ergänzen kann, daß die Erbeutung von Patronen m die Millionen geht und auch die Dausende und Aber lausende von Gewehren. Revolvern und Säbeln sicher -kch keine unerwünschte Bereicherung unserer eigenen Waffenvorräte bedeuten werden.
So eilt das Schicksal des Rusienrerches uinaushalt fam seinem Vevderben entgegen. Jeder neue Tag auch in diesem nun begonnenen und nicht minder Wonne- vollen Monat Juni bringt neue Niederlagen für das slawische Ungeheuer, das uns einst zu erdrücken drohte, das in Tilsit, in Memel und hundert anderen Orten Ostpreußens bereits so eindringliche Proben ferner Kultur gab. Nun ist tat Moskowitern in so gründ licher Weise heimgezahlt worden, was sie dort an taut, scheu Staatsbürgern sündigten. Die Stunde kann mcht mehr fern sein, da der endgültige Zusammenbruch des zermürbten Riesen vollendet sein wird, und es ist daher auch kein Wunder, daß an der Newa die Friedenssehn- sucht schon bedenklich lauter spricht als noch vor Wochen, da wenigstens noch ein Hoffnungsschimmer bestand. Aber heute kann es nur noch gelten, zu retten, was noch zu retten ist, damit auch die später folgende Amputation nicht allzu groß werde.
Das Schicksal von przemysl besiegelt
Br. Berlin, 2. Juni. (Eig. Drahtbericht.^Ktr. Bln.) Aus den: Kriegspressequartier wird dem „B- T." gemeldet: Mit .dem Falle von drei permanenten Werken an der Nordfront Przemysls ist daS Schicksal der Festung besiegelt. Hinter den nun gefallenen Werken liegt zunächst noch ein Gürtel feldmäßiger Befestigungen, noch weiter einwärts liegt der eigentliche FeftungSring. der sich weniger auf permanente Werke als auf Schanzen stützt. Diese Schanzen sind mit Geschützen und Maschinengewehren armiert. Sie haken zum größten Teil betonierte Gewölbe und vor sich Dr-chtverhaue. So vorteilhaft sie aber auch angelegt sind, so ist außer Zweifel, daß sie einer Beschießung durch unsere schwerste Artillerie nicht gewachsen sind. . Bon ihren Höhen sieht man die Stadt schutzlos im Talkessel liegen.
Br. Genf. 2. Jum. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blu.) I s w o l s k i konnte im Gespräch mit Pariser Journalisten die russischen Niederlagen bei Stryj und Przemysl nicht glattweg in Abrede stellen. Er verwies auf die jüngsten Petersburger Depeschen, wonach die Heeresleitung auch jetzt noch auf eine Aktion von senfeits des Dnjestr volles Vertrauen setzt. Die militärische Presse zeigt sich beftemdet über die schlvache Verteidigung der Nordseite Przemysls und die unzureichende Entsendung von Streitkräften auS der Richtung Lemberg.
Die Russen in przemysl
Berlin, 2. Juni. (Ktr. Bln.) Der Berichterstatter der. »Nationalzeitung" schreibt über Przemysl: Wie verschiedene
aus der Festung entkommene Einwohner erzählen, haben sich die Russen in der Stadt vollständig häuslich eingerichtet; nicht nur der Zar Nikolaus war zu Besuch erschienen, sondern eine Woche später auch die Zarin-Mutter, der die neue russische Stadt gezeigt wurde und die zwei Tage dorr verblieb. Der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch hatte Przemysl mehrmals besucht, und von ihm wird berichtet, daß er der Stadtverwaltung, die sich ihm vorstellen mußte, erklärte: „Przemysl hat jetzt die Aufgabe, Rußlands
Bollwerk und Vorposten im Westen zu sein und hat
die slawische Welt und die slawische Kultur zu schützen und zu verteidigen." Die slawische Kultur zeigte sich dann dadurch, daß Juden wegen geringfügiger Vergehungen öffentlich ausgepeitscht wurden.
Das Echo der russischen Niederlagen in England.
W. T.-B. London, 2. Juni. (Nichtamtlich.) Der militärische Korrespondent der „Daily News" schreibt: Die Berichte von der russischen Front sind nicht beruhigend. Man kann nur sagen, daß sie noch schlechter sein könnten. Es besteht die Befürchtung, daß Przemysl bald vollständig eingeschlossen wird. Der Korrespondent betont, daß die Rekrutierung in England gut gehe.
Glückwünsche an den Kon « von Bayern.
