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No. 8258. 4». Jahrgang.

Wtesvadener Tagblatt (Abenb-Ausgave). Verlag: Langgafte »7.

»7. Jnli i««l. Seite «.

selben nehmen sämmtliche Regimenter der beiden Divisionen

wozu auch das 80. gehört. Theil. Das Oberkommando liegt in den Händen des Kommandeurs der 21. Division, General­leutnants und Generaladjutanten des Kaisers v. Deines. Die Truppen beziehen keine Quartiere, sondern biwakiren. An, 18. und 19. Juli befindet sich das Hauptquartier in Friedbera. vom 20. Juki ab in Butzbach.

v. Tvdtlicher Sturz. Gestern Abend um %7 Uhr ist Lin 11 Jahre alter Knabe Namens Maus, Sohn des Zagtöhners Hch. Blaus, in deni Hause Schachtstraße 28, Do seure Eltern in den, Mansardenstock wohnen, aus dem Line Treppe tiefer gelegenen Stiegenhausfenster in den Hof gestürzt. Obwohl alsbald zwei Aerzte zur Stelle waren, die sich bemühten, ihn am Leben zu erhallten, ist er doch nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlegen. Wie allenthalben verlautet, habe sich der Küabe aus Furcht vor Strafe absichtlich aus dem Fenster gestürzt. Von anderer Seite wird dagegen behauptet, er sei aus lieber mnth an dem im 3. Obergeschoß gelegenen Fenster herum geklettert, habe sogar trotz wärmender Zurufe beide Beine hinausgehängt, wobei er das Gleichgewicht verloren habe und hinabgestürzt wäre.

o. Leicheufimd. Der bereits erwähnte Leichenfund ist von mehreren Beeren suchenden Arbeitern im Walddistrikt „Trompeter", an der Wehener Gemarkungsgrenze, gemacht worden. Die Leute wurden durch den penetranten Verwesungs­geruch stutzig, gingen demselben nach und fanden in dichtem Tarmendickicht die halbverweste Leiche mit einer leinenen Binde an einem Baum hängen. Die Leiche war garnicht mehr trans­portfähig, .sie mußte an Ort und Stelle eingesargt werden, was gestern durch die Polizei geschah. Die angestellten Er­mittelungen ergaben, daß die Leiche diejenige eines Fabrik­arbeiters von hier ist, der eines Beinleidens wegen seines Lebens überdrüssig war.

— Zertrümmert wurde am Montag Früh von einem städtischen Müllwagen, als derselbe aus der Herrnmühlgasse zurückhnfrn wollte, eine werthvolle Erkerscheibe der Drogerie A. Verliug. Wieder ein Beweis, wie dringend nöthig ein Durch­bruch der Herrnmühlgasse ist.

— Kleine Notizen. Im Walhalla-Hauptrestaurant und -Garten veranstaltet das Brachfeld'sche Künstler-Quartett heute Mittwoch einen Operetten-Abend. Es kommen Kom­positionen von Strauß, Millöcker, Suppe, Ziehrer, Jones, Sullivan rc. zum Bortrag.

Sport.

* Schach-Veranstaltung. Den vereinten Bemühungen der hiesigen Schach-Gesellschaften, sowie hervorragender Mäcen des königlichen Spieles ist es gelungen, den hier zur Kur weilenden Schachmeister Georg Marco aus Wien zur Abhaltung einer Simultan-Vorstellung zu gewinnen. Seine Leistungen im Maffenspiel sind, nach Berichten englischer Zeitungen, ge­radezu phänomenal, indem er kürzlich in Hastings gegen 29 unerkannt vorzügliche englische Amateure gleichzeitig gekämpft und von den 29 gleichzeitig gespielten Partieen schon in oer kurzen Zeit von 3Z4 Stunden 26 Gegner besiegte. In dankens- werther Weise hat die Schach-Vereinigung sowohl ihr Lokal, wie auch die anstoßenden Räume in der Central-Vodega, Webergasse, nicht nur den Mitgliedern und eingeladenen Gästen, sondern auch den anwesenden Kurfremden und Freunden des Sports zum unentgeltlichen Besuch zur Verfügung gestellt. Es ist somit Jedermann, der Interesse an diesen Riesenkämpfen hat, berechtigt und eingeladen, der Donnerstag, den 18. d. M., Abends 6 Uhr, beginnenden hochinteressanten Schaustellung beizuwohnen. Wer sich an dem Massenspiel direkt zu 'betheiligen wünscht, ist höflichst gebeten, seine Adresse im Lokal zu hinter­legen und zeitig — des Arrangements wegen — zu erscheinen. Für Damen speziell rcfervirte Plätze.

» Frankfurt a. M., 15. Juli. Am 25. August wird hier eine Ruderwettfahrt in Achtern zwischen einer Pariser und einer Frankfurter Mannschaft stattfinden.

Attentat auf den smsWM Wteimimster.

hd. Berlin, 16. Juli. Aus Paris wird gemeldet: Seit Neujahr richtete eine Gräfin aus Ostrowska, die 40-jährige Gattin eines Steuer-Einnehmers in Nanterre, zahllose Eingaben an Delcasss. Sie behauptet, der Staat schulde ihr noch Ersatz für ihren vor einem Jahrhundert konfiscirten Familienbesitz. Um Aufsehen zu erregen, stellte sich die Gräfin mit ihrem zehn­jährigen Sohne an der Rue Astory auf, wo die Ministerwagen

zum Elysec fahren. Kurz vor 10 Uhr fuhr der Arbeitsminister

Vaudin nach dem Ministerrath. Bei der Borüberfahrt gab die Gräfin einen Schuß ins Blaue ab und ließ sich darauf verhaften, nachdem sie gerufen hatte: Nieder mit Delcasss. Die Pistole war nicht geladen. Die Gräfin war schon von Hannotaux wegen eines Vorzimmer-Skandals einmal hinausgcworfen worden. Zuletzt behelligte sie den Präfekten Lepin.

Paris, 16. Juli. Die Frau, die heute Vormittag den Schuß auf den Wagen des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Baudin, abgab, ist die Ehefrau eines in Frankreich naturali- sirten Polen, Namens Olzewski. Sie erklärt, sie wohne in Nanterre. Ihr Mann habe einen Posten als Verkäufer bei der Tabakregie. Bis 1894 sei er Architekt in Nizza gewesen. Das Ministerium des Aeußern fei ihm seit Jahren Geld schuldig. Man nimmt an, daß die Frau den Anschlag nur verübt hat, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Olzewski hat verschiedene Male Beträge vom Ministerium des Aeußern em­pfangen, angeblich für Schriftstücke und für Dienste, die er Frankreich erwiesen haben will. Als sie aber ihre angeblichen Ansprüche stets aufs Neue geltend machte, wurde ihm und seiner Frau der Eintritt in das Ministerium verwehrt. Seitdem legte Frau Olzewski große Erregung an den Tag, den Schuß gab sie heute auf den ersten Ministerwagen ab, den sie vorbeifahren sah. Der Revolver enthielt nur eine Patrone. Weitere Aus­kunft will die Frau nur in Gegenwart ihres Vertheidigers geben. Sie hatte, bevor sie zur Ausübung der That schritt, an den Minister Delcasss Drohbriefe gerichtet.

Die Frau besitzt zwei Kinder. Der 12-jährige Sohn aus erster Ehe befand sich heute bei ihr, als sie den Attentatsversuch beging. Sie gesteht offen zu, daß sie auf den Minister des Aeußern schießen wollte, und erfuhr erst durch den Polizei­beamten, daß sie sich infolge ihrer Kurzsichtigkeit geirrt und nach dem Bautenminister Baudin geschossen hatte. Sie giebt zu, sich eine Woche lang im Schießen geübt zu haben, verweigert aber jede Auskunft über die Beweggründe ihrer That. That- sache scheint zu sein, daß das Ehepaar Olzewski sich seit längerer Zeit in Geldnoth befand, und daß die Frau schon seit Jahren den Minister Delcasss mit Drohungen und Verläumdungen ver­folgte. Sie selbst giebt an, daß sie deshalb schon im Januar vorigen Jahres in Nizza in Untersuchungshaft war, daß die Untersuchung jedoch schließlich eingestellt worden sei. — Zu dem Attentat theilt der „Temps" noch Folgendes mit: Graf Olzewski war vor 5 Jahren in Savona in Italien wegen Ver­dachts der Spionage verhaftet und einen Monat im Gefängnitz behalten worden. Seit dieser Zeit bestürmte die Familie den Kriegsminister, sowie den Minister des Aeußern mit Unter­stützungsgesuchen. Diese Gesuche hatten jedoch nur kurze Zeit Erfolg, und die später wiederholten Abweisungen scheinen die Frau Olzewski zum Attentat gereizt zu haben. Der Graf selbst erklärt, daß seine Frau Nanterre unter dem Vorwand verließ, Kommissionen in Paris zu besorgen, und daß er selbst keine Ahnung von ihrer Attentatsabsicht hatte.

hd. Berlin, 17. Juli. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge verzeichnet ein Pariser Blatt das Gerücht, Frau Olzewski, welche auf den Minister Baudin schoß, besitze wichtige Papiere und könne unbequeme Enthüllungen machen.