W. T.-B. München. 2. Juni. (Nichtamtlich.) Die Korrespondenz Hofsmann meldet: Der deutsche Kaiser und der K ö n i g von Sachsen brachten dem König zu den Erfolgen der bayerischen Truppen in Galizien die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck.
Oer Strohhalm der Russen.
Mit welchen Mitteln der Täuschung die Russen arbeiten und lick an den itatteniichen Strohhalm klammern, von dein iie Rettung erhoffen, zeigt dre nachstehende Mitteilung, die , die „Köln Nottsztg. von einem rheinischen Landsturm-Hauptmann aus Russisch-Polen erhalten hat.
An der Rawka, 20. Mat.
Verehrliche Redaktion! Wir sind verloren! Die Russen sagen es. und die müssen es wissen. Vor mir liegt ein Schriftstück, Kanzleiformat, welches gestern abend von den Russen in unseren Schützengraben geschossen wurde. Auf der einen Seite deutscher, auf der anderen polnischer Text in rotem Überdruck. Elfterer lautet wörtlich:
Soldaten der deutschen Armee!!!
Den 10./28. Mai hat Italien Österreich-Ungarn den Krieg erklärt und eine Million zweimal hunderttausend frische Truppen sind vom Süden ins Oesterreichische gebiet in den Rücken der geschlagenen Österreichischen Armee eingedrungen!
Die Serbischen Armeen rücken vor!
800 000 Rumänische soldaten haben die Pässe der Karpaten besetzt, bereit, in die Ebenen Tvansilvaniens einzurücken!!
In Bulgarien wird die Frage gelöst, den Türken den Krieg zu erklären!
Auf Konftantinopel marschieren die Dessant- Armeen aus klein Asien und den Dardanellen.
Die Engländer dessantieren eine neue Millionen Armee! Die ganze Welt ist gegen Euch!!!
Euer Vorrücken in Galizien ist eingestellt! Weitere Attokken fuhren nur zu neuen Verlusten!
Ihr könnt keine Hoffnung auf Sieg mehr haben!!!
Von jetzt an wird der Krieg nur zum Vertilgen der letzten Wiederstand leistenden fuhren!! Bald wird Österreich- Ungarn nicht mehr exestieren!! und andere Armeen werden Feuer und Schwert in die gebiete Deuts ch- lands tragen!!! Die Russische Armee.
40 Waggons russischer Geschosse explodiert.
Br. Stockholm, 2. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach Meldungen aus Petersburg explodierten in Gatschina, einer Petersburger Vorstadt und Umladeplatz für Armeelieferungen, sowie Standort vieler Truppenteile, 40 Waggons mit Geschotzladungen, die auf dem Transport nach dem Kriegsschauplatz begriffen waren. — Das Stadthaupt von Brest-Litowsk wurde unter Spionageverdachl wegen polittscher Umtriebe abgcsetzt und verhaftet.
Oer Krieg gegen Italien.
Noch eine Kriegserklärung in Aussicht!
Unser «llergefährlichster Gegner.
W. T.-B. Lugano, 2. Juni. (Nichtamtlich.) Wie die „Qrdine" berichtet, gedenkt die Republik San Marino den Aufforderungen SalandraS und Sonninos Folge zu leisten und Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg zu erklären.
San Marino, der kleinste Staat Europas, ist eine mitten in Italien gelegene Republik mit einer Fläche von 61 Quadratkilometer und einer Bevölkerung von rund 11 000 Seelen. Die Republik bildet einen hügeligen Landstrich zwischen den italienisches Provinzen Pesaro-Urbino und Forli, der von Ausläufern der Etruskischen Apenninen durchzogen und den Küsterrfiüffen Ans« Md Marano durchflossen wird.
Der Herzog von Apulien tritt als Kriegsfreiwilliger
ein.
W. T.-B. Rom, 2. Juni. (Nichtamtlich. Agenzia Stefan'.) Der 17jährize Sohn des Herzogs von Aosta. Herzog von Apulien, ist als F r e i w i l l i g e r in ein Artillerie- Regiment emgetreten und am Montag mit Einwilligung des Königs an die Front abgereist.
Österreichische Flieger über Italien.
w. T.-B- Rom, 2. Juni. :Nichtamtlich. Aganzia Stefani.) Amtlich wird gemeldet. Am DienStagmorgen erschien ein feindliches Flugzeug über Bari, ein anderes über Brindisi und belegten beide Städte mit Bomben. In Bari platzte eine Bombe auf dem Dache eines Hrivctthcruses. Ein