Letzte Nachrichten.

Lvntinental - Tele graphen - C omvagnie.

Cassel, 16. Juli. Die Kaiserin ist um 12 Uhr Nachts in Wilhelmshöhe angekommen.

Cassel, 17. Juli. Die Konkursverwaltung der Treber- trockmmgsgesellfchaft giebt heute im Einverständniß mit der Konkursverwaltung der Leipziger Bank bekannt, daß die vorläufige Weiterftihrung der Betriebe der Treber- trocknnngsgefellfchaft hcrrte beschlossen wurde.

Oran, 16. Juli. Mar R e g i s wurde auf dem Wege zum Kasino durch einen Messerstich im Nacken ver­wundet. Der Angreifer wurde verhaftet. Infolge des Anschlages kam es zu Tumulten, wobei 30 Personen fest­genommen wurden, darunter Louis Negis.

Pittsburg, 17. Juli. Die Zahl der streikenden Arbeiter in drei vom Ausstand betroffenen Stahlwerk­gruppen des Landes umfaßt 74,000 Arbeiter.

Depeschenbüreau Herold.

Berlin, 17. Juli. Während der „Vossischen Zeitung" aus Belgrad telegraphirt wird, das serbische Königspaar reise morgen in die Sommerfrische nach Sementria, verbleibe daselbst bis zum 28 August a. St. und fahre dann direkt auf dem Donauwege nach Rußland, veröffentlichen die „Berliner Neuesten Nach­

entzückenden Kindergestalten ebendort, oder an den jugendlichen Siegfried am Bismarck-Denkmal n. A., sondern auch an ältere und unverdient vergessene Ge­stalten, wie Drama, Lyrik und Philosophie an dem Ber­liner Schiller-Denkmal, das als Ganzes freilich nicht gerade hoch zu werlhen ist, oder Figuren wie die Dach­gruppe auf der Berliner Börse, die der erste öffentliche Auftrag des jugendlichen Begas war, oder die Statuen des Archnnedes und Lionardo am Borsighause in der Voß-Straße in Berlin, oder die Figuren irrt Zeughanse. Von den Grabdenkmälern, Büsten und Genregruppen ganz zu schweigen. Noch einmal: Begas zu einem der Ganzgroßen stempeln zu wollen, ist in seinem eigensten Interesse zu tadeln, aber zu den ausgeprägtesten und reichstbegabten modernen Bildhauern der Gegenwart dürfen und müssen wir ihn zählen — trotz seines Wil­helm- und trotz seines Bismarck-Denkmals! vr. Tiro.

Aus Kunst und Leben.

-chl. Die Marseillaise „mado in Germany“. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, so schreibt Karl Blind in dem Juli-Heft des „Nineternth Century", daß die berühmte fran­zösische Nationalhymne deutschen Ursprungs ist. Es ist ursprünglich eine deutsche kirchliche Melodie, und zwar die Melodie des Credo einer Messe. Johannes Scherr erzählt in seinem Buch „Blücher, sein Leben und seine Zeit", daß er als Knabe in einer katholischen Dorfkirchc Schwabens eine neue Weihnachtskantate im Chor gesungen hätte. Als er aus dir Kirche trat, sagte ein alter Soldat, der die revolutionären Feld­züge und die napoleonischen Kriege von 1808 bis 1815 mitge­macht hatte, zu Scherr: „Wiß Ihr, was Ihr gesungen habt? Es ist die Marseillaise! Ich bemerkte es bei den ersten Tönen." Scherr sagte dies fernem Bater, .der der, Organist der Dorfkirche

war. Und er antwortete: „Die Marseillaise? Wo denkst Du hin? Die Musik, in die ich die neue Weihnachtskaniate gebracht habe, ist ein Theil einer alten Messe." Diese Messe aber, auf die die französische Nationalhymne zurückgeht, wurde 1776 von Holtzmann, dem Kapellmeister des Kurfürsten der Pfalz, kom- ponirt. Von der Pfalz kam sie ins Elsaß, und dort verschaffte sie sich leicht Eingang in andere Theile Frankreichs. Die Um­bildung einer kirchlichen Melodie zu einem Kriegskied ist nicht ungewöhnlich, wenn man daran denkt, daß Luther umgekehrt sehr oft leichtere Melodteen für kirchliche Zwecke umformte. Ein Bruder des berühmten Professors Kußmaul, der am Kriege zwischen Mexiko und den Bereinigten Staaten Theil nahm, amüfirte sich z. B. damit,, auf den Orgeln der KirKen in Mexiko hübsche Liebes- und Trinklieder in langsamerem Tempo zu spielen, ohne daß die begeisterten Eingeborenen den Trick be­merkten. Rouget de llJsles, beS angeblichen Komponisten der Marseillaise, Lied wurde zuerst „Schlachilied der Rhein-Armee" genannt. Als die sogenannten Verbündeten von Marseille es 1792 nach Paris brachten, wurde es in „Marseillaise" nmgetauft.

* Verschiedene Mittheilungcir. Im städtischen Ring- Park zu W ü r z b u r g wurde ein dem Schöpfer dieser Anlagen, dem Stadtgärtner Jöns P. L i n d a h l, errichtetes D e n k - m a l enthüllt. Es besteht aus einer Felsengruppe mit einem Bronze-Relies-Bild Lindahls und der Widmung: „Dem An­denken des hochverdienten Stadtgärtners Jöns P. Lindah! 1880 bis 1887."

Die „Münchener Zeitung" schreibt: Wie wir hören, hat

Herr Generalintendant v. Perfall als Direktor der Akademie der Tonkunst in Anbetracht seines hohen Alters die Demission überreicht.

Das österreichische Eisenbahnministerium hat der Bozen- Meraner Bahn die probeweise Verwendung von Frauen im exekutive n Betriebsdienst, und zwar auch als Leiterinnen kleinerer Stationen, unter den vorge- ZAriebenen Eignungsbedingungen gestattet.

richten" eine Petersburger Depesche, daß nach der Ver­sicherung autoritativer russischer SteÜeir kein Besuch in Petersburg im Laufe des Septeniber zu erwarte» sei.

Berlin, 17. Juli, lieber die Absichten Rußlands be- züglich der M a u b f ch u r e i erfährt nach einer Peters- bürg er Drahtung der „Berliner Neuesten Nachrichten" ein der Präventiv-Censur unterworfenes russisches Blatt, tu Peking behaupte sich hartnäckig das Gerücht, Rußland habe China mitgetheilt, es werde die Mandschurei nur zurückgebeu, wenn es dafür einen größeren an das Ge­biet von Ssemipalatinsk grenzenden Bezirk und einen cnr den Hindnknsch stoßenden größeren Theil des tuest, tichen Tibet erhalte. Rußland habe außerdem noch andere Forderungen gestellt, welche aber nicht die Hergabe an Land betreffen.

Berlin, 17. Juli. Nach L e m b e r g e r Meldungen dauern die D e m o n st r a t i o n e it der Arbeits­losen fort. Die Straßen der inneren Stadt machen den Eindruck eines Feldlagers. Die öffentlichen Plätze sind militärisch besetzt. Militär-Patrouillen durchstreifen, begleitet von Polizei-Kommandos, die Straßen. 400 Arbeitslose lagern vor dem städtischen Arbeits-Ver- mittelungs-Büreau und vor dem Corps-Konnnando. Zwei Agitatoren, welche die Menge aufreizten, wurden verhaftet inrd auch sonst sind zahlreiche Verhaftungen er- folgt. Einige der Sistirten wurden ins Gerichtsgefäna- niß eingeliefert.

Marseille, 17. Juli. Das Programin der Flotten- Manöver ist um eine wichtige Aufgabe verlängert worden. Es handelt sich um ein Bombardement Äiaccios auf Korsika und den Versuch, die Stadt einzunehmen. Die Stadt wird nur von ihrer gewöhnlichen Garnffon, be- steheiid aus einem Bataillon Infanterie und zwei Vatterieen Artillerie, vertheidigt werden. Das Manöver wird als so wichtig betrachtet, daß demselben die Minister Waldeck-Rousseau, Lauesten und Andrä beiwohnen wer­den. Auch Locroy, der frühere Marineminister, wird anwesend sein. Das Unterseeboot „Gustave Zeds" wird auch hier eine wichtige Rolle spielen.

London, 17. Juki. Lord Rosebery veröffent­licht ein Manifest als Antwort aus einen Brief, der ihm von 114 Mitgliedern der liberalen Partei zuge­sandt worden war, mit "dem Ersuchen, am 14. Juli in ihrer Versammlung eine Rede zu halten. Rosebery er- klärt in dem Manifest, er habe 1896 die Leitung der liberalen Partei in der Erwartung aufgegeben, die Ein­heit der Partei dadiirch zu stärken. Seit dieser Zeit habe er sich von der Partei fern gehalten, habe jedoch durch zahlreiche Gesellschaften immer mit den Liberalen Fühlung gehabt. Rosebery spricht alsdann über den Krieg, welcher den Riß in der liberalenPartei verursachte. Er gezeichnet den Krieg, der um jeden Preis aufhören müsse, als eine Schmach und glaubt, daß England eine geschichtliche Krisis durchmache, welche einen unbegrenz­ten Einfluß auf seine Zukunft ausüben kann. Trotzdem kann es einer starken und nachdrücklichen Opposition ge­lingen, ihren Einfluß an den schwankenden Rattstchlägen des Landes geltend zu machen. —- Sämmtliche Morgen­blätter kommentiren das Manifest Rofeberys. „Daily Chronicte" erklärt, dasselbe liefere den Beweis von der Nothwendigkeit der Bildung einer neuen Partei. „Daily Telegraph" sagt, Rosebery hat, indem er sich von der liberalen Partei lossagte, 'das llrtheil über die beiden Flügel der Partei abgegeben. Dieses Urtheil lautet, daß nicht eine bedeutungslose Frage die Ursache der Spaltung der Partei sei, sondern daß es sich um eine Prinzipien­frage handle. „Morning Leader" erklärt, Rosebery habe einen großen Fehler begangen und die Möglichkeit eines Sieges der liberalen Partei in ihrem Bemühen, das Blutvergießen in Südafrika zu beenden, iwch schwieriger gestaltet.

wb. Berlin, 16. Juki. Die MorgenMiter melden aus Köln: Ein Zug der Vorgebirgsbahn ist bei Roisdorf durch schwere Steine, die von Vubenhand auf die Schienen gewälzt sind, gestern znm Entgleisen gebracht. Der Heizer wurde sehr schwer, mehrere Passagiere leicht veiletzt. Die Loko­motive ist stark beschädigt.

wb. München, 16. Juli. Die „Münchener Neuesten Nach­richten" melden aus Griefen: Der Hamburger Kapellmeister Schwormstädt nebst Frau verirrten sich am 15. 'Juli auf dem Wege über Thoerlen am Eibfee und wußten die Nacht im Freien zubringen. Schwormstädt stürzte ab und erlitt starke Kopf­wunden, scheinbar auch innere Verletzungen.

hd. Olmiitz, 17. Juli. Bei dem Gartenfest des Sokol-Bereins in Kremsier st ü r z t e eine Tribüne ein. Viele Personen trugen Verletzungen davon. Ein 12-jähriger Knabe wurde getödtet.

wb. Nora, 16. Juli. Gestern Nachmittag ereignete sich eine heftige E x,p l o s i o n in der eine halbe Meile von hier gelegenen Pulverfabrik Gyttong. Sieben Gebäude flogen in die Luft. 4 Personen wurden gciödtet, 5 leicht verletzt. Der Wald in der Nähe der Fabrik fing Feuer.

bä. Wie», 17. Juli. Nach einer brieflichen, dem „Neuen Wiener Tageblatt" zugegangenen Meldung wurden die auf einer Forschungsreise in Arabien befindlichen Oefierreicher Dr. Musil und der akademische Maler Leopold Miekich in Wadi al Butum von Angehörigen des Stammes Ahl al Tschehl über­fallen und nach hartem Kampf vollständig ausgeraubt.

bä. Linz, 17. Juki. Unbekannte Thäter versuchten in der vorletzten Nacht die Beamten-Wohnungen des Sulkow-Schachtes und des Maria-Schachtes mittelst Dynamit in die Luft zu sprengen. Die Gebäude wurden stark beschädigt, verletzt jedoch Niemand.

bck. Prag, 17. Juli. In Neuüidschow ist das Juden-« viertel total abgebrannt. Das Elend unter den vom Brand Betroffenen ist groß.

Dir Al»r,rd-A«sgabe enthält 1 Beilage.

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Leitung: SB. Schulte vom Brühl in Wiesbaden.

Verantwortlich für Politik und Feuilleton: W. Schulte vom Brühl; für den übrigen redaktionelle!, Theil: I B.: C. Lvsackerü für die Anzeige» und Reklamen: I. (Lbert; jümmtlich in Wiesbaden.

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